Geschichte der Behindertenpädagogik


Hausarbeit, 1999

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichte des Begriffs “Heilpädagogik”

3. Historische Entwicklung der Behindertenpädagogik
3.1. Einleitung
3.2. Die Behindertenpädagogik im Zeitalter der Industrialisierung
3.3. Die Behindertenpädagogik im deutschen Kaiserreich
3.4. Die Behindertenpädagogik in der Weimarer Republik
3.5. Die Behindertenpolitik im Dritten Reich
3.6. Die Behindertenpädagogik in der Bundesrepublik Deutschland

4. Fazit

1. Einleitung

Diese Arbeit wird im Rahmen des Seminars “Geschichte der Sozialen Arbeit” geschrieben. Sie ist ein Teil des am 28.01.1999 vorgetragenen Referates “Geschichte der Behindertenpädagogik” und soll einen allgemeinen Überblick bieten über die Begriffsgeschichte der Heilpädagogik und die historische Entwicklung der Arbeit mit Behinderten.

Da es den geforderten Umfang der Arbeit sprengen würde, wird hier auf eine ausführliche Darstellung der Behindertenpädagogik vor dem Beginn der Industrialisierung verzichtet. Es wird nur beschrieben, was für den behandelten Zeitraum relevant erschien.

Die Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen pädagogischen Fragestellungen hinsichtlich der Arbeit mit Behinderten und versucht außerdem, die sich wandelnde Einstellung gegenüber Behinderten darzulegen. Dabei soll auch auf die Frage eingegangen werden, inwiefern sich die Entwicklung der allgemeinen Pädagogik auf die Arbeit mit Behinderten auswirkte.

Auf eine ausführliche Darstellung der Hilfsschulentwicklung sowie der Euthanasie und Eugenik in der Weimarer Republik und im Dritten Reich wird verzichtet, da diese Themenbereiche ausführlich von den anderen Referenten behandelt werden.

Im übrigen werden die bereits im Seminar vermittelten Tatsachen hier nicht nochmals erläutert.

2. Geschichte des Begriffs “Heilpädagogik”

Während Begriffe wie “Heilmittel” oder “Heilende Erziehung” im pädagogischen Zusammenhang schon früh verwendet wurden, ist der Begriff “Heilpädagogik” erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts geprägt worden.

Im siebzehnten, achtzehnten und im frühen neunzehnten Jahrhundert wurde der Begriff “Heilung” in der Pädagogik im Zusammenhang mit sogenannten “Kinderfehlern” verwendet. Diese “Kinderfehler” waren keine Störungen psychischer oder physischer Art, sondern “Charakterschwächen” wie Bosheit, Habsucht oder Neid, die mit erzieherischen Mitteln, z.B. Schlägen, geahndet wurden. Im neunzehnten Jahrhundert wurden zu diesen “Kinderfehlern” auch schwere psychische Störungen gezählt, die mit den gleichen Mitteln heilbar sein sollten. Des weiteren wirkte sich die weit verbreitete Ansicht, Geistigbehinderte könne man durch Hirn- und Nerventraining heilen, problematisch auf die begriffliche Einordnung der Heilpädagogik aus. Diese Auffassung führte nämlich dazu, daß die Heilpädagogik bis weit in das zwanzigste Jahrhundert hinein eher als medizinische und weniger als pädagogische Disziplin betrachtet wurde. Erst in der Mitte unseres Jahrhunderts setzte sich die Heilpädagogik als eindeutig pädagogischer Begriff durch.

Aufgrund dieser historischen Problematik sind die vielen Alternativbegriffe zur Heilpädagogik zu erklären, wie “Sonderpädagogik”, “Rehabilitationspädagogik” und “Behindertenpädagogik”.

3. Historische Entwicklung der Behindertenpädagogik

3.1. Einleitung

Vor dem achtzehnten Jahrhundert gab es für Behinderte kaum Möglichkeiten der Förderung. Somit ist es auch nahezu unmöglich, eine geschichtliche Darstellung der Behindertenpädagogik zu dokumentieren; es ist nur möglich, die Haltung gegenüber Behinderten darzulegen.

So waren eugenische Praktiken in der Antike durchaus legitim. Sichtbar behinderte oder mißgestaltete Neugeborene wurden in der Regel getötet. Im Mittelalter herrschte der Aberglaube, Behinderte seien eine Ausgeburt des Bösen. Eltern behinderter Kinder wurden als von Gott gestraft angesehen.

Erst im Zeitalter der Aufklärung findet sich infolge der Loslösung des Menschen von irrationalen Kräften eine radikale Wende im allgemeinen pädagogischen Denken. Zwar gab es auch hier noch negative Tendenzen in der Haltung gegenüber Behinderten; so betonte Jean-Jacques Rousseau, daß er keinen zum Leben erziehe, “der nur daran denkt, wie er dem Tode entgehen kann.”[1]Andererseits war aber auch Johann Heinrich Pestalozzi mit seiner großen Hingabe zu der Arbeit mit benachteiligten Kindern prägend für das weitere pädagogische Denken. Er wiederum war überzeugt von der Erziehbarkeit und Bildbarkeit behinderter Kinder.

Im allgemeinen war das Verständnis für Behinderte jedoch sehr gering. So sahen Lehrer und Pädagogen es nicht als ihre Aufgabe, spezielle sonderpädagogische Einrichtungen zu schaffen. Die Gründung erster spezieller Einrichtungen für behinderte Kinder, die meist in großer Armut lebten, ist also nicht primär auf die Arbeit von Pädagogen zurückzuführen, sondern eher Armendirektoren und Geistlichen zu verdanken.

3.2. Die Behindertenpädagogik im Zeitalter der Industrialisierung

Die frühe Behindertenpädagogik beschränkte sich fast ausschließlich auf die gut situierten Bevölkerungsschichten. Den Behinderten der armen Volksschichten wurde mit Repression und Abschiebung begegnet. Seit etwa 1840 änderten sich die Bevölkerungsstrukturen in Deutschland und Europa jedoch tiefgreifend. Der Bevölkerungszuwachs verdoppelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte. Landflucht und Industrialisierung führten zu einem enormen Anstieg der gesellschaftlichen Armut, die Anzahl der abgeschobenen und somit umherziehenden Menschen umfaßte in manchen Teilen Deutschlands bis zu 25% der Bevölkerung. Das Bürgertum suchte nach Lösungen für diese Problematik, da es sowohl sein Eigentum als auch die öffentliche Ordnung bedroht sah.

Auch die infolge der Französischen Revolution und des Vormärz verbreiteten Ideologien zeigten ihre Auswirkungen auf die allgemeine Pädagogik und somit auch auf die Behindertenpädagogik. Die Grundsätze Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit führten dazu, daß auch für Behinderte Forderungen nach Bildung und Erziehung laut wurden.

Die Gründung diverser Sonderschulen waren in Frankreich Folge dieses Wandels. In Deutschland war der Aufbau zahlreicher Institutionen der Inneren Mission und der Caritas Reaktion auf die gesellschaftliche Notlage. Die Innere Mission, die als Vorläufer der deutschen Wohlfahrtsverbände gilt, geht auf Johann Heinrich Wichern zurück. Er gründete im Zuge der Rettungshausbewegung 1833 das “Rauhe Haus” in Hamburg, ein Heim für verwahrloste Jugendliche, zu denen auch Verhaltensgestörte zählten. Dieses Heim sollte den Kindern eine familienähnliche Umgebung im Rahmen einer Dorfgemeinschaft bieten. Später von Trüper, Lietz, Wyneken, Geheeb und Forster gegründete Heime folgten dem Beispiel Wicherns und griffen die Methoden der Rettungshauserziehung auf.

Problematisch für eine tiefgreifende Veränderung in der Heimerziehung Behinderter war jedoch deren “Verwahrung”, die “jeden emanzipatorischen Versuch von vornherein unmöglich machte.”[2]Auch der Einsatz von Schlägen, Freiheitsentzug und anderen Mitteln der Gewalt als Methoden der Behindertenpädagogik trugen zur Entwicklung einer “schwarzen Pädagogik”[3]bei.

[...]


[1] Jean-Jacques Rousseau, Emile – oder über die Erziehung, Stuttgart: Schöningh, Uni-TB, 1995, S. 139

[2] Luise Merkens, Historische Entwicklung der Behindertenpädagogik in Deutschland unter integrativen Aspekten, München; Basel: Ernst Reinhardt, 1988, S.82

[3] Wolfgang Jantzen: Allgemeine Behindertenpädagogik, Bd. 1, Sozialwissenschaftliche und psychologische Grundlagen, Weinheim; Basel: Beltz, 1987, S. 53

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Geschichte der Behindertenpädagogik
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin  (KFB)
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
12
Katalognummer
V2736
ISBN (eBook)
9783638116541
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Behindertenpädagogik
Arbeit zitieren
Katinka Teetz (Autor), 1999, Geschichte der Behindertenpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2736

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