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Lügen, Täuschungen und textinterne Unstimmigkeiten als Stilmittel zur motivierten Weitererzählung des Nibelungenliedes

Titel: Lügen, Täuschungen und textinterne Unstimmigkeiten als  Stilmittel zur motivierten Weitererzählung des Nibelungenliedes

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 19 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Ani Kirakosyan (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Nibelungenlied ist in seiner thematischen Vielfalt nahezu unerschöpflich und bietet bis heute Stoff für spannende Diskussionen, gedankliche Interpretationen, historische Untersuchungen und Diskurse über die Aktualität diverser Themen im Epos. Das Interesse für ein bestimmtes Untersuchungsfeld wird vermutlich immer aus subjektiven Präferenzen heraus geweckt. Die Auswahl des Themas der hier vorliegenden Arbeit bildet da nun keine Ausnahme. Aus dieser Fülle der thematischen Vielfalt, hat mich stets die Frage beschäftigt, warum Siegfried bei Ankunft in Worms nicht etwa wahrheitsgemäß seine Werbungsabsicht um Kriemhild ausspricht und stattdessen zu einer irrsinnigen Lüge greift, die den Grundstein für die Katastrophe und seinen eigenen Untergang legt. Bereits diese ersten einleitenden Zeilen enthalten subjektive Interpretation und Mutmaßungen, und genau hier liegt die Schwierigkeit und die Herausforderung im Umgang mit dem Nibelungenlied. Es ist außerordentlich schwierig, sich dem Epos zu widmen, ohne die Helden und ihr Handeln zu bewerten und zu deuten. Die Herausforderung liegt dann darin begründet, für die subjektiven Mutmaßungen, im Text enthaltene Belege und Beweise zu finden, die diese Vermutung unterstützen. Für das ausgewählte Thema dieser Arbeit sind solche Textbelege für das Verständnis der darzustellenden Problematik von unverzichtbarer Bedeutung. Ich werde versuchen das Thema des minne-Erwerbs durch Täuschung anhand einiger Beispiele, die exemplarisch für das Betrügerische im Nibelungenlied und meiner Ansicht nach die Hauptszenarien für den Weg zum Untergang sind, zu diskutieren und die augenscheinlichen Unstimmigkeiten, die sich aus dem Untersuchungsfeld und den Textstellen ergeben, zu analysieren. Dabei werde ich mich auf Zitate und Äußerungen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen beziehen, die ich entweder zur Unterstützung eigener Aussagen verwenden oder kritisch hinterfragen werde. Diese Arbeit wird sich an der Leitfrage orientieren, warum Lügen im Nibelungenlied nötig werden und welchen Gehalt Lügen und die Unstimmigkeiten für den Verlauf der Erzählung tragen. Interessant in diesem Zusammenhang wird auch die Rolle der Absicht dieser Diskrepanzen durch die Nibelungenlied-Autoren/Erzähler sein.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die erste Lüge als rollender Stein

3. Der Zusammenhang zwischen minne und Macht

4. Die Standeslüge

5. Unstimmigkeiten als Stilmittel?

6. Warum Siegfried nicht um Brünhild wirbt

7. Welche Funktion(en) haben Lügen und Täuschungen im Nibelungenlied?

8. Resümee

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Lügen, Täuschungen und textinternen Unstimmigkeiten im Nibelungenlied als gezieltes Stilmittel des Autors. Dabei wird hinterfragt, inwieweit diese Elemente nicht als bloße Fehler, sondern als bewusste narrative Strategien zur Motivierung der Handlung und zur Steuerung der Rezeption fungieren.

  • Die Funktion von Lügen und Täuschungen als Motor der Handlung
  • Der Zusammenhang zwischen dem höfischen Minne-Verständnis und Machtansprüchen
  • Die Analyse der sogenannten „Standeslüge“ als Schlüsselszene
  • Der Umgang mit textinternen „Unstimmigkeiten“ und „Leerstellen“
  • Die Motivation der Figuren vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Rollenbilder

Auszug aus dem Buch

Die erste Lüge als rollender Stein

Die erste Szene, die gleichsam der Anstoßstein für alle anderen folgenden betrügerischen Handlungen im Nibelungenlied ist, stellt die Ankunft Siegfrieds in Worms und die damit verbundene Lüge um den wahren Grund seines Besuches, nämlich die Werbung um die burgundische Königstochter Kriemhild, dar. Da Siegfried bei seiner Ankunft in Worms König Gunther zum Zweikampf um Land und Herrschaft herausfordert, stellt sich unausbleiblich die Frage nach dem wahren Grund seiner Reise. Dem Rezipienten kommt der Zweifel über die Ernsthaftigkeit des von dem Helden selbst angegebenen Grundes: „sô wil ich Kriemhilden nemen, die scœnen juncfrouwen von Burgonden lant […].“ (48,4f). Und auch die letzten Worte „[…] durch ir unmâzen scœne […]“ (49,2) die diesen Satz beenden, machen deutlich, dass es Siegfried nicht um Kriemhild als Person, losgelöst von all den machtvollen Attributen, die sie besitzt, geht, sondern dass dieser sich selbst Vorteile durch eine Heirat verspricht.

Hier zeigt sich also zunächst der Machthunger Siegfrieds. Durch den späteren Verlauf des Epos allerdings, scheint sich diese Vermutung zu relativieren. Nicht zuletzt, weil der Held es schlichtweg nicht nötig hat, fremdes Land zu erobern, da er nicht etwa ein Besitzloser, sondern ein mächtiger Königssohn ist, sondern weil dieser sich freiwillig und unentgeltlich anbietet, Gunther im Kampf gegen die Könige Liudegast und Liudeger zu helfen. Nur könnte hier wiederum gemutmaßt werden, dass hinter diesem freundschaftlichen Dienst ein berechnender und eigennütziger Plan steckt. Um Licht in dieses Durcheinander zu bringen, muss nun Schritt für Schritt vorgegangen werden. Zunächst müssen die möglichen Gründe für Siegfrieds vermeidliche „Falschaussage“ diskutiert werden, um herauszuarbeiten, welche Art der Täuschung hier vorliegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die thematische Vielfalt des Nibelungenliedes ein und formuliert die Leitfrage nach der Notwendigkeit und der Funktion von Lügen innerhalb der Erzählung.

2. Die erste Lüge als rollender Stein: Das Kapitel analysiert Siegfrieds Ankunft in Worms und seine erste Täuschung über den Grund seiner Werbung als fundamentalen Ausgangspunkt für die weiteren Katastrophen.

3. Der Zusammenhang zwischen minne und Macht: Hier wird untersucht, wie Siegfrieds Taten am Wormser Hof und seine Werbung um Kriemhild untrennbar mit machtpolitischen Interessen und dem Konzept der Minne verknüpft sind.

4. Die Standeslüge: Dieser Abschnitt beleuchtet das Lügengerüst um Siegfrieds Rolle als Gunthers Lehnsmann bei der Werbung um Brünhild und deren Notwendigkeit für das soziale Gefüge im Epos.

5. Unstimmigkeiten als Stilmittel?: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den im Text auftretenden Widersprüchen auseinander und prüft, ob diese als bewusste „Leerstellen“ oder stilistische Mittel zu verstehen sind.

6. Warum Siegfried nicht um Brünhild wirbt: Es wird die Parallele zwischen Kriemhild und Brünhild untersucht und hinterfragt, warum Siegfried sich gegen die Werbung um Brünhild entscheidet.

7. Welche Funktion(en) haben Lügen und Täuschungen im Nibelungenlied?: Hier wird die Funktionalität von Täuschung als zentrales Gestaltungsprinzip des Epos zusammengefasst, das die Spannung aufrechterhält.

8. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die Lüge im Nibelungenlied ein konstitutives Element für den tragischen Handlungsverlauf darstellt.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, Lüge, Täuschung, Minne, Macht, Standeslüge, Siegfried, Kriemhild, Brünhild, Unstimmigkeiten, Erzählstruktur, Heldenepik, literarische Leerstellen, Brautwerbung, Untergang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Lügen, Täuschungen und logischen Unstimmigkeiten im Nibelungenlied und untersucht deren Funktion für den Handlungsverlauf.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Minne und Macht, die Rolle der Standeslüge sowie die Frage, warum der Autor narrative Brüche und Täuschungen als Stilmittel einsetzt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu belegen, dass die auftretenden Ungereimtheiten im Epos kein Zufall sind, sondern eine bewusste Lenkung der Rezeption und Motivierung der Erzählung darstellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die sich auf Zitate aus dem Nibelungenlied und die kritische Einbeziehung einschlägiger Sekundärliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Schlüsselszenen wie Siegfrieds Ankunft in Worms, die Brautwerbung um Brünhild und die Rolle der „Standeslüge“ als Auslöser für den weiteren tragischen Verlauf.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nibelungenlied, Täuschung, Macht, Minne, Standeslüge, narratologische Unstimmigkeiten und Heldenepik.

Warum spielt die Tarnkappe im Kontext der Standeslüge eine Rolle?

Die Autorin fragt, warum Siegfried die Tarnkappe nicht nutzt, um Gunther heimlich zu helfen, und schlussfolgert, dass die bewusste Täuschung für die Rollenverteilung und den Fortgang der Geschichte notwendig war.

Wie deutet die Autorin die Tränen von Brünhild bei der Hochzeitsfeier?

Die Arbeit hinterfragt verschiedene Interpretationsansätze und lehnt eine einfache Deutung als persönliche Eifersucht ab, zugunsten einer komplexeren Betrachtung der gesellschaftlichen Ständeproblematik.

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Details

Titel
Lügen, Täuschungen und textinterne Unstimmigkeiten als Stilmittel zur motivierten Weitererzählung des Nibelungenliedes
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar Nibelungenlied
Note
1,7
Autor
Ani Kirakosyan (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V274185
ISBN (eBook)
9783656666271
ISBN (Buch)
9783656666240
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lügen täuschungen unstimmigkeiten stilmittel weitererzählung nibelungenliedes
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ani Kirakosyan (Autor:in), 2014, Lügen, Täuschungen und textinterne Unstimmigkeiten als Stilmittel zur motivierten Weitererzählung des Nibelungenliedes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274185
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Leseprobe aus  19  Seiten
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