Faust und Mephisto - Ein Figurenvergleich von Goethes "Faust I und II" und Paul Valérys "Mein Faust" und "höchster Augenblick" versus "lebendiger Augenblick


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Die Figuren Faust und Mephisto
2.1 Goethes Faust
2.2 Goethes Mephistopheles
2.3 Valérys Faust im Vergleich mit Goethes Faust
2.4 Valérys Mephistopheles im Vergleich mit Goethes Mephistopheles

3. Höchster Augenblick versus Lebendiger Augenblick

4. Bibliographie

1. Vorbemerkung

In der vorliegenden Arbeit soll Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ mit Paul Valérys „Mein Faust“ verglichen werden. In Anbetracht des engen Rahmens einer Hausarbeit werden zentrale Aspekte der Werke oft nur gestreift oder gänzlich ausgespart, wodurch aber eine Vertiefung bestimmter Schwerpunkte möglich wird. Als solche hat sich die Verfasserin den Vergleich der Hauptfiguren J.W. v. Goethes und P. Valérys zur Aufgabe gemacht. Abschließend sollen die Begriffe „Höchster Augenblick“ versus „Lebendiger Augenblick“ erläutert werden.

Bei allen Arbeitsteilen wird sich vorwiegend die werkimmanente Methode und die vergleichende Gegenüberstellung aufschlussreicher Passagen zu bewähren haben. Ein Bruchteil der Fülle an Sekundärliteratur zu Goethes Faust soll in erster Linie zur Erhärtung der eigenen Thesen herangezogen werden, um bloßer Wissensreproduktion produktiv entgegenzuwirken.

2. Die Figuren Faust und Mephistopheles

2.1 Goethes Faust

Besonders dem ersten Teil der Tragödie sind eine Vielzahl von Informationen über Biographie, Denkweise und Problematik von Goethes Faust-Figur entnehmbar.

Als hervorzuhebende Tatsache ist zu erkennen, dass es sich bei Faust nicht um einen „individuellen Charakter“, sondern um den Typus des „neuzeitlichen Menschen“ handelt.[1] Vor dem Hintergrund der Aufklärung, und der somit möglich gewordenen Forschungsfreiheit und Förderung der Wissenschaft, erfindet Goethe auf der Basis der mittelalterlichen Volksbuchsage vom Dr. Faustus, (gedruckt bei Johann Spieß in Frankfurt am Main 1587), einen Typus des Wissenschaftlers wie er allerorts anzutreffen ist, ohne ihm jedoch die detaillierte Ausformung eines Charakters zu verleihen. Diese Reduktion ist nötig, damit das Beispiel des Dr. Faust, gewissermaßen als menschliche Parabel, übertragbar bleibt. Faust sagt, in seinem ersten Monolog des Faust I, von sich, dass er die vier Disziplinen des mittelalterlichen Gelehrten: Philosophie, Jura, Medizin und Theologie intensiv studiert hat und seine Schüler nun schon seit Jahren selbst „an der Nase herumführt“. Die konventionellen Wissenschaften hat er als Erkenntnisquelle zu dem „was die Welt im Innersten zusammenhält“ längst verworfen und ist, trotz des eifrigen Studiums, das ein Leben lang gedauert hat, nach eigenen Aussagen, „so klug als wie zuvor“. Die einzige Disziplin, die er bisher gemieden hat ist die der schwarzen Magie; eine okkulte und verbotene Geheimwissenschaft, die ihm bei der Erforschung der letzten Gründe helfen soll:

FAUST. „ [...] Es möchte kein Hund so länger leben!

Drum hab’ ich mich der Magie ergeben,

Ob mir durch Geistes Kraft und Mund

Nicht manch Geheimnis würde kund; [...]“[2]

Der Leser begegnet Faust also an einem Wendepunkt seines bisherigen Lebens, nämlich auf der Höhe seiner Lebens- und Wissenschaftskrise, welcher der von Selbstzweifeln und Lebensmüdigkeit gezeichnete Forscher ein Ende setzen will. An dieser Stelle sei

erwähnt, dass Ulrich Gaier im Kapitel „Magie“ einen ausführlichen Bericht zu diesem Leitthema Goethes liefert und im Kapitel „Geschichte des Faust-Stoffs“ davon ausgeht, dass Faust eine Entwicklung vom klassischen Gelehrten, über den Meister der weißen Magie, hin zum Schwarzmagier erlebt, ein den dunklen Mächten Zugewandter wird, der sich, im Gegensatz zu dem im Sinne der Natur wirkenden Weißmagier, Dämonen für seine egoistischen und gottfernen Zwecke dienstbar macht.

„Fausts Weg von der reinen Betrachtung des Makrokosmos-Zeichens bis zum Teufelspakt (in Faust I) zeigt die Schritte des Übergangs von der weißen zur schwarzen Magie als konsequenten Weg.“[3]

Der am Sinn seiner Existenz zweifelnde Faust fordert das Schicksal heraus, da er anstatt des Lohns für seine Mühen, den er in der Offenbarung höherer Zusammenhänge vermutet, bisher nichts als Entbehrung und Zweifel spürt. Die Beschwörung des Erdgeists, den er vergeblich versucht zu bannen, ist ein Indiz dafür, dass Faust nicht stark genug ist, sich mit den höchsten Geistern einzulassen.

GEIST. Du gleichst dem Geist, den du begreifst,

Nicht mir! Verschwindet.

FAUST zusammenstürzend. Nicht dir?

Wem denn?

Ich Ebenbild der Gottheit!

Und nicht einmal dir![4]

Aufgrund dieser Tatsache ist Faust um so entschlossener sich zu töten, da er einerseits weiß für Höheres bestimmt zu sein, andererseits aber der Ausführung solcher Beschwörungstaten nicht gewachsen scheint. Er droht gewissermaßen den überirdischen Mächten mit seinem eigenen Tod, wenn ihm nicht unmittelbar ein Zeichen, sei es guter oder böser Art, zuteil wird. Hier findet sich die seit der antiken Tragödie schriftlich fixierte Hybris des forschenden Geistes, der sich wie Prometheus vermisst, die Götter herauszufordern und sich ihnen ebenbürtig zu fühlen. Zeitgemäß spielt die Fausttragödie zwar vor einem mystisch-christlichen Hintergrund, unterscheidet sich aber in diesem Punkt nicht von den jahrtausende alten Fragen nach den Positionen von Mensch, Welt und Gott. Erst in letzter Sekunde, bevor Faust den tödlichen Inhalt der von seinem Vater, der ebenfalls Mediziner war, überlieferten „Phiole“ trinkt, kann er das Ersehnte erfahren: Es erklingt der Ostergesang in Form von Chören der Weiber und der Engel. Dies treibt ihn wieder hoffnungsvoll in die Welt hinaus, wo er unwissend dem Teufel in Gestalt eines schwarzen Pudels begegnen und ihn mit nach Hause nehmen wird. Dass Faust am bunten Leben nicht wirklich teilhaben kann wird auch im „Osterspaziergang“ deutlich, da er stets der Außenstehende und Beobachter der Menschen ist. Eben das typische Bild des introvertierten Wissenschaftlers abgibt, der selbst wenn er wollte, sich nicht mit dem Volk gemein machen könnte, da ein hohes Maß an Bildung und Selbstreflexion ihm dies verwehrt.

2.2 Goethes Mephistopheles

Der Geist, den Faust „begreift“ ist Mephistopheles. Um sich Faust nicht direkt als Teufel vorstellen zu müssen nutzt er Umschreibungen wie „Ein Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ oder „Ich bin der Geist der stets verneint.“[5] Durch ihn wird nicht nur die zweite Hauptfigur geschaffen, sondern ebenso eine Kontrastfolie für Fausts Eigenschaften und Weltanschauung vorgelegt. Als Mephistopheles die Gestalt des Pudels verliert und Faust zu dem Pakt bzw. der Wette verführt, zeigt sich sein Selbst- und Weltverständnis durch das, was er Faust als Lockungen bietet. Er hat leichtes Spiel mit Faust, da sich dieser „in das Rauschen der Zeit“ stürzen will und in Mephistopheles den willigen Erfüller seiner Wünsche sieht.

MEPHISTOPHELES. „Euch ist kein Maß und Ziel gesetzt.

Beliebt`s Euch, überall zu naschen,

Im Fliehen etwas zu erhaschen,

Bekomm’ Euch wohl, was Euch ergetzt.

Nur greift mir zu und seid nicht blöde!“[6]

[...]


[1] Vgl. Kröger, Wolfgang: Johann Wolfgang von Goethe: Faust I. Lektüreschlüssel für Schüler. Stuttgart 2001.

[2] Johann Wolfgang von Goethe, Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bd. Bd. 3, Dramatische Dichtungen I.

Textkritisch durchgesehen u. kommentiert v. Erich Trunz. München 1998, S.20.

[3] Gaier, Ulrich: Goethes Faust-Dichtungen. Ein Kommentar. Urfaust. Stuttgart 1989, S.28.

[4] Johann Wolfgang von Goethe, Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bd. Bd. 3, Dramatische Dichtungen I. Textkritisch durchgesehen u. kommentiert v. Erich Trunz. München 1998, S.24.

[5] Johann Wolfgang von Goethe, Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bd. Bd. 3, Dramatische Dichtungen I. Textkritisch durchgesehen u. kommentiert v. Erich Trunz. München 1998,S. 47.

[6] Ders., S.58

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Faust und Mephisto - Ein Figurenvergleich von Goethes "Faust I und II" und Paul Valérys "Mein Faust" und "höchster Augenblick" versus "lebendiger Augenblick
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Sprache und Literaturwissenschaft I)
Veranstaltung
Goethes "Faust" im Deutschunterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V27428
ISBN (eBook)
9783638294829
ISBN (Buch)
9783656068952
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faust, Mephisto-, Figurenvergleich, Goethes, Paul, Valérys, Mein, Augenblick, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Magistra artium Yvonne Rudolph (Autor), 2002, Faust und Mephisto - Ein Figurenvergleich von Goethes "Faust I und II" und Paul Valérys "Mein Faust" und "höchster Augenblick" versus "lebendiger Augenblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27428

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