Theorien des Alterns. Älterwerden aus biologischer, psychologischer und sozialpsychologischer Perspektive


Term Paper, 2008
10 Pages, Grade: 1,7

Excerpt

1. Einleitung

Maria Olivia da Silva - dies ist wahrscheinlich der Name des ältesten Menschen, der jemals lebte. Die Brasilianerin aus Sao Paulo feierte am 3.März 2005 ihren 125.Geburtstag. Ein beträchtliches Alter - vor allem wenn man bedenkt, dass die Lebenserwartung weltweit 1950 im Durchschnitt nur bei 47 Jahren lag. Bis zum Jahr 2000 stieg die Lebenserwartung auf mehr als ein Drittel an (66 Jahre ), in Westeuropa hingegen von 68 Jahren im Jahr 1950 auf 78 Jahre im Jahr 2000. Differenziert man noch zwischen Männern und Frauen, lässt sich feststellen, dass sich ein immer größer werdender Abstand zwischen der Lebenserwartung der Männer und der der Frauen bildet: In Westeuropa lag im Jahre 2000 jene der Frauen bereits ganze sieben Jahre höher als die der Männer ( 82 Jahre zu 75 Jahre). Bis zum Jahre 2050 wird die Lebenserwartung weltweit auf 76 Jahre bzw. in Westeuropa auf 83 Jahre ansteigen (http://www.uni-leipzig.de/~pfi/pfi/de/lehre/Information-Studenten/Biologie des Alterns.pdf).

Dies sind Entwicklungen, die enormen Einfluss auf die Demographie der einzelnen Länder haben werden und auch schon besitzen. Bei der Betrachtung der Altersschichtung von Deutschland lässt sich bereits jetzt ein demographischer Wandel erkennen: Das einstige Dreieck deformiert sich zu einem urnenhaften Gebilde. Ursache hierfür ist die wachsende Zahl älterer Menschen, verbunden mit einem massiven Geburtenrückgang. 1950 lag der Anteil der über 60-jährigen in Deutschland noch bei 17,4 % (weltweit bei 8 %) , im Jahr 2000 waren es bereits 21 % (weltweit 10%). Bis zum Jahre 2050 wird eine nochmalige Steigerung auf 36 % über 60-jährige der Gesamtbevölkerung in Deutschland (21 % weltweit) erwartet. (vgl. Arendt, o.A.)

Die nachfolgende Tabelle des statistischen Bundesamtes zeigt die Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur Deutschlands nochmals detaillierter auf.

Tab.1 Bevölkerung in absoluten Zahlen und Altersgruppen in Prozent, Deutschland 1960 bis 2050

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Statistisches Bundesamt Stand: 11.2004

(http://www.bpb.de/wissen/1KNBKW,0,Bev%F6lkerungsentwicklung_und_Altersstruktur.html)

Diese stetige Zunahme der älteren Bevölkerung macht gerontologische Forschungen notwendig. Dabei werden wissenschaftliche Studien über Menschen im höheren Lebensalter erstellt, um so zu allgemeingültigen Aussagen über den Alternsprozess zu gelangen. Jedoch besteht das Altern in einem sehr komplexen Prozess , der sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene abläuft. Aus diesem Grund existiert bis heute noch keine Theorie, die den Alternsvorgang in seiner Ganzheit beschreibt und erklärt. Es gibt bisher keine vereinheitlichende Theorie welche den Prozess des Alterns umfassend beschreibt, lediglich sehr viele Einzeltheorien (derzeit etwa 300) , die in ihrer Gesamtheit eher verwirren als klären. (vgl. Benecke, 1998)

Altern geschieht auf allen Ebenen des biologischen, individuellen und sozialen Daseins. Der Altersvorgang findet somit auf mehreren Ebenen statt: auf Populations-, Organismus-, Organ- und Zellebene sowie im molekularen Bereich. All diese Ebenen beeinflussen sich gegenseitig. (vgl. Oswald et al., 1991)

2 Erläuterung verschiedener Theorien des Alterns

2.1 Biologische Alternstheorien

Zunächst sollen einige biologisch-medizinische Gegebenheiten bezüglich des Alterns näher erläutert werden, da diese Voraussetzung für die psychologischen Theorien sind. „Im Rahmen der biologischen Alternstheorien werden die Mechanismen behandelt, die ihre Wirksamkeit im molekularen Bereich bis hin zum Gesamtorganismus entfalten.” (Oswald et al., 1991, S.47)

2.1.1 Die Mutationstheorie

Die Zellen der Lebewesen enthalten alle einen Nucleus (Zellkern), dessen bedeutendster Bestandteil die Chromosomen sind. Sie bestehen primär aus Eiweiß und Kernsäuren: der Desoxyribonucleinsäure (DNS) und der Ribonucleinsäure (RNS). Die DNS stellt eine aus Basen, Zucker und Phosphorsäure bestehende schraubenartig gedrehte Strickleiter dar (Doppelhelix), welche die Erbinformation enthält. Bei der Theorie geht man davon aus, dass diese „genetischen Strukturen lebenslänglich vielfältigen Schädigungsmechanismen ausgesetzt sind“. (Pietschmann, S.2) Dadurch kann es zu Mutationen kommen, die zu einer sprunghaften Veränderung der DNS führen, d.h. „die Zelle ist nicht mehr fähig identische Tochterzellen zu replizieren und kann auch keine Proteine mehr mit der ‚richtigen’ Struktur synthetisieren.”(Oswald, 1983, S. 28) Ähnlich wie bei der Fehlerkatastrophentheorie sammeln sich die Veränderungen an und führen letztlich zum Tod der Zelle und des Organismus. Die Theorie wird jedoch häufig kritisch betrachtet, da in neueren Studien nachgewiesen wurde, dass ein hoher Anteil der Zellen über Mechanismen verfügt, die in der Lage sind, DNA-Schäden selbst zu reparieren. (vgl. Oswald, Herrmann, Kanowski, Lehr &Thomae, 1991)

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Details

Title
Theorien des Alterns. Älterwerden aus biologischer, psychologischer und sozialpsychologischer Perspektive
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Sportwissenschaft und Sport)
Course
Seminar Entwicklungspsychologie
Grade
1,7
Author
Year
2008
Pages
10
Catalog Number
V273865
ISBN (eBook)
9783656665489
ISBN (Book)
9783656665366
File size
365 KB
Language
German
Tags
Theorien des Alterns, Mutationstheorie, Fehlerkatastrophentheorie, Hayflicksche Theorie, Freie Radikale, Deprivationstheorie, Akkumulationstheorie, Defizit-Modell, Altern
Quote paper
Christina Rogler (Author), 2008, Theorien des Alterns. Älterwerden aus biologischer, psychologischer und sozialpsychologischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273865

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