Alternative Formen der Unternehmenskooperation: industrielle Anbieterkoalitionen, strategische Allianzen und strategische Netzwerke


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unternehmenskooperationen im Allgemeinen
2.1 Kooperationsziele
2.2 Kriterien beim Aufbau von Unternehmenskooperationen

3. Darstellung der verschiedenen Unternehmenskooperationen
3.1 Industrielle Anbieterkoalitionen
3.1.1 Offenes Konsortium
3.1.2 Stilles Konsortium
3.1.3 Generalunternehmerschaft
3.2 Strategische Allianzen
3.3 Strategische Netzwerke

4. Analyse der vorgestellten Unternehmenskooperationen
4.1 Unterschiede zwischen den Kooperationsformen
4.2 Aufgliederung der Kooperationen nach Wirtschaftsbranchen
4.3 Internationalität der Kooperationen
4.3 Konflikte und Beendigungsgründe von Kooperationen

5. Fazit

1. Einleitung

Fast jeden Tag ist in der Zeitung zu Lesen, dass Kooperationen zwischen verschiedenen Unternehmen vereinbart werden. In der Automobilindustrie ist z. B. auf die Zusammenarbeit von Volkswagen und Ford[1] hinzuweisen, die in Portugal ein Gemeinschaftswerk betreiben sowie die Kooperation zwischen Mercedes Benz und Porsche[2] im Bereich der Geländewagenproduktion. Allerdings werden Unternehmenskooperationen nicht nur in bestimmten Branchen geschlossen, sondern sie sind vielmehr als ein branchenübergreifendes Geschehen anzusehen. Die Gründe hierfür liegen in den Umweltveränderungen, denen alle Unternehmen ausgesetzt sind. Durch die Globalisierung der Märkte eröffnen sich für die Unternehmen viel größere Möglichkeiten ihre Produkte und Dienstleistungen zu vertreiben. Dies hat auch zur Folge, dass sich ein immer stärker werdender Konkurrenzkampf zwischen Unternehmen einzelner Branchen entwickelt. Hinzu kommt, dass der technische Fortschritt immer rasanter wird und auch der Faktor Zeit an Bedeutung zunimmt. Eine weitere Veränderung liegt in den stark steigenden Fixkosten der Unternehmen, so dass hierbei von einer „Fixkostenexplosion“ gesprochen werden kann.[3] Neben diesen vier Hauptgründen sind zahlreiche weitere Bewegungen in technologischen, ökonomischen, politischen, sozialen und ökologischen Bereichen zu verzeichnen.[4] Folglich müssen die Unternehmen ihre Handlungen stets an die Dynamik ihrer Umwelt anpassen, um dem Wandel und dem Wettbewerbsdruck standhalten zu können. Kooperationen können eingesetzt werden, um gemeinsam mit anderen Unternehmen gegen die Veränderungen anzukämpfen. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Kooperationen zunächst allgemein dargestellt. Im Anschluss daran folgt die genauere Untersuchung ausgewählter Kooperationsformen. Diese werden zuerst dargestellt und anschließend einer vergleichenden Analyse unterzogen.

2. Unternehmenskooperationen im Allgemeinen

Unter dem Begriff der Kooperation wird jede Art von freiwilliger Zusammenarbeit verstanden, die von mindestens zwei rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen ausgeführt wird mit den Zielen der gemeinsamen Durchführung von Aufgaben und Steigerung der jeweiligen Leistungsfähigkeit. Dabei wird in der Regel von einer mittel- bis langfristigen Zusammenarbeit ausgegangen.[5] Eine Kooperation kann ganz unterschiedlich gestaltet sein, von rein mündlicher Absprache, bei der die Autonomie der Unternehmen größtenteils erhalten bleibt, bis hin zu streng festgelegten Regeln die mittels Vertrag untermauert werden und die Unternehmen in ein Abhängigkeitsverhältnis bringen.[6] Die verschiedenen Kooperationsformen bewegen sich stets zwischen den beiden Begrenzungspunkten Markt und Hierarchie. Die losen Absprachen sind nahe der Marktseite angesiedelt und nicht mehr mit den reinen Markttransaktionen vergleichbar sondern schon als Kooperation zu betrachten. Bei der Begrenzung durch die Hierarchie ist die Zusammenarbeit noch als kooperativ und noch nicht als hierarchisch anzusehen. An diesen Extrempunkt ist die streng vertragliche Kooperation einzuordnen.[7]

Die Kooperation kann horizontal, d. h. zwischen Unternehmen die auf derselben Wirtschaftsstufe agieren, aufgebaut sein. Diese Kooperationsform ist nach außen hin dem Kartell recht ähnlich, allerdings verfolgen die Unternehmen hierbei keine wettbewerbsbeschränkenden Handlungen sondern sind lediglich auf ihre eigene Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit fixiert. Bei einer vertikalen Kooperation sind die Unternehmen auf verschiedenen Wirtschaftsstufen angesiedelt, z. B. der Hersteller als vorgelagerte Wirtschaftsstufe gegenüber dem Handel.[8] Meist sind dies Unternehmen, die auch schon vor der Kooperation im Geschäftsleben zusammengearbeitet haben und nun eine stärkere Verbindung eingehen. Auch laterale Kooperationen, so genannte Konglomerate, sind zwischen Unternehmen möglich. Dabei kooperieren Unternehmen miteinander die in ganz unterschiedlichen Geschäftsfeldern oder Wirtschaftsbranchen ansässig sind. Als Beispiel für diese diagonale Zusammenarbeit ist z. B. die gemeinsame Erforschung von Materialen eines Flugzeugherstellers in Kooperation mit einem Automobilhersteller zu nennen.[9]

Kooperationen können in allen Funktionsbereichen eines Unternehmens erfolgen. So arbeiten z. B. Apple und IBM im Bereich der Forschung und Entwicklung zusammen, um Kosteneinsparungen und gegenseitigen Wissensaustausch zu erzielen. Doch Kooperationen müssen sich nicht auf einen spezifischen Funktionsbereich eines Unternehmens beschränken, sondern können auch bereichsübergreifend stattfinden wie z. B. bei Coca-Cola und Nestlé. Dabei stellt Coca-Cola ein Vertriebsnetz zur Verfügung und kann im Gegenzug auf die Produktionsressourcen von Nestlé zurückgreifen.[10]

2.1 Kooperationsziele

Wie bereits schon aus der Begriffsabgrenzung deutlich wird, verfolgen Unternehmen durch die Kooperation mit anderen Unternehmen, die gegebenenfalls auch Mitbewerber sind, bestimmte Ziele. Diese können ganz unterschiedlicher Natur sein, jedoch mit dem Oberziel des Aufbaus von Wettbewerbsvorteilen. Diese werden mit Hilfe der vorhandenen Ressourcen durch einen Vorsprung in Kosten, Zeit, Qualität oder Flexibilität gegenüber den Wettbewerbern erzielt.[11] Um dies zu erreichen geht ein Unternehmen eine Kooperation ein, um auftretende Ressourcenengpässe zu überwinden, Synergieeffekte durch Zusammenlegung der eigenen Ressourcen mit denen des Kooperationspartners zu gewinnen und um eine Verteilung des eigenen Risikos zu erlangen. Die Ressourcen, die einem Unternehmen zur Verfügung stehen, können in vier Kategorien unterteilt werden: Realgüter, Humankapital, Finanzkapital und Informationen. Unter die Realgüter fallen betriebliche Anlagen sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe.[12] Um eine Kostensenkung durch eine höhere Maschinenauslastung zu erzielen, können sich die Unternehmen in ihren geplanten Produktionsvorhaben und in ihrer gemeinsamen Marktbearbeitung abstimmen.[13] Das Humankapital stellt eine weitere wichtige Ressource für das Unternehmen dar. Insbesondere in der Technologiebranche, in der es zeitweise zu Engpässen bei spezialisierten Arbeitnehmern kommen kann, eröffnet eine Kooperation einem Unternehmen die Chance auf Arbeitskräfte von verbündeten Unternehmen zurückzugreifen.[14] Ein weiterer Vorteil für die Unternehmen besteht im gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch der Arbeitnehmer bei z. B. der Entwicklung eines neuen Produktes. Im Bereich des Finanzkapitals geht es vorrangig um die Beseitigung von Finanzierungsengpässen. Kooperationspartner können als Kapitalgeber eingesetzt werden um z. B. die Durchführung von innovativen Forschungsprojekten zu sichern. Durch den gegenseitigen Austausch der Ressource Information können die Unternehmen einen kleinen Einblick in die Partnerunternehmen gewinnen und sich dadurch bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen und technologische Kenntnisse sowie Know-how hinzugewinnen.[15]

Die folgende Abbildung zeigt, wie stark die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in den einzelnen Wirtschaftsbranchen vertreten ist. So ist im Dienstleistungsgewerbe und auch im verarbeitenden Gewerbe die Anzahl an Kooperationen weit aus höher als in den übrigen Wirtschaftsbereichen.

[...]


[1] Vgl. o.V.: Auf Herz und Nieren, in: Wirtschaftswoche, Nr. 35 vom 22.08.1996, S. 82f.

[2] Vgl. o.V.: Porsche und Mercedes-Benz planen Zusammenarbeit, in: FAZ, Nr. 193 vom 20.08.1996, S. 14.

[3] Vgl. Backhaus, Klaus/Plinke, Wulff (1990): Strategische Allianzen als Antwort auf veränderte Wettbewerbsstrukturen, in: Backhaus, Klaus/Piltz, Klaus (Hrsg.): Strategische Allianzen, zfbF-Sonderheft, 27/1990, Düsseldorf 1990, S. 23ff.

[4] Vgl. Belzer, Volker (1993): Unternehmenskooperationen – Erfolgsstrategien und Risiken im industriellen Strukturwandel, München 1993, S. 19.

[5] Vgl. Sell, Axel (1994): Internationale Unternehmenskooperationen, München 1994, S. 3.

[6] Vgl. Klanke, Burkard (1995): Kooperationen als Instrument der strategischen Unternehmensführung - Analyse und Gestaltung – dargestellt am Beispiel von Kooperationen zwischen Wettbewerbern, Osnabrück 1995, S. 72.

[7] Vgl. Weder, Rolf: Internationale Unternehmenskooperation: Stabilitätsbedingungen von Joint Ventures, in Außenwirtschaft, 2/1990, Chur 1990, S. 271f.

[8] Vgl. Thelen, Eva (1993): Die zwischenbetriebliche Kooperation - Ein Weg zur Internationalisierung von Klein- und Mittelbetrieben?, Frankfurt am Main 1993, S. 57f.

[9] Vgl. Sell, Axel (1994), a.a.O., S. 19.

[10] Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 41f.

[11] Vgl. Rupprecht-Däullary, Marita (1994): Zwischenbetriebliche Kooperation - Möglichkeiten und Grenzen durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien, Wiesbaden 1994, S. 27.

[12] Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 30ff.

[13] Vgl. Thelen, Eva (1993), a.a.O., S. 63.

[14] Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 32.

[15] Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 32f.

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Details

Titel
Alternative Formen der Unternehmenskooperation: industrielle Anbieterkoalitionen, strategische Allianzen und strategische Netzwerke
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V27357
ISBN (eBook)
9783638294294
ISBN (Buch)
9783638789219
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alternative, Formen, Unternehmenskooperation, Anbieterkoalitionen, Allianzen, Netzwerke
Arbeit zitieren
Janine Foltyn (Autor), 2004, Alternative Formen der Unternehmenskooperation: industrielle Anbieterkoalitionen, strategische Allianzen und strategische Netzwerke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27357

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