Buchbesprechung des Jungendbuches "Defender" von Andreas Steinhöfel. Geschichten aus der Mitte der Welt


Rezension / Literaturbericht, 2003

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Defender

Geschichten aus der Mitte der Welt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Jugendbuch „Defender“ ist eine Zusammenstellung von acht Kurzgeschichten, die auf eine gewisse Weise inhaltlich miteinander in Verbindung stehen, wobei jedoch jede in sich geschlossen und somit einzeln lesbar ist. Allen Geschichten gemein ist, dass kurze, aber für das Leben der jugendlichen Protagonisten entscheidende Situationen geschildert werden, wobei meist ein Rückblick in deren Vergangenheit erfolgt,

Im Folgenden seien vier der Kurzgeschichten inhaltlich zusammengefasst.

Herbstastern

So lautet der Titel der zweiten Geschichte der Kompilation.

Der Ich-Erzähler, Dennis, etwa 14 Jahre alt, und seine beiden Geschwister Jule, etwa 17 Jahre, und der jüngste Bruder Hendrik, fünfjährig, besuchen ihr – mittlerweile verlassenes-

Elternhaus, um in dessen Garten Astern für das Grab ihres Vaters zu suchen.

Dennis wird durch vergilbte Photographien an Erlebnisse mit seiner Familie erinnert, welche fünf Jahre zurückliegen und auf die Familiensituation allgemein schließen lassen:

ein offenbar depressiver Vater mit bedenklichem Hang zum Alkohol, was sein Aggressivitätspotential verstärkte und den Mann zum Familientyrann mutieren ließ, die hilflose, einem heilen Familienbild nacheifernde Mutter, das direkte Opfer der Tyrannei und Gewalt, sowie zwei unter all dem leidende Kinder, Jule und Dennis. (...)

Und Papas schreckliche Wut, von der ich an diesem Nachmittag bemerkte, wie sie sich langsam aufbaute, nachdem der Scheißfisch ihm durch die Lappen gegangen war? Was habe ich damals gedacht, als ich diese Wut spürte, die plötzlich so greifbar in der Luft lag? Hab ich ein Bild von ihr gehabt, von dieser Wut, hab ich ihr einen Namen geben können? Sicher nicht. Ich hab sie nur gespürt. Und dieses Spüren ist viel unmittelbarer gewesen als ein Bild, und so viel schlimmer. Ein Bild hätte dem Schrecken konkrete Umrisse gegeben, und diese Umrisse hätte ich anderen, mir schon bekannten Bildern zuordnen können. Ich hätte sie benennen können. Über etwas, das einen Namen besitzt, kann man Macht gewinnen. Damit kann man den Schrecken auf Abstand halten. Aber ich habe nichts benannt damals, ich habe nichts bebildert. Ich habe nur gespürt.

Heute habe ich ein Bild: das des steten Tropfens, der den Stein höhlt. Jeder einzelne Tropfen hat eine Spur nicht nur in Papas Gesicht hinterlassen, das immer düsterer wurde, sondern auch in seiner Körperhaltung – eine winzige Veränderung im Zusammenspiel seiner Muskeln, von denen er gar nicht merkte, wie sie unwillkürlich kontrahierten. Sein ganzer Körper schien sich in solchen Momenten anzuspannen wie eine Metallfeder, spannte sich an zur geduckten Haltung eines Raubtiers vor dem Sprung. Ja, diese Wut, das ist das Bild: ein sich leise aus dem Hinterhalt anschleichendes Raubtier. Irgendein beliebiger, Papa verärgernder Auslöser setzte eine Kettenreaktion in Gang, die sich wie im tiefen Inneren eines Reaktors vollzog: unsichtbar, unhörbar, zu erkennen nur an Gestik und Mimik.

Ein Tier auf dem Sprung.

Eine Bestie. (...)

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Buchbesprechung des Jungendbuches "Defender" von Andreas Steinhöfel. Geschichten aus der Mitte der Welt
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Einführung in die Literaturdidaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
7
Katalognummer
V27413
ISBN (eBook)
9783638294690
ISBN (Buch)
9783668148123
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Buchbesprechung mit Textbeispielen des Jugendbuches: Steinhöfel, Andreas: Defender. Geschichten aus der Mitte der Welt, Hamburg: Carlson 2001.
Schlagworte
Buchbesprechung, Steinhöfel, Andreas, Defender, Geschichten, Mitte, Welt, Einführung, Literaturdidaktik
Arbeit zitieren
Ulrike v. Münchhofen (Autor), 2003, Buchbesprechung des Jungendbuches "Defender" von Andreas Steinhöfel. Geschichten aus der Mitte der Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27413

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