Philosophie der sportlichen Leistung

Ein sozial-philosophischer Diskurs


Hausarbeit, 2007
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zielsetzungen

2 Philosophie der sportlichen Leistung
2.1 Kulturwissenschaftlicher Deutungsansatz
2.2 Stationen des bisherigen sozialphilosophischen Diskurses
2.2.1 Klafki (1964)
2.2.2 Lenk (1972;1976)
2.2.3 Gebauer (1972)
2.2.4 Krockow (1974)
2.2.5 Güldenpfennig (1975)
2.2.6 Digel (1982)
2.2.7 Becker (1987)
2.2.8 Palm (1993)
2.2.9 Haag (1995)
2.2.10 Zusammenfassung von Positionen
2.3 Stellungnahme zu ausgewählten Positionen
2.4 Spezifische Struktur sportlichen Leistungshandelns
2.4.1 Selbststeigerung und Selbstanerkennung
2.4.2 Selbstbegrenzung
2.4.3 Moralischer Gehalt sportlicher Fairness

3 Zusammenfassende Bemerkungen

Literaturverzeichnis:

1 Zielsetzungen

„Sport ohne Leistung ist Kappes.“- Auf diese griffige Formel hat DSB-Präsident Willi Weyer die Beziehung zwischen Sport und Leistung reduziert. Diese stereotype Festlegung bedarf nach Sven Güldenpfennig, dem Autor des Aufsatzes „Philosophie der sportlichen Leistung“[1] der Präzisierung. Dabei strebt Güldenpfennig keineswegs eine Abgrenzung des Leistungssports von den Begriffen „Breitensport“ und „Freizeitsport“ an. Vielmehr geht es ihm um ein alternatives Deutungskonzept der sportlichen Leistung, bei dem ihre spezifische Eigenart im Gegensatz zu anderen sozialen Bereichen herausgearbeitet werden soll (vgl.S.175 ff.). In diesem Zusammenhang will er eine „Rekonstruktion“ der kulturellen Sinnstruktur und der Sinngrenzen des Sports vornehmen (S.170).

Um dies zu erreichen, muss zum einen der Begriff Sport objektivierend bestimmt werden, und zum anderen ist eine Einengung der Sinngrenzen des Sports erforderlich (vgl. S.176).

2 Philosophie der sportlichen Leistung

2.1 Kulturwissenschaftlicher Deutungsansatz

Die kulturelle Sinnstruktur des Sports lässt sich in Kurzform folgendermaßen charakterisieren: Der Sport erzählt frei erfundene Geschichten, wie sie in ähnlicher Form auch von anderen Künsten hervorgebracht werden. Diese fiktiven Geschichten werden um ihrer selbst Willen produziert. Sie handeln davon,

1. dass sich zwei Menschen oder Mannschaften oder ein Mensch mit einem Teil der belebten oder unbelebten Natur streitet, und zwar
2. mit zentraler Bedeutung der körperlichen Bewegung,
3. ohne einen bestimmten Grund,
4. als freiwillig verabredeter Konflikt um ein „künstliches Streitobjekt“ (S.177),
5. mit dem vorrangigen Ziel der Selbstvervollkommnung und Selbstanerkennung der Beteiligten (vgl. S.177),
6. unter Anerkennung von sportspezifischen Grenzen biologischer und moralischer Natur,
7. insbesondere unter Beachtung vereinbarter Regeln,
8. durch deren ethisch-moralischen Normengehalt der sportliche Handlungsraum festgelegt wird.
9. Durch die Mitwirkung an diesem Konflikt gestalten die Beteiligten „künstliche, ja künstlerisch[e] Formen“ (S.178) von besonderem Wert.
10. Damit werden Geschichten erzählt, die einfach nachzuvollziehen sind und von einem großen Publikum miterlebt und eigenständig reproduziert werden können.

Es werden also Geschichten erzählt, in denen es um selbst auferlegte Herausforderungen geht, die nicht unter dem Druck äußerer Umstände bewältigt werden und die sich genauso wie die Werte der anderen Künste in einer fiktiven Realität abspielen. Damit übernimmt der Sport einerseits die Funktion, die Künsten allgemein in einer Gesellschaft zukommt. Andererseits unterscheidet er sich dadurch, dass er eine „sportspezifische Subfunktion“ (S.175) aufweist, indem die Gesetze des Sozialdarwinismus zum Tragen kommen. Dies lässt sich nach Walzer nur rechtfertigen, wenn eine „gesamtgesellschaftlich geltend[e] Universalmoral“ (S.179) dem Sozialdarwinismus übergeordnet ist. Nach Luhmann ist er nur zu tolerieren, wenn er temporär auftritt und auf die einzelnen Funktionsbereiche beschränkt wird (vgl. S.179).

Das Besondere des Sports innerhalb der menschlichen Kulturentwicklung besteht darin, dass er sich von gesellschaftlichen „Nutzenerwartungen“ (S.179) nicht bestimmen lässt. Vielmehr ist er „Teil der Sphäre des kulturellen-Nicht-Notwendigen und der ästhetischen Gestaltung“ (S.179). Bei der sportlichen Leistung geht es also nicht um ökonomische Prinzipien, sondern um das Streben nach Vollkommenheit und die „Suche nach den Grenzen des Menschen-Menschenmöglichen“ (S.179).

2.2 Stationen des bisherigen sozialphilosophischen Diskurses

Nachdem Sport als Teil des ästhetischen Bereiches herausgestellt worden ist, sollen nun einige Stationen des sozialphilosophischen und sportwissenschaftlichen Diskurses seit den 1990er Jahren wiedergegeben werden.

2.2.1 Klafki (1964)

Klafki teilt nicht die Sorge um die „Entstehung des Sports durch Leistungsstreben“ (S.181), sondern hebt als zentrales Motiv des Sports die „Freude an der eigenen Leistung oder am Können einer Gruppe hervor. Das entscheidende Moment dieser Freude ist das „Leisten können, ohne leisten zu müssen“ (S.181).

2.2.2 Lenk (1972;1976)

Nach Lenk verkörpert der Athlet einen Menschen, der auf „personale Auszeichnung hinstrebt“ (S.182). Sie soll erworben werden durch Leistungen in einem Bereich, der außerhalb der ökonomischen Sphäre steht und damit kulturschöpferische Bedeutung hat. Damit rückt der Athlet in die Nähe von Herakles und Prometheus.

2.2.3 Gebauer (1972)

Gebauer sieht einen unlöslichen Zusammenhang zwischen Leistung und Erfolg, d.h. „Erst im Erfolg wird eine Leistung konstituiert, und nur durch eine Leistung ist ein Erfolg möglich“ (S.183). Er präzisiert den Begriff der sportlichen Leistung, indem er zwischen „Aktionsleistung“ und „Präsentationsleistung“ unterscheidet. Damit eine Leistung sozial anerkannt wird, muss die bestimmten Leistungskriterien entsprechende Aktion des Sportlers durch eine entsprechende Präsentation ergänzt werden.

Ähnlich dem künstlerischen Leistungsprinzip, das in der „Innovation künstlerischer Formen“ (S.184f.) besteht, gründet sich das sportliche Leistungsprinzip auf „Überbietung“ (S.184).

2.2.4 Krockow (1974)

Krockow beschreibt die Spielregeln der modernen Industriegesellschaft mit dem „magischen Dreieck“: „Leistung, Konkurrenz und Gleichheit“ (S.185). Diese Prinzipien bestimmen auch den Leistungssport, der jedoch zusätzlich die Möglichkeit der Selbstbestimmung gewährleisten sollte. Somit wird der Sport zu einer „Utopie dessen, was allgemein sein sollte, aber nicht ist“ (S.186).

2.2.5 Güldenpfennig (1975)

Der Autor will die Neue Linke von dem Vorwurf der Leistungsfeindlichkeit entlasten, da es seiner Meinung nach ein generelles Nein zur Leistung weder in der gesellschaftspolitischen Diskussion noch in der Auseinandersetzung um den Leistungssport und die sportliche Leistung gebe (vgl. S.186). Er wünscht sich sportliche Leistungen von gesellschaftlicher Relevanz, die dem demokratischen Fortschritt dienen sollten.

[...]


[1] Güldenpfennig, S.: Philosophie der sportlichen Leistung. In: Sportphilosophie. Ein Handbuch. Hg. : H.Haag. Schorndorf: Hofmann 1996 (= Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport ;115). S.173- 208.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Philosophie der sportlichen Leistung
Untertitel
Ein sozial-philosophischer Diskurs
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Sportwissenschaft und Sport)
Veranstaltung
Vorlesung Sportphilosophie
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V273868
ISBN (eBook)
9783656663317
ISBN (Buch)
9783656663331
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
philosophie, leistung, diskurs
Arbeit zitieren
Christina Rogler (Autor), 2007, Philosophie der sportlichen Leistung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273868

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