Die Dreiecksbeziehung Kreisler, Julia und Hedwiga in "Die Lebensansichten des Katers Murr" von E.T.A Hoffmann


Seminararbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis Seite

1. Einleitung 2

2. Das Hell – Dunkel – Prinzip

3. Kreisler, Julia und Hedwiga 3.1 Der brennende Dornbusch
3.2 Semantik der Namen

4. Die Dreiecksbeziehung 4.1 Julia und Hedwiga
4.2 Hedwiga und Kreisler
4.3 Kreisler und Julia
4.4 Finstere Machenschaften

5. Abschlussgedanken

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit behandelt die Dreiecksbeziehung zwischen den drei Hauptfiguren Johannes Kreisler, Prinzessin Hedwiga und Julia Benzon in E.T.A. Hoffmanns satirischem Roman „Lebensansichten des Katers Murr“. E.T.A. Hoffmann (24. Januar 1776 – 25. Juni 1822)[1] wird der Spätromantik zugerechnet und er war nicht nur Dichter, sondern auch Theaterdirigent, Komponist, Bühnenarchitekt und Maler, nebst seiner hauptberuflichen Tätigkeit, als Jurist und Beamter.[2]

Sein Werk „Lebensansichten des Katers Murr“ ist zugleich Bildungs-, Künstler-, Gesellschafts- und Entwicklungsroman, es ist sowohl Biographie als auch Autobiographie. Ferner besitzt es satirische, ironische und parodierende Elemente. Auf diese Weise hat E.T.A. Hoffmann die Intention der Romantiker, die literarischen Gattungen zu verschmelzen, und sich, über die Grenzen der Norm der Schreibtraditionen, hinweg zu setzen, mit eifrigem Bemühen verfolgt; insbesondere bei diesem Werk ist dies ersichtlich, und mittels diesem hat E.T.A. Hoffmann unzweifelhaft einen Höhepunkt der deutschsprachigen Literatur kreiert. „Lebensansichten des Katers Murr“ enthält zwei Geschichten, welche von einander getrennt und dennoch verwoben sind: In der ersten wird die traditionelle Tierdichtung fortgesetzt und sie enthält sehr viel Parodierendes, während die zweite Geschichte düsterer und unheimlicher ist, und als zentrales Thema die Liebe zwischen drei Personen innehat, auf welches dieser Aufsatz sich fokussiert.

Bezüglich des Forschungsstands kann man sagen, dass dieses Werk in der wissenschaftlichen Literatur reichlich Beachtung fand, und Sekundärliteratur darüber reichlich vorhanden ist. Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, die Dreicksbeziehung von Kreisler, Julia und Hedwiga, auch unter Blickwinkeln zu interpretieren, die bisher nicht, oder nicht ausführlich beachtet wurden. Dies soll unter anderem mit mehr oder weniger konsistenten Interpretationen durchgeführt werden, einige davon sind auch sehr wage gestaltet, jedoch werden sie durch Ex- und Diskurse in einen nachvollziehbaren Kontext gestellt. Um den Rahmen nicht zu sprengen und den Umfang in Grenzen zu halten, werden nur einige der wichtigsten Szenen angeführt. Der Aufbau des Aufsatzes besteht aus folgenden Teilen:

- Im ersten Teil werden einige formale Aspekte der Gestaltung der Geschichte und deren Bezug zum Inhalt erörtert. Hierbei wird auf das von E.T.A. Hoffman oftmals verwendete „Hell-Dunkel-Prinzip des Erzählens“ eingegangen.
- Danach werden im zweiten Teil, anhand der Begegnung der drei Personen, die Charakterzüge und Eigenschaften von Kreisler, Julia und Hedwiga vorgestellt. Ausserdem werden die Namensbedeutungen dieser Figuren erklärt.
- Der dritte Teil behandelt die Beziehungen zwischen den Charakteren und liefert einige Beispiele, die die aufgestellten Thesen stützen sollen. Ausserdem werden einige Kräfte beschrieben, welche auf Kreisler, Julia und Hedwiga einwirken, und die Schicksalsstränge dieser zu lenken versuchen.
- Schlussendlich werden einige Anmerkungen und Verweise getroffen, offen gebliebene Fragen werden aufgezeigt.

2. Das Hell-Dunkel-Prinzip

Bereits bei der Betrachtung der formalen Gestaltung dieses Romans wird E.T.A. Hoffmanns Vorliebe für eine „Hell-Dunkel-Erzählweise“, eine Erzeugung von Kontrasten, ersichtlich. Während die erste Geschichte, die Geschichte des Katers Murr, chronologisch erzählt wird, wird die zweite Geschichte, die Geschichte des Johannes Kreisler, anachron erzählt. Es treten immer wieder Analepsen auf. Zudem erscheint die erste Geschichte ziemlich verständlich und relativ einfach. Wir können eindeutig in das Geschehen hinein blicken, denn durch die „helle“ Erzählweise, ist unser „Leseblick“ nicht getrübt, während die zweite sehr undurchsichtig und geradezu „nebelig“ erscheint, obwohl sie doppelt so lang ist, wie die erste. Denn die „dunkle“ Erzählweise der „Kreisler-Geschichte“ ist dermassen beschaffen, dass sehr viele Ungereimtheiten und Unklarheiten bleiben, und die Geschichte sehr viele Geheimnisse und Mysterien beherbergt, und dies obwohl in der „Kater Murr-Geschichte“, wenn wir nach Stanzel den Erzähler einordnen wollen, es sich um einen internen Erzähler handelt, der ebenso viel weiss, wie die Hauptfigur, da er ja auch der Erzähler ist (laut Genette somit ein autodiegetischer Erzähler ist und es sich um eine interne Fokalisierung handelt), und in der „Kreisler-Geschichte“ der Erzähler auktorial auftritt: er macht wertende Äusserungen und ist allwissend (laut Genette somit eine Nullfokalisierung). Trotz dieser Allwissenheit des Erzählers bleibt aber dieses Wissen vor dem Leser im „Dunklen verborgen“.

All dies unterstreicht die „Hell-Dunkel-Methodik“ des Schreibstils E.T.A. Hoffmanns, welcher ein riesiger Bewunderer Rembrandts war, und dessen kontrastreiche Malerei unter immenser Verwendung von Hell und Dunkel vonstatten ging. E.T.A. Hoffmann, welcher die Interdisziplinaritäten der verschiedenen Künste immer wieder in seinen Werken betonte, vollführte einen Schreibstil, mit welchem er „seine Geschichten in Rembrandtscher Manier kleidete“. Das „Hell-Dunkel-Prinzip“ kann man auf allen formalen und semantischen Ebenen der Geschichte erkennen. Da Rembrandt sehr oft religiöse Motive benutzte, ist die folgende Interpretation des Begegnens von Kreisler, Julia und Hedwiga durchaus gerechtfertigt.

3. Kreisler, Julia und Hedwiga

3.1. Der brennende Dornbusch

Julia, die Tochter einer Rätin, und Hedwiga, eine Prinzessin, begeben sich in den Park zu Sieghartshof in eine Fischerhütte, und treffen dort im Gebüsch auf den musizierenden Kreisler, welcher sehr ironisch auftritt, seine Gitarre fortwirft und verschwindet. Während die fröhliche Julia erheitert ist und Kreislers Humor versteht, erschrickt Prinzessin Hedwiga und meint, man solle den Park privatisieren, weil sie sich vor Bösewichten fürchtet. Julia macht sich darauf (nicht boshaft) über ihre Freundin lustig:

[…] „du bedenkst die Gefahr nicht, die für uns daraus entsteht. Wie oft wandeln wir so wie heute allein, entfernt von aller Dienerschaft in den entlegensten Gängen des Waldes umher! – Wie wenn einmal irgendein Bösewicht – !“

„Ei“, unterbrach Julia die Prinzessin, „ich glaube gar, du fürchtest, aus diesem, jenem Gebüsch könnte irgendein ungeschlachter märchenhafter Riese, oder ein fabelhafter Raubritter, hervorspringen, und uns entführen auf seine Burg! – Nun das wollte der Himmel verhüten! – Aber sonst muss ich dir gestehen, dass mir irgendein kleines Abenteuer hier in dem einsamen romantischen Walde recht hübsch recht anmutig bedünken möchte.“ […][3]

Selbst mit der Ironie gestaltet E.T.A. Hoffmann einen Hell-Dunkel-Kontrast, denn Witz und Ernst, beides ist in diesen Zeilen unverkennbar. Oftmals ist bei E.T.A. Hoffmann die Umgebung, in welcher die Charaktere agieren in Bezug zu den Personen oder Ereignissen. Man dürfte vielleicht äussern, die syntagmatischen Bausteine (Ort und Personen und Ereignisse) liessen sich auch in paradigmatischer Ebene einordnen. Dass gerade das Gebüsch als Milieu beim Antreffen auserkoren wurde, ist gewiss kein Zufall. Wenn man an die religiösen Motive des Rembrandt, welchen E.T.A. Hoffmann bewunderte, denkt (und selbstverständlich auch an andere Geschichten von E.T.A. Hoffmann), so kann man in Anbetracht der häufigen Nutzung von Motiven aus Kunst und Religion diesen wichtigen Knotenpunkt der Geschichte in Kontext zur Szene des brennenden Dornbusches, aus dem Buche Exodus der Bibel, stellen. An dieser Stelle teilte Gott dem Moses seinen Namen mit. Hierbei ist der brennende Dornbusch sowohl mit Julia, als auch mit Hedwiga auf semantischer Ebene in Verbindung zu setzen: Julia fungiert für Kreisler als „Index für die Göttlichkeit“, während Hedwiga in allerlei Verbindungen zum Feuer gesetzt werden kann.

Interessanterweise „zitierte“ Jesus die Szene des brennenden Dornbusches, um den Sadduzäern, einer jüdischen Gruppierung, damit die Möglichkeit der Auferstehung zu erklären. In gewisser Weise ist Johannes Kreisler, welcher herumgewandert war und nun an diesem Ort zurückkehrt, auf eine gewisse Weise auch ein „von den Toten zurück gekehrter“.

[...]


[1] Vgl.: Safranski, S. 496,

[2] Vgl.: Killinger, S.

[3] Hoffmann, S.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Dreiecksbeziehung Kreisler, Julia und Hedwiga in "Die Lebensansichten des Katers Murr" von E.T.A Hoffmann
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Modul: 107b Aufbaumodul A NDL
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V273930
ISBN (eBook)
9783656663607
ISBN (Buch)
9783656663591
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E.T.A. Hoffmann, Lebensansichten des Katers Murr
Arbeit zitieren
Marko Stevic (Autor), 2009, Die Dreiecksbeziehung Kreisler, Julia und Hedwiga in "Die Lebensansichten des Katers Murr" von E.T.A Hoffmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273930

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