Die Abgrenzung der formalen von der transzendentalen Logik. Kants Kritik der reinen Vernunft


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verstand und Vernunft
2.1. Logik des allgemeinen Verstandsgebrauchs
2.2. Logik des besonderen Verstandsgebrauchs

3. Urteile a Priori
3.1. Analytische Sätze a Priori
3.2. Synthetische Sätze a Priori

4. Form und Inhalt des Denkens
4.1. Analytische Einheit der Bewusstsein
4.2. Transzendentale Einheit der Bewusstsein

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit der Antike hat sich die Logik in zwei verschiedene Richtungen entwickeln, gemeint sind die formale und die transzendentale Logik. Ist aber die Rede vom Ursprung der Logik, sollten zwei bedeutende Urheber wie Aristoteles und Kant nicht unbenannt bleiben. Aristoteles war der erste, der die Geschichte der Logik über mehrere Epochen beeinflusst hat. Und noch heute ist vieles auf ihn zurückzuführen. Er hat die logischen Gedanken dargelegt, was von entscheidender Bedeutung ist. Scholz behauptet: ÄAristoteles hat sich … als Schöpfer der Logik gefühlt“ (2). Die Untersuchungen, die er in Bezug auf die Logik durchgeführt hat, beziehen sich auf die Analytik. In seinem Werk Organon, das zwei Hauptwerke Analytica Priora und Analytica Pasteriora umfasst, erläutert Aristoteles die klare Verbindung zwischen den analytischen Gedanken und der Mathematik; und diese Erläuterung ist der reifste Aristotelische Gedanke über die Logik. Scholz behauptet, das ÄAristotelische Organon ist noch heute die menschlich schönste und lehrreichste Einführung in die Logik überhaupt“ (27). Aristoteles hat versucht, die Logik so nahe wie möglich an die mathematischen Grundsätze heranzurücken, so dass sich die formale Logik der Mathematik als Wissenschaft annähert.

Kant hat im Gegensatz zu der formalen Aristotelischen Logik eine ganz neue transzendentale Logik entwickelt. Er gilt als der Urheber der Idee des reinen Gedankens, auf welchen sich die Grundsätze der neuen transzendentalen Logik gründen, die er in seinem Werk Kritik der reinen Vernunft definiert hat. In Kants Philosophie ist die Frage nach der Logik komplex. Er sieht die allgemeine Logik als eine Wissenschaft, die ihr Ende gefunden hat. Seiner Ansicht nach hat Ä[die formale Logik] seit dem Aristoteles keinen Schritt rückwärts […] tun dürfen“, und Ä[…] bis jetzt keinen Schritt vorwärts […] tun können“ und scheint Äalso allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu sein […]“ (20). Für Kant weist die formale Logik keine transzendentale Entwicklung auf. Wahrscheinlich hat er aus diesem Grund seine Arbeit Kritik der reinen Vernunft in der Hauptsache der transzendentalen Logik gewidmet. Prien behauptet, dass klassische Logik im Gegensatz zu der neuen transzendentalen Logik Äein recht vernachlässigtest Thema“ ist, da Äsie in der K.d.r.V. kaum erwähnt wird, während die transzendentale Logik dort das Hauptthema bildet“ (1). Obwohl Kant sich hauptsächlich mit der neuen Logik beschäftigt hat, lassen sich allerdings mehrere Unterschiede zwischen den beiden Logikarten in der Vernunft der reinen Kritik feststellen, da die kantische Vernunftkritik demonstriert, wie unterschiedlich die klassische und die neue Logik in ihrer Aufgabenstellung sind. Diese Arbeit betrachtet somit die Abgrenzung der formalen von der transzendentalen Logik am Beispiel von Kants Kritik der reinen Vernunft. Dabei stellt sich die Frage an welchen Punkten die formale und transzendentale Logik voneinander zu unterscheiden sind.

2. Verstand und Vernunft

2.1. Logik des allgemeinen Verstandesgebrauchs

Nach Kant ist die formale Logik die Logik des allgemeinen Verstandesgebrauchs da diese den bloß formalen Gesetzen des Denkens folgt. Kant behauptet, dass für die formale Logik relevant dafür ist, Gegenstände ohne Verstand zu erkennen:

[Die formale Logik] enthält schlechthin notwendige Regeln des Denkens, ohne welche gar kein Gebrauch des Verstandes stattfindet, und geht also auf diesen, ungesehen der Verschiedenheit der Gegenstände, auf welche er gerichtet sein mag (98).

Alle Gegenstände werden trotz ihrer Mannigfaltigkeit nach den Regeln des Denkens klassifiziert. Demnach enthält die formale Logik die Regeln, die vom Inhalt der Gegenstände unabhängig sind. Kant postuliert:

Die allgemeine Logik abstrahiert … von allem Inhalt der Erkenntnis, d.i. von aller Beziehung derselben auf das Objekt, und betrachtet nur die logische Form im Verhältnisse der Erkenntnisse auf einander (100).

In anderen Worten können die Regeln der allgemeinen Logik formal bezeichnet werden und gelten unabhängig davon, ob der Inhalt der Erkenntnisse empirisch d. h. erfahrungsabhängig oder rein ist. Diese Logik hat nur mit formalen Regeln des Denkens zu tun und kann nicht die reine Form vom Akt des Denkens abgrenzen. Somit lässt sich festhalten, dass die Formalität für die formale Logik eine entscheidende Rolle spielt. Sie folgt logischen Formen und Gesetzen und nutzt die logische Form des Denkens. So benennt Kant die allgemeine Logik auch als reine Logik, da diese Äals reine Logik … keine empirischen Prinzipien [hat] … eine Demonstrierte Doktrin ist, und alles … in ihr völlig a priori [d.h. erfahrungsunabhängig] sein [muss]“ (100). Prien behauptet, dass die reine Logik für Kant mit analytischen Regeln verbunden ist, da Ädie Form der Vorstellungen des Verstandes [für die formale Logik] analytisch gewonnen werden“ (43).

Die Aufgabe der allgemeinen Logik nach Kant ist somit, darauf hinzuweisen, wie wir denken sollten. Kant asseriert:

Wollte sie nun allgemein zeigen wie man unter [formalen] Regeln unterscheiden sollte…so könnte dieses nicht anders als wieder durch eine Regel geschehen…und so zeigt sie, daß zwar der Verstand…durch Regel fähig sei (184).

Prien erklärt Kants Ausführung wie folgt: Äwir sollten also so denken, wie die Logik es vorschreibt, weil wir sonst keinen Gegenstand erkennen könnten (44 f.). Seinem Dafürhalten zufolge seien nach Kant die Regeln der formalen Logik Äpräskriptiv“ (44). Das bedeutet, die formalen Regeln deuten uns an, Äwelche Gemütsverhandlungen … wir vollziehen müssen, um überhaupt zu denken“ (Prien: 44).

Somit lässt sich sagen, dass die formale Logik auf die sinnliche Erkenntnis von Gegenständen beschränkt ist. Bei Kant liest sich dies so: ÄVermittels der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände gegeben … durch den Verstand aber werden sie gedacht“ (Kant: 69). Daraus folgt, dass für die formale Logik die Sinnlichkeit erforderlich ist, da nur sie uns Anschauungen gibt, um die Gegenstände überhaupt erkennen zu können. Die Gegenstände müssen also erkannt werden, sie können aber nicht gedacht werden, da der Verstand außer Kraft gesetzt ist.

2.2. Logik des besonderen Verstandesgebrauchs

Für die transzendentale Logik ist nicht nur die sinnliche Erkenntnis, sondern auch der reine Verstand von Bedeutung. Daher ist sie die Logik des besonderen Verstandesgebrauchs. Ficara erläutert:

Der Unterschied von Sinnlichkeit und Verstand wird also ‚transzendental‘ genannt, weil er den Ursprung und den Inhalt der Vorstellungen - und nicht einen bloßen Unterschied in deren Klarheit oder Deutlichkeit, der nur formal wäre - betrifft“ (36).

Für Kant ist die transzendentale Logik keine allgemeine Logik, sie ist die Logik Äin der man nicht vom Inhalt der Erkenntnis abstrahierte“ (101). Diese Logik ist eine ÄWissenschaft des reinen Verstandes und Vernunfterkenntnisse, dadurch wir Gegenstände völlig a priori denken“ (102). Prien führt aus, dass nach Kant die transzendentale Logik sich mit reinem Verstand und reinen Begriffen befasst:

Reine Begriffe entspringen nicht nur ihrer Form, sondern auch ihrer Materie oder ihrem Inhalt nach dem Verstand … Mit Verstand ist hier der Verstand gemeint, der … die Urteilskraft und die Vernunft enthält (40 f.).

Kant nennt dies die ÄZergliederung vom Verstandesvermögen selbst“ (108). Ficara erläutert den Ansatz folgendermaßen: ÄDer Verstand wird isoliert, von allem befreit, was nicht zu ihm gehört“ (171). Der reine Verstand ist also der Verstand, der also nur sich selbst zum Gegenstand hat.

Für die transzendentale Logik ist nicht nur die sinnliche, sondern auch die übersinnliche Erkenntnis der Welt bzw. der Gegenstände von Bedeutung. Kant gemäß sind das Objekt dieser Logik Erscheinungen und Dinge an sich, also diejenigen Objekte, die die Operation des Verstandes hervorrufen. Zu diesen Objekten gehört alles, was gedacht werden kann. Kant behauptet, dass Äwir eben dieselben Gegenstände auch als Dinge an sich selbst, wenngleich nicht erkennen, doch wenigstens müssen denken können“ (30 f.). Gumppenberg legt dar, dass das Ding an sich eine Idee, aber nicht die Realität ist:

Daß das Ding an sich als, ‚bloße Idee‘ eine Setzung der reinen Vernunft ist und damit also deren Seins-gabe entstammt. Das Sein des Dinges an sich eröffnet sich nunmehr als neue Relation, und zwar zu jener, die sich ausspannt vom Vermögen der Vernunft zu der aus ihr gesetzten Idee (407).

Das Ding an sich wird von Kant mit dem Terminus ÄTranszendentale Idee“ (489) belegt und als eine Lehre vom Sein definiert:

Sein ist offenbar kein Reales Prädikat, d.i. ein Begriff von irgendetwas, was zu dem Begriffe eines Dinges zukommen könne. Es ist bloß die Position eines Dinges, oder gewisser Bestimmungen an sich selbst (533).

Gumppenberg bezeichnet dies als Äreine Gesetztheiten aus der Seinsgabe der Vernunft“ (408). So nennt Kant zum Beispiel die Seele ÄSubstanz“ (363), die in der Idee existiert aber nicht in der realen Welt. Anders ausgedrückt, werden nach Kant Begriffe wie Natur, Welt, Seele und Gott als Gegenstände in der transzendentalen Logik impliziert. Kant umschreibt die Lehre von Gott als ein Ätranszendentale[s] Ideal“ (519), denn Gott beinhaltet für ihn Äden höchsten Vernunftbegriff von einem Wesen aller Wesen…“ (337), der Ädurch Verstand und Freiheit der Urheber der Dinge sein soll, zu verstehen gewohnt ist“(557). Gumppenberg erläutert dies wie folgt: ÄJenes Ideal - und es gibt kein anderes als dieses eine: Gott … Die Idee eines ‚Wesen aller Wesen‘, wird zum Umbegriff von ‚Ich‘ und ‚Ding‘ an sich“ (409). So wird Kants Definition des Seins als transzendental bezeichnet.

3. Urteile a priori

3.1. Analytische Sätze a priori

Bei Kant sind die analytischen Urteile a priori der formalen Logik und der Mathematik ähnlich, da diese den Gesetzen der Analytik untergeordnet sind. Wolff folgert:

Von dem Verständnis der formalen Logik als Theorie analytischer Urteile hängt die Überzeugung Kants ab, sie sei, der Mathematik vergleichbar … bestehe mithin aus beweisbaren, das heißt aber für Kant ‚aus wahrheitsdifferenten Sätzen‘ (187).

Bei Kant können demzufolge die analytischen Sätze a priori als wahr oder falsch beurteilt werden. Ihre Wahrheit oder logische Verneinung wird anhand des kantischen Satzes vom Widerspruch erkannt. Kant asseriert:

Denn wenn das Urteil analytisch ist, es mag nun verneinend oder bejahend sein, so muß dessen Wahrheit jederzeit nach dem Satze des Widerspruchs hinreichend können erkannt werden (196).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Abgrenzung der formalen von der transzendentalen Logik. Kants Kritik der reinen Vernunft
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Studium Generale)
Veranstaltung
Kommunikation, Argumentation, Rhetorik
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V274350
ISBN (eBook)
9783656668831
ISBN (Buch)
9783656668794
Dateigröße
773 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abgrenzung, logik, kants, kritik, vernunft
Arbeit zitieren
Alina Müller (Autor), 2013, Die Abgrenzung der formalen von der transzendentalen Logik. Kants Kritik der reinen Vernunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274350

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