„Helden oder Held“ – Die Verwendung der schwachen Maskulina mit starker Flexionsendung

Theoretische Grundlagen und Korpusanalysen


Seminararbeit, 2010
31 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprachsystematische Fakten der schwachen und starken Maskulina

3. Entwicklung der schwachen Maskulina
3.1. Die schwachen Maskulina

4. Kurze Erläuterung zum Sprachwandel

5. Korpusanalyse: Untersuchung zum Deklinationstyp der schwachen Maskulina
5.1. Die Korpora

6. Das Zeitungskorpus
6.1. Datenerhebung
6.2. Aufbereitung der Daten
6.3. Auswertung und Interpretation der Daten

7. Das Online-Lexikon Wikipedia als Korpus
7.1. Datenerhebung
7.2. Aufbereitung der Daten
7.3. Zusammenfassende Auswertung der Daten
7.4. Analyse und Interpretation „Abweichung von der Norm“

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

1. Einleitung

Die Gruppe der schwachen Maskulina stellt in der deutschen Gegenwartssprache zwar eine kleine, aber hinsichtlich ihres Flexionsverhaltens auffällige Gruppe dar. Das Deklinationsparadigma der schwachen Maskulina, aber auch der anderen Substantive ist mitnichten stabil. Sprache ist ein sich wandelndes System, zu dem Veränderungen dazugehören und deswegen gibt es immer wieder Zweifelsfälle, bei denen der Sprecher nicht sicher ist, welche Form die „richtige“ ist. Mit diesem Phänomen als Anlass soll in der vorliegenden Arbeit die Veränderung in der Gruppe der schwachen Maskulina untersucht werden.

Der Untersuchungsgegenstand der Arbeit ist die Gruppe der schwachen Maskulina, bei denen eine Veränderung der Flexionsendungen zu bemerken ist. Es kann in einigen Fällen von einem Übergang von der schwachen zur starken Flexion gesprochen werden.

Bei vielen Sprechern bestehen mittlerweile Schwierigkeiten bei der „richtigen“ Verwendung der Flexionsformen. Heißt es: „Mike gibt seinem Pilot das Zeichen zur Beschleunigung“[1] oder „Mike gibt seinem Piloten das Zeichen zur Beschleunigung“? Keine der Versionen klingt vollkommen abwegig. Deswegen lohnt es sich, den Bereich der schwachen Flexion der Maskulina und ihren Wandel zu untersuchen. Diese Untersuchung hat nicht das Ziel, am Ende sagen zu können, in welchen Bereichen es „falsch“ gemacht wird, sondern das Stadium, in dem sich der Wandel befindet, steht im Mittelpunkt.

Zunächst wird in den Kapiteln 2 – 4 ausführlich auf die grammatischen Grundlagen der Substantivflexion, die Entwicklung der schwachen Maskulina und den Sprachwandel im Allgemeinen eingegangen.

An diese theoretischen Grundlagen schließt sich im praktischen Teil (ab Kapitel 5) eine Korpusanalyse an. Analysiert wird zunächst ein Zeitungskorpus, der für diese Untersuchung zusammengestellt wurde. Anschließend wird ein Korpus, der das Online-Lexikon Wikipedia als Grundlage hat, untersucht.

In beiden Untersuchungen steht die Frage im Mittelpunkt, ob ein Wandel von der schwachen zur starken Flexionsform zu verzeichnen ist. Im Anschluss an die Auswertung der Daten der Korpora folgt eine Analyse und Interpretation der Daten mit dem Ziel, eventuell auftretende Regelmäßigkeiten in der Verwendung der starken Flexionsendung darzustellen.

2. Sprachsystematische Fakten der starken und schwachen Maskulina

Die folgende Analyse basiert hauptsächlich der auf der Grundlage des Wahrig: Fehlerfreies und gutes Deutsch (vgl. Wahrig 2003), der als Standardwerk der Grammatik die Einteilung der Substantivflexion übersichtlich darstellt. Es ist sinnvoll, sich auf eine Grammatik zu beziehen, da die Einteilung der Flexionsklassen je nach der gewählten Grammatik sehr schwankt. Da unterschiedliche Auffassungen vertreten werden, wie das Flexionssystem am sinnvollsten eingeteilt werden kann , sie jedoch nicht alle berücksichtigt werden können, wird der Wahrig als Grundlage verwendet. Es ist wichtig sich die Grundlagen der Flexionsklassen, die den standardsprachigen Gebrauch der Kasus wiedergeben, bewusst zu machen, um die Veränderungen, die oftmals als Fehler bezeichnet werden, aufdecken zu können.

Bei den Maskulina (und einigen Neutra) wird zwischen der starken, schwachen, gemischten, sowie der s- Deklination unterschieden.

Die starke Flexion ist die dominierende (vgl. Köpcke 2000). Das Hauptmerkmal der starken Deklinationsklasse ist die Endung -(e)s im Genitiv, sowie die die Endungen -e (wie bei der Tag – die Tage), -er (wie bei der Mann – die Männer) oder - Ø (wie bei der Eimer – die Eimer) im Plural. Dadurch ergeben sich folgende drei Klassen, die durch die unterschiedliche Pluralbildung unterschieden wird:

starke Deklinationsklasse

<plural auf="" -e="">

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wahrig (2003)

<plural auf="" -er="">

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wahrig (2003)

<plural -="" ø="">

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wahrig (2003)

Die schwachen Maskulina bilden hingegen den Plural auf -(e)n und sie haben in allen Kasus außer dem Nominativ die Endung -(e)n (wie der Bote, die Bote -n).

schwache Deklinationsklasse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wahrig (2003)

Die Substantive der gemischten Deklination haben Eigenschaften der starken und der schwachen Flexionsklasse. Der Genitiv Singular wird wie bei der starken Deklination auf –

(e)s gebildet, der Plural hingegen auf – (e)n, wie die Substantive der schwachen Deklinationsklasse.

gemischte Deklinationsklasse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wahrig (2003)

3. Entwicklung der schwachen Maskulina

Bei einigen Substantiven treten Doppelformen auf, bei denen eine der beiden standardsprachig ist (wie die unter Kapitel 2 beschriebenen) und die andere als „Fehler“[2] oder besser Abweichung von der Norm bezeichnet werden kann. Diese Abweichungen von der Norm können zum Beispiel regional-/umgangssprachlich oder veraltet sein (vgl. Wahrig 2003). Im Folgenden soll auf die Entwicklung der schwachen Maskulina eingegangen werden.

Der Wandel ist deshalb so interessant, da die Sprecher aller sozialer Gruppen und Bildungsniveaus „Fehler“ in diesem Bereich machen und anstatt dem Prinzen die Form dem Prinz im Dativ verwenden (vgl. Köpcke/Bittner 2008).

3.1. Die schwachen Maskulina

Es lassen sich zwei Gruppen erkennen, bei denen die Normabweichungen besonders auffällig sind.

Dabei handelt es sich erstens um die Gruppe, die im Mittelpunkt der Arbeit stehen wird, dass schwache Maskulina wie starke Maskulina behandelt werden (vgl. Köpcke 2005). Dieser Übergang von der schwachen zur starken Deklination kommt allerdings ausschließlich bei Substantiven, die im Singular auf einen Konsonant enden, vor und nicht bei denjenigen, die auf ein unbetontes –e enden (Wahrig 2003: 316).

Des Weiteren besagt der Wahrig:

„Fast alle Substantive der schwachen Deklinationsklasse, insbesondere jene, die auf

-e enden, bezeichnen Lebewesen. Die wenigen Maskulina, die auf –e enden und keine Lebewesen bezeichnen, tendieren dazu, aus der Klasse der schwach flektierenden in die der stark flektierenden überzutreten.“ (Wahrig 2003)

Es gibt drei Arten des „Übergangs“ zur starken Flexion bzw. der Änderung der Endungen. Zu beachten sei, dass eine Endungsveränderung –wie häufig angenommen– nicht automatisch einen Übergang in eine andere Flexionsklasse bedeuten muss (vgl. Thieroff 2003).

Im ersten Fall (1)werden der Akkusativ und Dativ Singular ohne die schwache Endung -en gebildet.

Im zweiten Fall (2)wird wie im ersten Fall der Akkusativ und Dativ Singular ohne die schwache Endung gebildet, d.h. die Kasus werden nicht mehr markiert. Zusätzlich wird der Genitiv durch das starke -(e)s ersetzt. Es findet also eine Flexion wie bei der gemischten Deklinationsklasse statt, die nicht standardsprachig ist.

Im dritten Fall (3) tritt der Übergang wie im ersten und zweiten Fall ein, zusätzlich wird aber auch die schwache Pluralendung –en durch das starke -e ersetzt und die Substantive werden dann vollständig stark flektiert (vgl. Wahrig 2003: 316).

Es folgen einige Beispiele der drei Fälle aus Zeitungen:

(1) Mike gibt seinem Pilot das Zeichen zur Beschleunigung (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2001, S. 2)
(2) Schon damals wurden Stimmen laut, ob man sich des lästigen Bärs nicht entledigen sollte. (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/2664479/baerenschnitzel-wolfsbraten-tiergeschichte.story)
(3) „Ein paar Magnete reichen schon“. (http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Zugunglueck-in-Sachsen-Anhalt-Routinefahrt-in-den-Tod/Naumann-Ein-paar-Magnete-reichen-schon)
oder:

Magneten sorgen für Sicherheit auf regionalen Zugstrecken“ (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10001&detailid=843569)

Auf der anderen Seite gibt es die zweite Gruppe, dass ein gemischt dekliniertes Maskulinum wie ein schwaches Maskulinum behandelt wird, wie z.B.:

(1) Man sieht es dem Spatzen nicht an, dass er krank ist. (eigener Entwurf)

In diesem Fall wäre die Form im Dativ Singular der schwachen Deklination dem Spatz die standardsprachige.

Es kann aber auch vorkommen, dass ein schwaches Maskulinum im Akkusativ oder Dativ ohne Endung als standardsprachig anerkannt wird. Im Wahrig (2003) heißt es:

„Die Maskulina der schwachen Deklinationsklasse erhalten im Akkusativ und im Dativ Singular in der Regel dann keine Endung, wenn sie ohne Artikel, Pronomen oder Adjektiv stehen. Dies ist vor allem nach Präpositionen möglich: von Mensch zu Mensch.“

Diese Fälle werden, falls sie in der Analyse auftreten, als Sonderfälle betrachtet, denn der Sprecher muss sich, um zu wissen welche der Formen zu wählen ist, nach der syntaktischen Verwendung richten. Wegen dieser Sonderstellung werden diese Fälle nicht direkt mit in die Auswertung mit einbezogen.

Zusammengefasst bedeutet dies dennoch, dass auf der einen Seite ein Abbau von schwachen Maskulina stattfindet, die Zahl also abnimmt, aber auf der anderen Seite ein Aufbau beobachtet werden kann, bei dem die Gruppe der gemischt deklinierten Maskulina wie schwache behandelt werden (vgl. Köpcke 2005: 68 ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: eigener Entwurf)

In der Gruppe der schwachen Maskulina, die zwar nur eine kleine, aber trotzdem wichtige Gruppe darstellen, lässt sich in verschiedenen Fällen ein besonders großes Repertoire von Abweichungen von der Norm feststellen. Wichtig ist aber auch, dass es eine Reihe von Merkmalen gibt, die viele der schwachen Maskulina vorweisen und welche kleine Gruppe zusammenhalten und vor zu starken Abbautendenzen schützen.

[...]


[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2001, S. 2

[2] Ich schließe mich einer Auffassung an (Köpcke 2005) und vermeide den wertenden Begriff Fehler und verwende anstatt dessen die Formulierung „Abweichung von der Norm“.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
„Helden oder Held“ – Die Verwendung der schwachen Maskulina mit starker Flexionsendung
Untertitel
Theoretische Grundlagen und Korpusanalysen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
31
Katalognummer
V274440
ISBN (eBook)
9783656671152
ISBN (Buch)
9783656671145
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
helden, held, verwendung, maskulina, flexionsendung, theoretische, grundlagen, korpusanalysen
Arbeit zitieren
Anna Kramer (Autor), 2010, „Helden oder Held“ – Die Verwendung der schwachen Maskulina mit starker Flexionsendung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274440

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