Bei näherer Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema Investor Relations kann festgestellt werden, dass in den letzten Jahren verstärkt wissenschaftliche Publikationen zu diesem Bereich erschienen sind. Die Schwerpunkte dieser Arbeiten liegen aber vorwiegend bei allgemeinen Investor-Relations-Aspekten und den Ansprache- bzw. Betreuungsmöglichkeiten institutioneller Investoren.
Eine wichtige Zielgruppe der Investor-Relations-Abteilungen - die Privatanleger - wurde bisher, wenn überhaupt, meist nur kurz thematisiert. Eine Ursache für die Vernachlässigung der Privatanlegerinteressen im wissenschaftlichen Diskurs dürfte u.a. in der Heterogenität dieser Anlegergruppe zu finden sein.
Die bis vor kurzem in Deutschland geltende Gesetzeslage, ausschließlich Inhaberaktien und keine Namensaktien emittieren zu dürfen, hat dazu beigetragen, dass Privatanleger von Aktiengesellschaften nur mit deren Mithilfe erfaßt und entsprechend betreut werden konnten.
Erst das junge Medium Internet ermöglicht es, alle interessierten Privatanleger über Belange der Gesellschaft rasch, umfassend und gleichzeitig zu informieren und die Kosten einer offenen Informationspolitik innerhalb eines akzeptablen Rahmens zu halten. Bedingt durch diese Vorteile hat dieser junge Kommunikationskanal die Zahl der verfügbaren Investor-Relations-Instrumente, die zur Privataktionärsansprache eingesetzt werden können, beträchtlich ausgeweitet. Gerade in den letzten beiden Jahren hat das Internet - u.a. bedingt durch rasant steigende Nutzerzahlen - das Augenmerk der Investor-Relations-Abteilungen auf sich gezogen und wird nun mehr und mehr zur Kommunikation mit den Investoren genutzt.
Ziel dieser Arbeit ist die Erfassung jener Investor-Relations-Instrumente, welche die im DAX-30-Index bzw. die im A-Segment der Wiener Börse gewichteten Aktiengesellschaften nutzen, um Privataktionäre über ihre Gesellschaft zu informieren.
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Inhaltsverzeichnis
ERSTER TEIL: EINLEITUNG
1 Ziel der Arbeit
2 Aufbau und Methodik der Arbeit
ZWEITER TEIL: THEORETISCHE GRUNDLAGEN
3 Definition von Investor Relations
4 Geschichte und Entwicklung von Investor Relations
5 Ziele der Investor Relations
5.1 Finanzwirtschaftliche Ziele
5.1.1 Senkung der Eigenkapitalkosten
5.1.2 Stabilisierung der Aktionärsbasis
5.1.3 Stabilisierung der Kursentwicklung auf angemessenem Niveau
5.2 Weitere Unternehmensziele
6 Zielgruppen der Investor Relations
6.1 Investoren
6.1.1 Institutionelle Anleger
6.1.2 Privatanleger
6.2 Multiplikatoren
6.2.1 Finanzanalysten
6.2.2 Wirtschaftsjournalisten
6.2.3 Anlageberater
7 Die klassischen Instrumente der Unternehmenskommunikation
7.1 Investor-Relations-Maßnahmen zur Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften
7.1.1 Geschäftsbericht
7.1.2 Zwischenberichte
7.1.3 Weitere Pflichtveröffentlichungen
7.1.4 Hauptversammlung
7.2 Freiwillige Investor-Relations-Maßnahmen
7.2.1 Schriftliche Unternehmenskommunikation
7.2.2 Mündliche Unternehmenskommunikation
8 Die Nutzung des Internet zur Unternehmenskommunikation
8.1 Allgemeine Angaben zur Aktiengesellschaft
8.2 Pflichtveröffentlichungen
8.3 Presseartikel und sonstige Informationsdienste
8.4 Kommunikationsmöglichkeiten via Internet
DRITTER TEIL KONZEPTION DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
9 Präzisierung der Forschungsfrage
10 Untersuchungsdesign
10.1 Auswahl der Befragungsgruppe
10.2 Erhebungs- bzw. Befragungsform
10.3 Phasen der Untersuchung
10.3.1 Fragebogenerstellung und -versendung
10.3.2 Die Datenerhebung
10.4 Auswertungsverfahren
11 Inhalte der Fragestellungen
11.1 Allgemeine Aussagen bezüglich Investor Relations im Unternehmen (Fragen 1 bis 5)
11.2 Unterjährige Aktivitäten der Gesellschaft (Fragen 6 bis 12)
11.3 Investor-Relations-Aktivitäten im Umfeld der Hauptversammlung (Fragen 13 bis 16)
11.4 Die Interneterfahrung des Unternehmens (Fragen 17 bis 19)
11.5 Die Nutzung des Internets zur Kleinaktionärsansprache (Fragen 21 bis 42)
11.5.1 Allgemeine Angaben zur Aktiengesellschaft im Internet (Fragen 21 bis 25)
11.5.2 Pflichtveröffentlichungen im Internet (Fragen 26 bis 29)
11.5.3 Presseartikel und weitere Informationsdienste im Internet (Fragen 30 bis 35)
11.5.4 Kommunikationsmöglichkeiten via Internet (Fragen 36 bis 42)
VIERTER TEIL: AUSWERTUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
12 Allgemeine Aussagen bezüglich Investor Relations im Unternehmen
12.1 Frage 1: Gibt es in Ihrem Unternehmen einen eigenen Investor-Relations-Verantwortlichen bzw. Ansprechpartner?
12.2 Frage 2: Wie hoch ist die Anzahl der Personen, die ausschließlich in Ihrer Investor-Relations-Abteilung arbeiten?
12.3 Frage 3: Hat Ihr Unternehmen Namensaktien emittiert?
12.4 Frage 4: Verwaltet Ihr Unternehmen eine Aktionärsdatei?
12.5 Frage 5: Wieviele Personen wurden in Ihre Aktionärsdatei bzw. ins Aktionärsregister (bei Namensaktien) aufgenommen?
13 Unterjährige Aktivitäten der Gesellschaft
13.1 Frage 6: Schaltet Ihr Unternehmen Anzeigen in bundesweit vertriebenen Wirtschaftszeitungen bzw. -magazinen anläßlich der Veröffentlichung von Quartals- bzw. Jahresergebnissen?
13.2 Frage 7: In wievielen Wirtschaftsblättern werden Finanzanzeigen geschalten?
13.3 Frage 8: Hat Ihr Unternehmen in den letzten beiden Jahren (1998 und 1999) Privataktionärsveranstaltungen durchgeführt?
13.4 Frage 9: Wieviele Veranstaltungen waren dies insgesamt?
13.5 Frage 10: Welche Art von Privataktionärsveranstaltungen haben Sie durchgeführt?
13.6 Frage 11: Nimmt Ihr Unternehmen an Aktionärsmessen teil?
13.7 Frage 12: An welchen Aktionärsmessen hat Ihr Unternehmen in den letzten beiden Jahren (1998 und 1999) teilgenommen?
14 Aktivitäten im Umfeld der Hauptversammlung
14.1 Frage 13: Werden Aktionären Informationen anläßlich der bevorstehenden Hauptversammlung zugesandt?
14.2 Frage 14: Wieviele Werktage vor dem Tag der Hauptversammlung erfolgt eine Zusendung?
14.3 Frage 15: Welche Zusendungen erhalten die Aktionäre?
14.4 Frage 16: Erstellt Ihr Unternehmen eine Kurzfassung des Geschäftsberichts?
15 Die Interneterfahrung des Unternehmens
15.1 Frage 17: Wann wurde erstmals eine Unternehmenshomepage im Internet eingerichtet?
15.2 Frage 18: Seit wann werden auf Ihrer Homepage explizite Investor-Relations-Informationen angeboten?
15.3 Frage 19: Wie lauten die aktuellen Zugriffszahlen/Monat auf Ihre Unternehmenshomepage?
16 Die Nutzung des Internets zur Kleinaktionärsansprache
16.1 Fragen 21 bis 25: Allgemeine Angaben zur Aktiengesellschaft
16.2 Fragen 26 bis 29: Pflichtveröffentlichungen im Internet
16.3 Fragen 30 bis 35: Presseartikel und weitere Informationsdienste
16.4 Fragen 36 bis 42: Direkte Kommunikationsmöglichkeiten via Internet
17 Reihung der untersuchten Gesellschaften nach der Zahl eingesetzter Investor Relations-Instrumente auf der Unternehmenshomepage
18 Investor-Relations-Vergleich Österreich - Deutschland
18.1 Investor Relations allgemein
18.2 Die Internetseiten deutscher und österreichischer Unternehmen
19 Die Entwicklung des Internetauftritts deutscher Aktiengesellschaften im Vergleich
FÜNFTER TEIL: SCHLUßBETRACHTUNG UND AUSBLICK
20 Inhaltliche Ergebnisse
20.1 Weiterer Forschungsbedarf
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Diplomarbeit hat zum Ziel, die in den 30 DAX- und 21 ATX-Aktiengesellschaften eingesetzten Investor-Relations-Instrumente zur Kommunikation mit Privataktionären systematisch zu erfassen und zu analysieren. Dabei wird insbesondere untersucht, inwieweit das Internet als neues Kommunikationsmedium genutzt wird, um die Informationslücke gegenüber Kleinanlegern zu schließen, und wie sich das Investor-Relations-Niveau in Deutschland und Österreich im Vergleich darstellt.
- Analyse klassischer Investor-Relations-Instrumente im Vergleich zu modernen Online-Medien.
- Untersuchung der Informationsbedürfnisse und Betreuungsansätze für Privataktionäre.
- Empirischer Vergleich der Investor-Relations-Praxis bei DAX- und ATX-Unternehmen.
- Evaluierung der Bedeutung des Internets als Distributionskanal für Unternehmensinformationen.
- Historische Betrachtung der Entwicklung des Internetauftritts deutscher Konzerne.
Auszug aus dem Buch
Die Nutzung des Internet zur Unternehmenskommunikation
Das Internet, das keine geographischen Grenzen kennt, wird von Unternehmen immer öfter zwecks Kommunikation mit der Financial Community verwendet. Einerseits können die im Kapitel 7 ausführlich dargestellten schriftlichen Investor-Relations-Instrumente - mit geringfügigen Abänderungen - via Internet rasch und zeitgleich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Andererseits besteht der wesentliche Vorteil des Internet gegenüber den klassischen Investor-Relations-Instrumenten darin, daß es nur geringe Kosten verursacht.
Unternehmen nutzen das Internet dazu, Fakten über die Gesellschaft ungefiltert an die Empfänger weiterzugeben. Das Internet kann somit als alternativer Distributionskanal für Unternehmensinformationen angesehen werden, wobei es zu Vorteilen auf beiden Seiten kommt: Einerseits Kostenreduktionen für das berichtende Unternehmen, andererseits Vorteile für die Zielgruppe, da die via Internet verfügbaren Daten im kompatiblen Format für persönliche Zwecke weiterverarbeitet werden können.
Roland Flach glaubt, daß in Zukunft rund die Hälfte aller Investor-Relations-Aktivitäten über das Netz laufen wird, da gerade diese Art der Kommunikation die Kosten für kleinere Unternehmen spürbar senkt. Außerdem bietet das Internet Aktiengesellschaften die große Chance, die Interaktion mit Kleinaktionären entscheidend zu verbessern und zu intensivieren.
Zusammenfassung der Kapitel
ERSTER TEIL: EINLEITUNG: Dieses Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, die sich mit der mangelnden Betreuung von Privataktionären befasst, und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
ZWEITER TEIL: THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Hier werden der Begriff Investor Relations definiert, dessen historische Entwicklung aufgezeigt sowie Ziele und Zielgruppen der Kommunikation dargestellt.
DRITTER TEIL: KONZEPTION DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Dieser Teil beschreibt das methodische Vorgehen, das Untersuchungsdesign der Befragung sowie die inhaltliche Strukturierung der gewählten Fragestellungen.
VIERTER TEIL: AUSWERTUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Das Kapitel präsentiert die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten, inklusive tabellarischer und grafischer Darstellungen der IR-Praktiken.
FÜNFTER TEIL: SCHLUßBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und zukünftige Entwicklungen sowie weiterer Forschungsbedarf im Bereich Investor Relations diskutiert.
Schlüsselwörter
Investor Relations, Privataktionäre, DAX, ATX, Unternehmenskommunikation, Internet, Geschäftsbericht, Hauptversammlung, Aktienkurse, Finanzpublizität, Aktionärsbetreuung, Shareholder Value, Online-Kommunikation, Kapitalmarkt, Unternehmensinformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Kommunikation von börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland und Österreich mit ihren Privataktionären unter besonderer Berücksichtigung moderner Internet-Instrumente.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Ziele von Investor Relations, die klassische und moderne (Internet-)Unternehmenskommunikation sowie den Vergleich der IR-Praktiken zwischen österreichischen und deutschen Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Erfassung und der Vergleich der verwendeten Investor-Relations-Instrumente zur gezielten Information und Betreuung von Privataktionären.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führte eine schriftliche Erhebung mittels eines standardisierten Fragebogens bei den betreffenden Aktiengesellschaften durch, kombiniert mit einer eigenen Interneterhebung der Webauftritte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, das Untersuchungsdesign sowie die detaillierte Auswertung der empirischen Ergebnisse bezüglich IR-Aktivitäten, Hauptversammlungen und der Internetnutzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Investor Relations, Privataktionäre, Internetkommunikation, Finanzpublizität und Kapitalmarktkommunikation beschreiben.
Warum spielt das Internet eine so große Rolle für die Betreuung von Privataktionären?
Das Internet ermöglicht eine rasche, kostengünstige und zeitunabhängige Informationsbereitstellung für eine heterogene Zielgruppe von Anlegern, was die Interaktion mit dem Unternehmen deutlich vereinfacht.
Welche Unterschiede zwischen deutschen und österreichischen Unternehmen wurden festgestellt?
Die Studie zeigt, dass deutsche Unternehmen bei der technologischen Umsetzung (z.B. Live-Übertragungen) teils schneller sind, während die österreichischen Unternehmen beispielsweise bei der Präsenz auf Aktionärsmessen deutlich aktiver sind.
- Citar trabajo
- Gerhard Neustädter (Autor), 2000, Die Nutzung von Investor-Relations-Instrumenten in der Kommunikation mit Privataktionären., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273