Verkehrswege und Macht. Das System Straße im Imperium Romanum


Hausarbeit, 2013
18 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung der Römerstraßen

3 Die Straßentypen

4 Straßenbau

5 Meilensteine und Randgestaltung

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis
7.1 Internetquellen
7.2 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Im Imperium Romanum gab es viele Arten Güter zu transportieren, militärische Truppen zu Verlagern oder zu Reisen. Ob auf Binnenstraßen, Seestraßen oder Staatsstraßen, die Römer erreichten ihr Ziel. In der folgenden Hausarbeit soll es jedoch nur um das Verkehrssystem Straße gehen.

„Straßen und Wege bilden die Grundstruktur eines jeden räumlichen Geschehens. Ohne sie sind Landwirtschaft, Transport, Kommunikation, Handel und Verkehr, ja selbst unser tägliches Kommen und Gehen nicht möglich.“[1]

Durch den Bau und Ausbau von Straßen, konnten die Römer ihr Imperium seinerzeit immens vergrößern. Ausgehend vom Zentrum Rom verliefen die Straßen sternförmig[2] und man konnte durch sie immer mehr Gebiete erobern und die Macht sichern. Wie genau es zur Entwicklung der uns heute bekannten Römerstraßen kam, welche Techniken des Straßenbaus es gab und mit welchen Mitteln die Straßen finanziert und instand gehalten wurden, ist Thema dieser Arbeit. Alle Aspekte werden am Beispiel der wohl bekanntesten Straße, der Via Appia, erörtert.

2 Entwicklung der Römerstraßen

Obwohl die Römer für ihren innovativen Straßenbau bekannt sind, so waren sie doch längst nicht die ersten, die befestigte Wege angelegt haben. Schon das Volk der Assyrer legte seit dem 2. Jahrtausend vor Christus straßenähnliche Wege an. Sie arbeiteten jedoch noch nicht mit Steinen oder Kies, wie die Römer. Damit waren sie aber dennoch das erste, uns bekannte Volk, welches Techniken zum Straßenbau entwickelte. Diese Technik wurde im 6. und 5. Jahrhundert von den Persern, Griechen und Etruskern fortgeführt und weiterentwickelt.[3]

Ähnlich wie bei den späteren Römerstraßen, wurde auch schon im 5. Jahrhundert vor Christus versucht, die Wege und Straßen nicht durch bergiges Gelände zu führen. Außerdem vermied man größere Eingriffe in die Naturlandschaft, weshalb die Trassenführung eher kurvig als geradlinig verlief.

Die Römer orientierten sich beim Straßenbau eher an den Etruskern. Sie nahmen jedoch viele Verbesserungen vor. Die Streckenführung der Römerstraßen verlief geradlinig, weshalb Arbeiten, wie Stilllegungen von Flussabschnitten, Abtragungen an Felswänden und Begradigen von Hügeln, unumgänglich waren. Ihre ersten Straßen erbauten die Römer im 3. Jahrhundert vor Christus. Da diese anfänglich nur zur schnellen Verlegung von Kriegsheeren dienten, durften auch die Römerstraßen kein großes Gefälle haben. Mit dem Bau und Ausbau der Via Appia, der bekanntesten Römerstraße, begann das römische Volk Straßensysteme strategische zu bauen. Den Auftrag zum Bau der Straße gab der damalige Zensus Appius Claudius im Jahre 313/312 vor Christus. Nach ihm wurde sie auch benannt.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verlauf der Via Appia.

Anfangs reichte die Via Appia nur von Rom nach Capua. Doch mit weiteren Eroberungen von Städten und Gebieten erreichte die Straße im Jahre 191 vor Christus, durch den Sieg in Messapien und über die Daunier, sogar den Hafen Brindisi an der Adria.[5] Damit war die Via Appia rund 360 Meilen lang, was umgerechnet knapp 540 Kilometer sind.[6]

Mit der Ausdehnung des Straßensystems dehnte sich zu Beginn der römischen Antike auch das römische Reich aus. Neben der Via Appia, waren auch die Via Egnatia und die Via Domitia von großer Bedeutung für Gebietserweiterungen. Erstere führte 146 vor Christus vom heute albanischen Durres nach Byzanz, was in der Türkei zu verorten ist. Damit war sie eine Art Verlängerung der Via Appia. Die beiden Straßen wurden lediglich durch den Seeweg zwischen Brindisi und Durres getrennt. Die Via Domitia entstand um das Jahr 120 vor Christus und auf ihr erreichte man die heutige Stadt Narbonne über das Balkangebirge. Mit diesen drei Straßen waren die Römer in der Lage ein weitreichendes Gebiet einzunehmen und zu sichern.

Neben diesen wichtigen Hauptverkehrsstraßen, gab es noch zahlreiche kürzere und unbedeutende Verkehrswege. Das Straßennetz wurde fortlaufend erweitert und um 200 nach Christus hatte es bereits eine Größe von 80.000 bis 100.000 Kilometern erreicht.[7]

3 Die Straßentypen

Basierend auf den überlieferten Schriften von Domitius Ulpian[8], können drei verschiedene Typen von Straßen ausgemacht werden: die via publica, die via privata und die via vicinalis.[9] Viae publicae waren Staatsstraßen oder auch Heerstraßen und gingen alle von Rom aus.[10] Nach der Definition von Domitius Ulpian mussten solche Straßen auf öffentlichem Boden gebaut sein, waren nicht innerhalb der Stadtmauern zu finden und finanzierten sich durch öffentliche Mittel.[11] Die Heerstraßen wurden im Allgemeinen aus taktischen Gründen erbaut.[12] So hat zum Beispiel auch die Streckenführung der Via Appia, welche zum Baubeginn ausschließlich vom römischen Militär genutzt wurde, strategische Gründe. Nach einigen kriegerischen Errungenschaften, wie den Städten Minturnae und Sinuessa im Jahre 296 vor Christus, wurde es immer wichtiger die Truppen des Militärs schnellstmöglich verlagern zu können. Nur so konnten eroberte Gebiete in römischem Besitz bleiben und weitere erobert werden. Nachdem auch um 191 vor Christus die Städte Apulien und Daunien besetzt wurden, konnte auch die Via Appia bis nach Brindisi ausgebaut werden.[13]

Eine via privata war eine private Straße. Sie musste gemäß Ulpian auf privatem Grund und Boden verlaufen[14] und war eine Abzweigung einer Hauptverkehrsstraße, auf der man zu einem Privatgrundstück gelangte.

Als dritter Straßentyp ist die via vicinalis zu nennen. Das waren entweder Landstraßen in den Provinzen oder Ackerwege.[15] Sie stellten eine Verbindung zwischen zwei Staatsstraßen her[16] und dienten in manchen Fällen, ebenso wie auch die Privatstraßen, dem öffentlichen Verkehr. Aus diesem Grund wurden die viae vicinales und die viae publicae auch oft zu den viae publicae gezählt.[17]

Angelegt wurden diese drei verschiedenen Straßentypen aus verschiedenen Gründen. Vorranging wurden alle Straßen des Typs „via publica“ aus militärischen Zwecken genutzt. Die Eroberung und Beherrschung vieler Gebiete machte ein weitläufiges Straßennetz von Nöten.[18] Die ersten Straßen wurden jedoch nicht nur vom Militär, sondern auch von Boten zur Nachrichtenübermittlung genutzt.[19] Neben dem Transport von Waren[20] waren die Fernstraßen ebenfalls für den Warenhandel und die Aufrechterhaltung des Kontaktes zwischen den einzelnen Städten von enormer Wichtigkeit.[21] Um all diese Möglichkeiten nutzen zu können mussten die Römer nicht nur für die Instandhaltung der einzelnen Straßen sorgen, sondern auch für eine Art Kartierung, um sich im römischen Reich orientieren zu können. Denn die Zeit der römischen Republik war die Blütezeit des Straßenbaus und das Straßensystem wurde immer größer und weitläufiger. Allerdings sind nur wenige Karten mit einem verzeichneten Verkehrsnetz überliefert. Die älteste Karte stammt aus dem Jahr 333 nach Christus und ist die Itinerarium Burdigalense.[22] Auf einem solchen Itinerar waren nicht nur die Straßen, sondern auch Städte und Unterkünfte eingezeichnet.[23]

Neben den, damals nur von Pilgern genutzten, Itinerarien ist noch die Tabula Peutingeriana bekannt. Diese Karte tauchte erstmals im 3. Jahrhundert nach Christus auf[24], ist heute jedoch nur als Kopie aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Ein Mönch aus Colmar fertigte 1265 eine Kopie der ursprünglich 6 Meter langen Karte an. Er übertrug das abgebildete Straßennetz auf insgesamt zwölf Teile, wovon jedoch nur noch elf erhalten sind. Benannt wurde die Karte aber erst einige Jahre später, nach dem Gelehrten Konrad Peutinger, der sie 1508 in seinem Besitz hatte.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ausschnitt der Tabula Peutingeriana (4. Jahrhundert nach Christus).

[...]


[1] Szabó, Thomas, Die Welt der europäischen Straßen. Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit, Köln 2009, S. 1-3, hier S. 1.

[2] Bintliff, John, Going to Market in Antiquity. In: Eckart Olshausen/Holger Sonnabend (Hrsg.), Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums 7/1999. Zu Wasser und zu Land: Verkehrswege in der antiken Welt, Stuttgart 2002 (= Geographica historica, Band 17), S. 209-250, hier S. 212-2015.

[3] Nardo, Don, Roman Roads And Aqueducts. San Diego, California: Lucent Books, 2001, S. 12.

[4] Cech, Brigitte, Technik in der Antike. Darmstadt 2010, S. 80.

[5] Sartorio, Giuseppina Pisani, Via Appia Antica Regina Viarum – Ursprung und Geschichte. In: Portella, Ivana Della (Hrsg.), Via Appia. Entlang der bedeutendsten Straße der Antike, Stuttgart 2003, S. 14-39, hier S. 19.

[6] Gutsche, Angelika, Auf den Spuren der antiken VIA EGNATIA vom weströmischen ins oströmische Reich. Ein historischer Reiseführer durch den südlichen Balkan; Albanien – Mazedonien – Griechenland – Türkei, 1. Auflage, Schweinfurt 2010, S. 21.

[7] Cech, Brigitte, Technik in der Antike. Darmstadt 2010, S. 80-81.

[8] Jurist im 3. Jahrhundert

[9] Rathmann Michael, Untersuchungen zu den Reichsstraßen in den westlichen Provinzen des Imperium Romanum, Mainz 2003, (= Beihefte Bonner Jahrbücher, Bd. 55), S. 5.

[10] Kirschmer, Heiner, Römerstraßen in unserer Heimat – alte Verkehrswege im mittleren Murrtal.

[11] Rathmann Michael, Ebd., S. 5-6.

[12] Kolb, Anne, Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich. Berlin 2000, (= Beiträge zur Alten Geschichte, Bd. 2), S. 207.

[13] Sartorio, Giuseppina Pisani, Via Appia Antica Regina Viarum – Ursprung und Geschichte. In: Portella, Ivana Della (Hrsg.), Via Appia. Entlang der bedeutendsten Straße der Antike, Stuttgart 2003, S. 14-39, hier S. 19-20.

[14] Kolb, Anne, Ebd., S. 207.

[15] Kirschmer, Heiner, Ebd.

[16] Kolb, Anne, Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich. Berlin 2000, (= Beiträge zur Alten Geschichte, Bd. 2), S. 207.

[17] Rathmann Michael, Untersuchungen zu den Reichsstraßen in den westlichen Provinzen des Imperium Romanum, Mainz 2003, (= Beihefte Bonner Jahrbücher, Bd. 55), S. 5-6.

[18] Bredow von, Iris, Die Handelsverbindungen zwischen Pontos und Ägäis zur Zeit des Odrysenreiches. In: Eckart Olshausen/Holger Sonnabend (Hrsg.), Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums 7/1999. Zu Wasser und zu Land: Verkehrswege in der antiken Welt, Stuttgart 2002 (= Geographica historica, Band 17), S. 445-451, hier S. 446-447.

[19] Nardo, Don, Roman Roads And Aqueducts. San Diego, California: Lucent Books, 2001, S. 26.

[20] Herzig, Heinz E., Die antiken Grundlagen des europäischen Straßensystems. In: Szabó, Thomas (Hrsg.), Die Welt der europäischen Straßen. Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit, Köln 2009, S. 5-17, hier S. 5-11.

[21] Howatson, M. C., Reclams Lexikon der Antik. Stuttgart 1996, S. 615.

[22] Herzig, Heinz E., Ebd., S. 5-11.

[23] Nardo, Don, Roman Roads And Aqueducts. San Diego, California: Lucent Books, 2001, S. 37.

[24] Sartorio, Giuseppina Pisani, Via Appia Antica Regina Viarum – Ursprung und Geschichte. In: Portella, Ivana Della (Hrsg.), Via Appia. Entlang der bedeutendsten Straße der Antike, Stuttgart 2003, S. 14-39, hier S. 25.

[25] Dilke, O. A. W., Greek & Roman Maps. London: Thames and Hudson, 1985, S. 113-115.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Verkehrswege und Macht. Das System Straße im Imperium Romanum
Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Note
1.7
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V273572
ISBN (eBook)
9783656657835
ISBN (Buch)
9783656657811
Dateigröße
1285 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Straßen, Straßentypen, Rom, System Straße, Straßensystem, Macht, Römerstraßen
Arbeit zitieren
Lisa Schorm (Autor), 2013, Verkehrswege und Macht. Das System Straße im Imperium Romanum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273572

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