Die Rolle der Frau in der Direktoriumsgesellschaft zu Zeiten der Französischen Revolution


Studienarbeit, 2013
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1. Einleitung

„Ihr seht nicht, dass euch diese schamlosen Weiber, diese Abenteuerinnen edler Rasse, die euch heute die Ehre erweisen, sich in euren bürgerlichen Armen zu prostituieren, den Garaus machen werden, sobald es ihnen gelungen ist, die Dinge in das alte Fahrwasser zu lenken.“[1]

Diese warnenden Worte richtete der Volkstribun Francois Babeuf an die Revolutionäre, die nach dem Thermidorumsturz und dem Beschluss der Direktorialverfassung begannen, die „Fête du Directoire“ zu zelebrieren. Im Kielwasser, der sich nun an der Macht befindenden großbürgerlichen Schicht, fanden sich auch Überlebende des Ancien Régime wieder. Insbesondere die Damen versuchten sich als Gespielinnen oder Maitressen der Mächtigen „an die neuen Verhältnisse anzupassen und an deren Annehmlichkeiten teilzuhaben.“[2]

Doch welche Aufgaben hatten die Frauen in der Direktoriumsgesellschaft wirklich zu erfüllen? Welche Rolle spielten sie im Konzert der Mächte und wie groß war ihr Einfluss auf die Politik im revolutionären Frankreich? Und hatte Babeuf schließlich Recht mit seiner Warnung vor den „Abenteuerinnen edler Rasse“[3] ?

Das erste Kapitel dieser Arbeit wird das gesellschaftliche Leben während der Zeit des Direktoriums beschreiben und darstellen. Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle und den Aufgaben der Frau in der Direktoriumsgesellschaft, während das letzte Kapitel des Hauptteils die Bedeutung der Einflussnahme der Frauen auf die Politik untersucht. Anschließend wird die Schlussbetrachtung eine Zusammenfassung der gezeigten Analysen formulieren und als Fazit auf die These Babeufs eingehen.

Während sich die historiographische Forschung auf die Thematik der Emanzipation während der Französischen Revolution konzentriert, ist über die Frauen zur Zeit des Direktoriums wenig bekannt. Als wichtige Literaturgrundlage dieser Arbeit dienen somit verschiedene Monographien über Leben und Wirken von Joséphine de Beauharnais[4] und Thérésia Cabarrus[5], die als Kurtisanen und Partnerinnen gleich mehrerer Machthaber des Direktoriums populär wurden und die wohl schillerndsten und einflussreichsten Frauenfiguren dieser Zeit waren.

2. Hauptteil

2.1 Das gesellschaftliche Leben während des Direktoriums

Der Lebensstil während der Zeit des Direktoriums von 1794 bis 1799 war stark geprägt von seiner nach Lebensgenuss gierenden Gesellschaft: „Die Thermidorianer (…) genossen mit der Macht, die sie ergriffen hatten, den Luxus, den sie damit verdient zu haben meinten.“[6] Die Lebenshaltung unter dem Direktorium folgte dabei stark dem Vorbild des Ancien Régime. Eine neue Schicht reicher Leute, zu Vermögen gekommen durch den „guten alten Spekulationshandel und vor allem aus klugen Geschäften mit dem Defizit des Staates“[7], zelebrierte ihr mondänes Leben nach dem Vorbild der höfischen Aristokratie. Unter den zahlreichen Parvenüs finden sich nur wenige „der großen Namen von gestern, [die] es hinnehmen, dass [„ihre“ Welt] zur Halbwelt abgesunken ist.“[8]

„In ganz Frankreich war damals die Lebensfreude zum Rausch geworden.“[9] Diese Haltung der Gesellschaft lässt sich unterschiedlich begründen: Zum einen war das Verlangen nach Genuss und Amüsement nach Jahren des Terrors, des Schreckens und der Enthaltsamkeit umso größer. Zum anderen trug es „auch die Züge einer gesellschaftlichen Revanche und verschafft[e] einer ganzen Generation das Gefühl des Aufgestiegenseins.“[10] Zugleich zeigte sich hier auch die Unsicherheit der Gesellschaft angesichts der Zukunft: „Sie genießt das Heute nicht nur als Gegensatz zum Gestern, sondern auch zum Morgen.“[11]

Neben den Salons und Bällen, wurden sowohl Konzerte, „der große Treffpunkt der eleganten Damen und Herrensöhnchen, der Ort, wo man sich zu zeigen hat[te]“[12], als auch Theatervorstellungen zu Schauplätzen der Direktoriumsgesellschaft. Doch nicht nur Lebensstil und Moral hatten sich unter dem Direktorium verändert, auch die Mode folgte nicht länger dem Ideal der republikanischen Einfachheit. Trotz aller Kontraste war ein Band erhalten geblieben, „das die neue mit der alten Gesellschaft verknüpft: die Vorrangstellung der Frauen.“[13]

[...]


[1] Markov, S. 127.

[2] Herre, S. 57.

[3] Markov, S. 127.

[4] Geboren am 23.6.1763 in Martinique als Marie Josephe Rose de Tascher de la Pagerie, verheiratet mit Vicomte de Beauharnais 1779-1794; 1796 erneute Hochzeit mit Napoleon Bonaparte

[5] Geboren am 31.7.1773 in Spanien als Jeanne Marie Ignace Thérésia Cabarrus; Hochzeit mit Marquis de Fontenay 1788, 1793 folgte die Scheidung; 1794 erneute Heirat mit Jean Tallien

[6] Herre, S. 57.

[7] Furet/ Richet, S. 556.

[8] Ebenda, S. 558.

[9] Roserot, S. 287.

[10] Furet/ Richet, S. 558.

[11] Ebenda, S. 560.

[12] Ebenda, S. 588.

[13] Ebenda, S. 577.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau in der Direktoriumsgesellschaft zu Zeiten der Französischen Revolution
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V273857
ISBN (eBook)
9783656665298
ISBN (Buch)
9783656665281
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, frau, direktoriumsgesellschaft, zeiten, französischen, revolution
Arbeit zitieren
Desiree Wolny (Autor), 2013, Die Rolle der Frau in der Direktoriumsgesellschaft zu Zeiten der Französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273857

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