Die Hansestädte im Westfälischen Frieden


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hanse im Vorfeld des Westfälischen Friedens
2.1 Der Zustand der Hanse vor dem Dreißigjährigen Krieg
2.2 Die Entwicklung der Hanse während des Dreißigjährigen Krieges

3. Die Hanse auf dem Westfälischen Friedenskongress
3.1 Die hansische Vertretung
3.2 Die Verhandlungen auf dem Friedenskongress

4. Die Folgen und das Ende der Hanse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Sekundärliteratur
6.2 Quellen

1. Einleitung

Die Hanse war als Verbund von Städten im Europa des Mittelalters und der Frühen Neuzeit über mehrere Jahrhunderte hinweg in der Lage, gemeinsam politisch zu agieren und den Handel in Nordeuropa zu dominieren. Zudem konnte sie einer Großzahl ihrer Mitgliedsstädte bis ins 17. Jahrhundert hinein gewisse Freiheiten garantieren.[1] Warum kam es also im Laufe des 17. Jahrhunderts zum faktischen Ende der Hanse, nachdem sie doch durch den Westfälische Frieden, wie diese Arbeit noch aufzeigen wird, erstmals in ihrer Geschichte rechtliche Anerkennung erfahren hatte? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden. Zudem soll erörtert werden, wie der Abstieg der Hanse vor sich ging und welche einzelnen Ursachen er hatte. Ein besonderes Augenmerk soll hierbei auf die Gegner der Hanse, vor allem die Fürsten und Territorialherren gerichtet werden, die auf dem Westfälischen Friedenskongress immer wieder versuchten, die Vertreter der Hanse von den Verhandlungen auszuschließen und ihre Rechtmäßigkeit in Frage stellten.

Zu Beginn dieser Arbeit soll zunächst der Zustand der Hanse vor dem Dreißigjährigen Krieg, das heißt am Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts, beschrieben werden, bevor dann die allgemeinen Entwicklungen und Schwierigkeiten des Hansebundes während des Krieges selbst behandelt werden. Bevor dann im Folgenden die Teilnahme der Hansevertreter am Westfälischen Friedenskongress und dessen Ablauf geschildert wird, soll noch kurz das Zustandekommen und die Zusammensetzung der hansischen Vertretung beschrieben werden. Anschließend werde ich die konkreten Ergebnisse des Kongresses und des Westfälischen Friedensvertrages für die Hanse aufführen und dessen Folgen für den Hansebund darstellen. Gleichzeitig soll beschrieben werden, wie diese Folgen und auch andere Faktoren schließlich zum Ende der Hanse führten. Abschließend werden dann die Ergebnisse dieser Arbeit in einem Fazit zusammengefasst, in dem versucht werden soll, eine Antwort auf die oben stehende Frage zu geben.

Zur Literatur zu diesem Thema ist allgemein zu sagen, dass es recht wenige Arbeiten gibt, die sich mit der Rolle der Hanse im Westfälischen Frieden beschäftigen. Hier sind vor allem die Aufsätze von Postel[2] und Spies[3] zu nennen, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigen. Beide Arbeiten geben eine gute Übersicht über den Ablauf des Kongresses, die einzelnen Schwerpunkte, die die Hanse betrafen und die Ergebnisse am Ende des Kongresses. Postel betrachtet zudem die äußeren Umstände und die Gründe für das Ende der Hanse etwas genauer.

Mit der allgemeinen Entwicklung der Hanse und deren politischen Rahmenbedingungen im 16. und 17. Jahrhundert befassen sich vor allem die Aufsätze von Schmidt[4] und Duchhardt[5]. In den beiden Arbeiten werden sowohl die Prozesse innerhalb der Hanse als auch die äußeren, die Hanse betreffenden Entwicklungen dargestellt. Beide Autoren versuchen, die Gründe für den Niedergang der Hanse im 16. und 17. Jahrhundert darzulegen und geben Erklärungen für diesen. In den Gesamtdarstellungen zur Hanse von Dollinger[6] und Hammel-Kiesow[7] werden dem hier bearbeiteten Thema zwar nur jeweils einige Seiten gewidmet, trotzdem finden sich auch hier einige Aussagen, die für die Betrachtung der Rolle der Hanse im Westfälischen Frieden und deren Spätzeit von Interesse sind.

Die Quellenlage zu dem hier behandelten Thema ist recht gut. So wird man zum einen durch die Protokolle der einzelnen Städteratssitzungen des Westfälischen Friedenskongresses ausführlich über die einzelnen Verhandlungsthemen beziehungsweise Standpunkte und die Rolle der hansischen Vertreter informiert. Zum anderen sind auch der diplomatische Verkehr zwischen den einzelnen Vertretern sowie Denkschriften etc. überliefert. Ediert finden sich diese Quellen in den Acta Pacis Westphalicae, wobei für diese Arbeit besonders zwei Quellen von Interesse sind.[8] Hinzu kommen natürlich die Friedensverträge selbst, von denen vor allem das Instrumentum Pacis Osnabrugensis, der Friedensvertrag des Kaisers mit Schweden, wichtig ist. Der Vertrag ist vollständig online einzusehen und bietet zudem noch verschiedene Übersetzungen.[9]

2. Die Hanse im Vorfeld des Westfälischen Friedens

2.1 Der Zustand der Hanse vor dem Dreißigjährigen Krieg

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts kam es zum Versuch, die Hanse zu reorganisieren. Dieses Bemühen hatte verschiedene Anlässe. So ließ sich etwa ein kontinuierlicher Rückgang der Teilnehmer auf den Hansetagen verzeichnen, die zudem auch immer seltener stattfanden. Hinzu kam, dass es zu wachsender Uneinigkeit zwischen den einzelnen Hansestädten kam, was sich sehr negativ auf die Ergebnisse und Beschlüsse der Hansetage auswirkte. Außerdem hatten einige führende Hansestädte durch verschiedene Gründe wirtschaftlich stark abgebaut.[10]

Die Ursachen für die wachsenden Probleme des Hansebundes waren vielfältig. So kam es zum einen zu strukturellen Veränderungen auf territorialstaatlicher Ebene. Einige Landesherren schränkten die bisherigen Freiräume der Hansestädte stark ein und verboten diesen sogar, an den Hansetagen teilzunehmen, da die Hanse aus Sicht der Fürsten und Territorialherren ihren politischen und territorialen Interessen entgegenstand.[11] Hinzu kam, dass die wachsende politische Macht des Reiches die Hansestädte stark unter Druck setzte. Die Fürsten und Territorialherren wurden vom Reich bevorzugt und hatten somit erst die Möglichkeiten, die Städte zu unterdrücken.[12] Zudem fiel es der Hanse immer schwerer, sich auf gemeinsame Regeln und Vorstellungen zu einigen. Viele auf den Hansetagen gefällte Entscheidungen und Bestimmungen wurden von einzelnen Mitgliedern ignoriert und nicht umgesetzt, was letztendlich die politische Macht und Handlungsfähigkeit der Hanse stark beschädigte. So wurde die Hanse immer mehr zu einem Verbund, in dem die Einzelinteressen der Mitglieder mehr Gewicht hatten als die Interessen der Gemeinschaft. Ein weiterer Grund war, dass sich die politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen der Hanse einfach nicht mehr mit der Realität der sich verändernden Umgebung vereinbaren ließen. So lenkte die Hanse lange Zeit überhaupt nicht ein, wenn es um Abstriche bezüglich ihrer Handelsprivilegien ging.[13]

Die Hanse hielt trotz sich verändernden politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten an ihren alten Rechten und Traditionen fest, was dazu führte, dass sie mit den Entwicklungen in ihrem Umfeld nicht mehr schritthalten konnte. Sie passte somit ihres Charakters wegen nicht mehr in das politische Umfeld, in der die Idee vom souveränen Nationalstaat immer mehr das politische Handeln und Denken bestimmte. Die Hanse bestand allein zu dem Zweck, den Handel voranzutreiben und ihre Privilegien zu schützen, was letztendlich dazu führte, dass die Hanse in der durch Monarchen und Fürsten geprägten Umgebung als etwas Fremdartiges angesehen wurde, das nicht in die neuen territorialstaatlichen Vorstellung eben jener passte. Die Hanse wurde somit um 1600 von den europäischen Monarchien nicht mehr als vollwertiger politischer Partner angesehen.[14]

Ab ca. 1610 erlebten viele Staaten im nördlichen Europa einen großen politischen Aufschwung. So etwa Schweden unter ihrem König Gustav Adolf, das polnisch-litauische Großreich oder Dänemark unter seinem König Christian IV. Mit diesen untereinander konkurrierenden Kräften, die das Geschehen im Ostseeraum dominierten, konnte die Hanse nicht mehr konkurrieren, da sie zum einen nicht mehr geschlossen auftrat und zum anderen auch militärisch nicht mehr mächtig genug war, um den erwähnten Mächten entgegenzutreten.[15] Auch das Bemühen der Hanse, sich mit den oberdeutschen Reichsstädten zu verbünden und die Versuche des deutschen Kaisers, die Hanse stärker zu integrieren, waren nicht von Erfolg gekrönt.[16]

Letztendlich muss festgehalten werden, dass die Gründe für den Abstieg der Hanse im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert nicht darin bestanden, dass diese wirtschaftlich keinen Erfolg mehr hatte. Eher das Gegenteil war zu dieser Zeit der Fall. Die Hanse erlebte auf kommerzieller Ebene am Ende des 16. Jahrhunderts sogar eine Blüte. Vielmehr lag der Abstieg an den sich verändernden politischen Gegebenheiten, an die sich der Hansebund nicht adäquat anpassen konnte und wollte.[17]

2.2 Die Entwicklung der Hanse während des Dreißigjährigen Krieges

Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges nahm die Bedeutung der Hanse weiter ab. So versuchten die habsburgischen deutschen und spanischen Monarchien größeren Einfluss im Ostseeraum zu gewinnen, um hier die Vormachtstellung der protestantischen Fürsten zu beenden, am einträglichen Ostseehandel teilzuhaben und die Niederländer von diesem fernzuhalten. Die Hanse hatte nach Bündnisvorschlägen der Habsburger zwar die Möglichkeit, noch einmal eine wichtige politische und auch militärische Rolle einzunehmen, entschied sich aber auf dem Hansetag 1628 dagegen, um ihre kommerziellen Beziehungen mit den anderen protestantischen Mächten im Ostseeraum nicht zu gefährden. Zudem verhinderte das immer weiter expandierende schwedische Königreich ein solches Bündnis, da die Hansestädte sonst mit Gegenmaßnahmen der Schweden hätten rechnen müssen. So kam es auch dazu, dass sich die meisten noch verbliebenen Städte der Hanse auf die Seite Schwedens stellten.[18]

Nachdem 1629 auf dem vorletzten Hansetag der Versuch der Hansestädte gescheitert war, sich auf eine gemeinsame Politik zur Vertretung der Hanse zu einigen und sogar der Zweck ihrer Existenz bezweifelt worden war, wurden letztendlich die Städte Lübeck, Hamburg und Bremen damit beauftragt, in Zukunft die Interessen der gesamten Hanse zu vertreten. Die drei Städte schlossen zunächst ein Defensivbündnis auf zehn Jahre, das danach verlängert wurde.[19] Das geschlossene Bündnis beinhaltete unter anderem die Entsendung von 500 Bewaffneten und nötigenfalls auch zwei Kriegsschiffen im Falle eines Angriffs auf eine der Städte.[20] Die Entscheidung, Lübeck, Hamburg und Bremen mit der Vertretung der Hanse zu beauftragen, rührte auch daher, dass die drei Städte, die moderne Festungsmauern besaßen, kaum von direkten Kriegsschäden betroffen waren. Zudem wurde 1629 in Lübeck ein Frieden geschlossen und Hamburg war ein wichtiges Zentrum für diplomatischen Verkehr.[21] Der Entschluss, sämtliche Angelegenheiten in die Hände von nur drei Mitgliedsstädten zu geben, kann letztendlich als eine "Liquidierung der Gemeinschaft"[22] angesehen werden. So standen immer deutlicher die einzelnen individuellen Interessen der drei Städte, besonders Lübecks, im Vordergrund und die übrigen Städte mussten sich mehr und mehr diesen Interessen unterordnen. Das Jahr 1629 war somit ein sehr wichtiges Datum in Hinblick auf die Geschichte der Hanse und ihrer Struktur.[23]

Auch kam hinzu, dass die großen Rivalen im Dreißigjährigen Krieg, also Dänemark, Schweden, Polen und das Reich, versuchten, die einzelnen Hansestädte für ihre Sache zu gewinnen. Der Hansebund hatte nicht die nötigen Mittel, um die angestrebte Neutralität gegen die Interessen der kriegführenden Mächte aufrechtzuerhalten, was dazu führte, dass die einzelnen Städte sich mit diesen arrangierten, um den Krieg möglichst unbeschadet zu überstehen. So wurden also die Partikularinteressen der einzelnen Mitglieder immer wichtiger, als der Wunsch nach der Einheit des Hansebundes.[24]

Auf dem bereits erwähnten vorletzten Hansetag offenbarten sich deutlich die Verfallserscheinungen der Hanse, die in ihren Beschlüssen und Aktionen zusehends träger und wirkungsloser wurde. Dies zeigte sich unter anderem im schlechten Zustand der Kontore, in den nur wenig besuchten Hansetagen und im Ausbleiben der 1554 eingeführten jährlichen Beitragszahlungen. Hinzu kam, dass der Krieg den Handel der Hanse schwächte. Die Hanse hatte große kriegsbedingte Hindernisse zu ertragen, wodurch die Einnahmen der Hanse zurückgingen. Politisch wurden während des Krieges die Freiheiten der Hansestädte stark eingeschränkt und besonders die Städte in den Niederlanden, in Westfalen und an der Ostsee hatten an den Folgen des Krieges zu leiden. Die Hansestädte Wismar und Rostock wurden durch kaiserliche Truppen besetzt, Stralsund und Magdeburg durch Wallenstein und Tilly belagert. Die Hanse war nicht in der Lage, die prekäre Lage ihrer Mitgliedsstädte zu verhindern und besaß zudem auch nicht die Mittel, diesen zu Hilfe zu kommen. [25]

[...]


[1] Vgl. Hammel-Kiesow, S. 194

[2] Postel, 1998

[3] Spies, 1982

[4] Schmidt, 1998

[5] Duchhrdt, 1998

[6] Dollinger, 1981

[7] Hammel-Kiesow, 2009

[8] Braubach, Max; Repgen, Konrad ( Hg. ): Acta Pacis Westphalicae, III, A 6; III, D1

[9] Die Westfälischen Friedensverträge vom 24. Oktober 1648. Texte und Übersetzungen ( Acta Pacis Westphalicae. Supplementa Electronica, 1 ), 2004, URL: http://www.pax-westphalica.de/ipmipo/index.html

[10] Vgl. Duchhardt, S. 12

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Schmidt, S. 33 f.

[13] Vgl. Duchhardt, S. 13 f.

[14] Vgl. ebd., S. 14 ff.

[15] Vgl. ebd., S. 18

[16] Vgl. Hammel-Kiesow, S. 192

[17] Vgl. Duchhardt, S. 15

[18] Vgl. ebd., S. 19 f.

[19] Vgl. Spies, S. 110 f.

[20] Vgl. Dollinger, S. 473

[21] Vgl. Postel, S. 524

[22] Duchhardt, S. 20

[23] Vgl. ebd.

[24] Vgl. Dollinger, S. 469

[25] Vgl. Postel, S. 525

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Hansestädte im Westfälischen Frieden
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Fürsten und Hanse: Zwischen Konfrontation und Kooperation
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V274148
ISBN (eBook)
9783656666424
ISBN (Buch)
9783656666394
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Westfälischer Frieden, Dreißigjähriger Krieg, Hanse, Hansestädte
Arbeit zitieren
M.A. Philip Wagenführ (Autor), 2010, Die Hansestädte im Westfälischen Frieden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274148

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