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Die Bedeutung der Szene "Gottesurteil" für Gottfrieds Roman "Tristan"

Title: Die Bedeutung der Szene "Gottesurteil" für Gottfrieds Roman "Tristan"

Essay , 2011 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Natalja Groo (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Das Motiv der verbotenen Liebe in der Literatur ist von derart zeitloser Gültigkeit, dass es nicht verwundert, immer wieder neue Anläufe zu finden, die diese Problematik in unterschiedlicher Akzentuierung darstellen. Das betrifft die europäische Literatur des Mittelalters in erster Linie. In der Artusdichtung z.B. spielen die Liebesbeziehungen zwischen der Artuskönigin und dem Ritter Lancelot eine zentrale Rolle. Das 12. Jahrhundert, in dem auch Gottfrieds Tristan entstand, gilt als Blütezeit der deutschen Tagelieddichtung, in welcher die verbotene Liebe und der Abschiedsschmerz von Liebenden poetisiert wurden. Die Entstehung dieses psychologisch-sozialen Phänomens in der Literatur kann man als einen „Reflex auf bestimmte erotische Tabus der damaligen Gesellschaft“ 1 einsehen.

Gottfrieds Tristan lässt sich thematisch auch mit einem Tagelied vergleichen: wir haben ein nicht legitimes Liebespaar, eine unglückliche Liebe, schmerzhafte Abschiede, einen betrogenen Ehemann, eine Wächterin in der Gestalt der Brangäne, und wir haben schließlich auch Cläffer, Feinde, den Truchsess Marjodo und den Zwerg Melot. All das sind die typischen Elemente des Tagesliedes. Aber Gottfrieds Tristan hat eine andere dramatische Größe. Gottfried bereichert und erweitert die banale Geschichte eines unglücklichen Liebespaares durch weitere spannende Motive, die den Tristanroman zu einem märchenhaften Meisterstück machen. Eine der rätselhaftesten und umstrittensten Szenen des Romans ist die Szene „Gottesurteil“.

Den gottfriedschen Roman Tristan kann man mit einem Kaleidoskop vergleichen, das immer wieder unter verschiedenen Blickwinkeln verschiedene Bilder zeigt. In der Forschung gibt es deswegen keine Einigung in Hinsicht darauf, was Gottfried mit dieser Szene thematisieren wollte. Die meisten gehen davon aus, dass die Szene Gottfrieds religiöse Ansichten widerspiegeln soll. Im Weiteren probieren wir aber zu beweisen, dass diese Szene auch andere interessante Anknüpfungspunkte hat und ein wichtiger Baustein im gesamten Roman ist. Zuerst werden wir die Ausgangssituation kurz wiedergeben und die Hintergrundinformationen zum Gottesurteil aus historischer Sicht zusammentragen. Dadurch soll ein äußerer Rahmen für die Betrachtung dieser Szene gesetzt werden. In weiteren Kapiteln soll die Bedeutung des Gottesurteils für den gesamten Roman bestimmt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Ausgangsituation: Verdacht

II. Das Gottesurteil

II.1. Das Gottesurteil aus historischer Sicht

II.2. Das Gottesurteil in Gottfrieds Roman „Tristan“

III. Darstellung Gottes in der Episode

IV. Bedeutung der Szene für den gesamten Roman

IV.1. Charakterliche Entwicklung der Hauptfiguren durch das Gottesurteil

IV.1.1. Darstellung des Königs Marke im Gottesurteil

IV.1.2. Die Charakterisierung Brangäne im Gottesurteil

IV.1.3. Die Charakterisierung Tristans im Gottesurteil

IV.1.4. Die Charakterisierung Isoldes im Gottesurteil

IV.2. Konstitutionelle Einordnung der Szene in die Struktur des gesamten Romans

Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der „Gottesurteil“-Szene in Gottfrieds Roman „Tristan“. Ziel ist es, über eine bloße inhaltliche Analyse hinaus zu ergründen, inwiefern die Episode als Kritik an zeitgenössischen religiösen Auffassungen und der höfischen Moral dient, sowie ihre strukturelle Funktion für die Charakterentwicklung und den dramaturgischen Fortgang des Werkes zu bestimmen.

  • Historische Einordnung und Praxis des mittelalterlichen Gottesurteils (Ordal).
  • Analyse des Gottesbildes im Tristan-Roman im Kontext der mittelalterlichen Gesellschaft.
  • Charakterisierung der Hauptfiguren Marke, Tristan und insbesondere Isolde durch ihre Handlungen in der Szene.
  • Strukturelle Verknüpfung der Episode mit anderen Schlüsselstellen des Romans, wie der Baumgartenszene.

Auszug aus dem Buch

IV.1.1. Darstellung des Königs Marke im Gottesurteil

Die Szene beginnt mit einem kurzen, aber vielsagendem Exkurs des Erzählers, der von der valscheit in der Gesellschaft oder in der Familie erzählt:

ich meine daz zer valscheit: der vriunde vriundes bilde treit und in dem herzen vint ist, daz ist ein vreislich mitewist. wan der treit alle stunde daz honec in dem munde, daz eiter, da der angel lit. da blaet der eiterine nit dem vriunde misselinge an iegelichem dinge, daz er gehoeret unde gesiht, und enhüetet nieman vor ihm niht.(15053-15064)

Mit diesen Zeilen versucht der Erzähler, die Gunst der Zuhörer oder Leser auf die Seite des Liebespärchens zu ziehen. „Die Schlange Melot“ und „der Hund Marjodo“ erscheinen als „verderbliche Genossen“ und „Giftschlangen“, die den zwei Liebenden „mit Betrug und Tücke“ immer wieder Fallen stellen. Der vorsichtige Tristan und die schöne Isolde sind hingegen belagert und bedroht. Die Ersten vertreten die Meinung des ganzen königlichen Hofes, der eine untreue Ehegattin des Königs nicht dulden will. Die Zweiten sind ein unglückliches, unlegitimes Liebespaar, das seine Beziehung nicht aufgeben möchte und trotzdem am Hof bleiben will. Zwischen diesen zwei Polen der Liebe und des Neides erscheint König Marke als eine passive, willenlose Figur, die im regelmäßigen Wechsel von beiden Seiten auf dem Handlungsfeld hin und her geschoben wird. „Marke regiert nicht, sondern er wird regiert, und zwar von zweifelhaften und verräterischen Personen und Kräften, deren Einfluss nicht durch ein entsprechendes positives Gegengewicht aufgehoben wird.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Die Arbeit führt in das Motiv der verbotenen Liebe bei Gottfried von Straßburg ein und umreißt das interpretatorische Problem der Gottesurteil-Szene als Kaleidoskop verschiedener Deutungsmöglichkeiten.

I. Ausgangsituation: Verdacht: Dieses Kapitel beschreibt den anhaltenden, durch List der Liebenden stets widerlegten Verdacht des Königs Marke, der in der Baumgartenszene kulminiert und schließlich zur Einberufung des Konzils führt.

II. Das Gottesurteil: Hier werden zunächst die historischen Hintergründe und verschiedenen Formen der Ordalien im Mittelalter erläutert und anschließend die konkrete Prozedur im Tristan-Roman dargestellt.

III. Darstellung Gottes in der Episode: Das Kapitel analysiert die zwiespältige Gottesdarstellung im Roman und diskutiert, ob Gottfrieds Werk als Gotteslob oder als Kritik an einem egoistischen Gottverständnis am Hofe zu werten ist.

IV. Bedeutung der Szene für den gesamten Roman: Der Hauptteil untersucht die charakterliche Entwicklung der Figuren durch die Szene sowie die strukturelle Einordnung des Gottesurteils als logische Weiterentwicklung innerhalb der Handlungskette des Romans.

Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Gottesurteil-Szene essenziell für die Sinnkonstitution des Romans ist und durch ihre Detailtiefe neue Einblicke in die höfische Moral und religiöse Wahrnehmung des Autors gewährt.

Schlüsselwörter

Gottfried von Straßburg, Tristan, Isolde, König Marke, Gottesurteil, Ordal, höfische Liebe, Mittelalter, Literaturbetrachtung, Religionskritik, Inzichtsverfahren, Doppeldeutigkeit, Schuld, Unschuld, Literaturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Gottesurteil-Szene in Gottfrieds Roman „Tristan“ und untersucht deren zentrale Rolle für die Romanstruktur und die Charakterisierung der Hauptfiguren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt Themen wie das mittelalterliche Rechtsverständnis (Ordalien), die religiöse Darstellung bei Gottfried, das höfische Ideal sowie die psychologische Interaktion zwischen den Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu klären, wie die Szene des Gottesurteils als Instrument der Charakterentwicklung fungiert und ob sie als Kritik an der höfischen Moral und dem zeitgenössischen Gottesverständnis zu interpretieren ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Interpretation angewandt, die den Roman als Text analysiert und dabei sowohl den Erzählerkommentar als auch die Verszeilen (Zitate) unter Einbeziehung der bisherigen Tristanforschung auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Gottesurteils (historisch und im Roman), eine tiefgehende Untersuchung des Gottesbildes in der Episode sowie eine detaillierte Betrachtung der Charakterentwicklung von Marke, Isolde und Tristan.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Gottfried von Straßburg, Tristan, Isolde, Gottesurteil, höfische Liebe, Ordal, Kritik, Schuld, Unschuld und Struktur.

Welche Rolle spielt der Bischof von Themse in der Szene?

Der Bischof fungiert als diplomatische Instanz, die den Prozess leitet, wobei seine Rolle ambivalent bleibt, da er sowohl die königliche Autorität stützt als auch die Liebenden indirekt schützt.

Warum wird Isoldes Verhalten als „taktisch geschickt“ beschrieben?

Isolde nutzt ihre Verteidigungsrede, um sich dem männlichen Rat zu unterwerfen und ihre angebliche Unschuld durch einen doppeldeutigen Eid zu beweisen, wodurch sie geschickt das Mitleid und die Gunst der Anwesenden gewinnt.

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Details

Title
Die Bedeutung der Szene "Gottesurteil" für Gottfrieds Roman "Tristan"
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Germanistik)
Course
Gottfried von Straßburg "Tristan""
Grade
1,3
Author
Natalja Groo (Author)
Publication Year
2011
Pages
24
Catalog Number
V274062
ISBN (eBook)
9783656662198
ISBN (Book)
9783656662181
Language
German
Tags
Gottesurteil Tristan Darstellung des Gottes König Marke Brangäne Isolde
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natalja Groo (Author), 2011, Die Bedeutung der Szene "Gottesurteil" für Gottfrieds Roman "Tristan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274062
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