Die Stadt El Pueblo de la Reina de Los Angeles, wie der volle Name von Los Angeles lautet, lässt sich als wuchernden Siedlungspilz beschreiben, der nach allen Seiten wächst. Ein passender Spruch zu L.A. lautet: „Hunderte Vororte auf der Suche nach einer Stadt.“
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Verschränkung der Megastadt Los Angeles und der literarischen Gattung bzw. dem gesellschaftstheoretischem Konzept der Dystopie. Dabei soll, anhand des Beispiels Los Angeles, aufgezeigt werden, welche Rolle und Funktion die Grossstadt in dystopischen Modellen innehat. Folgende Fragen sollen den Leitfaden bilden:
Wieso ist diese Stadt ein besonders oft gewählter Handlungs- und Schauplatz, an welchem sich die fiktiven Erzählungen der dystopischen Filme und Romane abspielen? Ist es ein Zufall, dass viele Autoren dystopischer Literatur aus dieser Stadt stammten? Welche Beispiele der Stadtgeschichte von Los Angeles zeigen auf, dass bestimmte Ängste, die in Dystopien verdichtet, variiert und codiert werden, auch in der Realität Fuss fassen können? Oder die Frage aus umgekehrter Sicht: Aus welchen Ereignissen könnten Inspirationsquellen für Dystopien geschöpft worden sein?
Was sind die Horrorvorstellungen der Zukunft von Städten? Wäre es möglich, dass diese eintreffen? Was spricht dafür und was dagegen? Welche Zustände sind bereits eingetroffen, die in gewisser Weise bereits vorausgeahnt wurden? Welche Rolle spielt bei alldem die Architektur von Los Angeles?
Um auf diese Fragen mögliche Antworten zu finden, soll der vorliegende Aufsatz eine Art Gegenüberstellung von historischen Ereignissen und dystopischen Theorien bzw. Inhalten sein.
Die Gliederung dieser Arbeit sieht folgendermassen aus:
Im zweiten Teil dieser Arbeit folgt nach der Einleitung eine Vorstellung des Modells der Dystopie, und die Rolle und Funktion der Stadt in dystopischen Konzepten wird erläutert. Einige wichtige Themen von Dystopien werden aufgezählt.
Anschliessend werden im dritten Teil einige dystopische Romane und Filme vorgestellt, die in direktem Bezug zur Stadt Los Angeles stehen. Besonders ausführlich wird auf den Filmklassiker „Blade Runner“ eingegangen. Darauf folgend wird die Stadt selber als Filmset gedeutet und Verknüpfungen zwischen imaginärer und realer Stadt werden betont.
Danach werden im vierten Teil einige historische Ereignisse der Stadtgeschichte genannt, und die Bauweise und Architektur in Los Angeles wird behandelt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der Dystopie
2.1. Die Funktion der Stadt in Dystopien
2.2. Motive von Dystopien
3. Dystopien in Film und Literatur
3.1. Filme und Romane in Bezug zu L.A.
3.2. Blade Runner
3.3. Los Angeles als Filmset
4. Los Angeles – Dystopien und Realität
4.1. „Die Stadt der Engel“
4.2. „Feuerteufel und Erdbeben “
4.3. Die Festung L.A.
4.4. Unruhen in L.A. 1992
5. Abschlussgedanken und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verschränkung der Megastadt Los Angeles mit dem gesellschaftstheoretischen Konzept der Dystopie, um aufzuzeigen, welche Rolle und Funktion die Großstadt in dystopischen Modellen einnimmt. Dabei werden historische Ereignisse der Stadtgeschichte und dystopische Erzählungen gegenübergestellt, um zu prüfen, ob fiktive Horrorvorstellungen der Zukunft bereits in der Realität Fuß gefasst haben.
- Die Funktion und Rolle der Stadt innerhalb dystopischer Konzepte
- Analyse dystopischer Literatur und Filmklassiker (insb. Blade Runner) mit Bezug zu Los Angeles
- Die sozioökonomische Stadtentwicklung von Los Angeles unter dem Aspekt der Segregation
- Die Bedeutung von Naturkatastrophen und architektonischen Schutzmaßnahmen als "dystopische" Merkmale
- Der Einfluss der Stadtgeschichte und gesellschaftlicher Unruhen auf die dystopische Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
3.2. Blade Runner
Ein Klassiker unter den dystopischen Filmen ist der Science-Fiction-Streifen „Blade Runner“, welcher im Los Angeles des Jahres 2019 spielt. Die Regie führte Ridley Scott und die Erstaufführung fand am 25. Juni 1982 statt.
Der Beginn des Films ist eine Stadt, und in dieser Stadt wird ein Gebäude gezeigt und in dem Gebäude ein Zimmer offenbart. Während Handlung und Zeit im Film deutlich dargestellt werden, bleibt der Ort rätselhaft und fremdartig, er „überfordert die Sinne“. Die Handlung basiert auf einem Konflikt zwischen menschenähnlichen Robotern und Polizeieinheiten, welche gegen diese eingesetzt werden. In Panoramaeinstellungen zeigt die Kamera dem Zuschauer aus der Vogelperspektive ein „Lichtermeer voller feuerspeiender Schlote, das sich bis zum smoggetönten Horizont erstreckt.“ Es erscheinen Blitze und Feuerballe, welche die dunkle Landschaft hin und wieder erhellen, und die Musik unterstreicht das Dröhnen und Grollen der Explosionen. Auf diese Art wird eine abweisende, düstere, fremdartige Atmosphäre aufgebaut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der Forschungsfragen und der methodischen Vorgehensweise der Gegenüberstellung von Stadtgeschichte und dystopischer Literatur.
2. Das Konzept der Dystopie: Theoretische Herleitung des Dystopie-Begriffs und Definition zentraler dystopischer Motive wie Isolation, Kontrolle und Ressourcenverknappung.
3. Dystopien in Film und Literatur: Analyse der Darstellung von Los Angeles in Werken wie "Fahrenheit 451" und "Blade Runner" sowie Betrachtung der Stadt als Filmset.
4. Los Angeles – Dystopien und Realität: Untersuchung konkreter Ereignisse wie Naturkatastrophen, sozialer Unruhen und architektonischer Segregation in Los Angeles im Hinblick auf dystopische Ängste.
5. Abschlussgedanken und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass dystopische Ängste in der Realität der Stadt Los Angeles tatsächlich vorhanden sind.
Schlüsselwörter
Dystopie, Los Angeles, Stadtentwicklung, Science-Fiction, Blade Runner, Segregation, Stadtgeschichte, soziale Unruhen, Architektur, Kontrolle, Überwachung, Katastrophen, Anti-Utopie, Mike Davis, Stadtplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen der realen Stadtentwicklung von Los Angeles und dem literarisch-gesellschaftstheoretischen Konzept der Dystopie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Stadtsoziologie, die Analyse dystopischer Literatur und Filme sowie die kritische Betrachtung urbaner Krisenereignisse in Los Angeles.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine Gegenüberstellung von historischen Ereignissen und dystopischen Theorien zu klären, warum Los Angeles als Schauplatz für dystopische Erzählungen dient und inwieweit dystopische Ängste bereits Realität sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine qualitative Analyse von Sekundärliteratur zur Stadtgeschichte (insb. Mike Davis) sowie auf eine text- und filmanalytische Betrachtung ausgewählter dystopischer Werke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Motive von Dystopien als auch konkrete Fallbeispiele wie der Film "Blade Runner", die Unruhen von 1992 und die spezifische Architektur von Los Angeles analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dystopie, Segregation, urbane Kontrolle, soziale Unruhen und die mediale Inszenierung von Los Angeles charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst die Architektur von Los Angeles die dystopische Wahrnehmung?
Die Arbeit zeigt auf, dass die Architektur – durch Segregation, Überwachungsmaßnahmen und militarisierte Zonen – die soziale Kluft physisch manifestiert und somit dystopische Zukunftsvisionen vorwegnimmt.
Welche Rolle spielen die sozialen Unruhen von 1992 für die Argumentation?
Die Unruhen dienen als Beleg dafür, dass das System der Stadt an seine Grenzen stößt und dass gesellschaftliche Spannungen in Los Angeles bereits dystopische Ausmaße erreicht haben.
- Arbeit zitieren
- Marko Stevic (Autor:in), 2010, Los Angeles. Eine Stadt als Inspirationsquelle für Dystopien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273937