Der Dativ wird im Französischen anders realisiert als im Deutschen. Ein Beispiel hierfür ist folgender Satz: „Die Verfassung hat den Frauen das Wahlrecht gegeben“. Wörtlich übersetzt hieße dieser Satz im Französischen * La constitution a les femmes le droit de voter donné. Richtigerweise muss es allerdings heißen: La constitution a donné le droit de voter aux femmes.
Während im Französischen beispielsweise eine Präposition wie de oder á zur Realisierung des Dativs gebraucht wird, gibt es dies im Deutschen nicht. Im Deutschen wird das Subjekt dekliniert, vor allem im Nominativ-Fall, sodass herauskommt, dass lediglich der Nominativ durch die Nominalgruppe in Verbindung mit dessen Deklination erkennbar wird. Im Gegensatz dazu werden die anderen Fälle, also Genetiv, Akkusativ und der Dativ durch einen entsprechenden Artikel wie „dem, deren, dessen“, oder „den“ realisiert und lassen sich durch die entsprechenden Fragen („Wessen? / Wen oder Was? / Wem oder Was?“) bestimmen. Die Satzstruktur des Deutschen entspricht im Großen und Ganzen derjenigen des Französischen, was bedeutet, dass das Nomen bevorzugt ebenfalls vor dem Verb erscheint, mit dem signifikanten Unterschied des Dativs anstelle des Akkusativs. (Muller 2008: 179)
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Dativ im Französischen. Die Frage, die gestellt werden müsste um den Dativ in einem französischen Satz herauszufiltern wäre ungefähr, im Gegensatz zur „Wem-oder-Was-Frage“ im Deutschen, „à qui / de qui / chez qui / à quoi / de quoi/…?“.
Ziel dieser Arbeit ist es, den Dativ aus der Sicht verschiedener französischer und nichtfranzösischer frankophoner Sprachwissenschaftler genauer zu beleuchten. Dazu wird zunächst ein Überblick über die Verbergänzungen gegeben, begonnen mit einem Kontrast der transitiven und intransitiven Verben sowie der direkten Objekteergänzung. Darauf folgt der Hauptteil dieser Art, nämlich der Dativ im Französischen, indem zunächst eine allgemeine Beschreibung der indirekten Objektergänzung oder Dativ-Objektergänzung getätigt wird. Es folgt eine Analyse der verschiedenen Ausprägungen des Dativs im Französischen mit der Analyse der entsprechenden Besonderheiten. Beispielsätze, die mit Sternchen (*) versehen sind, sind falsch.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse am Ende der Arbeit soll diese in Verbindung mit einem kurzen Ausblick auf die zukünftige Vermittlung der Fremdsprache des Autors an einer Schule, das heißt das Lehren von Schülern, abrunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung/Introduction/Abstrait
2. Die Verbalgruppe als Objektergänzung
2.1 Transitive und intransitive Verben
2.2 Die direkte Objektergänzung
2.3 Verben mit drei Objektergänzungen
3. Der Dativ im Französischen
3.1 Das Dativ als indirekte Objektergänzung
3.2. Unterschiedliche Ausprägungen des Dativs
3.2.1 Der lexikale Dativ
3.2.2 Der benefaktive Dativ
3.2.3 Der ethische Dativ
3.2.4 Der „datif de la totalité impliquée
3.2.5 Der Dativ in Infinitivkonstruktionen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Realisierung des Dativs im Französischen aus einer linguistischen Perspektive. Ziel ist es, die Unterschiede zur deutschen Dativstruktur herauszuarbeiten und die komplexe Einbindung des Dativs in die französische Verbvalenz sowie seine semantischen und syntaktischen Ausprägungen zu analysieren.
- Kontrastive Analyse der Verbalergänzungen im Französischen und Deutschen.
- Differenzierung zwischen direkten und indirekten Objektergänzungen.
- Kategorisierung verschiedener Dativ-Typen (lexikaler, benefaktiver, ethischer Dativ).
- Untersuchung des Dativs in speziellen Strukturen wie Infinitivkonstruktionen.
- Reflexion über die didaktische Vermittlung der französischen Syntax.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Der lexikale Dativ
Der lexikale Dativ wird so genannt, weil er vom lexikalen Sinn des Verbs bestimmt wird. Er repräsentiert den dritten Aktanten, der in der Valenz des Verbs vorgesehen ist (Il a légué (= hériter) toute sa fortune à ses enfants / Il leur a légué toute sa fortune). Es besteht hierbei eine semantische Beziehung zwischen dem Dativobjekt à ses enfants / leurs und der direkten Objektergänzung toute sa fortune, die sich durch die prädikative Beziehung Dativobjekt – avoir – direkte Objektergänzung umschreiben lässt, welche durch das Resultat des komplexen Prozesses des Verbes léguer X à Y erzeugt wird. Verben, die einen Lokativfall erfordern (Il déposé le livre sur la table), erläutern hingegen die beiden Ergänzungen wie folgt: X – être – Lokativpräposition – Y (Le livre est sur la table)
Wenn man also Dativkonstruktionen (1.) und Lokativkonstruktionen (2.) des Verbs trouver gegenüberstellt, ergibt sich folgendes Resultat:
1. Je lui trouve un drôle de goût / du charme / du talent.
2. La lecture, j’y trouve mon plaisir.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung/Introduction/Abstrait: Einführung in die Thematik der unterschiedlichen Dativrealisierung im Französischen und Deutschen sowie Darlegung der Zielsetzung.
2. Die Verbalgruppe als Objektergänzung: Überblick über die Grundlagen der Verbalergänzung, einschließlich transitiver und intransitiver Verben sowie direkter Objektergänzungen.
3. Der Dativ im Französischen: Kernanalyse des Dativs, seiner syntaktischen Funktion als indirekte Objektergänzung und Vorstellung spezifischer Dativ-Kategorien.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Analyseergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der Syntaxvermittlung im Fremdsprachenunterricht.
Schlüsselwörter
Dativ, Französische Syntax, Verbalvalenz, indirekte Objektergänzung, lexikaler Dativ, benefaktiver Dativ, ethischer Dativ, Sprachvergleich, Linguistik, Fremdsprachendidaktik, Infinitivkonstruktion, Sprachstruktur, Semantik, Syntax, Objektergänzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das grammatikalische Phänomen des Dativs in der französischen Sprache und vergleicht dessen Struktur mit der des Deutschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Ausprägungen des Dativs, die Verbvalenz, die Unterscheidung von Objektergänzungen und deren pronominale Ersetzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Dativ im Französischen anhand verschiedener frankophoner linguistischer Theorien zu beleuchten und eine systematische Kategorisierung der Anwendungsmöglichkeiten zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und kontrastiven Sprachbetrachtung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Beschreibung der Objektergänzungen und eine detaillierte Analyse spezifischer Dativformen sowie deren syntaktischer Besonderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dativ, Verbvalenz, indirekte Objektergänzung, Syntax und linguistische Analyse definiert.
Was ist das Hauptproblem beim ethischen Dativ?
Der ethische Dativ stellt ein Problem dar, da er oft in der Semantik des Verbs nicht vorgesehen ist, aber dennoch in der Syntax verwendet wird, was zu einer Vermischung beider Ebenen führt.
Warum sollte man den Dativ in Infinitivkonstruktionen vorsichtig verwenden?
Weil der Gebrauch bei bestimmten Verben zu einer Doppeldeutigkeit führen kann, die den Sinn des Satzes für den Leser verschleiern könnte.
Inwiefern beeinflusst der Dativ die Unterrichtsgestaltung des Autors?
Der Autor betont, dass eine kompetenzorientierte Vermittlung der Syntax entscheidend ist, um Schülern das Verständnis für komplexe grammatikalische Zusammenhänge zu erleichtern.
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- Tobias Molsberger (Author), 2012, Der Dativ im Französischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273732