Der Name des sowjetischen Schauspielers, Dichters und Liedermachers Vladimir Semjёnovič Vysockij gehört zu einer der bekanntesten, allgemein anerkannten und populärsten Namen in der Geschichte der russischen Kultur des 20. Jahrhunderts. Seinen ungewöhnlichen Erfolg erreichte er hauptsächlich dank hunderter seiner Liedern, die in der ganzen Sowjet Union bekannt und beliebt waren.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
I. V.S. Vysockij als Vertreter des Undergrounds
II. Vysockijs Lieder. Besonderheiten seines Schaffens
III. Kritik der sowjetischen Wirklichkeit in den Liedern von Vysockij
III.1. Lieder über die Freiheit
III.2. Lieder über die sowjetische Bürokratie
III.3. Lieder über den sowjetischen Alltag
III.4. Lieder über Stalinismus und Krieg
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Schaffen des sowjetischen Dichters und Liedermachers Vladimir Vysockij, insbesondere die in seinen Werken enthaltene Kritik an der sowjetischen Wirklichkeit. Ziel ist es, den antisowjetischen Vektor seiner Texte aufzudecken und aufzuzeigen, wie Vysockij durch metaphorische Sprache und Satire trotz totalitärer Zensur regimekritische Botschaften vermittelte.
- Die Rolle von Vladimir Vysockij als Vertreter des kulturellen Undergrounds.
- Analyse der künstlerischen Mittel wie Metaphorik, Humor und Äsopsprache.
- Darstellung des sowjetischen Alltags, der Bürokratie und des stalinistischen Erbes in den Liedern.
- Bedeutung des "homo soveticus" und dessen Reflexion in Vysockijs Liedtexten.
- Die Funktion der Musik als Medium des stillen Protests gegen das sowjetische System.
Auszug aus dem Buch
III.1. Lieder über die Freiheit
Das Thema Freiheit figuriert als zentrales Thema im ganzen Schaffen von Vysockij. Im Lied „Моя цыганская“ (1967/1968) schilderte Vysockij die Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit und der Trostlosigkeit des Lebens, die wegen mangelnder Freiheit begründet ist. Sein Lied „Mоя цыганская» ist an künstlerischen Mitteln wie Vergleiche und Epitheton reich. Die Existenz in dieser Welt ist für den Autor mit einem Vögel in einem Käfig vergleichbar „мне ж – как птице в клетке“. Das Leben im Käfig scheint wegen der dort herrschenden Monotonie unerträglich zu sein. Der Mensch unternimmt zumindest zwei verzweifelte Versuche, diese bedrückende Welt, in der sogar eine Kirche keine leuchtenden Visionen bietet (В церкви - смрад и полумрак), zu verlassen.
Erstens geht er eilig auf einen Berg. Auf dem Gipfel steht eine Erle und unterhalb des Berges ein Sauerkirschbaum. Diese Bäume haben tiefe symbolische Bedeutung: Die Erle symbolisiert den Tod und Sauerkirschenbäume pflanzt man auf Friedhöfen. Bedrückende Atmosphäre des Daseins wird mehrfach durch den Refrain „Все не так, как надо!“ verstärkt. Den zweiten Fluchtversuch unternimmt der Mensch aus dem geschilderten Lied durch ein Feld entlang eines Flusses. Ein Feld („чистое поле“) wurde nicht zufällig ausgewählt. Die grosse Felder mit den Kornblumen, die Flüsse entlang diesen Feldern und lange Wege sind gewisse Symbole Russlands geworden.
Das Lied hat ein tragisches Ende. Beide Versuche des Autors, die Wirklichkeit zu verlassen und die Freiheit zu erlangen, scheiterten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Vladimir Vysockij als kulturelle Ikone und definiert das Ziel, seinen regimekritischen Vektor in einem totalitären System zu analysieren.
I. V.S. Vysockij als Vertreter des Undergrounds: Dieses Kapitel verortet Vysockij innerhalb der Underground-Kultur und arbeitet heraus, warum sein Wirken im Widerspruch zur offiziellen sowjetischen Ideologie stand.
II. Vysockijs Lieder. Besonderheiten seines Schaffens: Hier werden die ästhetischen Merkmale seiner Kunst, wie der ironische Stil und die Verwendung metaphorischer Sprache, detailliert beschrieben.
III. Kritik der sowjetischen Wirklichkeit in den Liedern von Vysockij: Das Hauptkapitel analysiert die thematischen Schwerpunkte seiner Regimekritik, unterteilt in die Bereiche Freiheit, Bürokratie, Alltag sowie Stalinismus und Krieg.
Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Thesen zusammen und bestätigt Vysockijs Rolle als "Insel der Glasnost", die zum gesellschaftskritischen Nachdenken anregte.
Schlüsselwörter
Vladimir Vysockij, Sowjetunion, Underground, Regimekritik, sowjetischer Alltag, Stalinismus, Äsopsprache, Metaphorik, Totalitarismus, homo soveticus, Glasnost, Satire, Liedermacher, Zensur, Protest.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die regimekritischen Aspekte im Werk des sowjetischen Sängers und Dichters Vladimir Vysockij und dessen Rolle als kritischer Beobachter der sowjetischen Wirklichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Themenkomplexe der persönlichen Freiheit, die Einschränkungen durch die sowjetische Bürokratie, den Alltag des "kleinen Menschen" und die Aufarbeitung stalinistischer Verbrechen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie Vysockij durch metaphorische Mittel und Ironie eine antisowjetische Kritik formulierte, die trotz staatlicher Repressionen Gehör fand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Analyse wissenschaftlicher Sekundärliteratur, Erinnerungen von Zeitzeugen, die Auswertung von Filmen sowie die direkte Interpretation ausgewählter Liedtexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung von Vysockij als Underground-Künstler und eine detaillierte textanalytische Untersuchung seiner regimekritischen Lieder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Underground, Totalitarismus, Regimekritik, Satire, sowjetischer Alltag und künstlerische Verschleierungstaktik.
Wie unterscheidet sich Vysockij von anderen Liedermachern seiner Zeit?
Vysockij unterschied sich durch seine schauspielerische Professionalität und seinen einzigartigen, ironisch-metaphorischen Stil, der sich bewusst von der offiziellen sowjetischen Estrade distanzierte.
Warum spielt das "Levada Zentrum" eine Rolle für die Argumentation?
Die Arbeit nutzt Erkenntnisse des Levada-Zentrums über den "homo soveticus", um zu belegen, dass die Züge des sowjetischen Menschen, die Vysockij kritisierte, auch in der modernen russischen Gesellschaft fortbestehen.
Welche Rolle spielt die Ironie in seinen Liedern über Stalinismus?
Selbst bei tragischen Themen nutzt Vysockij Ironie, um die Willkür und den verbrecherischen Charakter der stalinistischen Justiz bloßzustellen und die Unmenschlichkeit des Systems zu verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Ivan Kulnev (Autor:in), 2012, Die Kritik der sowjetischen Wirklichkeit in den Liedern von V. S. Vysockij, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274505