Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von Crowdfunding

Eine kritische Analyse


Seminararbeit, 2014

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept Crowdfunding
2.1 Entstehung und Prinzip
2.2 Abgrenzung verschiedener Crowdfunding-Arten
2.2.1 Donation-based Crowdfunding
2.2.2 Reward-based Crowdfunding
2.2.3 Lending-based Crowdfunding
2.2.4 Equity-based Crowdfunding
2.3 Funktionsweise
2.4 Erfolgsfaktoren

3 Vor- und Nachteile des Crowdfunding
3.1 Vorteile und Chancen
3.1.1 Initiatoren/Start-ups
3.1.2 Geldgeber/Investoren
3.2 Nachteile und Risiken
3.2.1 Initiatoren/Start-ups
3.2.2 Geldgeber/Investoren

4 Einsatzmöglichkeiten
4.1 Eignung zur Finanzierung von Kreativprojekten
4.2 Eignung zur Finanzierung von Start-ups

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Schritte im Crowdfunding-Prozess 4

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Crowdfunding – was für ein schöner Trend! […] Gute Projekte werden einfach von jedermann gefördert, und nicht mehr von gelangweilten Bankangestellten abgelehnt, die nur an Rendite denken. Nachteile? Bisher wenige zu erkennen.“[1]

Das Phänomen Crowdfunding, welches seinen Ursprung in den USA hat, erfreut sich mittlerweile auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Als innovative Finanzierungsform ermöglicht es Künstlern, Kreativschaffenden und Unternehmensgründern (Start-ups) eine Vielzahl von potentiellen Geldgebern zur Finanzierung und Realisierung ihrer Ideen zu gewinnen. Im Jahr 2013 konnte in Deutschland mittels Crowdfunding ein Kapital von rd. 20 Mio. Euro aufgetan werden. Für das Jahr 2014 wird ein Volumen in Höhe von 28 bis 35 Mio. Euro prognostiziert.[2]

Waren beispielsweise Kreativschaffende, Unternehmensgründer oder Künstler bisher von Mäzenen, Business Angels, Banken und staatlicher Förderung abhängig, könnten sie durch Crowdfunding nun schneller und unkomplizierter die so häufig auftretende und leidige Finanzierungslücke in der Frühphase der Unternehmensgründung schließen.

Ziel dieser Seminararbeit ist es, das Prinzip Crowdfunding mit seinen Chancen und Risiken darzustellen und Faktoren aufzuzeigen, die eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne ausmachen. Darüber hinaus wird herausgearbeitet werden, ob sich Crowdfunding tatsächlich als seriöse Finanzierungsform in Kreativprojekten und Start-ups eignet oder ob sich dahinter lediglich „die Resterampe für hoffnungslose Geschäftsmodelle“ verbirgt.[3]

Zuerst wird das grundsätzliche Konzept des Crowdfunding erklärt, um das Verständnis zu erhöhen. Dabei werden verschiedene Modelle definiert und voneinander abgegrenzt sowie Phasen und Erfolgsfaktoren des Crowdfunding-Prozesses erörtert. Im nächsten Schritt erfolgt die Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen der Finanzierungsform. Im Anschluss daran wird aufgezeigt ob und wie weit Crowdfunding als innovative Finanzierungsform für Kreativprojekte und Start-ups geeignet ist.

2 Das Konzept Crowdfunding

2.1 Entstehung und Prinzip

Die grundlegende Idee, die sich hinter dem Phänomen Crowdfunding verbirgt, ist nicht neu. Ein erstes dokumentiertes Beispiel stammt bereits aus dem Jahr 1885. Als die Freiheitsstaue als Geschenk Frankreichs an die USA überreicht wurde, gab es Probleme mit der Finanzierung für den Bau des Sockels. Joseph Pulitzer, Herausgeber der New Yorker Zeitung „World“, beschloss einen Spendenaufruf in seiner Zeitung zu starten. Er versprach, jeden Geldgeber namentlich in der Zeitung zu nennen.[4] Nach fünf Monaten hatten 120.000 Menschen einen Betrag i.H.v. 102.000 USD gespendet. Dabei setzte sich 80 Prozent der Gesamtsumme aus Spenden unter einem Dollar zusammen.[5]

Crowdfunding ist eine Entwicklungsform des Crowdsourcing. Der Begriff des Crowdsourcing wurde im Jahr 2006 von Howe geprägt und setzt sich aus den Worten „Crowd“ (engl. für Menschenmenge) und „Outsourcing“ (engl. für Auslagern) zusammen. Hierbei werden Aufgaben und Tätigkeiten des Unternehmens nicht auf andere Unternehmen, sondern auf die Menschenmenge ausgelagert.[6] Crowdfunding bezeichnet demnach die Finanzierung (engl. „funding“) von Vorhaben und Projekten durch eine Menschenmenge.[7] Mithilfe einer Vielzahl von Mikrobeträgen soll ein bestimmtes Projekt bzw. Vorhaben finanziert und realisiert werden.[8] Durch Web 2.0-Instrumente und Social-Media ist das Auffinden von Unterstützern weltweit sowie die Kommunikation und Koordination weitaus einfacher und effizienter als je zuvor geworden. Crowdfunding via Web 2.0 ist daher ein noch junges Phänomen, obwohl es vom Prinzip her schon früher genutzt wurde.[9] Da sich der Begriff des Crowdfunding erst in den letzten Jahren entwickelt und verbreitet hat, existiert derzeit noch keine einheitliche Definition. Als Grundlage für diese Seminararbeit wird die Definition des Frauenhofer ISI herangezogen: „Crowdfunding ist eine Finanzierungsform, die im Wesentlichen über einen öffentlichen Aufruf im Web 2.0 erfolgt und zum Ziel hat, finanzielle Ressourcen für ein Vorhaben entweder ohne Gegenleistung oder irgendeine Art von Gegenleistung […] zu erhalten und damit einen bestimmten Zweck zu erreichen.“[10]

2.2 Abgrenzung verschiedener Crowdfunding-Arten

Es gibt verschiedene Varianten des Crowdfunding und sie können ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. In der Literatur ist noch keine einheitliche Typologie erkennbar. Diese Arbeit orientiert sich daher an dem Crowdfunding Industry Report[11] und den Ausführungen von Collins und Pierrakis[12]. Danach lassen sich vier verschiedene Crowdfunding-Arten unterscheiden, die in den folgenden Abschnitten dargestellt werden.

2.2.1 Donation-based Crowdfunding

Unter Donation-based Crowdfunding ist das Sammeln von Spenden (engl. donations) für ein bestimmtes Vorhaben zu verstehen, mit dem kein Rechtsgeschäft verbunden ist. Die Spender erhalten bei dieser Form keine Gegenleistung und handeln aus vertrauensbasierenden und altruistischen Motiven. Die Zuwendungen dienen oft wohltätigen, sozialen oder politischen Zwecken. Für die Unternehmens- und Kreativ­projektfinanzierung ist das Donation-based Crowdfunding nur bedingt geeignet, so zum Beispiel für gemeinnützige oder altruistische Projekte vor der formellen Unternehmensgründung.[13]

2.2.2 Reward-based Crowdfunding

Diese Art des Crowdfunding wird vor allem zur Unterstützung von kreativen Projekten verwendet. Die Geldgeber erhalten für ihre Unterstützung eine nicht-monetäre Gegenleistung (engl. „reward“).[14] In der Regel sind dies Prämien oder „Dankeschöns“, welche einen wichtigen Anreiz für potentielle Unterstützer des Projektes darstellen. Beispiele für Prämien und „Dankeschöns“ sind Danksagungen auf der Projekthomepage, namentliche Erwähnung im Abspann eines Films, Exemplare des geplanten Produkts, handsignierte T-Shirts oder Eintrittskarten.[15]

2.2.3 Lending-based Crowdfunding

Lending-based Crowdfunding ist auch unter dem Begriff „peer-to-peer lending (P2P) bekannt und bezeichnet die Kreditvergabe (engl. „lending“) zwischen Privatpersonen (engl. „peers“). Dabei gibt es keine Beteiligung von Banken oder Finanzinstitutionen.[16] Initiatoren eines Vorhabens leihen sich Geld und legen die Rückzahlungsmodalitäten sowie den Zins fest.[17] Ein Kredit setzt sich hierbei also aus der Summe der Beträge mehrerer Geldgeber zusammen.[18] Der Vorteil besteht darin, dass Kreditnehmer geringere Zinsen zahlen und Kreditgeber höhere Zinsen erhalten, da die teure Bank durch eine günstigere Kreditvergabefirma ersetzt wird.[19]

2.2.4 Equity-based Crowdfunding

Hinsichtlich der Motivation der Geldgeber handelt es sich hier gewissermaßen um den Gegenpol zum Donation-based Crowdfunding. Während es dort intrinsische Faktoren waren, die die Geldgeber zu ihrer Unterstützung veranlassten, sind es beim Equity-based Crowdfunding fast ausschließlich extrinsische (finanzielle) Faktoren. Bei dieser Form stehen die Finanzierung von Start-ups und die langfristige Beteiligung der Investoren am Unternehmenserfolg im Vordergrund.[20] Damit stellt das Equity-based Crowdfunding nicht nur eine alternative Kapitalquelle für Unternehmen, sondern auch eine Renditemöglichkeit für die Investoren dar.[21] Diese werden für die Investition von Kleinbeträgen am Unternehmen und dessen zukünftigen Erfolg beteiligt.[22]

2.3 Funktionsweise

Die grundsätzliche Funktionsweise bei der Initiierung eines Projektes ist bei allen Crowdfunding-Plattformen ähnlich.[23] Der Ablauf eines Crowdfunding-Prozesses ist in Abb. 1 aufgezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schritte im Crowdfunding-Prozess [24]

Zu Beginn jedes Projektes steht eine Idee, zu deren Realisierung es an finanziellen Mitteln mangelt. Der Initiator erstellt zunächst eine Planung mit Beschreibung von Projekt, Zielgruppe, beabsichtigter Werbemaßnahmen, Kommunikationskanälen sowie Art und Höhe der Gegenleistungen. Im nächsten Schritt wird die Projektbeschreibung ausgearbeitet und auf der Internetplattform angelegt. Dazu sind die angestrebte Finanzierungs­summe, die Laufzeit und die Gegenleistungen festzulegen. Hierbei besteht die Möglichkeit das Feedback der Plattform-Betreiber einzuholen, um die Projektdarstellung ggf. zu optimieren. Entspricht die Projektdarstellung den Richtlinien der Plattform, erfolgt die Freischaltung für die sog. Startphase. In dieser Phase muss der Projektinitiator die notwendige Anzahl von Unterstützern für sein Projekt gewinnen. Ihre Anzahl ist von der gewählten Finanzierungssumme abhängig. Des Weiteren kann innerhalb der Start­phase Feedback aus der Community eingeholt werden und die Projektdarstellung ggf. verbessert werden. Ist die notwendige Anzahl von Unterstützern erreicht, wird das Projekt für die Finanzierungphase freigeschaltet. In dieser Phase können Unterstützer das Vorhaben finanziell mit Beiträgen unterstützen. Dabei werden die Geldbeträge auf ein Transferkonto (z.B. FidorPay oder PayPal) eingezahlt, auf welchem sie bis zum Ende des Finanzierungszeitraums „geparkt“ werden. Bei den meisten Crowdfunding-Plattformen gilt das sog. „Alles oder nichts“-Prinzip: Der Projektinitiator bekommt das Geld nur dann ausgezahlt, wenn bis zum Ende der Finanzierungslaufzeit das Zielbudget erreicht werden konnte. Andernfalls wird die bis dahin geleistete Finanzierung an die Unterstützer zurückgezahlt. Das „Alles oder nichts“-Prinzip soll zum einen dafür sorgen, dass die Geldgeber sicher sein können, dass ihre Gelder nicht zweckentfremdet verwendet werden. Zum anderen müssen die Initiatoren ihr Projekt nicht mit einem niedrigeren Budget realisieren, sondern können ihr Vorhaben überarbeiten und neu starten. Innerhalb der Finanzierungs­phase ist es von großer Bedeutung das Projekt intensiv zu bewerben. Dies kann neben der Projektseite auf der Crowdfunding-Plattform auch durch andere Medien oder weitere Social Media-Plattformen wie beispielsweise Facebook, Twitter und YouTube geschehen. Nach erfolgreicher Finanzierung wird das Geld auf das Konto des Initiators transferiert. Zudem erhält dieser die Daten seiner Unterstützer und kann ihnen die Gegenleistungen zukommen lassen. Beim Equity-based Crowd­funding erhalten Investoren die Gegenleistung in Form einer (stillen) Beteiligung.[25]

[...]


[1] Vielmeier (2012).

[2] Vgl. Klein (2014a), S. 11; Klein (2014b), S. 15.

[3] Vgl. Heismann (2012), S. 96.

[4] Vgl. o.V. (2013a).

[5] Vgl. Harris (1985), S. 110–114.

[6] Vgl. Howe (2006).

[7] Vgl. Wolf (2013), S. 10.

[8] Vgl. Forster (2013), S. 18.

[9] Vgl. Kaltenbeck (2011), S. 8.

[10] Hemer et al. (2011), S. 19.

[11] Vgl. o.V. (2012a), S. 12.

[12] Vgl. Collins/Pierrakis (2012), S. 3.

[13] Vgl. Hemer et al. (2011), S. 51-52.

[14] Vgl. Zandvliet (2011).

[15] Vgl. Hemer et al. (2011), S. 24-25.

[16] Vgl. Koch (2012), S. 37.

[17] Vgl. Collins/Pierrakis (2012), S. 3.

[18] Vgl. Hemer et al. (2011), S. 54.

[19] Vgl. Koren (2010).

[20] Vgl. Forster (2013), S. 19.

[21] Vgl. Koren (2010c); Wolf (2013), S. 17.

[22] Vgl. o.V (o.J.).

[23] Vgl. Bartelt/Theil (2012), S. 18.

[24] Quelle: Bartelt/Theil (2012), S. 18.

[25] Vgl. zu diesem Abschnitt o.V. (2013b,c); Stiller (2013); Forster (2013), S. 87.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von Crowdfunding
Untertitel
Eine kritische Analyse
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V273675
ISBN (eBook)
9783656660064
ISBN (Buch)
9783656660033
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdfunding, innovative Finanzierungsformen, Kreativwirtschaft, Start-up, Finanzierung, lending-based, reward-based, donation-based, equity-based, Crowdinvesting, Schwarmfinanzierung, Gruppenfinanzierung, Schwarmintelligenz, Crowd intelligence
Arbeit zitieren
Marcel Güth (Autor), 2014, Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von Crowdfunding, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273675

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