Implikation der Behavioral Finance in der Anlageberatung


Hausarbeit, 2014

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung

2 Prospect Theory
2.1 Editing Phase
2.2 Evaluation Phase
2.2.1 Abnehmende Sensitivitäten
2.2.2 Loss Aversion
2.3 Fazit zur Prospect Theory

3 Behavioral Finance in der Anlageberatung
3.1 Phänomene
3.1.1 Home Bias
3.1.2 Mental Accounting
3.2 Implikation in der Anlageberatung

4 Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: S-Wertfunktion

Abbildung 2: Home Bias in Deutschland 2010

1 Einführung

„50% der Wirtschaft sind Psychologie.“[1]

Vor wenigen Jahren ist in den USA, unter dem Namen „Behavioral Finance“ die Verhaltensökonomie als ein neues Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften entstanden. Die Behavioral Finance analysiert menschliches Verhalten in ökonomischen Situationen in Verbindung mit neuen Erkenntnissen aus der Psychologie, um primär das Anlegerverhalten zu erklären. Dieses eher junge Phänomen steht in starkem Widerspruch zur klassischen ökonomischen Theorie und somit zur Annahme des Homo Oeconomicus Humanus. In diesem Zusammenhang trifft der Homo Oeconomicus Humanus Entscheidungen vollkommen rational und ohne den Einbezug von Gefühlen. Allerdings wurde in zahlreichen Versuchen nachgewiesen, dass die alltägliche Realität des Entscheiders offensichtlich eine andere ist. Denn, die für das rationale Handeln erforderliche Disziplin und Selbstkontrolle wird häufig von menschlichen Instinkten überlagert und außer Kraft gesetzt.[2]

Der Aufbau der Arbeit orientiert sich zunächst an der Darstellung der Grundlagen der Behavioral Finance. Im Hauptteil wird auf die Prospect Theory von Tversky und Kahnemann eingegangen. Diese stellt seit 1979 die Grundlage zu jeglichen Überlegungen der Behavioral Finance dar. Durch Weiterentwicklungen dieser Theorie wächst diese Richtung der Anlageberatung bis heute weiter. Im zweiten Abschnitt des Hauptteils wird auf die praktische Anwendung der Behavioral Finance eingegangen. Es werden anhand von zwei Merkmalen die Probleme der instinktiv handelnden Marktteilnehmer aufgezeigt, die durch die Behavioral Finance Theorie behoben werden sollen. Zum Abschluss des Hauptteils sollen praktische Möglichkeiten der Behavioral Finance in der Anlageberatung aufgezeigt werden.

Als Zielsetzung dieser Arbeit gilt die Verbesserung der Beratungsqualität in der Anlageberatung für die Zukunft. Es soll aufgezeigt werden, dass durch die Verwendung von psychologischen Instrumenten die Qualität gesteigert werden kann und weniger Fehler gemacht werden.[3]

Dies stellt aber ebenfalls die Problemstellung dar. Die Behavioral Finance ist nicht als Phänomen der Betriebswirtschaftslehre anhand von Daten und Fakten belegbar, sondern hat auch einen hohen Anteil an Inhalten aus der Verhaltensforschung und Psychologie. Die Verbindung dieser beiden unterschiedlichen Inhalte zu einem gemeinsamen und messbaren Nutzen ist äußerst anspruchsvoll.

2 Prospect Theory

Die Prospect Theory stellt einen Meilenstein in der Erklärung von menschlichen Verhaltensmustern dar.[4] Diese Theorie erklärt das Verhalten beim Treffen von Entscheidungen unter der Einbeziehung von Risiko. Allerdings entspricht die von Ökonomen angenommen Theorie des Homo Oeconomicus Humanus, wie in Kapitel 1 beschrieben, nicht der alltäglichen Realität eines Entscheiders, da Verhaltensmuster bei der Entscheidungsfindung von Gefühlen überlagert werden. Folglich müssen hierbei auch psychologische Aspekte miteinbezogen werden. Zusätzlich überblicken Menschen das, was sie tun, nicht in ihrer ganzen Tragweite.[5] Deswegen ist die Behavioral Finance darauf ausgelegt, das tatsächliche, oft intuitive Verhalten der Entscheider – mag es plausibel oder unvernünftig erscheinen – zu beschreiben.[6] Hierbei lässt sich erkennen, dass Menschen nicht immer nutzenmaximierend handeln, was der klassischen Erwartungsnutzentheorie widerspricht. Mit Hilfe der Prospect Theory wird verständlich, warum Akteure in vielen Situationen nur begrenzt rational handeln. Des Weiteren werden Verhaltensmuster transparent gemacht. Dies spielt v.a. für die Beurteilung des Verhaltens der Teilnehmer auf den Finanzmärkten eine erhebliche Rolle. Denn ein Akteur, der sich seiner Verhaltensweisen bewusst ist, kann in Kenntnis dieser Zusammenhänge eigene Fehler entdecken und vermeiden lernen.[7]

Die Prospect Theory, oder auch „Neue Erwartungsnutzentheorie“ genannt, wurde im Jahre 1979 von Daniel Kahneman und Amos Tversky entwickelt. Denn aufgrund des Widerspruchs zwischen der alltäglichen Realität des Entscheiders und der klassischen Erwartungsnutzentheorie wurde eine neue Hypothese benötigt, welche diese Anomalien erklären kann. Die Prospect Theory von Kahneman und Tversky unterscheidet sich in besonderem Maße von der klassischen Nutzentheorie in den Punkten der Editing Phase, der Form der Wertfunktion.[8] Diese neue Erwartungsnutzentheorie beschreibt ein Modell für Entscheidungen unter Risiko und unternimmt den Versuch subjektive Wahrnehmung von Nutzen und Wahrscheinlichkeiten abzubilden.

2.1 Editing Phase

Die Editing Phase beschreibt die vorbereitende Analyse des Entscheidungsproblems mit folgendem Ziel. „To organize and reformulate the options so as to simplify subsequent evaluation and choice”,[9] d.h. das Problem wird sozusagen „entscheidungsfähig” gemacht. Die Editing Phase umfasst folgende Maßnahmen:[10]

Durch die Verfahrensweise der „Kombination“ wird die Darstellung der Alternativen, durch Addition der Wahrscheinlichkeiten identischer Ergebnisse vereinfacht. Mit der Maßnahme der „Vereinfachung“ werden die Gegenentwürfe, durch Auf- bzw. Abrunden versimpelt. Unter „Segregation“ versteht man die Trennung zwischen risikolosen und risikoreichen Komponenten, bzw. das Abtrennen eines sicheren Betrages der in allen Alternativen enthalten ist.[11] “Streichung gemeinsamer Bestandteile” bedeutet das Nichtberücksichtigen wesentlicher Bestandteile, welche bei allen betrachteten Alternativen enthalten sind und somit bei der Entscheidungsfindung ignoriert werden. Bei der Operation der „Eliminierung dominierender Alternativen“ werden stochastisch dominierte Alternativen weggestrichen. „Auf diese Weise soll die Vernachlässigung anderer Alternativen vermieden werden.“[12] Die Editierungsoperation des „Coding“. beschreibt das Bewerten von riskanten Alternativen anhand eines Referenzpunktes. Die Ergebnisse der Alternativen werden nicht absolut als Erhöhung bzw. Verringerung des Vermögens wahrgenommen, sondern als eine Abweichung von einem neutralen Bezugspunkt.[13] Ob eine Abweichung nun als Gewinn oder Verlust wahrgenommen wird, hängt von der Lage dieses Referenzpunktes ab.[14] Kahneman und Tversky sprechen in diesem Zusammenhang vom „framing“ eines Entscheidungsproblems. Dies bedeutet, dass bei einer Entscheidungsfindung die Rahmenbedingungen und deren Darstellungen berücksichtigt werden.[15] „Framing is controlled by the manner in which the choice problem is presented as well as by the norms, habits and expectations of the decision maker”.[16]

[...]


[1] Erhard (1949-1963); Erster Bundeswirtschaftsminister

[2] Vgl. Goldberg; Nitzsch (2004); S. 27f

[3] Vgl. Gallati (2012); S. 112f

[4] Vgl. Goldberg; Nitzsch (2004); S. 27

[5] Vgl. Bernstein (2012); S. 284f

[6] Vgl. Goldberg; Nitzsch (2004); S. 26

[7] Vgl. Ebenda; S. 26

[8] Vgl. Eisenführ; Weber (2002); S. 375

[9] Kahneman; Tversky (1979); S.274f

[10] siehe Anhang 2: detailliertere Darstellung

[11] Vgl. Rottländer (2008);S. 22

[12] Daxhammer; Facsar (2012); S165f

[13] Vgl. Kahneman; Tversky (1979); S. 274f

[14] Vgl. Rottländer (2008); S.21

[15] Vgl. Holtfort (2013); S.49

[16] Tversky; Kahneman (1986); S. 251f

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Implikation der Behavioral Finance in der Anlageberatung
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim, früher: Berufsakademie Heidenheim
Note
1,7
Autoren
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V273962
ISBN (eBook)
9783656664093
ISBN (Buch)
9783656664567
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
implikation, behavioral, finance, anlageberatung
Arbeit zitieren
Ulrich Steidle (Autor)Tobias Nitbaur (Autor), 2014, Implikation der Behavioral Finance in der Anlageberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273962

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