Der Augsburger Religionsfrieden. Bedeutung für die politische Entwicklung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (HRRdN)


Hausarbeit, 2011
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Abriss der politischen Vorgeschichte des Augsburger Religionsfriedens von 1555
2.1. Der Schmalkaldische Krieg 1546-1547
2.2. Der Fürstenkrieg und der Passauer Vertrag von 1552

3. Inhalt und Bedeutung des Augsburger Religionsfriedens
3.1. Allgemeine Bedeutung und Ziel des Religionsfriedens
3.2. Inhalte und Streitpunkte des Religionsfriedens
3.3. Politische Entwicklungen durch den Augsburger Religionsfrieden

4. Fazit

5 Quellen und Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den Inhalten und Regelungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555. Besonders die Frage nach der Bedeutung des Religionsfriedens für die politische Entwicklung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation wird im Vordergrund stehen. Ebenso wird die Frage aufgegriffen werden, ob es sich um einen wirklichen Frieden handelte oder ob die Weiterführung des Konfliktes zwischen Katholiken und den Anhängern der Confessio Augustana nur auf eine andere Ebene verlagert wurde. Im Folgenden wird die Problematik der Koexistenz zweier Konfessionsparteien aufgezeigt, von denen sich jede als allein legitim ansieht und sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnt.1

Um diese Problematik verständlicher zu machen, wird im zweiten Abschnitt zuerst die politische und religiöse Vorgeschichte umrissen, bevor sich der dritte Abschnitt dann direkt mit einigen wichtigen Inhalten und Auswirkungen des Religionsfriedens auseinander setzt und auch die sich daran anschließenden und daraus resultierenden Streitpunkte hervorhebt. Der vierte Teil wird ein Fazit aus den Ereignissen und Zuständen ziehen und versuchen die zuvor gestellten Fragen, zufrieden stellend zu beantworten.

Die Quellenlage und Literatur zum Augsburger Religionsfrieden ist sehr vielfältig und interdisziplinär. Es sind nicht nur Historiker, die sich mit den Ereignissen dieser Zeit beschäftigen, sondern es haben ebenso Theologen und Juristen weit reichende Forschungen angestellt, da das Thema alle diese Bereiche berührt.

2. Abriss der politischen Vorgeschichte des Augsburger Religionsfriedens von 1555

2.1. Der Schmalkaldische Krieg 1546-47

Nachdem Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, fanden die Ideen der Reformation im Reich, trotz der verhängten Reichsacht über Luther durch das Wormser Edikt 1521, immer mehr Anhänger. Diese neuen protestantischen Reichsstände versammelten sich und legten 1530 auf dem Augsburger Reichstag die Confessio Augustana, ihr grundlegendes Glaubensbekenntnis vor. Nach dessen Ablehnung durch Kaiser Karl V. schlossen sich eine Reihe evangelischer Reichsstände 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen, um einen protestantischen Machtblock zu bilden. Die Spannungen zwischen diesem Bund und dem Kaiser gipfelten 1546 bis 1547 im Schmalkaldischen Krieg. Mit der Niederlage der Protestanten 1547 gelang es Kaiser Karl V. die Macht der evangelischen Reichstände einzugrenzen. 1548 versuchte er mit dem Augsburger Interim seine religionspolitischen Ziele als Reichsverordnung durchzusetzen und den Glaubensvollzug in seinem Sinne zu regeln. Das Interim und seine inhaltlichen Verordnungen stießen nicht nur bei den evangelischen, sondern ebenfalls bei einer Reihe von katholischen Parteien auf Unmut und breite Ablehnung.

2.2. Der Fürstenkrieg und der Passauer Vertrag von 1552

Nachdem im Reich der Unmut über das Augsburger Interim von 1548 immer größer wurde, schlossen sich die protestantischen Fürsten 1551 im Geheimen in Torgau zu einem Bund zusammen. Eine Schlüsselfigur war der, im Schmalkaldischen Krieg neutral gebliebene, protestantische Kurfürst Moritz von Sachsen. Dem Bund gelang, es große Teile Süddeutschlands zu erobern. Zwar verfügten die protestantischen Parteien nicht über viele direkte Bündnisse, erfuhren jedoch nahezu überall eine wohlwollende Neutralität2, selbst von einigen katholischen Reichständen, die eine Machtzunahme des Kaisers fürchteten. Des Weiteren wurde der Kaiser gleichzeitig von einem Einfall der Franzosen, die einige Zeit ein Bündnis mit den protestantischen Parteien hatten, sowie einer türkischen Offensive in Ungarn bedrängt und musste sich weit in die österreichischen Kernlande, bis nach Villach zurückziehen. Moritz von Sachsen und Karls Bruder, König Ferdinand I. suchten währenddessen einen Ausgleich der politischen und religiösen Interessen innerhalb des Reiches, traten in Verhandlungen und fassten einen „bestendigen Fridstant“3 sowie eine gegenseitige Duldung der Religionsparteien ins Auge4. Am 2. August 1552 wurden im Passauer Vertrag die Streitigkeiten vorerst beigelegt und der Fürstenkrieg beendet. Dieser Vertrag stellte die entscheidende Vorstufe zum Augsburger Religionsfrieden dar.5

3. Inhalt und Bedeutung des Augsburger Religionsfriedens

3.1. Allgemeine Bedeutung und Ziel des Religionsfrieden

Nach mehreren Jahrzehnten der politischen, religiösen und militärischen Auseinandersetzungen war für die Reichsstände, die sich fast alle einen unbefristeten Frieden, Rechtssicherheit und Ruhe wünschten6, die Möglichkeit gekommen, gemeinsam eine Balance zu finden. Auf diesen Grundlagen und Vorstellungen aufbauend, trat am 5. Februar 1555 der Augsburger Reichstag zusammen.

Geleitet wurden die Verhandlungen von König Ferdinand I., der durch seinen Bruder Kaiser Karl V. bevollmächtigt war und ihn vertrat. Zusammen mit den katholischen und evangelischen Reichsständen wurde ein Vertrag erstellt, der den mittlerweile kriegsmüden Ständen einen dauerhaften Frieden bringen und somit das Reich vor dem Zusammenbruch bewahren sollte. Die teilnehmenden Parteien waren sich im Klaren, dass ein solcher Friedensschluss so wichtig war, dass er Vorrang vor der Klärung der Frage um die wahre und richtige Religion haben musste, selbst wenn das eine klare, erst einmal unbefristete Spaltung der Konfessionen bedeutete. Es wurde festgehalten, dass eine Klärung der Religionsfrage beziehungsweise ein Religionsausgleich erst auf einem späteren Konzil durchgeführt werden würde. Im Vordergrund der Verhandlungen stand daher die Absicht einen dauerhaften Frieden zwischen den Parteien zu erreichen, der durch eine Reihe von Bestimmungen im Zusammenleben mit der jeweils anderen Konfession gewährleistet werden sollte.

3.2. Inhalte und Streitpunkte des Religionsfriedens

Der folgende Abschnitt wird unter anderem einige ausgewählte Verordnungen des Augsburger Reichsabschieds und ihrer Bedeutung für das politische und religiöse Leben im Reich vorstellen. Man muss von vornherein erwähnen, dass um einen Friedensschluss zu gewährleisten, mit dem beide Konfessionen einverstanden wären, eine Reihe von Kompromissen eingegangen werden musste. Dies führte im gleichen Zug allerdings auch dazu, dass eine Seite oftmals mit einer Verordnung nicht völlig einverstanden war und daraus spätere Streitigkeiten sowie Unzufriedenheit resultieren könnten.

Einer der wichtigsten Artikel des Reichsabschieds wird treffend mit dem Schlagwort „cuius regio, eius religio“7 beschrieben. Es handelt sich um das Rechtsprinzip des „ius reformandi“, welches besagte, dass jeder Territorialherr seine Konfession frei wählen konnte und diese für seine Untertanen bindend war. Die Untertanen hatten im Falle eines Konfessionswechsels das Recht auf Auswanderung, das so genannte „ius emigrandi“, dass jedoch später teilweise auch als Abzugspflicht ausgelegt und durchgesetzt wurde, um andersgläubige Bewohner des Landes zu verweisen.8

Handelte es sich bei dem Territorialherrn um einen katholischen Geistlichen, wie etwa einen Fürstbischof oder dergleichen, so griff eine sehr umstrittene Klausel des Religionsfriedens, der so genannte „geistliche Vorbehalt“. Dieser Vorbehalt verfügte, dass ein katholisch geistlicher Herrscher bei einem Konfessionswechsel seine weltliche Herrschaft abzugeben hatte und ein neuer katholischer Territorialherr eingesetzt werden musste. Diese Klausel stellte einen erheblichen Nachteil für die Protestanten dar. Auf der einen Seite standen nicht geringe Teile des Reiches unter katholisch geistlicher Herrschaft und würden es durch diese Regelung auch weiterhin bleiben. Auf der anderen Seite bedeutete dies, dass die Kaiserkrone weiter in katholischer Hand bleiben würde, da von den sieben Kurfürsten, die den Kaiser wählten, nun die drei Erzbischöfe unverrückbar katholisch blieben. Die böhmische Königswürde, die ebenfalls wahlberechtigt war und sich seit 1526 im Besitz der kaiserlichen Familie, den Habsburgern befand, bedeutete eine Mehrheit der katholischen Wahlstimmen. Der geistliche Vorbehalt war eine der großen Streitquellen9 zwischen den Konfessionen, die König Ferdinand I. mit einer Erklärung, der so genannten „declaratio ferdinandea“, abmildern wollte. Diese Erklärung, die nicht direkt im Reichsabschied verschriftlicht wurde, sondern ein eigenständiges Schriftstück darstellt, beinhaltete die Bekenntnisfreiheit der Ritter und Städte in katholisch geistlichen Territorien. Sie kann als eine Art Nachteilsausgleich für die Protestanten angesehen werden. Sie war in der Folgezeit des Vertrages sehr hart umstritten und ihre Rechtmäßigkeit wurde von katholischer Seite oftmals angezweifelt, da ein Passus im Reichsabschied klar sagte, dass keine weiteren Verlautbarungen, die den Religionsfrieden verändern oder beschneiden, zulässig sind.

[...]


1 Vgl. Axel Gotthard: Der Augsburger Religionsfrieden, Münster 2004, S. 500.

2 Vgl. Bernd Moeller: Deutschland im Zeitalter der Reformation, Göttingen 1988, S. 166.

3 Vgl. Axel Gotthard: Der Augsburger Religionsfrieden, Münster 2004, S. 206.

4 Vgl. Bernd Moeller: Deutschland im Zeitalter der Reformation, Göttingen 1988, S. 166.

5 Vgl. Franz Brendle und Anton Schindling: Der Augsburger Religionsfrieden und die Germania Sacra, in: Als Frieden möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden, hrsg. von Carl A. Hoffmann, Markus Johanns u. a., Regensburg 2005, S. 109.

6 Vgl. Axel Gotthard: Der Augsburger Religionsfrieden, Münster 2004, S. 455.

7 Vgl. Axel Gotthard: Der Augsburger Religionsfrieden, Münster 2004, S. 10.

8 Ebenda, S. 243.

9 Vgl. Axel Gotthard: Der Religionsfrieden und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation 1555-1648, in: Als Frieden möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden, hrsg. von Carl A. Hoffmann, Markus Johanns u. a., Regensburg 2005, S. 74.

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Details

Titel
Der Augsburger Religionsfrieden. Bedeutung für die politische Entwicklung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (HRRdN)
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V273843
ISBN (eBook)
9783656664062
ISBN (Buch)
9783656664697
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
augsburger, religionsfrieden, bedeutung, entwicklung, heiligen, römischen, reich, nation, hrrdn
Arbeit zitieren
Niels Rauter (Autor), 2011, Der Augsburger Religionsfrieden. Bedeutung für die politische Entwicklung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (HRRdN), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273843

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