Social Entrepreneurship in Deutschland. Ein Modell für die Zukunft?


Bachelorarbeit, 2014
50 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik
1.1 Ziel und Organisation der Arbeit
1.2 Methodische Vorgehensweise

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Social Entrepreneurship
2.2 Social Entrepreneurship Organization
2.3 Social Entrepreneurship Organization im systemischen Kontext

3 Charakteristischen Merkmale von Social Entrepreneurship Organizations
3.1 Tätigkeitsfelder
3.2 Motivation der Social Entrepreneurs
3.3 Netzwerke und institutionsübergreifende Kooperation
3.4 Skalierungspotenziale und Hemmnisse
3.5 Soziale Wirkungsmessung und Reporting
3.6 Finanzierungsstruktur

4 Zukunftsaussichten
4.1 Politische und rechtliche Rahmenbedingungen
4.2 Social Entrepreneurship Education
4.3 Wissenschaft

5 Fallbeispiel: Muster gUG

6 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Elektronische Quellen

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Abgrenzung von Organisationsformen

Abbildung 2: Spektrum von Hybridorganisationen

Abbildung 3: Themenfelder von Sozialunternehmen

Abbildung 4: Gründungsmotive von Social Entrepreneurs

Abbildung 5: Wachstums- und Verbreitungsstrategien von Social Entrepreneurship Organizations

Abbildung 6: Impact Value Chain

Abbildung 7: Vorteile durch den Social Reporting Standard

Abbildung 8: Klassifizierung der Finanzierungsstruktur nach Innen- und Außenfinanzierung

Abbildung 9: Finanzierungslücke bei Hybridorganisationen

Abbildung 10: Bildungsabschlüsse der Gründer von Sozialunternehmen

Abbildung 11: Akteure und Institutionen in der Social Entrepreneurship Forschung

Tabelle 1: Übersicht Charakteristika Social Entrepreneurship Organization

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in die Thematik

„Echtes Mitleid bedeutet mehr, als einem Bettler eine Münze hinzuwerfen; es ist das Verständnis dafür, dass ein Haus, das Menschen zu Bettlern macht, umgebaut werden muss“ Martin Luther King, jr.

Die globalen Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten führten zu einer permanenten Erhöhung unseres Lebensstandards, jedoch verursachen sie auch radikale Veränderungen in unserer Gesellschaft und scheinen unsere gegenwärtigen Wirtschaftsformen zu überfordern.

Soziale Missstände sind in allen Regionen der Welt in unterschiedlicher Ausprägung zu finden. Während sich ein Großteil der Menschheit mit existenziellen Problemen wie Armut, Menschenrechtsverletzungen oder Hungersnot auseinandersetzen muss, sieht sich die Gesellschaft in entwickelten Industrieländern primär mit ökonomischen Problemen konfrontiert. Wirtschafts- und Finanzkrisen belasten die öffentlichen Kassen, der demografische Wandel, Migration oder Arbeitslosigkeit beschäftigen die Bevölkerungen der westlichen Welt. Durch den Einzug neuer Technologien und die immer kürzer werdenden Innovationszyklen, welche immensen Druck auf alle Akteure ausüben, verändern sich die Werte und Normen ganzer Generationen: Ein kontinuierliches Streben nach Wachstum und Konsum um jeden Preis ist die Folge.

Der deutsche Sozialstaat in seiner heutigen Form ist nicht in der Lage innovative Lösungsansätze zu neuen ökologischen, ökonomischen und sozialen Problemen zu entwickeln.[1] Menschen, die sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen, um diese mit einer unternehmerischen Herangehensweise zu lösen, hat es in der Vergangenheit schon immer gegeben, jedoch fehlte ihnen bisher eine Identität. Der Ashoka Gründer Bill Draython bezeichnet diese besonderen Unternehmen als Social Entrepreneurs.[2]

In den vergangenen Jahren hat sich das Phänomen Social Entrepreneurship rapide ausgebreitet und scheinbar zu einem globalen Phänomen entwickelt. Einzelne Akteure des dritten Sektors, wie sozial orientierte Unternehmen, non-profit organizations (NPO) oder non-governmental organizations (NGO) erfüllen sowohl heute, als auch in der Vergangenheit einen wichtigen Beitrag, werden aber zunehmend vor komplexere Herausforderungen gestellt.[3] In großen Teilen Europas sind die Menschen verstärkt für ökologische und soziale Themen sensibilisiert, sodass auch gewinnorientierte Unternehmen von der Öffentlichkeit angehalten werden, diese Inhalte in ihren Unternehmenszielen zu formulieren.

In der deutschen Gesellschaft herrscht immer noch die Erwartungshaltung, dass soziale Missstände von kirchlichen- oder staatlichen Trägern gelöst werden. Von dieser Mentalität muss sich die Bevölkerung befreien.

1.1 Ziel und Organisation der Arbeit

Der Forschungsfokus und das Ziel dieser Arbeit liegen in der Analyse der charakteristischen Merkmale von Sozialunternehmen, Social Business und Social Enterprise im Sinne von Social Entrepreneurship Organization.[4] Darüber hinaus soll ein Überblick über die zukünftigen Perspektiven und Potenziale von Social Entrepreneurship in Deutschland gegeben werden, um die Frage nach einem Modell für die Zukunft beantworten zu können.

Bevor die bereits dargelegte Aufgabenstellung bearbeitet wird, bedarf es einiger theoretischer Grundlagen zum Verständnis von Social Entrepreneurship. Hierbei wird bereits deutlich, dass der Begriff aufgrund der anfänglichen Entwicklungsphase des Forschungsfelds äußerst schwer zu bestimmen ist. Durch die Verbreitung von Social Entrepreneurship im angelsächsischen Raum ist eine Übersetzung der Fachterminologie aus dem Englischen kritisch zu betrachten. Die Begriffe besitzen oftmals eine falsche Konnotation, sind gar nicht erst zu übersetzen oder stellen Wortneuschöpfungen dar.[5] Einige Grafiken wurden daher bewusst nicht ins Deutsche übersetzt.

Im Hauptteil dieser Arbeit werden die typischen Charakteristika von Social Entrepreneurship Organizations analysiert. Anschließend werden die Zukunftsaussichten von Social Entrepreneurship in Deutschland an drei beeinflussenden Bereichen betrachtet. Die im Hauptteil gewonnenen Erkenntnisse werden daraufhin anhand eines Fallbeispiels einen Praxisbezug erhalten. In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse zunächst reflektiert, um diese in einen Ausblick zur Entwicklung mit einbeziehen zu können.

Die vorliegende Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da eine ausführliche Diskussion aller aufgegriffenen Themen der Umfang dieser Arbeit nicht gerecht werden kann und sich die Forschung, wie zuvor erwähnt, in einem sehr frühen Stadium befindet.

1.2 Methodische Vorgehensweise

Die angewandte Methodik dieser Arbeit besteht vornehmlich aus einer Auswertung der einschlägigen Fachliteratur. Die daraus belegten Erkenntnisse wurden im theoretischen Teil kenntlich gemacht. Im praxisorientierten Teil dieser Arbeit, wurden die zuvor gewonnenen Ergebnisse anhand eines empirischen Fallbeispiels erläutert. Dieses entstand aus der Auswertung eines Wirkungsberichts der Muster gUG aus dem Jahre 2012 und einem qualitativen Experteninterview mit Unternehmensgründer Felix Mayer. Der erste Teil des Interviews orientierte sich dabei an einem zuvor eigenständig erarbeiteten Gesprächsleitfadens (s. Anhang A), während der zweite Teil des Interviews explorativ geführt wurde.

Um an dieser Stelle einen ausführlichen Diskurs der Grundlagen der empirischen Sozialforschung zu vermeiden, wird hier auf den Autor Kromrey, H. mit dem Werk „Empirische Sozialforschung – Modelle und Methoden der standardisierten Datenerhebung und Datenausweitung“ verwiesen.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Social Entrepreneurship

Das Forschungsfeld Social Entrepreneurship ist noch relativ neu und befindet sich erst in der Anfangsphase der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Aufgrund des unterschiedlichen disziplinären Zugangs, sowie abweichenden Erkenntnisinteressen und Praxisbezügen der Akteure existiert in der Fachliteratur eine große Definitionsvielfalt, die zunehmend komplexer ausfällt. Diese Heterogenität bei der Absteckung des Forschungsfeldes führt zu einer Verwässerung des Begriffs zu Lasten des wissenschaftlichen Fortschritts. Im deutschsprachigen Raum wird unter Social Entrepreneurship grundsätzlich sozial oder gesellschaftlich motiviertes Unternehmertum verstanden.[6] Unternehmerisches Handeln zum Wohle der Gesellschaft hat zwar eine lange Tradition, jedoch führen neue strategische Orientierungen dazu, dass Social Entrepreneurship Organizations Charakterzüge von new-economy Unternehmen annehmen.[7]

Um den Begriff weitgehend bestimmen zu können, ist es sinnvoll zunächst den Wortbestandteil Entrepreneur zu definieren. Schumpeter gilt in der Social Entrepreneur Literatur als einflussreichster Entrepreneurship-Theoretiker.[8] Der Ökonom sieht in einem Entrepreneur – eine kreative und treibende Kraft, welche durch „ schöpferische Zerstörung[9] den Wirtschaftsprozess voran bringt. Seine Auffassung eines dynamischen und innovativen Entrepreneurs grenzt sich somit von einem Unternehmer im Sinne eines statischen Eigentümers von Betrieben ab.[10] Nicholls greift diese von Innovation geprägte Bestimmung auf und liefert eine häufig zitierte Definition von Social Entrepreneurship.

„ Social Entrepreneurship are innovative and effective activities that focus strategically on resolving social market failures and creating new opportunities to add social value systematically by using a range of resources and organizational formats to maximize social impact and bring about change.”[11]

Eine weitere verbreitete Definition aus der akteursbezogenen Perspektive kommt von Gregory Dees. Dees beschreibt Social Entrepreneurs als „ entrepreneurs with a social mission[12] und damit als eine Art Untergattung des Entrepreneurs. Er sieht in ihnen „ Initiatoren innovativer Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen sowie Impulsgeber für neue Ressourcenströme und soziale Märkte[13] Weiterhin deutet der Autor an, dass diese Innovatoren den sozialen Wandel vorantreiben, dabei jedoch häufig auf Subventionen, Spenden oder die Arbeit von Freiwilligen angewiesen sind.[14] Einigkeit in der Fachliteratur aus der akteurszentrierten Perspektive besteht bei der Verbindung innovative Lösungen mit Hilfe eines neuen Umgangs von Ressourcen zu generieren.[15]

Aus den verschiedenen Definitionsangeboten in der Literatur wird deutlich, dass die Autoren auch unterschiedliche Dimensionen in der Bestimmung fokussieren. Für Nicholls spielt beispielsweise das Marktversagen in einer Wettbewerbs- und Wertschöpfungsdimension eine besondere Rolle, Dees hingegen gewichtet dies weniger. Zudem überlagern sich in der Wissenschaft häufig institutionelle und akteursbezogene Perspektiven.[16]

Diese Vielzahl von Definitionsansätzen gibt Aufschluss über das weite Interpretationsspektrum des gesellschaftlichen Unternehmertums. In der Wissenschaft möchte man vermeiden durch voreilige Begriffsabgrenzung bestimmte Untersuchungsobjekte zu vernachlässigen. Dies kann jedoch als eine Ursache für die fortschreitende Verwässerung der Begrifflichkeiten angesehen werden. Besonders die unterschiedlichen Sichtweisen von altruistischem Handeln und dem Verständnis des Wortes sozial sorgen für verschiedene Ansichten.[17] Im folgenden Teil wird eine Arbeitsdefinition der untersuchten Organisationen hergeleitet, die sich auf die institutionelle Ebene von Social Entrepreneurship bezieht.

2.2 Social Entrepreneurship Organization

Spricht man in der Öffentlichkeit auf einer institutionellen Ebene von Social Entrepreneurship, so ist in der Regel von Sozialunternehmen, Social Business oder Social Enterprise die Rede. Diese Begrifflichkeiten werden häufig synonym verwendet, bieten allerdings aufgrund unterschiedlicher Auffassungen Interpretationsspielräume für ein weites aber ebenso enges Verständnis. Die Europäische Kommission definiert diese Social Entrepreneurship Organization wie folgt:

„Unternehmen, für die das soziale oder gesellschaftliche gemeinnützige Ziel Sinn und Zweck ihrer Geschäftstätigkeit darstellt, was sich oft in einem hohen Maße an sozialer Innovation äußert, deren Gewinne größtenteils wieder investiert werden, um dieses soziale Ziel zu erreichen und deren Organisationsstruktur oder Eigentumsverhältnisse dieses Ziel widerspiegeln, da sie auf Prinzipien der Mitbestimmung oder Mitarbeiterbeteiligung basieren oder auf soziale Gerechtigkeit ausgerichtet sind."[18]

Diese Definition gilt in der Fachliteratur als relativ weit gefasst. Entscheidend bei der Begriffsbestimmung ist die Gewichtung der Einkommensgenerierung. Um Sie von traditionellen Verbänden und Wohltätigkeitsorganisationen abgrenzen zu können, kommt diesem Faktor eine entscheidende Rolle zu. Eine sehr enge Definition von Social Business liefert der Friedensnobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank[19], Muhammad Yunus.

„Das Sozialunternehmen ist keine gemeinnützige Einrichtung. Es ist in jeder Hinsicht ein Wirtschaftsbetrieb. Es muss sämtliche Betriebskosten decken, während es seine soziale Aufgabe erfüllt. Wer ein Unternehmen betreibt, der denkt und arbeitet anders als jemand, der eine gemeinnützige Organisation betreibt. Und dieser Unterschied ist entscheidend für die Definition des Sozialunternehmens und seiner gesellschaftlichen Wirkung.“[20]

Das Konzept des Sozialunternehmens, nach der Auffassung von Yunus, ist noch nicht lange existent. Es kann als eine Sonderform des Social Entrepreneurship angesehen werden, da es primär eine soziale Rendite anstrebt und währenddessen ökonomisch nachhaltig wirtschaftet. Als ein selbsttragender Wirtschaftsbetrieb besitzt ein Sozialunternehmen eine doppelte Innovationsstruktur, denn es ist sowohl sozial, als auch wirtschaftlich innovativ.[21] Eine Organisation mit einem primär sozialen Unternehmensziel, welches jedoch nicht aus eigener Geschäftstätigkeit kostendeckend arbeitet, erfüllt die Kriterien eines Sozialunternehmens nach Yunus nicht. Dabei kann bzw. sollte das Sozialunternehmen Gewinne erzielen, um diese anschließend reinvestieren zu können. So wirtschaftet das Sozialunternehmen auch ökonomisch nachhaltig, um langfristig seine sozialen Ziele verfolgen zu können. Dies gilt als ein bedeutender Aspekt für eine Abgrenzung zu einer NGO oder anderen Einrichtungen ohne Erwerbszweck.[22]

Die Ansichten bezüglich des Einkommenskriteriums von Sozialunternehmen variieren in der Literatur sehr stark. Yunus sieht bei der Kostendeckung ein essenzielles Merkmal, andere wiederum geben unterschiedliche Schwellenwerte bei dem erzielten Einkommen an.[23] Die vorliegende Arbeit wird die Schwelle einer Kostendeckung nicht als definitorisches Element verwenden, da eine saubere Trennung der Begriffe, wie in Abbildung 1 dargestellt, äußerst komplex ist.

Abbildung 1: Abgrenzung von Organisationsformen (Eigene Darstellung nach John 2006, S. 13 [Internetquelle], abgerufen am 05.01.2014 um 10.08 Uhr.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der vorliegenden Arbeit werden Social Business, Social Enterprise, Social Venture oder Sozialunternehmen im Sinne von Social Entrepreneurship Organization [folgend SEO abgekürzt] als jede Organisation bezeichnet, die mit unternehmerischem Handeln einen gesellschaftlichen Wandel bzw. eine Nutzenmaximierung als oberstes Unternehmensziel formuliert haben. Weiterhin müssen diese SEOs mit ihrer unternehmerischen Tätigkeit ein wesentliches Einkommen erzielen und die Absicht haben sich langfristig selbst zu tragen.

2.3 Social Entrepreneurship Organization im systemischen Kontext

Nachdem zuvor die Begrifflichkeiten Social Entrepreneurship und SEOs eingehend definiert wurden, erfolgt zunächst die Einordnung der Akteure in einer übergeordneten Perspektive. In der Literatur werden Unternehmen, die weder rein philanthropische, noch rein kommerzielle Elemente besitzen als Hybride Organisationen bezeichnet. SEOs sind in der Regel hybride Organisationen, ohne jedoch die Gewinnerzielungsabsichten langfristig in den Vordergrund zur rücken.[24] Wie Abbildung 2 zu entnehmen ist, vermischen sich hierbei typische non-profit mit for-profit Merkmalen.

Abbildung 2: Spektrum von Hybridorganisationen (Eigene Darstellung nach Dees aus Alter 2007, S. 14, [Internetquelle], abgerufen am 11.01.2014 um 14.08 Uhr.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Abgrenzung von Hybriden Organisationsformen (s. Abbildung 2) kann anhand einiger Kriterien unterschieden werden. Alle hybriden Organisationen generieren sowohl einen sozialen als auch einen ökonomischen Wert. Auf der rechten Seite der Abbildung befinden sich die primär gewinnorientierten Akteure, die einen sozialen Wert generieren. Als Hauptmotive bleiben allerdings die Gewinnmaximierung und Interessensvertretung der Shareholder bestehen. Auf der linken Seite befinden sich die non-profit Organisationen mit kommerziellen Aktivitäten, um ihre sozialen Programme zu finanzieren.[25]

3 Charakteristischen Merkmale von Social Entrepreneurship Organizations

3.1 Tätigkeitsfelder

Wie in Abschnitt 2.1 erläutert, beschäftigen sich SEOs grundsätzlich mit der Lösung oder Verbesserung von gesellschaftlichen Missständen und Problemen. Die Handlungsfelder lassen sich prinzipiell nach Schwerpunktthemen von Entwicklungsländern und entwickelten Ländern aufteilen. In Entwicklungsländern sind dies vor allem existenzbedrohende Probleme wie Hunger, Armut oder Menschenrechtsverletzungen, welche in den europäischen Staaten kaum vorzufinden sind. Länderübergreifende Handlungsfelder lassen sich allerdings nicht immer detailliert abgrenzen, da die Interpretation des Begriffes sozial sehr von den gesellschaftlichen Moralvorstellungen und Normen abhängt. Demzufolge lassen sich die Handlungsfelder und sozialen Probleme nur relativ zur Situation einer Gesellschaft und ihren Moralvorstellungen bestimmen.[26] In dieser Arbeit liegt der Fokus auf den gesellschaftlichen Problemen in Deutschland.

In einem ausgeprägten Sozialstaat wie Deutschland, mit einer breiten Landschaft an Wohltätigkeitsorganisationen, werden bereits viele Themen durch diese oder den Staat abgedeckt. Handlungsfelder entstehen oftmals an Schnittstellen zu anderen Bereichen in denen Staat, Privatwirtschaft oder NPOs noch nicht tätig sind.[27] In den nächsten Jahren wird sich die Situation des finanzstarken Sozialsystems allerdings aufgrund sozialstruktureller Entwicklungstrends und dem fortschreitenden demografischen Wandel zunehmend verschlechtern. Derzeit steht ein steigender Bedarf an sozialen Dienstleistungen einer Abnahme der finanziellen Leistungsfähigkeit der öffentlichen Kassen gegenüber.[28]

[...]


[1] Vgl. Achleitner et al., 2007, S. 13.; Speich, 2012, S. 13 ff.

[2] Vgl. ebd., S. 4.; Bornstein, 2005, S. 12 ff.

[3] Vgl. Achleitner et al., 2007, S. 13.

[4] In Anlehnung an die Vorgehensweise der Autoren Hackenberg, H.; Empter, S. (Hrsg), 2011. Eine detaillierte Arbeitsdefinition von Social Entrepreneurship Organization erfolgt in Kapitel 2.1

[5] Vgl. Achleitner et al., 2007, S. 3.

[6] Vgl. Hackl, 2009, S. 6 ff.

[7] Vgl. Hackenberg/Empter, 2011, S. 12.

[8] Vgl. Slottke, 2013, S. 18.

[9] Schumpeter, Zit. nach Ney et al., 2013, S. 307.

[10] Vgl. Gergs, 2011, S. 176.

[11] Nicholls, Zit. nach Jansen, 2013, S. 45.

[12] Dees, Zit. nach Harbrecht, 2010, S. 30.

[13] Zit. Oldenburg, 2011, S. 119 in Anlehnung an Dees.

[14] Vgl. Harbrecht, 2010, S. 30 in Anlehnung an Dees.

[15] Vgl. Slottke, 2013, S. 18.

[16] Vgl. Jansen, 2013, S. 39 ff.

[17] Vgl. ebd., S. 28.

[18] Zit. Europäische Kommission, Sozialunternehmen, 2011, S. 2 ff., [Internetquelle], abgerufen am 12.01.2014 um 14.03 Uhr.

[19] Die Grameen Bank – „dörfliche Bank“ ist ein Mikrofinanz- Kreditinstitut das Kredite ohne klassische Sicherheiten an die Armen in Bangladesch vergibt.

[20] Zit. Yunus, 2008, S. 25.

[21] Vgl. Spiegel, 2011, S. 56.

[22] Vgl. Yunus, 2008, S. 26 ff.

[23] Vgl. Ebd., S. 26 ff.; Europäische Kommission und Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration, 2013, S. 31 ff., [Internetquelle], abgerufen am 12.01.2014 um 14.42 Uhr.; John, 2006, S. 13.

[24] Vgl. Heinze et al., 2011, S. 86 ff.

[25] Vgl. Alter, SEO Typology, 2007, S. 13 ff., [Internetquelle], abgerufen am 11.01.2014 um 14.45 Uhr.

[26] Vgl. Harbrecht, 2010, S. 51.

[27] Vgl. Oldenburg, 2011, S. 129.

[28] Vgl. Heinze et al., 2011, S. 87.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Social Entrepreneurship in Deutschland. Ein Modell für die Zukunft?
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
50
Katalognummer
V273696
ISBN (eBook)
9783656673330
ISBN (Buch)
9783656673323
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social Entrepreneurship, Entrepreneurship, Deutschland, Finanzierung, Motivation, Tätigkeitsfelder, Reporting, SROI, Potentiale und Hemmnisse, Social Entrepreneurship Education, Merkmale
Arbeit zitieren
Patrick Weirich (Autor), 2014, Social Entrepreneurship in Deutschland. Ein Modell für die Zukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273696

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