Das Buch Mormon als ein Dokument christlicher Religionsgeschichte?


Essay, 2014
7 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

4. Thesenpapier

Fragestellung:Inwiefern ist das Buch Mormon aus religionswissenschaftlicher Perspektiveals Dokument christlicher Religionsgeschichte zu betrachten?

4.1 Einleitung

Wie es aus der Problemfrage zu ersehen ist, hat das folgende Thesenpapier das Buch Mormon als Thema, was aus einer bestimmten Sichtweise anzuschauen ist. Da die religionswissenschaftliche Perspektive vorgegeben ist, lässt sich mutmaßen, dass die Darstellung im Thesenpapier sowohl aus kritischer Distanz als auch in deskriptiver Weise erfolgen wird, jedoch keine Apologie bezüglich des Buches Mormon und seiner Authentizität betrieben wird. Außerdem wird in der Problemfrage der zu untersuchende Schwerpunkt genannt, und zwar, ob sowie in welchem Maße das Buch Mormon als Dokument christlicher Religionsgeschichte zu befinden ist. Zweifelsohne lässt sich sagen, dass das Buch Mormon zum Kanon der mormonischen Sakralschriften gehört, worunter es eine nicht unerhebliche Stellung einnimmt. Im ersten Abschnitt wird von der vorangehenden Grundannahme analysiert, inwieweit die Mormonen als Teil des Christentums anzusehen sind, danach wird zur Verfasserschaft des Buches Mormon übergegangen, wo ebenso die Integration des biblischen Erzählstoffes genauer betrachtet wird sowie abschließend noch die Lebenswelt des Verfassers. Zum Ende hin werden Schlussfolgerungen aus den einzelnen Feststellungen in den zuvor genannten Schwerpunkten gezogen, was die Funktion hat, die Problemfrage abschließend in dem vorliegenden Thesenpapier zu beantworten.

4.2 Die Mormonen als Teil des Christentums

Im ersten Abschnitt wird genauer betrachtet, was das Mormonentum mit dem Christentum verbindet wie auch, worin es sich vom Christentum deutlich unterscheidet. Zunächst stellt sich die Frage, was das christliche Charakteristikum am Mormonismus ist und was genau als christlich zu bezeichnen ist. Das Christliche ist dadurch gekennzeichnet, dass ein gewisser Bezug zu der Person Jesus Christus besteht sowie in ihm sowohl eine Erlösergestalt als auch das immanente Wirken des jüdischen Schöpfergottes gesehen wird. Da Jesus Christus einen bedeutsamen Platz in den mormonischen Lehren einnimmt, lässt sich sagen, dass der Bezug zu Jesus Christus definitiv vorhanden ist. Nach mormonischen Glaubensvorstellungen trat Jesus Christus nach seiner Auferstehung dem Propheten Mormon, welcher als Verfasser der goldenen Platten gilt, in Erscheinung. Der Zweck der zuvor beschriebenen Christophanie gegenüber dem Propheten Mormon besteht darin, sein Evangelium zu verkündigen. Hierin ist demzufolge ein kerygmatischer Aufruf von Jesus Christus an den Propheten Mormon festzustellen. Aus kritischer Perspektive würde der Verdacht naheliegen, dass Joseph Smith, der die mormonischen Lehren ins Leben gerufen hat, seine persönlichen Glaubensversionen in einen sakralen Status erheben möchte. Um auf den Propheten Mormon zurückzukommen, ist anzumerken, dass er in die Position eines Apostels gestellt wird. Aus dieser Beobachtung lässt sich erkennen, dass sich der Mormonen-Begründer Joseph Smith seine eigenen Vorstellungen der Heilsgeschichte schafft. Die biblischen Inhalte werden nicht im Original übernommen, sondern den eigenen Glaubensvorstellungen angepasst. Folglich ist eine Adaption des biblischen Erzählstoffes zu konstatieren, was allerdings noch im weiteren Abschnitt näher ausgeführt wird. In diesem Abschnitt ist nämlich der Bezug der Mormonen zum Christentum thematisiert. Als nächster Schritt ist die Selbstbezeichnung „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ zu analysieren, worin ebenfalls der Christus-Bezug deutlich wird. Das erste Wort „Kirche“ in der Selbstbezeichnung zeigt, dass sich die Mormonen als eigenständige Glaubensgemeinschaft innerhalb des Christentums begreifen, ergo eine eigene christliche Denomination bilden. Die Mormonen betiteln sich in ihrer Selbstbezeichnung als Heilige, womit sie ihre besondere Stellung betonen und sich als eine auserwählte Glaubensgemeinschaft sehen. Der Ausdruck „der Letzten Tage“ veranschaulicht eine eschatologische Dimension, worin erkennbar wird, dass aus mormonischer Sicht eine Form von Endzeit angebrochen ist, in der sich das Mormonentum als Inhaber der einzigen Lehren, welche uneingeschränkt als rechtgläubig zu befinden seien, in der Christenheit erachtet. Aus dieser Tatsache ist die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Mormonen einen Absolutheitsanspruch gegenüber allen anderen Konfessionen erheben, was sich in deren Verschlossenheit gegenüber der Ökumene äußert. Aus dieser Feststellung kommt man zu der Konklusion, dass die Mormonen um keine Annäherung zum Christentum bemüht sind, sondern sich von Christentum entschieden distanzieren. Diese Beobachtung wirft sicherlich die Frage auf, ob der Mormonismus als eine Form von entfremdetem Christentum zu erachten ist, jedoch sind nicht die christlichen Wurzeln des Mormonentums zu verkennen. Aus dieser Betrachtungsweise wird die Unklarheit darüber ersichtlich, ob der Mormonismus als eine eigenständige religiöse Gruppierung aus dem Christentum hervorgegangen ist oder der Mormonismus noch als Teil des Christentums anzusehen ist. Beispielsweise haben sich Weltreligionen wie das Christentum bzw. der Islam aus dem Judentum entwickelt oder der Buddhismus aus dem Hinduismus. Ist das Mormonentum aus dem Christentum hervorgegangen, weil es sich nicht mehr in der Gemeinschaft der Christen wähnt? Das Christentum an sich hat seine Wurzeln im Judentum, aber ist nicht als Teil der jüdischen Religion anzusehen. Es ist nahezu unverkennbar, dass die Mormonen eher um Abspaltung bemüht sind als einen Konsens mit dem restlichen Christentum zu suchen. Die Mehrheit der Katholiken sowie Protestanten ordnen die „Kirche Jesu C hristi der Heiligen der Letzten Tage“ in den Bereich christlicher Sondergruppen und Sekten zu. An dieser Stelle möchte gesagt sein, dass der Begriff der Sekte nicht in seiner abwertenden wie auch polemischen Konnotation zu verstehen ist. Folglich sieht die Mehrheit von Protestanten wie auch Katholiken das Mormonentum innerhalb des Bereichs des Christlichen an. Anders gesagt stellen die Mormonen für die Großkirchen eine kleine Konfession von vielen dar, wenn nicht schon eine christliche Splittergruppe. Weiterhin ist es der Fall, dass der Mormonismus von den Großkirchen als synkretistisch charakterisiert wird. Als Begründung für diese Behauptung wird angeführt, dass neben der Bibel weitere Sakralschriften von Bedeutung für die Mormonen sind. Die Bibel mit ihren Lehren selbst bleibt in ihrer Gesamtheit von den mormonischen Glaubensauffassungen nicht unangetastet, sondern wird im Interesse der eigenen Glaubensvorstellungen umgeformt, was die Theologie sowie speziell die Soteriologie betrifft. Es ist zweifelsfrei festzustellen, dass darin eine Form des Synkretismus‘ vorliegt. Es kommt zu einer Vermischung christlicher Glaubensinhalte, welche vorrangig aus der Bibel entnommen werden, mit den eigenen Glaubensauffassungen der Mormonen. Ist aus dieser Erkenntnis der Schluss zu ziehen, dass der Mormonismus eine neu entstandene religiöse Bewegung ist, welche sich an biblischen Glaubensinhalten bedient hat, oder wie schon erwähnt eine christliche Splittergruppe, welche die Bibel wie jede andere Konfession in ihrem eigenen Licht sieht?

4.3 Die Bibel als Vorlage für das Buch Mormon

Dass die Bibel dem Buch Mormon als Vorlage diente, ist schon allein erkennbar, dass darin über dreihundert Zitate aus der Bibel vorzufinden sind. Biblische Erzählinhalte werden schlichtweg in die mormonische Heilsgeschichte integriert. Das Buch Mormon versucht nämlich die altisraelische Heilsgeschichte mit der eigenen Version von der Besiedlung Nordamerikas zu verbinden. Beispielsweise wird der Turmbau zu Babel aufgegriffen, wo eine gewisse Volksgemeinschaft namens Jarediten in Erscheinung tritt und nach Amerika wandert.

Dabei macht es sich schon bemerkbar, dass in gewisser Weise Parallelitäten zum Exodusgeschehen auftreten. Als nächstes wird eine Volksgruppe erwähnt, die sich hinter einem gewissen Propheten Lehi scharrt, welcher die besagte Volksgruppe nach Amerika übersiedeln lässt. Nach mormonischer Darstellung weist die Kreuzigung Christi Auswirkungen apokalyptischen Ausmaßes bis nach Amerika auf, was einer bestimmten Gruppe der Nephiten widerfährt. Immer wieder wird die Projektion biblischer Ereignisse auf Amerika deutlich. Selbst die Inhalte der kanonischen Evangelien werden auf Amerika übertragen. Es erfolgt in Amerika eine Berufung von zwölf Jüngern an der Zahl sowie eine Repetition der Bergpredigt und die Lehrweise gleicht jener, welche in den neutestamentlichen Evangelien dargestellt wird. Nicht zu übersehen ist, dass in Amerika das Abendmahl eingesetzt wurde sowie eine Himmelfahrt stattgefunden hat, was den als fromm beschriebenen Stamm der Nephiten betrifft. Aus diesen Beobachtungen ist zu schließen, dass die Erzählinhalten der Evangelien auf den sogenannten Stamm der Nephiten übertragen wurden. Demzufolge wurde der neutestamentliche Erzählstoff in die mormonische Heilsgeschichte integriert, um nicht zu sagen, dass es beinahe kopiert wurde. Ungeachtet dessen, wurde logischerweise die Johannesapokalypse in adaptierter Form genauso eingebunden. Nach mormonischer Erzählweise kam es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Nephiten und einer gottlosen Volksgruppe namens Lamiten, was sich auf einem Berg bei New York ereignete. An dieser Stelle geht die Projektion biblischer Erzählinhalte auf Amerika zu Ende und es wird der Bezug zu Joseph Smith hergestellt. Hier wird nunmehr die Figur des Propheten Moroni in die Handlungen der mormonischen Heilsgeschichte eingebaut. Der besagte Prophet Moroni war im Besitz gewisser goldener Platten, welcher er von seinem Vater erhalten hatte, wie es im Buch Mormon erzählt wird. Es lässt sich bei den besagten goldenen Platten eine weitere Parallelität feststellen: Die goldenen Platten weisen nämlich Ähnlichkeiten mit den Steinplatten des Dekalogs auf, welche in der Bundeslade gelagert werden. In der mormonischen Erzählung wurden die Goldplatten unterirdisch von Moroni verwahrt, bis sie fast anderthalb Jahrtausende später von Joseph Smith entdeckt werden. Die ausführliche Darstellung der Handlungsabläufe im Buch Mormon ist dafür gedacht, die Parallelitäten zum kanonischen Inhalt der Bibel nachvollziehen zu können. Es ist jedenfalls festzuhalten, dass die Geschehnisse der altisraelischen Heilgeschichte in Amerika verortet werden sowie die festgestellten Ähnlichkeiten nicht zu verachten sind. Die Bibel bildet demzufolge die Basis für die Erzählungen im Buch Mormon und dient dem Buch Mormon als eine narrative Stütze.

Nicht nur inhaltlich wurde die Bibel als Vorlage genutzt, sondern auch, was sowohl die Form als den Stil betrifft. Allein schon der Sprachstil des Buches Mormon gleicht dem der King- James-Bibel. Joseph Smith benutzte das Englisch der KJV, um dem Buch Mormon eine sakrale Ausstrahlung zu verleihen, denn das King-James- Englisch kam dem Status einer Sakralsprache nahe. Diese Feststellung lässt Rückschlüsse auf die christliche Sozialisation von Joseph Smith zu, dem sich jedoch der nächste Abschnitt konkret widmen wird, wo es um die Lebenswelt des Verfassers gehen wird.

4.4 Die Lebenswelt des Verfassers

Während der Gründungszeit der USA stand unter anderen das Bild vom unabhängigen Menschen im Mittelpunkt der Nationalmentalität Amerikas, was nicht unbedeutenden Einfluss auf den individuellen Umgang mit der Bibel hatte. Diese individuelle Umgangsweise mit der Bibel war unabdingbar prägend für das mormonische Bibelverständnis. In der frühen US-Geschichte war der private Bibelgebrauch allgemein üblich wie auch verbreitet, was aus der Lebenswelt Joseph Smiths kaum wegzudenken war. Die Bibel war folglich hinsichtlich der persönlichen Lebensführung das Maß aller Dinge und wurde somit über das Bekenntnis gesetzt. Die Auslegung der Bibel lag in der Hand kirchlicher Instanzen, sondern galt als Privatsache. Zu der Zeit Joseph Smiths war ein vorherrschender konfessioneller Pluralismus vorzufinden, was ihn dazu veranlasste, sich die wichtigen Inhalte der Bibel im Selbststudium zu erschließen. Jegliche Form von kritischer Exegese hatte kaum eine Chance, da die biblischen Erzählinhalte häufig beim Wort genommen wurden. Deutlich dazu beigetragen hat das protestantische Schriftverständnis „sola sriptura“, was geradezu förderlich war für das Individualbibelverständnis. Das Alte Testament wurde von den nordamerikanischen Siedlern als wichtiger empfunden als das Neue Testament. Zahlreiche Motive aus der altisraelischen Heilsgeschichte wurden auf Amerika übertragen, was besonders im Buch Mormon deutlich wird und schon im vorangehenden Abschnitt nachvollziehbar veranschaulicht wurde. Die King-James-Bibel wurde von der amerikanischen Bevölkerung am meisten verwendet. Wie schon erwähnt floss der Sprachstil der King-James-Bibel in die für das Buch Mormon kennzeichnende Ausdrucksweise ein. Die in der Biografie Joseph Smiths vorkommende visionäre wie auch prophetische Erfahrung war dafür verantwortlich, eine eigene Sakralschrift zu schaffen. In diesem Kontext ist die Angelophanie mit einem Engel namens Moroni zu nennen. Smith war nach eigenen Angaben lediglich um eine eigene Überarbeitung der King- James-Bibel bemüht gewesen, jedoch wurden unzählige Bibelverse aus dem Zusammenhang gerissen, um sie den eigenen Glaubensvorstellungen anzupassen. Die Angelophanie wird als Vorwand gebraucht, um davon abzulenken, die KJV-Bibel als Vorlage genutzt zu haben. Die schon zuvor festgestellten Ähnlichkeiten sind unumstößlich. Da Smith in seinen jungen Jahren gewissen Glaubensverwirrungen durch den konfessionellen Pluralismus verfallen war wie auch weitestgehend um sein persönlichen Seelenheil besorgt war, trieb es ihn dazu, die Bibel ohne fremde Anleitung zu erschließen und ging sogar so weit, daraus seine eigenen Glaubenswahrheiten abzuleiten, was die Basis des Mormonentums bildet.

4.5 Schlussfolgerungen

Um die gestellte Problemfrage zu beantworten, wurden bestimmte Aspekte analysiert. Als Aspekte wurden erstens herangezogen, wie das Mormonentum als Teil des Christentums oder als eigenständige religiöse Bewegung zu betrachten ist, zweitens, wie die Bibel als Vorlage für das Buch Mormon diente und drittens, welchen Einfluss die Lebenswelt des Verfassers Jospeh Smith auf die zentrale Sakralschrift der Mormonen hatte. Insgesamt komme ich nach den vorgenommenen Betrachtungen sowie Analysen zu dem Entschluss, die gestellte Problemfrage zu negieren. Wie es schon im ersten Abschnitt festgestellt wurde, weist das Mormonentum die Tendenz auf, sich vom Christentum zu entfremden und sich der zentralen christlichen Glaubensinhalte entledigen zu wollen. Es ist ganz und gar offensichtlich, dass die Mormonen eher nach Abspaltung streben sowie keine Bemühungen unternehmen, einen theologischen Konsens zu finden. Dem Mormonismus geht es erwiesenermaßen nicht um die Reformierung christlicher Lehren, sondern um die entschiedene Abgrenzung zum Christentum. Es ist zwar unumstritten, dass die Mormonen christliche Wurzeln aufweisen, die Bibel für sie von zentraler Bedeutung ist wie auch dem mormonischen Begründer eine christliche Sozialisation nachzuweisen ist, aber dennoch ist der Mormonismus nicht als Teil des Christentums sowie auch nicht beträchtlicher Teil christlicher Religionsgeschichte anzusehen. Der Ursprung der Mormonen fußt gewissermaßen auf der christlichen Religionsgeschichte, allerdings bildet der weitere Verlauf des Mormonentums einen eigenen Zweig ihrer Geschichte. Kurzum gehört das Mormonentum nicht zum Christentum, sondern ist daraus hervorgegangen. Vergleichbar ist diese Betrachtungsweise mit dem Christentum selbst sowie dem Islam, welche beide aus dem Judentum hervorgegangen sind. Welche Bedeutung hat nun diese nicht zu verkennende Feststellung für das Buch Mormon? Das Buch Mormon benutzte die Bibel lediglich als Vorlage sowie als Lieferant für Erzählstoff. Es ist nicht zu übersehen, dass viele Bibelstelle wie auch ganze Bibelabschnitte für das Buch Mormon aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Es lässt sich folglich sagen, dass bei der Entstehung des Buches Mormon eine Form der Steinbruchtheologie betrieben wurde. Es ist ziemlich ersichtlich, dass Smith sich sein eigenes Bild der altisraelischen Heilsgeschichte geschaffen hat sowie eine seinen eigenen Vorstellungen entsprechende Christologie. Die biblischen Geschichten sind in ein antikes Weltbild eingebunden, aber die Darstellungen von Smith weisen eine gewisse Form von Anachronismus auf, denn Smith baut die biblischen Erzählinhalte in seine eigene Glaubenswelt ein. Beispielsweise stellte Smith sich selbst in die Reihe biblischer Propheten. Die durch den konfessionellen Pluralismus ausgelöste Glaubenskrise von Smith veranlasste ihn dazu, sich seine eigene Glaubenswelt zu schaffen.

Hierzu ist ein katholischer Standpunkt zu nennen, dass ohne kirchliche Leitung theologische sowie spirituelle Anarchie vorzufinden sind. Jeder schafft sich nämlich seine eigene Glaubenswelt, wie es ihm passt. Ich komme letztlich zu dem Schluss, dass der Mormonismus als eine besondere Form von Synkretismus anzusehen ist. Es liegt im Mormonismus eine Vermischung von christlichen Lehren und Inhalten der Glaubenswelt von Joseph Smith vor. Diese Betrachtungsweise ist sogar auf das Buch Mormon anwendbar, denn darin ist eine Verschmelzung aus den Erzählinhalten der kanonischen Bibel mit den Inhalten der Glaubensvorstellungen Smiths zu konstatieren. Das Buch Mormon kann lediglich unter dem Aspekt, dass Erzählinhalte der christlichen Sakralschrift in das Buch Mormon eingeflossen sind sowie der Verfasser christlich sozialisiert war, als Dokument christlicher Religionsgeschichte gesehen werden. Eine eindeutige Bestimmung des Buches Mormon als Dokument christlicher Religionsgeschichte lässt sich aufgrund des synkretistischen Charakters nicht vornehmen. Sicherlich lässt sich im Ansatz allein schon wegen seines Ursprungs das Buch Mormon als Dokument christlicher Religionsgeschichte betrachten, aber dies befinde ich für unzureichend. Das Buch Mormon versteht sich selbst nicht durchweg als christliche Sakralschrift, sondern sieht sich selbst im Zentrum mormonischer Glaubens- wie auch Heilsvorstellungen. Zum Abschluss möchte ich nur noch äußern, dass das Buch Mormon nicht als Dokument christlicher Religionsgeschichte zu betrachten ist, weil es den christlichen Glaubenslehren sowohl zu distanziert als auch entfremdet gegenübersteht.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Buch Mormon als ein Dokument christlicher Religionsgeschichte?
Hochschule
Universität Rostock  (Theologische Fakultät der Universität Rostock)
Veranstaltung
Seminar: Das Buch Mormon („Heilige Schriften“: Religionsgeschichtliche Quellentexte in der Gegenwart)
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
7
Katalognummer
V273602
ISBN (eBook)
9783656658573
ISBN (Buch)
9783656658566
Dateigröße
843 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mormonismus, Buch Mormon, Christentum, Joseph Smith, Mormonentum, christliche Religionsgeschichte, Heilige Schrift, Bibel, Amerikanische Religionsgeschichte, Konfession, Sakralschriften
Arbeit zitieren
stud.phil. Wilhelm Weber (Autor), 2014, Das Buch Mormon als ein Dokument christlicher Religionsgeschichte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273602

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