Kapitalbasierte Makroökonomik und monetäre Konjunkturtheorie

Überinvestitionstheorie von F.A. Hayek


Hausarbeit, 2013

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Produktionsgut

3. Kapitalbasiertes makrookonomisches Modell von Hayek und Garrison
3.1. Das Hayeksche Dreieck
3.2. Kapitalmarkt und Produktionsmoglichkeitenkurve
3.3. Totalmodell von Hayek und Garrison

4. Monetare Uberinvestitionstheorie
4.1. Konjunkturzyklus
4.2. Der Boom
4.3. Der Bust
4.4. Anwendung der hayekschen Uberinvestitionstheorie auf die Suprimekrise

5. Keynes Gegenentwurf eines Konjunkturzyklus
5.1. Keynes Ansicht des Abschwungs im Modell von Hayek und Garrison
5.2. Die unterschiedlichen Handlungsempfehlungen wahrend einer Rezession

6. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: The intertemporal structure of production

Abbildung 2: Intertemporal Capital restructuring (Quelle: Garrison (2005))

Abbildung 3: A Loanable funds market

Abbildung 4: Production possibilities frontier (Quelle: Garrison (2005))

Abbildung 5: A capital-based macroeconomic framework (Quelle: Garrison (2005))

Abbildung 6: A policy-induced boom and bust

Abbildung 7: An investment-led collapse into recession

Abbildung 8: Saving-induced economic growth

1. Einleitung

Die aktuell in Europa herrschende Staatsschuldenkrise hat ihren Ursprung in der im Sommer 2007 mit dem Platzen der US-Immobilienblase ausgelosten Weltwirtschaftskrise. Diese gilt gemeinhin als schwerste wirtschaftliche Krise seit der „Grofien Depression" in den 1920er und 1930er Jahren.

In Folge der ersten Weltwirtschaftskrise haben unter anderem John M. Keynes und Friedrich A. von Hayek Konjunkturtheorien entwickelt, die solche schweren wirtschaftlichen Verwerfungen zu erklaren versuchten und Handlungsvorschlage zu deren Eindammung gaben.

Beide Theorien, die bis in die 1980er Jahre hinein zu groBen Debatten unter Konjunkturtheoretikern fuhrten haben bis heute an ihrer Bedeutung far politisches Handeln stark verloren. Nun hat die erneute Weltwirtschaftskrise das Interesse an den damaligen Losungsvorschlagen wieder zugenommen.

Wahrend John M. Keynes zu einem der Bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts aufstieg, ist der Bekanntheitsgerad seines alten Konkurrenten Friedrich A. von Hayek und dessen Lehrmeinung die Osterreichische Schule der Nationalokonomie stark zuruckgegangen.

Begrunder der Osterreichischen Schule der Nationalokonomie war Carl Menger der mit seiner Grenznutzenlehre die Mikrookonomie fur immer veranderte.1 Die von Eugen von Bohm Barwerk entwickelte osterreichische Kapitaltheorie bildete die Basis auf derer Ludwig von Mises die osterreichische Konjunkturtheorie begrundete.

Mit dieser Grundlage entwickelte Friedrich A. von Hayek seine Konjunkturtheorie, die er 1931 in seinem Werk „Preise und Produktion" veroffentlichte und fur die er 1974 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde. Obwohl seine Theorie, die als „monetare Uberinvestitionstheorie" Bekanntheit erlangte, sich ursprunglich mit zyklisch wiederkehrenden Konjunkturschwankungen beschaftigte und nicht mit kollapsartigen Konjunkturkrisen, ist sie uberraschend gut dazu geeignet, die aktuelle Krise zu beschreiben.

Ziel dieser Seminararbeit ist ein aufbereiten der kapitalbasierten makrookonomischen Theorie der Osterreichischen Schule der Nationalokonomie sowie eine Erlauterung Hayeks monetarer Uberinvestitionstheorie.

AbschlieBend wird ein Vergleich zu der Sichtweise des Keynesianismus auf konjunkturelle Schwankungen gezogen.

2. Das Produktionsgut

Obwohl die Osterreichische Schule der Nationalokonomie eine makrookonomisch ausgerichtete Lehre ist, stutzt sie in ihrer kapitalorientierten Theorie sehr stark auf mikrookonomische Fragen. So beschaftigt sie sich deutlich starker als die meisten anderen Wirtschaftslehren mit dem Wesen des Produktionsprozesses, der fur die Herstellung von Konsumgutern notwendig ist. Wahrend des Produktionsprozesses werden Produktionsguter in Konsumguter umgewandelt, was in der Regel zu einer Wertsteigerung fuhrt.

Die Osterreichische Schule betrachtet Produktionsguter nicht als homogene Masse sondern berucksichtigt ihre Heterogenitat. Damit betrachtet sie Produktionsguter deutlich differenzierter als beispielsweise der Keynesianismus oder der Monetarismus. Da unterschiedliche Produktionsguter fur unterschiedliche Zwecke entworfen wurden, konnen sie nur zum Teil oder schlecht substituiert werden. Damit ist gemeint, dass man Eisenbahnen ubereinander stapeln kann, sie konnen aber trotzdem nicht den Zweck eines Baukrans erfullen.2

Naturlich gibt es auch Produktionsguter die substituiert werden konnen, und solche die teilsubstituiert werden konnen. Dennoch entsteht durch die Heterogenitat von Produktionsgutern fur die Osterreichische Schule die Notwendigkeit, die Produktionsguterallokation im Produktionsprozess, und somit auch dessen Produktionsstruktur, zu betrachten. Vielmehr sieht sie darin eine der wichtigsten Aufgaben innerhalb einer Volkswirtschaft.

3. Kapitalbasiertes makrookonomisches Modell von Hayek und Garrison

3.1. Das Hayeksche Dreieck

Basierend auf Eugen von Bohn-Bawercks Idee der Produktionsumwege entwickelte Hayek ein Diagramm welches den Produktionsprozess vielseitiger betrachtet als es andere, weiter verbreitete Lehrmeinungen der Volkswirtschaftslehre tun3, dem Hayekschen Dreieck4.

Hierbei handelt es sich um ein rechtwinkliges Dreieck, dessen Grundseite die aufeinander folgenden Produktionsstufen eines Produktionsgutes darstellen. Jede dieser Stufen ist ein Zwischengut des Produktionsprozesses zu einem bestimmten Zeitpunkt und somit ein intermediares Gut, dessen Wert mit der Zeit steigt und anhand der Hohe der Produktionsstufe gemessen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: The intertemporal structure of production (Quelle: Garrison (2005))

Auf der letzten Produktionsstufe befindet sich das Endprodukt, das den hochsten Wert hat und konsumiert werden kann. Der Konsum vollzieht sich erst mit Vollendung der Produktion. Bohn-Bawerck beschrieb dieses Endprodukt das konsumiert werden kann als „Gut erster Ordnung“ und die Produkte der Vorstufen als „Guter hoherer Ordnung“5.

Je langer also der Produktionsprozess ist, desto groBer wird der Wert des letztendlichen Guts erster Ordnung, das aus einer gegebenen Menge an Produktionsfaktoren6zu einem bestimmten Zeitpunkt gewonnen werden kann. Der Wert des Produktionsgutes steigt mit der Zeit uber mehrere Produktionsstufen an bis das Endprodukt, das konsumierbar ist, entsteht. Erst auf der letzten Produktionsstufe, wenn das Produkt tatsachlich verkauft und konsumiert werden kann entsteht also ein Wert fur das Konsumgut. Wahrend das Produktionsgut mit der Zeit an Wert gewinnt, hat das Konsumgut erst bei der Vollendung des Produktionsprozesses einen Wert.

Theoretisch kann der Produktionsprozess also unendlich verlangert werden um den Wert des Gutes zu steigern, damit verlangert sich aber auch der Zeitraum ohne Profit aus der Produktion, was diese kapitalintensiver macht.

3.2. Kapitalmarkt und Produktionsmoglichkeitenkurve

Die Herstellung von Gutern fuhrt zu einer Wertminderung der Produktionsfaktoren. Um diesen VerschleiB zu kompensieren nutzen die Produzenten gespartes Kapital, das ansonsten fur Konsum genutzt werden wurde. Wird der VerschleiB uberkompensiert, also mehr Kapital gespart als fur den Produktionserhalt notwendig, fuhrt dies zu Wachstum.7

Das zusatzlich gesparte Kapital wird investiert und schafft weitere Produktionsstufen, die letztendlich den Wert der Konsumguter erhohen. Die weiteren Produktionsvorstufen, die von Bohn-Bawerck als „Produktionsumwege“ bezeichnet werden, machen den Produktionsprozess aufwendiger und kapitalintensiver, aber langfristig effizienter. Die weiteren fruhen Produktionsvorstufen dehnen sich zu Lasten der spateren Produktionsstufen aus.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Intertemporal Capital restructuring (Quelle: Garrison (2005))

Wie man in Abbildung 2 sehen kann sinkt durch die Restrukturierung des Produktionsprozesses zu Beginn der Wert der Konsumguter, mit der Zeit aber steigt dieser uber das Ursprungsnivea und ein Wachstum wird geschaffen. Die Opportunitatskosten fur einen langfristig erhohten Wert der Konsumguter liegen in einer kurzfristigen Minderung des Werts der Konsumguter. Das sparen mindert den Konsum und die Produktionsweise wird kapitalintensiver.9

Betrachten wir nun einen klassischen Kapitalmarkt in dem das Investitionskapital ausschlieBlich von den Konsumenten verliehen wird, es gibt also keine Beteiligung von Privatbanken oder Zentralbanken. Es Entsteht auf dem Kapitalmarkt ein Gleichgewichtszins, der als „naturlicher Kapitalzins“ bezeichnet wird. Der naturliche Kapitalzins sorgt fur einen Ausgleich zwischen Spareinlage und Kreditvergabe und ist von Konsum und Produktion.

Wird zusatzliches Geld gespart, so sinkt der naturliche Kapitalzins und macht zusatzliche Investitionen attraktiver, wird weniger Geld gespart steigt der naturliche Kapitalzins. Mit den steigenden Investitionen sinkt der Wert der Konsumguter.

Wenn die Konsumenten nun mehr Geld sparen, sinkt der Zins auf dem Kapitalmarkt und lasst den Anreiz Investitionen in der Gegenwart zu tatigen steigen. Da Zeitintensive Investitionsprojekte starker von einem niedrigen Marktzins begunstigt werden als kurzfristige Projekte, kommt es zu einer Kapitalverlagerung von konsumnahen in konsumferne Produktionsphasen.

Es entstehen weitere Produktionsvorstufen, die Produktionsumwege werden verlangert und der Produktionsprozess wird kapitalintensiver.

Dadurch, dass die Konsumenten mehr sparen bleibt weniger Geld fur den Konsum ubrig, was den AusstoB an Konsumgutern senkt.

Steigende Investitionen fuhren somit zu sinkendem Konsum. Dieser Trade-Off wird durch eine Produktionsmoglichkeitenkurve dargestellt.

Im Gleichgewicht bewegt sich der Punkt auf der Produktionsmoglichkeitenkurve, je nach Sparpraferenz der Konsumenten. Bei einer Uberhitzung des Marktes wird die Produktionsmoglichkeitenkurve uberstiegen, also erhohte Investitionen bei denen Konsum nicht einschranken.

Vice Versa entsteht bei einer Rezession eine Situation in der die Produktionspotentialkurve unterschritten wird. Durch gesunkene Investitionen steigt der Konsum nicht an und das Produktionspotential der Volkswirtschaft wird nicht ausgelastet.

3.3. Totalmodell von Hayek und Garrison

Roger W. Garrison hat das Hayeksche Dreieck, das Kapitalmarkmodell und die Produktionsmoglichkeitenkurve zu einem Totalmodell zusammengefasst, das einen Konjunkturzyklus nach hayekscher Sicht darstellt.

In dem Gesamtmodell, unter der Annahme der Vollbeschaftigung und ohne eine Beteiligung von Privatbanken, bestimmt zunachst das Gleichgewicht am Kapitalmarkt die Hohe der Investitionen. Das am Kapitalmarkt ermittelte gleichgewichtige Zinsniveau entspricht zugleich dem naturlichen Kapitalzins und der Steigung des Hayekschen Dreiecks. Aus dem Verlauf der Produktionsmoglichkeitenkurve Ergibt sich derjenige Wert der Konsumguter, der von den Unternehmen

geplant wil'd und produziert werden soli. Durch den bekannten Wert der Konsumgiiter und dui'ch die Steigung des Hayekschen Dreiecks lasst sich dessen Grundseite, also die zeitliche Lange des Produktionsprozesses und somit die Anzahl der Produktionsstufen determinieren.

Wurden in diesem Modell die Konsumenten mehr Sparen als bisher, ohne das zusatzliches Wachstum generiert wurde, hatte dies zur Folge, dass sich die Sparkurve im Kapitalmarktmodell nach rechts verschiebt. Dadurch sinkt das am Kapitalmarkt ermittelte gleichgewichtige Zinsniveau, der naturliche Kapitalzins, was ceteris paribus zu steigenden Investitionen und sinkendem Konsum fuhrt. Der Punkt auf der

Produktionsmoglichkeitenkurve verschiebt sich nach rechts unten. Dies fuhrt zu einer geringeren Steigung und einer Verlangerung des Hayekschen Dreiecks. Es dehnen sich die ersten Phasen des Produktionsprozesses zu Lasten der letzten Phasen aus. Es entsteht ein neues Gleichgewicht.

1st der Prozess der Kapitalrestrukturierung abgeschlossen wird der AusstoB des Werts der Konsumguter wieder steigen und schlieBlich sein Ausgangsniveau uberschreiten. Die Produktionsmoglichkeitenkurve verschiebt sich nach rechts und der ursprungliche durch sparen induzierte Konsumverzicht fuhrt zu einem langfristigen sparinduzierten Wirtschaftswachstum.10Siehe Abbildung 8 im Anhang.

Ein im Ausgangspunkt steigendes Bedurfnis nach Konsum fuhrt im Umkehrschluss zu einem steigenden naturlichen Kapitalzins und sinkenden Investitionen. Im Produktionsprozess kommt es zu einer Kapitalverlagerung von konsumfernen in konsumnahe Produktionsphasen und der kurzfristige Konsum steigt auf Kosten des langfristigen Werts der Konsumguter. Dies fuhrt zu einem langfristigen Wirtschaftsruckgang.

[...]


1Vgl. Garrison, R.W. (2005), S.1

2Vgl. Powell, B. (2010), S.125

3Z.B. Keynes, Vgl. Garrison, R.W. (2005), S. 10

4Vgl. Garrison, R.W. (2005), S. 10

5Vgl. Zeitz, C. (2009), S. 174

6Faktor Arbeit ist einer der bedeutendsten Produktionsfaktoren.

7Vgl. Garrison, R.W. (2005), S. 6

8Vgl. Zeitz, C. (2009), S. 175f

9Vgl. Garrison, R.W. (2005), S. 7

10Vgl. Garrison, R.W. (2005), S. 25

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Kapitalbasierte Makroökonomik und monetäre Konjunkturtheorie
Untertitel
Überinvestitionstheorie von F.A. Hayek
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminararbeit zur Konjunktur- und Wachstumspolitik
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V273924
ISBN (eBook)
9783656663560
ISBN (Buch)
9783656663515
Dateigröße
1043 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitalbasierte Makroökonomik, Monetäre Konjunkturtheorie, Friedrich A. von Hayek;, Konjunkturtheorie;, monetäre überinvestitionstheorie;, Österreichische Schule;, austrian economics;, Ludwig von Mises;, business cycle;, price and production;, Preise und Produktion;, Konjunkturschwankungen;, Roger W. Garrison;, Finanzkrise;, Subprime mortgage crisis;, Austrian School;, Weltwirtschaftskrise
Arbeit zitieren
Mark André Grashorn (Autor), 2013, Kapitalbasierte Makroökonomik und monetäre Konjunkturtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273924

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