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Die Spannungen von Wissenschaft und Geheimhaltung in Francis Bacons `Neu-Atlantis`

Title: Die Spannungen von Wissenschaft und Geheimhaltung in Francis Bacons `Neu-Atlantis`

Seminar Paper , 2001 , 17 Pages , Grade: 1

Autor:in: Claudia Faschingbauer (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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[...] Aus diesem Grunde befürwortet er die Gründung einer `Bruderschaft der Erkenntnis`, in der Gelehrte untereinander ihr Wissen austauschen können. 1 William Rawley, Bacons Sekretär, der Neu-
Atlantis nach dessen Tod 1627 veröffentlichte, meint in seinem Vorwort, daß Bacon „das
Musterbild eines Institutes [beschreibt], das sich der Deutung der Natur und der
Hervorbringung großer und wunderbarer Werke zum Nutzen der Menschen widmet. Er nennt
es das `Haus Salomons` oder die `Gesellschaft der Werke der sechs Tage`.“2
Bacon entwirft mit Neu-Atlantis eine Art Wohlfahrtsstaat. Die Ergebnisse der
Forschungsarbeiten des Hauses Salomon bescheren der Insel beziehungsweise seinen
Bewohnern ein Leben in Überfluß und ohne große Sorgen. Hierbei darf allerdings nicht
vergessen werden, daß die Bewohner Bensalems zwar von diesen Errungenschaften
profitieren, die genauen Forschungsergebnisse jedoch vom Hause Salomon geheimgehalten
werden. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, daß Francis Bacon manchmal als Wegbereiter
von Wissenschafts- beziehungsweise Geheimgesellschaften angesehen wird. So waren zum
Beispiel die Konstituierungen des `Invisible College` oder der `Makaria` auf Francis Bacon
zurückzuführen, der ja die Gründung solcher geheimen Gemeinschaften von Gelehrten
befürwortete.3 Außerdem ist nicht auszuschließen, daß er seine Idee zu Nova Atlantis aus den
rosenkreuzerischen Schriften zog, da es einige Parallelen gibt. Yates ist der Ansicht, daß
Bacon die Geschichte von Christian Rosencreutz, dem angeblichen Gründer des
Geheimbundes der Rosenkreuzer, kannte.4 In der folgenden Seminararbeit wird demzufolge zuerst auf das Haus Salomon und die Spannung von Wissenschaft und Geheimhaltung eingegangen, während im zweiten Teil die
Parallelen zu den Rosenkreuzern in einigen Punkten herausgestellt werden sollen. Zuletzt
wird auf einige Gründungen als Folge von Neu-Atlantis und den rosenkreuzerischen Schriften
hingewiesen.
1 Vgl. Fischer, Die Aufklärung und ihr Gegenteil, Seite 67.
2 Bacon, Neu-Atlantis, Seite 3.
3 Vgl. Oslo, Freimaurer, Seite 151 f.
4 Vgl. Fischer, Die Aufklärung und ihr Gegenteil, Seite 69.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Francis Bacon: Der Traum von einer organisierten Wissenschaft

2. Die Spannung von Wissenschaft und Geheimhaltung in Bacons Neu-Atlantis

2.1. Das Haus Salomon als Oligarchie der Weisen

2.2. Geheimhaltung von Forschungsergebnissen

2.3. Wissenschaft und Religion

3. Parallelen zu Geheimbünden

3.1. Die Rosenkreuzer

3.2. Gründungen als Folge von Neu-Atlantis

4. Problem der Geheimhaltung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und institutioneller Geheimhaltung, wie es Francis Bacon in seinem utopischen Werk „Neu-Atlantis“ entwirft. Dabei wird analysiert, inwiefern die Machtstruktur des „Hauses Salomon“ als Geheimbund-ähnliche Organisation interpretiert werden kann und welche historischen sowie gesellschaftspolitischen Implikationen sich aus dem dort postulierten Geheimhaltungsprinzip ableiten lassen.

  • Institutionalisierung der Wissenschaft im „Haus Salomon“
  • Die Rolle der Geheimhaltung bei Forschungsergebnissen
  • Wechselwirkung zwischen wissenschaftlichem Handeln und religiösem Kultus
  • Vergleichende Analyse mit den Manifesten der Rosenkreuzer
  • Historische Auswirkungen auf die Gründung wissenschaftlicher Sozietäten (z.B. Royal Society)

Auszug aus dem Buch

2.1. Das Haus Salomon als Oligarchie der Weisen

Den Höhepunkt der Utopie bildet die Beschreibung des Hauses Salomon, eine straff organisierte Forschungsgemeinschaft, die uneingeschränkt Untersuchungen anstellen kann. Bensalem ist ein Inselstaat, der zwar de jure eine Monarchie ist, aber de facto eine Oligarchie der Weisen des Hauses Salomon darstellt. Die Bewohner von Neu-Atlantis sagen über das Haus Salomon, daß es „der Betrachtung und Erforschung der Werke und Geschöpfe Gottes geweiht“ (Seite 27) ist. Diese Einrichtung erforscht unzählige Naturphänomene und bringt ständig neue Erfindungen hervor.

Für diese Arbeiten sind die Mitglieder des Hauses Salomon zuständig, die eine überragende Stellung im Staate Neu-Atlantis haben. Immer drei von ihnen sind für bestimmte Tätigkeiten eingeteilt. Jeder ist für einen gewissen Arbeitsschritt verantwortlich, das heißt, daß keiner mehr macht als ihm aufgetragen ist. So gibt es beispielsweise die `Schatzgräber`, die sich mit neuen Versuchen beschäftigen, oder die sogenannten `Wohltäter`, die die Versuche überprüfen. Wie bereits erwähnt war Bacon ein Vertreter der induktiven Wissenschaft. Aus diesem Grunde wird das Material über Versuche, das sie meist aus anderen Ländern der Erde beziehen, zuerst gesammelt, geordnet und dann ausgewertet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Francis Bacon: Der Traum von einer organisierten Wissenschaft: Einführung in Bacons utopisches Programm und die Grundidee einer institutionalisierten, induktiven Wissenschaft.

2. Die Spannung von Wissenschaft und Geheimhaltung in Bacons Neu-Atlantis: Analyse des „Hauses Salomon“ als einflussreiche Oligarchie sowie die Untersuchung der Geheimhaltungspraktiken und deren religiöser Einbettung.

3. Parallelen zu Geheimbünden: Darstellung der Verbindungen zwischen Bacons Utopie und dem Orden der Rosenkreuzer sowie der Einfluss dieser Gedanken auf spätere wissenschaftliche Gründungen.

4. Problem der Geheimhaltung: Kritische Reflexion des im Werk beschriebenen Geheimhaltungsprinzips im Kontext heutiger Anforderungen an eine offene, globale Wissenschaft.

Schlüsselwörter

Francis Bacon, Neu-Atlantis, Haus Salomon, Wissenschaft, Geheimhaltung, Rosenkreuzer, Utopie, Induktive Methode, Wissensgesellschaft, Machtmissbrauch, Religionskultus, Institution, Forschungsfreiheit, Wissensmonopol, Wissenschaftsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet das Werk „Neu-Atlantis“ von Francis Bacon unter besonderer Berücksichtigung der darin beschriebenen Organisation von Wissenschaft und der damit verbundenen Geheimhaltungspraxis.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Machtstruktur im „Haus Salomon“, die Verbindung zu rosenkreuzerischen Schriften und die historisch nachweisbaren Impulse dieser Ideen für die Gründung von Akademien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Bacon wissenschaftliche Forschung institutionalisiert und welche Spannungen zwischen dem Machtanspruch der Gelehrten und der gesellschaftlichen Kontrolle entstehen.

Welche methodische Herangehensweise wird verfolgt?

Die Arbeit nutzt eine primärtextanalytische Methode in Verbindung mit einer historischen Einordnung, um Parallelen zwischen Bacons Utopie und realen Geheimbünden der frühen Neuzeit zu ziehen.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil behandelt die interne Struktur des Hauses Salomon, die Rolle der Religion als Kontrollinstanz sowie den Einfluss von Bacons Ideen auf den „Invisible College“ und die Royal Society.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Begriffe wie Wissenschaftsorganisation, Geheimhaltung, Machtstruktur, Utopie, Wissensgesellschaft und der Einfluss von Geheimbünden beschreiben den Kern der Arbeit.

Wie bewertet der Autor die Rolle des „Hauses Salomon“ im Staat Bensalem?

Der Autor interpretiert das Haus Salomon als eine faktische Oligarchie, die zwar der Wissenschaft verpflichtet ist, aber durch ihre Wissensmonopolstellung eine latente Machtgefahr darstellt.

Inwiefern ist das „Problem der Geheimhaltung“ heute noch relevant?

Das Werk wird in einen aktuellen Kontext gesetzt, wobei diskutiert wird, dass wissenschaftliche Zusammenarbeit und Transparenz, etwa beim Klimaschutz, dem Bacon'schen Geheimhaltungsprinzip heute entgegenstehen.

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Details

Title
Die Spannungen von Wissenschaft und Geheimhaltung in Francis Bacons `Neu-Atlantis`
College
LMU Munich  (GSI für Politische Wissenschaft)
Course
Utopien
Grade
1
Author
Claudia Faschingbauer (Author)
Publication Year
2001
Pages
17
Catalog Number
V27461
ISBN (eBook)
9783638295062
Language
German
Tags
Spannungen Wissenschaft Geheimhaltung Francis Bacons Utopien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Faschingbauer (Author), 2001, Die Spannungen von Wissenschaft und Geheimhaltung in Francis Bacons `Neu-Atlantis`, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27461
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