Die Hinterziehung von Steuern ist sowohl ein aktuelles Thema von öffentlichem Interesse als auch Gegenstand zahlreicher theoretischer und empirischer Analysen. In dieser Arbeit wird die Steuermoral untersucht. Sie gilt als wesentliche Einflussgröße bei der Entscheidung einer Person, eine Steuerhinterziehung zu begehen. Das soziale Phänomen der Steuermoral ist dabei allerdings schwierig zu erfassen. Es beschreibt eine intrinsische Motivation einer Person, Steuern zu zahlen. Diese Motivation wird durch eine Vielzahl kultureller und institutioneller Faktoren beeinflusst. Im Rahmen dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit Unterschiede in der Steuermoral der Bevölkerung in Deutschland, Spanien, Schweden und Polen bestehen und welchen Einfluss soziodemographische Determinanten auf die Steuermoral im Ländervergleich ausüben. Es soll aufgezeigt werden, in welchen Ländern eine eher höhere Steuermoral herrscht und ob ein Zusammenhang zwischen der Einstellung zum Steuerdelikt und der Haltung gegenüber anderen Straftaten, aber auch nicht strafbaren Handlungen, besteht. Das zentrale Ziel liegt darin, den Effekt des Alters, des Ehe- und Kinderstatus‘ sowie der Religiosität auf die Steuermoral zu quantifizieren und zu klären, ob dieser Einfluss im Ländervergleich verschieden ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Literaturüberblick
3 Theoretische Analyse
3.1 Begriffsabgrenzung von Steuermoral und Steuerhinterziehung
3.2 Hypothesenformulierung
4 Empirische Analyse
4.1 Datensatz
4.2 Steuermoral im Ländervergleich
4.3 Steuermoral im Kontext anderer Verhaltensnormen
4.4 Determinanten der Steuermoral
4.4.1 Operationalisierung der Variablen
4.4.2 Bivariate Analyse
4.4.3 Multiple lineare Regression
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Steuermoral in Deutschland, Spanien, Schweden und Polen, um deren Einflussfaktoren sowie länderübergreifende Unterschiede zu identifizieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich soziodemographische Determinanten wie Alter, Ehe- und Kinderstatus sowie Religiosität auf die Einstellung zur Steuerhinterziehung auswirken.
- Analyse und Definition der Begriffe Steuermoral und Steuerhinterziehung.
- Empirischer Ländervergleich auf Basis des World Values Survey (WVS).
- Überprüfung des Einflusses soziodemographischer Faktoren mittels bivariater und multivariater Analysen.
- Einordnung der Steuermoral in den Kontext anderer gesellschaftlicher Verhaltensnormen.
- Methodische Anwendung der Methode der kleinsten Quadrate (OLS) zur Quantifizierung der Determinanten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsabgrenzung von Steuermoral und Steuerhinterziehung
Steuern sind entgeltliche Abgaben an das öffentlich-rechtliche Gemeinwesen, welche keinen Ausgleich für eine besondere Leistung des Steuerpflichtigen darstellen. Die Steuern, die der einzelne zu tragen hat, werden zur Bereitstellung staatlicher Leistungen für die Öffentlichkeit verwendet. Der Anreiz des Steuerpflichtigen, dieser unfreiwilligen Abgabe eines Teiles seines Einkommens zu entgehen, kann ihn dazu verleiten, Steuern zu hinterziehen. Dies erfolgt in Deutschland meist in Form von Schwarzarbeit oder einer Unterlassung der Deklarierung fremdländischer Kapitalrenditen. Steuerhinterziehung ist in Deutschland strafbar gem. § 370 AO. Entscheidend für die tatsächliche Begehung dieses Deliktes ist die sog. Steuermoral.
Diese kann definiert werden als „(…) die Einstellung (Attitüde) einer Gruppe oder der Gesamtheit der Steuerpflichtigen zur Frage der Erfüllung oder Vernachlässigung ihrer steuerlichen Pflichten (…)“. Die Steuermoral beschreibt somit die Akzeptanz bzw. Haltung der Steuerpflichtigen gegenüber dem Steuerdelikt sowie seine moralische Bewertung. Sie bildet sich aus einer Vielzahl von Faktoren, welche u.a. länder- und kulturspezifisch bedingt sind. Im Gegensatz zur Steuermentalität, welche die generelle Einstellung zu einer Steuer beschreibt, kann von der Steuermoral eines Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die tatsächliche Begehung des Steuerdeliktes geschlossen werden. Allerdings entscheidet nicht nur die Steuermoral darüber, ob Steuern hinterzogen werden: Der Steuerpflichtige wägt unter anderem auch emotionale und rationale Entscheidungsaspekte ab. Steuermoral kann somit nicht mit dem Begriff der Steuerhinterziehung gleichgesetzt werden; beide Aspekte korrelieren allerdings miteinander. Das Ausmaß der Steuerhinterziehung ist in der Forschung schwierig zu erfassen, da es mithilfe von Befragungen oder statistischen Daten lediglich geschätzt werden kann. Gleiches gilt auch für die Steuermoral, welche nicht unmittelbar zu beobachten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas Steuermoral, Definition der Zielsetzung sowie kurze Erläuterung der Struktur und Methodik der Arbeit.
2 Literaturüberblick: Zusammenfassung bisheriger theoretischer und empirischer Forschungsansätze zur Steuerhinterziehung und Steuermoral, inklusive relevanter Erwartungsnutzenmodelle.
3 Theoretische Analyse: Definition der zentralen Begriffe und Herleitung wissenschaftlicher Hypothesen basierend auf soziodemographischen Einflussfaktoren wie Alter und Religiosität.
4 Empirische Analyse: Durchführung einer quantitativen Untersuchung mittels WVS-Daten, um Hypothesen über bivariable Korrelationen und multivariate Regressionsmodelle zu verifizieren oder zu falsifizieren.
5 Fazit: Zusammenfassende Interpretation der Studienergebnisse, Diskussion der Grenzen der quantitativen Erfassung von Moral und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Steuermoral, Steuerhinterziehung, World Values Survey, Empirische Analyse, Soziodemographische Determinanten, OLS-Regression, Ländervergleich, Moralvorstellungen, Steuerdelikt, Religiosität, Altersabhängigkeit, Familienstatus, Multivariate Statistik, Sozialleistungsbetrug, Korrelationsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Steuermoral und der Akzeptanz von Steuerhinterziehung im internationalen Vergleich zwischen Deutschland, Spanien, Schweden und Polen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition von Steuermoral, die Analyse von soziodemographischen Einflussfaktoren wie Alter, Familienstand und Religiosität sowie der empirische Vergleich dieser Werte in vier europäischen Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit Unterschiede in der Steuermoral zwischen den ausgewählten Ländern bestehen und welchen spezifischen Einfluss verschiedene soziale Merkmale auf die Akzeptanz von Steuerdelikten ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative empirische Analyse auf Basis des World Values Survey (WVS). Methodisch werden bivariable Korrelationsanalysen nach Spearman sowie multivariate lineare Regressionen (OLS) angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsabgrenzung und Hypothesenbildung sowie einen umfangreichen empirischen Teil, der Datensätze analysiert, Variablen operationalisiert und statistische Zusammenhänge quantifiziert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Steuermoral, Steuerhinterziehung, empirische Wirtschaftsforschung, Determinanten, multivariate Regression und Ländervergleich.
Warum wird der Kinderstatus als Variable in die Analyse einbezogen?
Der Kinderstatus wurde gewählt, um die These zu prüfen, ob Verantwortung für Kinder zu einem stärkeren Pflichtgefühl und damit zu einer höheren Steuermoral führt – ein Aspekt, der in der bisherigen Literatur kaum Beachtung fand.
Welche Rolle spielt die Religiosität für die Ergebnisse?
Die Analyse zeigt, dass Religiosität signifikant mit einer höheren Steuermoral korreliert, da religiöse Personen moralische Grundsätze häufiger in ihr alltägliches Steuerverhalten integrieren.
- Arbeit zitieren
- Anja Catharina Jirjahlke (Autor:in), 2012, Steuermoral. Eine empirische Studie zur Akzeptanz von Steuerhinterziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274468