Das Jugendbuch „Defender“ ist eine Zusammenstellung
von acht Kurzgeschichten, die auf eine gewisse Weise
inhaltlich miteinander in Verbindung stehen, wobei
jedoch jede in sich geschlossen und somit einzeln lesbar ist.
Allen Geschichten gemein ist, dass kurze, aber für das Leben
der jugendlichen Protagonisten entscheidende Situationen
geschildert werden, wobei meist ein Rückblick in deren
Vergangenheit erfolgt,
Im Folgenden seien vier der Kurzgeschichten inhaltlich
zusammengefasst und für ihren Einsatz als Lesetext in der Hauptschule besprochen.
Inhaltsverzeichnis
1. Herbstastern
2. Daniel zu lieben
3. Interview
4. Merle
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Buchbesprechung analysiert das Jugendbuch „Defender“ von Andreas Steinhöfel mit dem Ziel, die Eignung der enthaltenen Kurzgeschichten für den Literaturunterricht in verschiedenen Klassenstufen zu bewerten.
- Analyse jugendrelevanter Themen wie Tod, Trauer, Pubertät und soziale Probleme.
- Untersuchung der wertungsfreien Darstellungsweise menschlicher Konflikte.
- Evaluation der sprachlichen Gestaltung und deren Authentizität in Bezug auf jugendliche Umgangssprache.
- Beurteilung der pädagogischen Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Literaturunterrichts.
Auszug aus dem Buch
Merle
Beim dritten „Besuch“ des Lehrers in der Klasse beginnt abermals das Getöse. Doch Merle macht nicht mit.
(...)
Bum-bum-tschak.
„Moment mal.“
Der Lärm erstarb sofort. Merle spürte fünfundzwanzig überraschte Augenpaare auf sich gerichtet – sechsundzwanzig, Dettmers erstauntes Gesicht hinzugerechnet. Die Blicke lasteten wie ein tonnenschweres Gewicht auf ihren Schultern, das sie auf ihren Stuhl hinabzudrücken versuchte. Doch genau deshalb war sie aufgestanden: Damit es für sie kein Zurück gab. Und vielleicht, meldete sich ironisch die Stimme in ihrem Kopf, vielleicht auch, um zu überprüfen, wie man auf Beinen aus Pudding steht.
Naja, man steht, dachte Merle. Dennoch war sie froh und dankbar, sich die nächsten beiden Sätze heute Morgen auf dem Schulweg wieder und immer wieder vorgesagt zu haben, wie zur Vorbereitung auf einen Leistungstest. Was es ja auch war. Ihre größte Angst war gewesen – war es noch -, dass die Worte in ihrer Kehle stecken bleiben würden, wenn sie erst einmal aufgestanden war. Es war so still in der Klasse, dass sie neben sich Corinna laut atmen hörte.
„Ich hab die Nase voll von diesem Quatsch“, sagte sie. „Wir sind hier doch nicht im Kindergarten.“
Das Schweigen, längst absolut, dehnte sich immer weiter aus. So musste ein Schauspieler sich fühlen, der auf die Bühne getreten war und ... nun, nicht seinen Text vergessen, aber irgendetwas falsch gemacht hatte. Kolossal falsch. Hinter ihr tönte es: „Setz die gefälligst hin, Alte! Du versaust uns den Spaß!“
Merle erkannte die Stimme, sie musste sich nicht zu ihm umdrehen. Und tat es dennoch: Wandte sich um, sah ihm in die Augen, entließ ihn nicht aus ihrem Blick, sagte laut: „Mein Gott, Boris, was bist du bloß für ein armseliger Arsch!“
Zusammenfassung der Kapitel
Herbstastern: Die Geschichte thematisiert die Aufarbeitung familiärer Gewalt und Suchtproblematiken durch drei Geschwister, die ihr ehemaliges Elternhaus besuchen.
Daniel zu lieben: Eine Erzählung über die erste homosexuelle Liebe eines Jugendlichen, die unter gesellschaftlichem Druck und Vorurteilen zerbricht.
Interview: Ein Verhör-ähnlicher Dialog beleuchtet ein Familiendrama, das in psychischer Instabilität und einer fatalen Eskalation endet.
Merle: Diese Geschichte behandelt Zivilcourage und die psychischen Herausforderungen der Pubertät anhand einer Schülerin, die sich gegen das Klassentumult auflehnt.
Fazit: Eine abschließende Einschätzung des Gesamtwerkes hinsichtlich dessen Eignung für den Literaturunterricht an weiterführenden Schulen.
Schlüsselwörter
Jugendliteratur, Andreas Steinhöfel, Literaturunterricht, Pubertät, Gewalt in der Familie, Homosexualität, Zivilcourage, Suchtproblematik, Kurzgeschichten, Sozialisation, Identitätsfindung, Ethik, Schullektüre, Zwischenmenschliche Konflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Literaturdidaktische Buchbesprechung der Kurzgeschichtensammlung „Defender“ von Andreas Steinhöfel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Tod, Trauer, Pubertät, Sexualität, Gewalt und diverse soziale Probleme, mit denen Jugendliche konfrontiert sind.
Was ist das primäre Ziel der Besprechung?
Das Ziel ist die Bewertung der inhaltlichen und sprachlichen Eignung der Texte für den Einsatz im Literaturunterricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturdidaktische Analyse und Besprechung, die den Inhalt zusammenfasst und pädagogische Empfehlungen ableitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden vier ausgewählte Kurzgeschichten einzeln inhaltlich zusammengefasst und kurz hinsichtlich ihrer Thematik analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jugendliteratur, Zivilcourage, Pubertät, soziale Konflikte und pädagogische Eignung.
Wie wird die Sprache der Geschichten bewertet?
Die Rezension kritisiert, dass der Versuch, jugendliche Umgangssprache zu imitieren, an manchen Stellen eher lächerlich als authentisch wirkt.
Für welche Klassenstufen wird das Buch empfohlen?
Das Gesamtwerk wird für höhere Klassen ab Jahrgangsstufe 7 empfohlen, während einzelne Erzählungen wie „Merle“ bereits früher im Unterricht einsetzbar wären.
- Citation du texte
- Ulrike v. Münchhofen (Auteur), 2003, Buchbesprechung des Jungendbuches "Defender" von Andreas Steinhöfel. Geschichten aus der Mitte der Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27413