Die Spannungen von Wissenschaft und Geheimhaltung in Francis Bacons `Neu-Atlantis`


Seminararbeit, 2001

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Francis Bacon: Der Traum von einer organisierten Wissenschaft

2. Die Spannung von Wissenschaft und Geheimhaltung in Bacons Neu-Atlantis
2.1. Das Haus Salomon als Oligarchie der Weisen
2.2. Geheimhaltung von Forschungsergebnissen
2.3. Wissenschaft und Religion

3. Parallelen zu Geheimbünden
3.1. Die Rosenkreuzer
3.2. Gründungen als Folge von Neu-Atlantis

4. Problem der Geheimhaltung

5. Literaturverzeichnis

1. Francis Bacon: Der Traum von einer organisierten Wissenschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betrachtet man dieses Bild, so könnte man es als das `moderne` Titelbild von Bacons Neu-Atlantis sehen, die `Steine` als Sinnbild für die Säulen des Herkules. Jenseits dieser Säulen liegt die unbekannte und geheimnisumwobene Insel Bensalem, von der Bacon in seiner fragmentarischen Utopie erzählt. Er bezieht sich hierbei auf Platons mystische Insel Atlantis, die angeblich aufgrund einer Naturkatastrophe vom Erdboden verschwunden ist. Nova Atlantis wurde von Bacon nicht zur Belustigung geschrieben, sondern ist ein ernstzunehmendes politisches Reformprogramm, dessen Hauptanliegen der Entwurf eines Zukunftsbildes wissenschaftlicher Forschung ist. Bacon gilt als Vertreter der induktiven Wissenschaft, das heißt, im Gegensatz zur deduktiven Methode, daß man von einzelnen Gegebenheiten auf das Allgemeine schließt und somit Erkenntnisse erlangt. Für Bacon ist es eine zentrale Aufgabe, die Wissenschaft zu institutionalisieren. Aus diesem Grunde befürwortet er die Gründung einer `Bruderschaft der Erkenntnis`, in der Gelehrte untereinander ihr Wissen austauschen können.[1] William Rawley, Bacons Sekretär, der Neu-Atlantis nach dessen Tod 1627 veröffentlichte, meint in seinem Vorwort, daß Bacon „das Musterbild eines Institutes [beschreibt], das sich der Deutung der Natur und der Hervorbringung großer und wunderbarer Werke zum Nutzen der Menschen widmet. Er nennt es das `Haus Salomons` oder die `Gesellschaft der Werke der sechs Tage`.“[2]

Bacon entwirft mit Neu-Atlantis eine Art Wohlfahrtsstaat. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten des Hauses Salomon bescheren der Insel beziehungsweise seinen Bewohnern ein Leben in Überfluß und ohne große Sorgen. Hierbei darf allerdings nicht vergessen werden, daß die Bewohner Bensalems zwar von diesen Errungenschaften profitieren, die genauen Forschungsergebnisse jedoch vom Hause Salomon geheimgehalten werden. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, daß Francis Bacon manchmal als Wegbereiter von Wissenschafts- beziehungsweise Geheimgesellschaften angesehen wird. So waren zum Beispiel die Konstituierungen des `Invisible College` oder der `Makaria` auf Francis Bacon zurückzuführen, der ja die Gründung solcher geheimen Gemeinschaften von Gelehrten befürwortete.[3] Außerdem ist nicht auszuschließen, daß er seine Idee zu Nova Atlantis aus den rosenkreuzerischen Schriften zog, da es einige Parallelen gibt. Yates ist der Ansicht, daß Bacon die Geschichte von Christian Rosencreutz, dem angeblichen Gründer des Geheimbundes der Rosenkreuzer, kannte.[4]

In der folgenden Seminararbeit wird demzufolge zuerst auf das Haus Salomon und die Spannung von Wissenschaft und Geheimhaltung eingegangen, während im zweiten Teil die Parallelen zu den Rosenkreuzern in einigen Punkten herausgestellt werden sollen. Zuletzt wird auf einige Gründungen als Folge von Neu-Atlantis und den rosenkreuzerischen Schriften hingewiesen.

2. Die Spannung von Wissenschaft und Geheimhaltung in Bacons Neu-Atlantis

2.1. Das Haus Salomon als Oligarchie der Weisen

Den Höhepunkt der Utopie bildet die Beschreibung des Hauses Salomon, eine straff organisierte Forschungsgemeinschaft, die uneingeschränkt Untersuchungen anstellen kann. Bensalem ist ein Inselstaat, der zwar de jure eine Monarchie ist, aber de facto eine Oligarchie der Weisen des Hauses Salomon darstellt. Die Bewohner von Neu-Atlantis sagen über das Haus Salomon, daß es „der Betrachtung und Erforschung der Werke und Geschöpfe Gottes geweiht“ (Seite 27) ist. Diese Einrichtung erforscht unzählige Naturphänomene und bringt ständig neue Erfindungen hervor. Für diese Arbeiten sind die Mitglieder des Hauses Salomon zuständig, die eine überragende Stellung im Staate Neu-Atlantis haben. Immer drei von ihnen sind für bestimmte Tätigkeiten eingeteilt. Jeder ist für einen gewissen Arbeitsschritt verantwortlich, das heißt, daß keiner mehr macht als ihm aufgetragen ist. So gibt es beispielsweise die `Schatzgräber`, die sich mit neuen Versuchen beschäftigen, oder die sogenannten `Wohltäter`, die die Versuche überprüfen. Wie bereits erwähnt war Bacon ein Vertreter der induktiven Wissenschaft. Aus diesem Grunde wird das Material über Versuche, das sie meist aus anderen Ländern der Erde beziehen, zuerst gesammelt, geordnet und dann ausgewertet. Im Anschluß daran, sind die sogenannten `Leuchten` dafür zuständig, aus dem vorhandene Material „neue Versuche anzuregen und zu leiten, die tiefer in die Natur eindringen sollen“ (Seite 55). Das genaue Registrieren und Auswerten der Versuchsergebnisse dient dazu, „daß man daraus besser Beobachtungen und allgemeine Regeln entnehmen kann“ (Seite 55). Bei den Forschungsarbeiten des Wissenschaftskollegs darf man allerdings nicht vergessen, daß die Wissenschaftler die Natur als bloßes Objekt betrachten. Es geht nicht nur darum, gewisse Erkenntnisse aus der Natur zu ziehen und von ihr zu lernen, sondern sie versuchen, die Natur zu unterwerfen und sie in einem gewissen Maße zu übertreffen. So genügt es ihnen nicht, die von der Natur gegebenen Düfte für bestimmte Produkte zu nutzen, sondern sie „ahmen die natürlichen Gerüche nach und können Düfte aller Art auch aus anderen Ausgangsstoffen wie den natürlichen hervorbringen.“ (Seite 53). Die Bewohner Bensalems leben ohnehin schon im Überfluß, doch die Erfindungen zielen meist auf die Verbesserung der Konsumgüter ab. Die Wissenschaftler des `Kollegiums der Werke der sechs Tage` schrecken nicht einmal davor zurück, unter Vorgabe einer anderen Nationalität, in andere Länder der Welt zu reisen und diese heimlich `auszuspionieren`. Jede zwölf Jahr brechen zwei Schiffe auf, auf denen sich jeweils drei Mitglieder des Hauses Salomon befinden. Sie haben den Auftrag, sich über die Begebenheiten in anderen Ländern zu informieren, vor allem was den Bereich der Wissenschaften und Künste betrifft. Ihre Herkunft verbergen sie, doch wie sie das anstellen, verrät Bacon seinen Lesern nicht. Als einzige der Bewohner der Insel Bensalem sind diese Auserwählten des Hauses Salomon dazu berechtigt, die Insel zu verlassen, um „Bücher, Zusammenfassungen und Musterstücke von Erfindungen zu besorgen“ (Seite 54). Dadurch zeigt sich, daß diese Brüderschaft eine überragende Stellung im Staate Bensalem genießt und sie ohne Vorbehalte als Oligarchie der Weisen bezeichnet werden kann. Welch großen Einfluß die Mitglieder dieses Wissenschaftskollegs haben und welch große Gunst ihnen zuteil wird, zeigt sich allein in den Ehrungen, die sie auf Neu-Atlantis erhalten. So hat Bensalem zwei große Hallen, in der sich zum einen Musterstücke von bedeutenden Erfindungen befinden und zum anderen Statuen von berühmten Erfindern und Entdeckern aufgestellt sind. Allerdings handelt es sich hierbei nicht nur um Persönlichkeiten fremder Länder, wie zum Beispiel Kolumbus, sondern auch um Personen aus dem eigenen Land.

[...]


[1] Vgl. Fischer, Die Aufklärung und ihr Gegenteil, Seite 67.

[2] Bacon, Neu-Atlantis, Seite 3.

[3] Vgl. Oslo, Freimaurer, Seite 151 f.

[4] Vgl. Fischer, Die Aufklärung und ihr Gegenteil, Seite 69.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Spannungen von Wissenschaft und Geheimhaltung in Francis Bacons `Neu-Atlantis`
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (GSI für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Utopien
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V27461
ISBN (eBook)
9783638295062
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spannungen, Wissenschaft, Geheimhaltung, Francis, Bacons, Utopien
Arbeit zitieren
Claudia Faschingbauer (Autor), 2001, Die Spannungen von Wissenschaft und Geheimhaltung in Francis Bacons `Neu-Atlantis`, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27461

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