In der Frühen Neuzeit stellten sie die natürliche Ordnung auf den Kopf und missachteten den fundamentalen gesellschaftlichen Unterschied zwischen Mann und Frau. Die Rede ist von "Frauen in Männerkleidern", der Thematik dieser Hausarbeit. Es soll einen Überblick über jene Frauen gegeben werden, die sich in einer Zeit von klar definierten Geschlechtergrenzen trotz aller Probleme und Gefahren dafür entschieden, ihr künftiges Leben als Mann zu führen. Fälle weiblichen Transvestierens lassen sich in ganz Europa feststellen, wobei diese Hausarbeit sich vor allem mit Fällen aus Nordwesteuropa, besonders den Niederlanden und Deutschland, beschäftigen wird. Es soll vor allem um diejenigen Frauen gehen, die sich nicht nur vorübergehend und zu bestimmten Ereignissen, wie beim Karneval oder bei Krawallen, als Männer verkleideten, sondern sich für ein längerfristiges Leben als Mann entschieden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frauen in Männerkleidern
2.1 Gründe für das Verkleiden
2.1.1 Das ökonomische Motiv
2.1.2 Das romantische und das patriotische Motiv
2.1.3 Transvestieren als Tradition
2.2 Das Leben als Mann
2.2.1 Berufe als Mann
2.2.2 Kriminelle Frauen in Männerkleidern
2.2.3 Aussehen und Verhalten
2.2.4 Sexualität und Ehe
2.3 Der Umgang mit enttarnten Frauen
2.3.1 Die rechtliche und moralische Lage in der Frühen Neuzeit
2.3.2 Anklage und Verurteilung
2.3.3 Weibliche Soldaten und Matrosen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Frauen, die im 17. und 18. Jahrhundert in Europa als Männer lebten. Ziel ist es, die Beweggründe für diesen Rollentausch, die Lebensumstände in der männlichen Rolle sowie die gesellschaftliche und rechtliche Wahrnehmung und Bestrafung nach einer Enttarnung zu analysieren.
- Sozioökonomische Faktoren und Armut als Triebfedern für den Geschlechterwechsel.
- Die Rolle von Kleidung, Namen und Verhalten bei der Aufrechterhaltung der Tarnung.
- Rechtliche und moralische Konsequenzen bei Entdeckung, insbesondere im Kontext von Sodomie-Vorwürfen.
- Unterschiedliche Bewertung von Motiven (patriotisch vs. kriminell) bei der Urteilsfindung.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das ökonomische Motiv
Die Frauen des vorindustriellen Europas heirateten meist erst mit Mitte Zwanzig. Da sie jedoch ihr Elternhaus schon weitaus früher verließen und finanziell selbst für sich aufkommen mussten, zogen viele dieser Frauen in eine andere Gegend oder ein anderes Land, wodurch sie jedoch Gefahr liefen in eine verzweifelte soziale und finanzielle Situation zu kommen. So ist auffällig, dass viele der Frauen, die in den Niederlanden ihr Glück in Männerkleidern versuchten, ursprünglich aus deutschen Hafenstädten wie Hamburg oder Emden oder auch aus Westfalen stammten. Der Reichtum der Nördlichen Niederlande veranlasste im 17. Jahrhundert viele Ausländer dazu an die Nordseeküste zu ziehen. Viele der Frauen, die in die Niederlande kamen, wollten hier als Dienstmädchen arbeiten, mussten allerdings oft in der Textilindustrie arbeiten, oder sie mussten anderen schlecht bezahlten Arbeiten nachgehen. Töchter aus einfachen Verhältnissen hatten meist schon eine Zeit der Erwerbstätigkeit hinter sich und verrichteten meist typische Frauenarbeiten, die mit schlechter Ausbildung, geringen Aufstiegschancen und einer schlechten Bezahlung verbunden waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Frauen in Männerkleidern in der Frühen Neuzeit sowie Darlegung der Forschungsfragen und Quellenlage.
2. Frauen in Männerkleidern: Detaillierte Untersuchung der Beweggründe wie ökonomischer Not, romantischer Bindungen oder patriotischer Pflicht.
2.1 Gründe für das Verkleiden: Analyse der Ursachen für den Entschluss zum Geschlechterwechsel, inklusive ökonomischer, romantischer und traditioneller Aspekte.
2.1.1 Das ökonomische Motiv: Erörterung der finanziellen Notlage vorindustrieller Frauen und der Suche nach besser bezahlten Arbeitsplätzen.
2.1.2 Das romantische und das patriotische Motiv: Betrachtung von Verkleidung als Mittel, um Liebhabern zu folgen oder den Kriegsdienst zu leisten.
2.1.3 Transvestieren als Tradition: Einordnung der Handlung in eine historisch bekannte, wenn auch illegale Tradition des Rollenwechsels.
2.2 Das Leben als Mann: Schilderung der praktischen Umsetzung des männlichen Lebens, von Berufswahl bis hin zu kriminellen Aspekten.
2.2.1 Berufe als Mann: Fokus auf die Tätigkeit als Soldat, Seemann oder in handwerklichen Berufen.
2.2.2 Kriminelle Frauen in Männerkleidern: Untersuchung von Frauen, die ihre Verkleidung für kriminelle Zwecke oder innerhalb krimineller Subkulturen nutzten.
2.2.3 Aussehen und Verhalten: Analyse der notwendigen Anpassungen in Erscheinung, Name und Verhaltensweisen.
2.2.4 Sexualität und Ehe: Erörterung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und Ehen, verstanden als "weibliche Sodomie".
2.3 Der Umgang mit enttarnten Frauen: Analyse der rechtlichen Reaktionen der Zeitgenossen auf das Aufdecken der weiblichen Identität.
2.3.1 Die rechtliche und moralische Lage in der Frühen Neuzeit: Einordnung des biblischen Verbots von Kleiderwechsel und der gesellschaftlichen Normen.
2.3.2 Anklage und Verurteilung: Untersuchung der Härte der Strafen in Abhängigkeit von den Motiven und weiteren Vergehen.
2.3.3 Weibliche Soldaten und Matrosen: Darstellung positiver Einzelfälle, in denen Enttarnungen nicht zu Bestrafung, sondern teils zu Belohnung führten.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Motive und Lebensführung entscheidend für die gesellschaftliche und juristische Wahrnehmung waren.
Schlüsselwörter
Frühe Neuzeit, Frauen in Männerkleidern, Transvestismus, Geschlechterrollen, Soziale Mobilität, Soldatinnen, Weibliche Sodomie, Kriminalität, Identität, Geschlechterwechsel, Catharina Margaretha Linck, Anna Ilsabe Buncke, Nordwesteuropa, Patriarchale Ordnung, Rechtsprechung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Frauen, die in der Frühen Neuzeit ihr Leben als Mann führten, und analysiert die Hintergründe, die Lebensumstände und die Konsequenzen dieses Handelns.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Motiven für den Rollentausch (ökonomisch, romantisch, patriotisch), den praktischen Anpassungen an die männliche Lebenswelt sowie der juristischen und gesellschaftlichen Bewertung der Betroffenen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Zeitgenossen die Frauen wahrnahmen und inwiefern die Umstände ihrer Verkleidung sowie Begleitumstände wie Kriminalität oder gleichgeschlechtliche Ehen die jeweilige Verurteilung beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die sich primär auf die Auswertung existierender Fachliteratur und Fallbeispiele aus dem 17. und 18. Jahrhundert stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Motive, die Schilderung der Lebensrealität in Männerkleidung (Beruf, Sexualität, Verhalten) und die Untersuchung des gesellschaftlich-rechtlichen Umgangs mit enttarnten Frauen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Frühe Neuzeit, Transvestismus, Geschlechterrollen, soziale Notlage, rechtliche Sanktionierung und die Rolle der Frau in einer patriarchalen Gesellschaft beschreiben.
Warum wurde Catharina Margaretha Linck als Fallbeispiel gewählt?
Linck dient als prominentes Beispiel für eine Frau, die über längere Zeit erfolgreich die Identität eines Mannes annahm, heiratete und aufgrund ihrer Verurteilung durch einen Inquisitionsprozess umfassend dokumentiert ist.
Gibt es einen Unterschied in der Bewertung von Soldatinnen und kriminell agierenden Frauen?
Ja, die Arbeit zeigt, dass Motive entscheidend waren: Während patriotische Handlungen wie der Dienst als Soldat teils positiv bewertet oder belohnt wurden, führte eine Verkleidung, die als Deckmantel für Kriminalität oder als Verstoß gegen die "natürliche Ordnung" (z.B. durch gleichgeschlechtliche Ehe) diente, meist zu drakonischen Strafen.
- Arbeit zitieren
- M.A. Philip Wagenführ (Autor:in), 2008, Frauen in Männerkleidern in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274198