Sozialsemiotik der Typographie. Interpretationen von Bildaufnahmen nach Hartmut Stöckl


Seminararbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Typographie gemäss Hartmut Stöckl
2.1. Definition
2.2. Mikro-, Meso-, Makro- und Paratypographie
2.3. Typographie als peripheres Zeichensystem
2.4. Display- und Akzidenztypographie

3. Typographie im Alltag
3.1. Uhranzeige und Strassenbahnliniennummer
3.2. Typographie von Graffiti
3.3. Wissenschaftliche Arbeiten – typographische Dispositive
3.4. Werbeplakate – Typographie des „Blickfangs“
3.5. Typographie bei Computerspielen

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Aufgabenstellung, die konzeptuellen theoretischen Aspekte der Sozialsemiotik zur Typographie anhand von selbst gemachten Bildaufnahmen zu erläutern, indem diese nach Hartmut Stöckl interpretiert wurden. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass die Ausführungen dieses Aufsatzes sich auf eine beschränkte Auswahl von Sekundärliteratur stützen, welche die Absicht verfolgt, einen kurze Einführung in die Sozialsemiotik der Typographie gemäss Hartmut Stöckl zu liefern, sowie die vorgestellten Konzepte an praktischen Beispielen anzuwenden.[1]

Methodologisch wurde eine kleine „Minifeldforschung“ betrieben, in welcher am 13. Juni 2011 Bildaufnahmen angefertigt wurden, indem ein „gewöhnlicher Tagesablauf“ simuliert wurde, und auffallende Merkmale der Typographie unterschiedlicher Texte, denen während des Tagesablaufs zu begegnen war, photographiert wurden.[2] Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen wird lediglich eine kleine Auswahl der aufgenommenen Bilder vorgestellt.

Ganz im Sinne der Sozialsemiotik sei darauf verwiesen, dass die gelieferten Interpretationen Deutungsmöglichkeiten bieten, und auch andere Interpretationsstränge möglich wären, denn schlussendlich wären es ohnehin „[...] die Zeichenbenutzer [M.S.: welche] die Ressourcen herstellen, und nach ihren kommunikativen Ausdrucksbedürfnissen formen“.[3]

Bendel/ Held verweisen darauf, dass „[...] die Deutung von Texten keine sinn-findende, sondern eine sinn-stiftende Tätigkeit ist; ein Problem, das sich bei der Analyse von Bildern zusätzlich verschärft, weil diese in der Regel noch grössere Interpretationsspielräume offen lassen als Sprachtexte.“[4]

„Sozialsemiotische Theorien hingegen [im Gegensatz zur strukturalistischen Semiotik] betonen den dynamischen Prozess- und Handlungscharakter von Zeichenproduktion und -interpretation, aus dem immer nur ein [...] Bedeutungspotenzial, nicht Bedeutung per se resultiert“.[5]

Stöckl äussert:

„In einer sozialsemiotischen Sicht auf visuelle Kommunikation wird die Ressource Bild in ihren funktionalen Strukturen untersucht. [...]. Eine Sozialsemiotik des Bildes ist zunächst ein deskriptives Projekt, das die visuelle Ressource inventarisiert und typologisiert. [...]. Insgesamt betrachtet ist die sozialsemiotische Sicht auf auf visuelle Kommunikation sehr hilfreich, weil sie die Analyse von Bildern systematisiert und im Sinne einer kritischen Diskursanalyse auch die Grundlage für eine Bildergebrauchskritik liefert.“[6]

Der vorliegende Aufsatz gliedert sich in zwei Teile:

Im ersten wird eine knappe Übersicht der typographischen Konzepte nach Hartmut Stöckl geliefert, im zweiten Teil der Arbeit werden die Protokolleinträge und Bildaufnahmen erörtert.

2. Typographie gemäss Hartmut Stöckl

2.1. Definition

Trotz verschiedener Definitionen von Typographie gibt es laut Stöckl ein wesentliches bestimmendes Merkmal, über welches Einigkeit herrscht, nämlich dass die „Typographie nicht auf das Design der Schriftzeichen beschränkt bleiben darf, sondern auf die gesamte graphisch-räumliche Konzeption eines Textokuments, d.h. auf sein Layout und seine Materialität zu beziehen ist.“[7] Etwas vereinfacht ausgedrückt ist die Typographie die materielle Beschaffenheit der Schrift, angefangen von der Schriftfarbe und -art bis hin zu den Herstellungsverfahren des Textes.

Theo van Leeuwen äussert folgendes: „Typography itself, too, is no longer just about letter forms. It is multimodal, integrated with other semiotic means of expression such as colour, texture, three-dimensionality, and movement.“

2.2. Mikro-, Meso-, Makro- und Paratypographie

Hartmut Stöckl führt an, dass Typographie oftmals in Mikro- und Makrotypographie eingeteilt würde[8], doch schlägt er eine Dreiteilung in Mikro-, Meso- und Markotypographie vor. Die Mikroebene der Typographie wäre demnach die Auswahl der Schriftart sowie das Design der Schrift, der Mesobereich wäre die Verwendung der Schriftarten, also das Justieren der Schriftzeichen bzw. die Abstände der Buchstaben, Wörter, Zeilen usw.

Die Makrotypographie würde hierzu diejenige Ebene darstellen, auf welcher sich die Anordnung der Schriftblöcke zum Textkörper abspiele bzw. Bilder und Graphiken auf der materiellen Oberfläche, und damit in Bezug zum Text, gesetzt würden.[9]

Zu diesen drei Ebenen fügt Stöckl auch eine vierte Ebene, die, so genannte Paratypographie, hinzu. Die Paratypographie offenbart dem Leser, mit welchen Werkzeugen und Herstellungsverfahren der Text erzeugt wurde. Stöckl unterteilt die Paratypographie in „Material und Praktik des Signierens“. Das Material wäre die „stoffliche Beschaffenheit des Zeichenträgers“, während die „Praktik des Signierens“ sich darauf beziehe, mit welchen Techniken und Methoden die Zeichen hergestellt wurden.[10]

2.3. Typographie als peripheres Zeichensystem

Ein wesentliches Merkmal der Typographie ist es, dass diese sowohl auf das primäre Zeichensystem der Lautsprache verweist, als auch ein eigenständiges sekundäres Zeichensystem aufbaut.

Hartmut Stöckl äussert:

„Typographie interessiert sich mit Blick auf Schriftzeichen (und andere graphische Zeichen) in erster Linie für die konkrete Qualität der ,tokensʻ. Es ist die Variabilität der Form von Schriftzeichen-Typen, das heisst Serifen, Strichstärken, Grössenverhältnissen, Rundungen, Ornamenten, etc., die Gegenstände typographischer Überlegungen sind, nicht der Typus des konkreten Zeichen selbst, der ja den Bezug zum primären Zeichensystem Sprache herstellt. Hinterfragt werden muss also nicht, wie graphische Zeichen für sprachliche Zeichen stehen (Grapheme für Phoneme), sondern wie die graphischen Zeichen ein sekundäres Bedeutungssystem aufbauen, in dem typographische Formen über die schriftliche Codierung von Lautsprache hinaus semantische Funktionen übernehmen.“[11]

Weiters führt Stöckl an, die Typographie wäre fürs Schreiben das, was Paraverbales fürs Sprechen sei, und dass Typographie niemals bedeutungsleer sein könne.[12]

Somit wären die Schriftzeichen Verweise auf das primäre, in der Schriftlichkeit abgebildete, Zeichensystem der Lautsprache. Die Typographie wäre demnach ein sekundäres, eigenständiges Zeichensystem mit Formen und Bedeutungen, wobei der Bezug zu den sprachlichen Inhalten unverkennbar wäre.[13] Metaphorisch ausgedrückt könne man es mit einem Wachssiegel vergleichen. Der Abdruck verweist auf das Siegel, ist aber selbst Teil eines Wachsstücks.

[...]


[1] Auch sei angemerkt, dass laut Stöckl das Interesse der Medienlinguistik an Typographie gering ausfalle. Eine Auflistung des Forschungsstandes führt er an folgender Stelle an: Vgl. Stöckl (2008), S. 14.

[2] Dabei wurden die sozialsemiotischen Analysen an darauf folgenden Tagen durchgeführt. Bei einigen Beispielen wurden nicht die Originalphotos, sondern exemplarische repräsentierende Abbildungen aus dem Internet genommen.

[3] S. Schneider/ Stöckl (2011), S. 26. Alle Einschübe oder Auslassungen in Zitaten dieses Aufsatzes, innerhalb der eckigen Klammern, stammen von Marko Stevic.

[4] S. Bendel/ Held (2008), S. 3.

[5] S. Stöckl (2004a), S. 15.

[6] S. Stöckl (2004a), S. 15f.

[7] S. Stöckl (2004b), S. 12.

[8] Jürgen Spitzmüller äusserte während eines Seminars zur Sozialsemiotik am 12. Mai 2011 an der Universität Zürich, diese Zweiteilung wäre auf das Kreieren von Typographie bei Textproduktionen zurückzuführen. So seien eben diese beiden „Ebenen“, die Mikro- und die Makrotypographie bei den Druckern und Layoutdesignern „im Fokus“ (freie Wiedergabe der mündlichen Äusserung durch M.S.).

[9] Vgl. Stöckl (2004b), S. 12.

[10] Vgl. ebd. S. 37f.

[11] S. Stöckl (2004b), S. 12f.

[12] Vgl. ebd. S. 13.

[13] Vgl. ebd. S. 15.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sozialsemiotik der Typographie. Interpretationen von Bildaufnahmen nach Hartmut Stöckl
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
124 C LING Sozialsemiotik
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V273936
ISBN (eBook)
9783656663690
ISBN (Buch)
9783656663706
Dateigröße
755 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Typographie, Sozialsemiotik
Arbeit zitieren
Marko Stevic (Autor), 2011, Sozialsemiotik der Typographie. Interpretationen von Bildaufnahmen nach Hartmut Stöckl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273936

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