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Die Deutsche Sprachinsel in Ungarn - die Volksgruppe der Ungarndeutschen

Title: Die Deutsche Sprachinsel in Ungarn - die Volksgruppe der Ungarndeutschen

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Adeline Pissang (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Deutsch ist in Europa die „kontaktfreudigste“ Sprache, besitzt sie doch, wie keine
andere ein derartig vielfältiges Minderheitenbild. Wurden die deutschsprachigen
Minderheiten noch in der Nachkriegszeit diskriminiert1, so hat sich das Blatt zum
heutigen Tage hin geändert. In den 70er und 80er Jahren erwachte ein neues
Interesse an den fast schon untergegangenen Mundarten, an ihren regional
variierenden Traditionen und Lebensverhältnissen. Trotzdem die deutschen
Minoritäten ständig gegenüber der sie überdachenden Kultur und Sprache
unterlegen waren, entwickelte sich in ihren Gebieten dennoch eine regionale
Eigenständigkeit und ein großes Selbstbewusstsein. Durch neue außersprachliche
Faktoren (politische sowie rechtliche) verbesserten sich die Bedingungen zum
Überleben der jeweiligen Dialekte der deutschen Sprachinseln in Europa (Vgl.
Hinderling 1986, 251). Eine in Europa herausragende Minderheitenpolitik ist seit den letzten beiden
Jahrzehnten in Ungarn zu betrachten, sicherlich basierend auf den negativen
Erfahrungen der ungarischen Minoritäten in den angrenzenden Ländern (Vgl.
Hinderling 1986, 260). Die Volksgruppe der Ungarndeutschen, auch mit
Deutschungarn oder Donauschwaben2 betitelt, ist - neben den in geringem Maße
sesshaften Sinti und Roma - die größte Minderheitengruppe im Magyarenstaat (Vgl.
Born 1989, 229). Jedoch taten sich die Ungarndeutschen im Laufe ihrer
Siedlungszeit schwer ein stärkeres Gruppenbewusstsein zu entwickeln. [...]
1 In Robert Hinderlings Abhandlung über die europäischen Sprachminderheiten im Vergleich, scheint, obwohl
vielfach verwendet, eine deutliche Abneigung gegenüber des Begriffes „Minderheit“ durch. Hinderling sieht das
Wort selbst schon als Diskriminierung an (siehe: Hinderling 1986, 251).
Der Begriff der Minderheit soll in meiner nun folgenden näheren Betrachtung der deutschsprachigen
Volksgruppen in Ungarn ganz und gar nicht negativ konnotiert sein, stellt er doch im Eigentlichen nur die
zahlenmäßige Unterlegenheit gegenüber der überdachenden Gesellschaft dar.
2 Der Begriff der „Donauschwaben“ umfasst im heutigen Sprachgebrauch die gesamte ungarndeutsche
Bevölkerung, wobei im früheren, eigentlichen Sinn nur die deutschen Siedler in der Schwäbischen Türkei (im
südwestlichen Ungarn) gemeint waren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte mit Blick auf die Forschungsliteratur

2. Geographische und Demographische Beschreibung

3. Ungarndeutsche Siedlungsgebiete und ihre Sprachvarietäten

3.1 Domänenkonzept in Vergangenheit und Gegenwart

4. Ungarndeutsche Traditionen

4.1 Institutionen

4.2 Nationalitätenpolitik und Spracherhalt

4.3 Assimilationstendenzen des Deutschen in Ungarn

5. Aktuelle Situation der deutschen Sprache in Ungarn und Motivationsfaktoren hinsichtlich des Erlernens des Deutschen

6. Schlussbetrachtung

7. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die soziolinguistische Situation der ungarndeutschen Volksgruppe, wobei der Fokus auf dem fortschreitenden Sprachverlust der traditionellen Mundarten, dem Einfluss gesellschaftlicher Assimilation und den Bemühungen zur Spracherhaltung sowie der heutigen Rolle des Standarddeutschen liegt.

  • Regionale Verteilung und demografische Entwicklung der Ungarndeutschen
  • Analyse des Domänenkonzepts und des Sprachgebrauchs in verschiedenen Generationen
  • Bedeutung von Traditionen und Institutionen für die Identitätswahrung
  • Sprachliche Assimilationstendenzen und Kontaktphänomene im Ungarischen
  • Die heutige Bedeutung des Deutschen als Fremdsprache in Ungarn

Auszug aus dem Buch

3.1 Domänenkonzept in Vergangenheit und Gegenwart

Lässt man die benachbarten ungarndeutschen sowie die verschiedenen ungarischen Dialekte hier einmal außen vor – da sie in diesem Punkt eine geringere Rolle spielen, so kann man im Großen und Ganzen 3 Kommunikationsmittel nennen, die in den ungarndeutschen Siedlungen vorherrschen: der jeweilige ungarndeutsche Dialekt, die ungarische Sprache und das Standarddeutsch. Im Domänenkonzept soll nun die Anwendung dieser Sprachen hinsichtlich der Generationen und der Anwendungsbereiche (in privater Umgebung oder auch im öffentlichen Bereich) näher beleuchtet sowie die Frage nach ihrem Prestigewert beantwortet werden.

Bei den interviewten Ungarndeutschen gab es auffallende Unsicherheiten im Beantworten der Fragen nach ihrer jeweiligen Muttersprache, ihrer meist gesprochenen Sprache und der Zweitsprache – die ältere Generation schien klar im Konflikt zu sein zwischen ihrer Muttersprache und der gefühlten Identität, schließlich wurden viele Familiennamen während des 20. Jahrhunderts magyarisiert. Meist wurde die Frage nach der Muttersprache von der älteren Generation mit „Ungarisch“ beantwortet, wahrscheinlich aufgrund der negativen Erfahrung mit dieser Frage in der Nachkriegszeit, letztlich spricht diese Generation im Alltag aber noch ihren deutschen Dialekt. Die mittlere und junge Generation gab dagegen an, dass das Ungarische für sie die erstgelernte Sprache sei. Insgesamt werden die ungarndeutschen Mundarten heute nur noch begrenzt angewendet, sie wurden vollständig in die private Umgebung zurückgedrängt, wobei auch nur noch die Alten diese Sprache in rezeptiver und produktiver Form verwenden, bei der Jugend ist, wenn überhaupt, nur noch rezeptives Hörverstehen erhalten. Es ist deshalb durchaus gängig, dass ein älteres Ehepaar sich untereinander in der lokalen Mundart unterhält, im Rahmen der gesamten Familie aber zum Ungarischen wechselt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Worte mit Blick auf die Forschungsliteratur: Einleitung in das Thema der deutschen Sprachminderheiten in Europa mit Fokus auf die spezifische historische und soziokulturelle Situation der Ungarndeutschen.

2. Geographische und Demographische Beschreibung: Darstellung der siedlungsgeschichtlichen Hintergründe und demografischen Veränderungen der deutschen Minderheit in Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg.

3. Ungarndeutsche Siedlungsgebiete und ihre Sprachvarietäten: Untersuchung der Entstehung lokaler Siedlungsmundarten und deren sprachliche Differenzierung in Stadt und Land.

3.1 Domänenkonzept in Vergangenheit und Gegenwart: Analyse der Sprachverwendung in verschiedenen Domänen und Generationen unter Berücksichtigung des Prestigewerts der Mundarten gegenüber dem Ungarischen.

4. Ungarndeutsche Traditionen: Betrachtung des Wandels traditioneller Bräuche und der Rolle kultureller Identitätsmerkmale im Alltagsleben.

4.1 Institutionen: Überblick über Vereine, Medien und Schulen, die zur Wahrung der ungarndeutschen Identität und Sprache beitragen.

4.2 Nationalitätenpolitik und Spracherhalt: Untersuchung der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie der Faktoren, die den Erhalt der deutschen Sprache beeinflussen.

4.3 Assimilationstendenzen des Deutschen in Ungarn: Analyse sprachlicher Mischphänomene und der Anpassung deutschsprachiger Identitätsmerkmale an die dominante ungarische Mehrheitsgesellschaft.

5. Aktuelle Situation der deutschen Sprache in Ungarn und Motivationsfaktoren hinsichtlich des Erlernens des Deutschen: Analyse der veränderten Stellung des Standarddeutschen als Fremdsprache nach der politischen Wende von 1990.

6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Zukunftsaussichten für die ungarndeutschen Dialekte und die kulturelle Identität der Volksgruppe.

7. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Internetquellen.

Schlüsselwörter

Ungarndeutsche, Sprachminderheiten, Mundarten, Spracherhalt, Assimilation, Domänenkonzept, Identität, Soziolinguistik, Sprachkontakt, Nationalitätenpolitik, Siedlungsgeschichte, Standarddeutsch, Mehrsprachigkeit, Kulturwandel, Ungarn.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation der ungarndeutschen Volksgruppe, insbesondere mit dem Wandel und dem zunehmenden Verlust ihrer traditionellen Mundarten sowie den aktuellen Bedingungen für den Erhalt von Kultur und Identität.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die Siedlungsgeschichte, das Domänenkonzept des Sprachgebrauchs, die Rolle von Institutionen und Trachten, die Auswirkungen von Nationalitätenpolitik sowie die sprachliche Assimilation im Kontakt mit dem Ungarischen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die ungarndeutsche Identität durch historische Einflüsse und soziolinguistische Faktoren gewandelt hat und warum die traditionellen Mundarten gegenüber der überdachenden ungarischen Sprache an Bedeutung verlieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die auf soziolinguistischen Theorien und Forschungsberichten zu Minderheitensprachen sowie auf speziellen Studien zur ungarndeutschen Minderheit basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die geografische Beschreibung, das Domänenkonzept, die Analyse von Traditionen und Institutionen sowie die Untersuchung von Assimilationstendenzen und der heutigen Rolle des Deutschen als Fremdsprache.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Ungarndeutsche, Spracherhalt, Assimilation, Domänenkonzept, Mundartverlust und Identität.

Wie hat sich die Rolle der deutschen Sprache seit der Wende 1990 verändert?

Seit 1990 hat das Standarddeutsch als Fremdsprache an Bedeutung gewonnen und wird heute in Ungarn stark nachgefragt, während die traditionellen deutschen Dialekte der Volksgruppe weiter an Boden verlieren.

Warum wird das Domänenkonzept als so wichtig für das Verständnis der Sprachsituation angesehen?

Es verdeutlicht, wie Sprachen je nach Kontext (privat vs. öffentlich) und Generation angewendet werden und offenbart den geringen Prestigewert der traditionellen Mundarten, die zunehmend nur noch von der älteren Generation in privaten Räumen verwendet werden.

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Details

Title
Die Deutsche Sprachinsel in Ungarn - die Volksgruppe der Ungarndeutschen
College
Dresden Technical University  (Institut für Germanistik/Sprachwissenschaft)
Course
Hauptseminar: "Deutsche Sprachinseln in Geschichte und Gegenwart"
Grade
2,0
Author
Adeline Pissang (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V27394
ISBN (eBook)
9783638294560
Language
German
Tags
Deutsche Sprachinsel Ungarn Volksgruppe Ungarndeutschen Hauptseminar Deutsche Sprachinseln Geschichte Gegenwart
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Adeline Pissang (Author), 2003, Die Deutsche Sprachinsel in Ungarn - die Volksgruppe der Ungarndeutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27394
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