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Die Wiederaufführbarkeit von Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovic

Titel: Die Wiederaufführbarkeit von Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovic

Hausarbeit , 2014 , 9 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Lisa Wossal (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Performances only life is in the present“

Wie hier mit den Worten der Performance-Theoretikerin Peggy Phelan wird oft das Wesen, das Hauptmerkmal der Performance Kunst beschrieben. Die Definitionen erklären sie als situationsbezogene, mit Schwerpunkt auf Handlung und Aktion gelegte, vergängliche Darstellung. Das würde bedeuten, dass die Darbietung tatsächlich nur zu dem Zeitpunkt der Aufführung besteht, und auch nur für Publikum, das direkt anwesend ist. Um diese zeitliche und örtliche Begrenzung aufzuheben, wird immer wieder versucht Wege zu finden, um die Performance „weiterleben“ zu lassen, sie zu transportieren zu einem anderen Ort, einem späteren Zeitpunkt, vor ein anderes Publikum. Eine Möglichkeit dafür ist die Wiederausstellung durch Dokumentationen. Das bedeutet aber bei den meisten Werken eine Überführung in andere Medien, die Überführung der momentanen Aktionen eines Menschen in Video, Fotografien, Sound oder ähnlichem. Damit vollzieht sich eine grundlegende Veränderung, die sich auch auf die Bedeutung des Stückes und auf den Eindruck des Betrachters ausweiten kann. Für James Westcott ist diese Art der Dokumentation für eine Wiederausstellung durchaus möglich, jedoch sollte dabei auf das Missverhältnis und auf die Unterschiedlichkeit zwischen der ursprünglichen Performance und dem später ausgestelltem Medium hingewiesen werden. Mit einem anderen Medium wird das Kunstwerk nicht wieder ausgestellt, wie ein Gemälde, welches in Italien gemalt wurde und später in einem französischen Museum hängt (obwohl sich hierbei natürlich auch ein Bedeutungswandel vollziehen kann), sondern lediglich die Dokumentation eines Kunstwerks wird gezeigt. (...)

Eine zweite Möglichkeit bietet dann die Wiederaufführung, die Reperformance, wobei man diese noch einmal aufspalten kann in die Wiederaufführung durch den ursprünglichen Künstler und in die Wiederholung durch andere Künstler. Da die Bedeutung einer Performance oft aus der Situation heraus entsteht und auch stark von der Person des Künstlers abhängig ist, muss bei der Reperformance jede Änderung dieser Aspekte in der Erfassung des Stückes mit betrachtet werden. Auch die Frage nach Original oder Kopie kommt dabei schnell auf. (...)
Als eine große Verfechterin der Reperformance gilt Marina Abramović, an deren Beispiel ich mich in dieser Arbeit dem Thema nähern möchte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. „Performances only life is in the present“

2. Marina Abramović und die Reperformance

2.1 Der Einfluss des Publikums

3. Die Reperformance als Übersetzungsleistung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der Konservierung und Wiederaufführung vergänglicher Performance-Kunst und analysiert, inwiefern die sogenannte "Reperformance" als Übersetzungsleistung verstanden werden kann, die das Werk in einen neuen zeitlichen und örtlichen Kontext überführt.

  • Die Problematik der Vergänglichkeit und Dokumentation von Performance-Kunst
  • Die Rolle der Reperformance als alternative Form der Werkerhaltung
  • Der Einfluss des Publikums als zentrales, instabiles Element der Performance
  • Marina Abramovićs künstlerische Ansätze und das Projekt "Seven Easy Pieces"
  • Die konzeptionelle Abgrenzung zwischen Kopie und Interpretation im künstlerischen Kontext

Auszug aus dem Buch

2. Marina Abramović und die Reperformance

Abramović beschäftigt sich praktisch, wie theoretisch mit den Möglichkeiten der Reperformance. Sie selbst führte ihre Stücke Jahre später wieder auf, zum Beispiel „Lips of Thomas“: Erstaufführung 1975, Wiederaufführung 2003; sie ließ ihre eigenen Stücke von anderen aufführen, wie von ihren Studenten der Performance-Klasse, und wandte sich der Reperformance von Stücken anderer Künstler zu, wobei die Reihe „Seven Easy Pieces“ das bislang größte Projekt darstellt. Die Künstlerin ist der Meinung, dass Performance Kunst, wie jede andere Kunstrichtung auch, erhalten werden muss und im Gedächtnis, nicht nur des ersten Publikums, sondern im Gedächtnis über mehrere Generationen bleiben sollte. Dieses Bewahren und Fortbestehen der Werke ging ihrer Meinung nach am besten über die Reperformance. Bei der Wiederaufführung von Stücken anderer Künstler war es Abramović wichtig, sich vorher mit dem Originalkünstler abzusprechen und dessen Erlaubnis einzuholen. In der Performance „Seven Easy Pieces“ führte sie daraufhin fünf Stücke von Performance-Künstlern aus den 1960er und 1970er Jahren auf, dazu ein älteres Stück von ihr selbst und als Abschluss ein neues. Die wiederaufgeführten Werke von Bruce Nauman, Vito Acconci, Gina Pane, Valie Export und Joseph Beuys sah Abramović als den Ursprung der Performance-Kunst an und sah daher die Notwendigkeit diese in einer Reperformance wieder auferleben zu lassen, sie in die Erinnerung zurückzuholen oder sie den jüngeren Generationen überhaupt erst nahe zu bringen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. „Performances only life is in the present“: Dieses Kapitel führt in das Wesen der Performance-Kunst ein und diskutiert die Problematik ihrer Vergänglichkeit sowie die Grenzen klassischer Dokumentationsmedien.

2. Marina Abramović und die Reperformance: Hier wird der Fokus auf die Praxis der Wiederaufführung gelegt, illustriert durch Abramovićs Arbeit, insbesondere ihr Projekt „Seven Easy Pieces“.

2.1 Der Einfluss des Publikums: Dieser Abschnitt analysiert das Publikum als dynamischen Faktor, der eine Performance maßgeblich prägt und die Rezeption von Original und Reperformance beeinflusst.

3. Die Reperformance als Übersetzungsleistung: Das abschließende Kapitel definiert die Reperformance theoretisch als kreative „Übersetzung“, die ein Werk in einen neuen zeitlichen und sozialen Kontext transformiert.

Schlüsselwörter

Performance-Kunst, Reperformance, Marina Abramović, Vergänglichkeit, Dokumentation, Original, Kopie, Publikum, Seven Easy Pieces, Übersetzungsleistung, Kunstkonservierung, Aufführungspraxis, Live-Act, Zeitgenössische Kunst.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die flüchtige Kunstform der Performance dauerhaft bewahrt werden kann und welche Möglichkeiten der Wiederaufführung (Reperformance) dabei existieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Vergänglichkeit von Live-Performances, das Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Wiederholung sowie die Rolle des Künstlers und des Publikums bei der Rezeption.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Reperformance nicht als bloße Kopie, sondern als notwendige „Übersetzungsleistung“ zu begründen, um Werke in neue Kontexte und Generationen zu überführen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit kunstwissenschaftlichen Ansätzen, gestützt durch Literaturanalysen und Fallbeispiele aus der Performance-Kunst.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit Marina Abramovićs praktischen Ansätzen, dem instabilen Einfluss des Publikums und der theoretischen Einbettung der Reperformance in den Kunstdiskurs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch die Begriffe Reperformance, Vergänglichkeit, Marina Abramović, Übersetzungsleistung und Publikum definieren.

Warum lehnte das Guggenheim Museum die Aufnahme von „Rythm 0“ ab?

Das Museum verweigerte die Aufnahme aufgrund der Sicherheitsbedenken hinsichtlich potenzieller Gewalt und Waffenanwendung durch das Publikum, was die Grenzen der Reperformance verdeutlicht.

Was unterscheidet eine „Übersetzungsleistung“ von einer einfachen Kopie?

Während eine Kopie versucht, das Original detailgetreu zu spiegeln, betont die Übersetzung die Anpassung an neue Zeiten, Umfelder und Erfahrungen, wobei der Wiederaufführende das Werk aktiv für sich interpretiert.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Wiederaufführbarkeit von Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovic
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,3
Autor
Lisa Wossal (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V273698
ISBN (eBook)
9783656660279
ISBN (Buch)
9783656660200
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wiederaufführbarkeit performance-kunst beispiel marina abramovic
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Wossal (Autor:in), 2014, Die Wiederaufführbarkeit von Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovic, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273698
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Leseprobe aus  9  Seiten
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