In der vorliegenden Arbeit soll Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ mit Paul Valérys „Mein Faust“ verglichen werden. In Anbetracht des engen Rahmens einer Hausarbeit werden zentrale Aspekte der Werke oft nur gestreift oder gänzlich ausgespart, wodurch aber eine Vertiefung bestimmter Schwerpunkte möglich wird. Als solche hat sich die Verfasserin den Vergleich der Hauptfiguren J.W. v. Goethes und P. Valérys zur Aufgabe gemacht. Abschließend sollen die Begriffe „Höchster Augenblick“ versus „Lebendiger Augenblick“ erläutert werden.
Bei allen Arbeitsteilen wird sich vorwiegend die werkimmanente Methode und die vergleichende Gegenüberstellung aufschlussreicher Passagen zu bewähren haben. Ein Bruchteil der Fülle an Sekundärliteratur zu Goethes Faust soll in erster Linie zur Erhärtung der eigenen Thesen herangezogen werden, um bloßer Wissensreproduktion produktiv entgegenzuwirken
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Die Figuren Faust und Mephistopheles
2.1 Goethes Faust
2.2 Goethes Mephistopheles
2.3 Valérys Faust im Vergleich mit Goethes Faust
2.4 Valérys Mephistopheles im Vergleich mit Goethes Mephistopheles
3. Höchster Augenblick versus Lebendiger Augenblick
4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Faust-Figuren von Johann Wolfgang von Goethe und Paul Valéry vergleichend gegenüberzustellen und dabei insbesondere das Verhältnis zwischen dem „höchsten“ und dem „lebendigen“ Augenblick zu analysieren.
- Vergleichende Analyse der Hauptfiguren Faust und Mephisto bei Goethe und Valéry.
- Untersuchung der werkimmanenten Darstellung des Teufels als Kontrastfolie.
- Reflektion der Begriffe „höchster Augenblick“ (Goethe) und „lebendiger Augenblick“ (Valéry).
- Einordnung der Werke in den jeweiligen historischen und philosophischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3. Höchster Augenblick versus Lebendiger Augenblick
Für Goethes Faust besteht die Unmöglichkeit des Lebens darin, den „höchsten Augenblick“ zu erleben, als Ende allen Strebens. Weil er sicher ist, dass der Teufel ihm dies nie bieten kann, geht er den Pakt mit ihm ein. „Werd` ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen, so sei es gleich um mich getan!...“ Er ist bereit seine Seele dem Teufel zu opfern, da das Leben nach dem „höchsten Augenblick“ ihm nicht mehr lebenswert erscheint, weil ja alles denkbar Erstrebenswerte bereits genossen wurde. Das Leben hätte so seinen Zenit erreicht, weshalb es der Sinnbestimmung, des Strebens nach dem Höchsten beraubt, und sinnlos geworden wäre. In Ermangelung des absoluten Gefühls wird demnach nur Melancholie um das Verlorene zurückbleiben, die sich in Qual und Lebensüberdruss steigern kann, da die Kluft zwischen dem Absoluten und der banalen Realität unüberwindbar scheint. Wenn Faust Alles in Form des subjektiven und individuell verschiedenen „höchsten Augenblicks“ erlebt hat, ist er bereit zu sterben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Einführung in die methodische Vorgehensweise und die Zielsetzung der vergleichenden Analyse der Werke von Goethe und Valéry.
2. Die Figuren Faust und Mephistopheles: Detaillierte Charakterisierung der beiden Protagonisten in den jeweiligen Werken unter Berücksichtigung ihrer literarischen Funktion.
2.1 Goethes Faust: Untersuchung der Faust-Figur als Typus des neuzeitlichen, nach Erkenntnis strebenden Wissenschaftlers vor dem Hintergrund der Aufklärung.
2.2 Goethes Mephistopheles: Analyse der Teufelsgestalt als modernisierte Personifikation des Bösen und als notwendiger Gegenpart zu Faust.
2.3 Valérys Faust im Vergleich mit Goethes Faust: Darstellung von Valérys modernem, nihilistischem Faust-Typus, der durch Zynismus und Lebensmüdigkeit geprägt ist.
2.4 Valérys Mephistopheles im Vergleich mit Goethes Mephistopheles: Betrachtung der Teufelsfigur im 20. Jahrhundert, wo ihre klassische Bedeutung in einer entzauberten Welt zunehmend hinterfragt wird.
3. Höchster Augenblick versus Lebendiger Augenblick: Kontrastierende Gegenüberstellung der zentralen Lebensideale beider Faust-Figuren hinsichtlich Sinnstiftung und Endlichkeit.
4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Paul Valéry, Faust, Mephistopheles, Figurenvergleich, höchster Augenblick, lebendiger Augenblick, Teufelspakt, Moderne, Sinnsuche, werkimmanente Methode, Aufklärung, Nihilismus, Literaturwissenschaft, Menschenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht J. W. von Goethes Faust-Dichtung mit Paul Valérys „Mein Faust“, wobei der Fokus auf den Hauptfiguren und der philosophischen Reflexion über den Lebenssinn liegt.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentrale Themen sind die unterschiedliche Charakterisierung von Faust und Mephisto, die Entwicklung der Teufelsfigur und der Vergleich der gegensätzlichen Konzepte des „höchsten“ und „lebendigen“ Augenblicks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Faust-Figur von der Aufklärung bis zur Moderne gewandelt hat und welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Definition des Lebensglücks hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Verfasserin nutzt primär die werkimmanente Methode und eine vergleichende Gegenüberstellung aufschlussreicher Textpassagen, um ihre Thesen zu untermauern.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die figurenpsychologische Analyse von Faust und Mephisto bei beiden Autoren sowie eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Augenblicks für die Existenz des Menschen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Faust, Mephistopheles, der „höchste Augenblick“, der „lebendige Augenblick“, Moderne, Nihilismus und die werkimmanente Interpretation.
Wie unterscheidet sich Valérys Faust-Verständnis von dem Goethes?
Während Goethes Faust durch unermüdliches Streben definiert ist, zeigt sich Valérys Faust als moderner, zynischer und nihilistischer Intellektueller, der angesichts einer entzauberten Welt am Sinn zweifelt.
Welche Rolle spielt der Teufel in Valérys Werk im Vergleich zu Goethe?
Bei Valéry hat der Teufel als klassische Schreckensgestalt ausgedient; er dient primär dazu, Fausts intellektuelle Überlegenheit und dessen Desillusionierung in einer Welt ohne feste Werte zu spiegeln.
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- Magistra artium Yvonne Rudolph (Author), 2002, Faust und Mephisto - Ein Figurenvergleich von Goethes "Faust I und II" und Paul Valérys "Mein Faust" und "höchster Augenblick" versus "lebendiger Augenblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27428