Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Schul- und Lebenslaufbahn der Costa-Ricaner in drei ländlichen Gebieten Costa Ricas: Longo Mäi, Tortuguero und Península de Osa. Der Tourismus hat in diesen Orten in den letzten Jahren zugenommen und tangiert das Leben der Einheimischen in verschiedenen Bereichen, so auch im Bildungswesen. Die Leitfrage der Studie umfasst die Hoffnung auf sozialen Aufstieg durch Bildungsaufstieg und die damit verbundene Frage, inwieweit die Schullaufbahn der Costa-Ricaner- und somit auch ihre Lebenslaufbahn - vom Tourismus geprägt werden.
Im Juli 2010 habe ich Interviews in Costa Rica geführt. Die Berichte der 12 Informanten und 2 Informantengruppen habe ich in drei Themenbereiche geordnet: 1. Hoffnung auf sozialen Aufstieg, 2. Bildungsabbruch und 3. Einfluss des Tourismus. Die Aussagen zeigen, dass sich die befragten Costa-Ricaner für sich oder für ihre Kinder einen besseren sozialen Status wünschen und sich dafür am Erreichen eines Universitätsabschlusses orientieren. In der Realität überwiegen aber in diesem Land die Bildungsabbrüche. Die Costa-Ricaner, die keinen Schulabschluss erreichen oder keine weiterführende Schule besuchen verdanken dann ihre Existenz oft den grossen Fruchtexporteuren United Fruit Company (Chiquita, Del Monte) oder dem Tourismus. Letzterer konkurrenziert folglich die Schullaufbahn der Costa-Ricaner und beeinflusst ihre Lebenslaufbahn, da die Tourismusbranche für viele Arbeitschancen und Einkommen festlegt.
In der Diskussion werden Bourdieus Begriffe der „Chancengleichheit“ und der „Übertragung von Kulturkapital“ anhand der analysierten Beispiele erwogen. Desgleichen wird die Modernisierungs- und Dependenztheorie in Bezug auf die Bildung und den Tourismus in Costa Rica erläutert. Offen bleibt die Frage, in welchem Umfang die neuen Schulfächer „Tourismus“ und „Frieden“ die einheimische Bevölkerung zu den Interdependenzen, die zwischen dem mittelamerikanischen Land und den westlich-industriellen Ländern vorliegen, zu sensibilisieren vermag.
Inhaltsverzeichnis
Abstract
Einleitung
Forschungsstand
Methode
Analyse
1. Hoffnung auf sozialen Aufstieg und Bildungsaufstieg
1.1 Martas Familie
1.2 Eva
1.3 Gustavo
Bilanz
2. Bildungsabbruch
2.1 Ana Julia Barboza
2.2 Grupo II
2.3 Sodaverkäuferin
2.4 Elier
2.5 Alexandra
Bilanz
3. Einfluss des Tourismus
3.1 Marta
3.2 Ana Julia Barboza
3.3 Grupo I
3.4 Elier
3.5 Don Chico
3.6 Laura
Bilanz
Diskussion
Schlusswort
Anhang
1. Longo Maï
2. Península de Osa
3. Tortuguero
Bibliographie
1. Bücher, Zeitschriften, Presse
2. Internet
DANK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Tourismusbranche auf die Schul- und Lebenslaufbahnen von Costa-Ricanern in ländlichen Regionen. Dabei steht die zentrale Frage im Fokus, ob und wie die Hoffnung auf sozialen Aufstieg durch Bildung mit der Realität der Bildungsabbrüche und der zunehmenden Abhängigkeit vom Tourismus korreliert.
- Hoffnung auf sozialen Aufstieg durch Bildung
- Ursachen und Mechanismen von Bildungsabbrüchen
- Konflikt zwischen traditioneller Lebensweise und Tourismus
- Bedeutung der Tourismusbranche als Arbeitsmarktalternative
- Soziologische Analyse anhand von Bildungsbiografien
Auszug aus dem Buch
1.1 Martas Familie
Marta ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern. Die drei Älteren sind bereits ausgezogen, die Jüngeren sind Johanna, Adrián und Hazer. Sie selber hat die Grundschule besucht, wie sie stolz erzählte. Nicht alle Frauen ihrer Generation hätten dieses Glück gehabt. Danach hat Marta lange bei einer reichen jüdischen Familie als Dienstmädchen in San José gearbeitet. Dort kam sie mit anderen Gewohnheiten und Kulturen in Kontakt. (Unter anderem lernte sie dort auch das schweizerische Fondue kennen.)
Sie selber ist Costa-Ricanerin und kam mit ihrem zweiten Ehemann, der aus El Salvador ist, in die Longo Maï. Hier wohnt sie nun mit den Kindern in einem kleinen ländlichen Haus. Sie besitzt kein Land und der Vater der Kinder hat das Pachtrecht seines Landes verkauft, um damit seine Alkoholsucht zu finanzieren. Inzwischen lebt sie allein mit den Kindern. Die Longo Maï unterstützt sie insofern, dass sie kostenlos in ihrem Haus leben darf und den dazu gehörenden Garten nutzen kann. Ausserdem vermietet sie zwei Räume an Touristen, verkauft selbstgemachte Glaces an die „carajillos“ (Kinder) und bäckt Kuchen auf Bestellung. Neben einem traditionellen Holzherd, hat sie auch einen elektrischen Ofen speziell dafür. Während der Kaffeeerntezeit geht sie mit zur Lese. Bei finanziellen Engpässen bäckt sie Schokoladenbrote, die Adrián im Dorf von Haus zu Haus verkauft.
Zusammenfassung der Kapitel
Hoffnung auf sozialen Aufstieg und Bildungsaufstieg: Dieses Kapitel beleuchtet anhand von Lebensgeschichten, wie Bildung als zentrales Ideal für den sozialen Status wahrgenommen wird, jedoch in der Praxis oft an mangelnden Unterstützungsmöglichkeiten scheitert.
Bildungsabbruch: Hier wird analysiert, warum trotz des hohen Stellenwerts von Bildung in vielen Familien ein vorzeitiger Schulabbruch erfolgt und welche strukturellen und sozialen Hürden dabei eine Rolle spielen.
Einfluss des Tourismus: Dieses Kapitel untersucht die ökonomischen und sozialen Auswirkungen des Tourismus, der einerseits Arbeitsplätze schafft und neue Lebensperspektiven bietet, andererseits aber in Konkurrenz zur schulischen Bildung steht.
Schlüsselwörter
Costa Rica, Tourismus, Schulbildung, Lebenslaufbahn, Bildungsabbruch, sozialer Aufstieg, ländliche Entwicklung, Biografieanalyse, Chancengleichheit, Kulturkapital, Arbeitsmarkt, Longo Maï, Ökotourismus, Bildungssoziologie, Dependenztheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss der Tourismusbranche auf die Schul- und Lebenslaufbahnen von Menschen in ländlichen Regionen Costa Ricas.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Hoffnung auf sozialen Aufstieg durch Bildung, den Gründen für Schulabbrüche und der ambivalenten Rolle des Tourismus für die lokale Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, inwieweit die Schullaufbahn und die damit verbundene Lebensplanung der Costa-Ricaner vom wachsenden Tourismus in ihren Heimatorten geprägt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt primär Leitfadeninterviews mit qualitativen, narrativen Elementen, die an die Biographieforschung angelehnt sind, um authentische Einblicke in die Lebensrealitäten zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Interviewergebnisse zu Bildungsaspirationen, den Problemen des Schulsystems sowie den ökonomischen Verflechtungen durch den Tourismus thematisiert und soziologisch eingeordnet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind soziale Mobilität, Bildungsmythos, ökonomische Abhängigkeit, Modernisierungs- und Dependenztheorie sowie das lokale Beispiel der Gemeinschaft Longo Maï.
Wie beeinflusst der Tourismus die Bildungschancen in Longo Maï?
Der Tourismus bietet einerseits finanzielle Möglichkeiten und Zugang zu Ressourcen wie Internet, führt jedoch auch dazu, dass Jugendliche den Tourismussektor teilweise als lukrativere Alternative zur langen Schulausbildung betrachten.
Warum ist die Rolle der Familie bei der Bildung so entscheidend?
Die Studie zeigt, dass der familiäre Hintergrund und die Vererbung von kulturellem Kapital maßgeblich darüber entscheiden, ob Kinder die Schule erfolgreich absolvieren oder frühzeitig in den Arbeitsmarkt einsteigen.
- Quote paper
- María Isabel Sánchez (Author), 2011, Einfluss des Tourismus auf die Schul- und Lebenslaufbahn der Costa-Ricaner in ländlichen Gegenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274006