Bismarcks Einstellung zur Zentrumspartei als Ursprung des Kulturkampfes


Hausarbeit, 2012

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Verhältnis von Staat und Kirche im Kulturkampf
2.1 Einordnung der Rede vom 30. Januar
2.2 Deutung der Fabel anhand des geschichtlichen Kontextes

3. Das Zentrum als Oppositionspartei

4. Konsequenzen der verschärften Maßnahmen gegen die Kirche

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Literatur

Quellen

1. Einleitung

Bismarcks Einschätzung des Zentrums als eine potentiell revolutionäre, staatsgefährdende Massenpartei wird in der Forschung als ein ausschlaggebender Grund für den Beginn des Kulturkampfes angesehen. Diese Darstellung der Ereignisse lässt sich insbesondere bei Thomas Nipperdey[1] Wolfgang J. Mommsen[2], Wilfried Loth[3] und auch in der katholischen Geschichtsschreibung[4] entdecken.

In Bismarcks Rede vom 30. Januar 1872 im preußischen Abgeordnetenhaus bei der Beratung des Budgets des Kultusministeriums äußerte Bismarck seine Befürchtungen hinsichtlich der Zentrumspartei erstmals öffentlich. Er sah in der Gründung des Zentrums und in ihrem Verhalten „die Mobilmachung der Partei gegen den Staat“[5].

Die Rede ist jedoch nicht nur in dieser Hinsicht ein wertvolles Zeugnis von Bismarcks Beurteilung der politischen Situation, sondern gibt auch Aufschluss darüber wie Bismarck zu diesem Zeitpunkt zum gesamten Kulturkampf stand und ihn einschätzte. Die Antwort auf diese Fragen liegt in Bismarcks Aussage, das Verhältnis von Staat und Kirche erinnere ihn „an die Fabel von dem Wanderer mit dem Mantel, den ihm der Regen nicht nehmen konnte, während die Sonne ihm denselben abgewann“[6]. Hierbei nimmt Bismarck Bezug auf die Fabel von August Gottlieb Meißner[7].

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollen die Fragen geklärt werden, warum Bismarck seine Einstellung zum Kulturkampf vor den Abgeordneten in dieser Art und Weise darstellt, was er damit bezwecken will und warum er seine feindliche Haltung zum Zentrum gerade zu diesem Zeitpunkt so offensichtlich zeigt.

In einem ersten Schritt soll die Rede in den geschichtlichen Kontext kurz eingeordnet werden. Ausgehend von einer knappen Darstellung der geschichtlichen Ereignisse wird dann geklärt werden inwiefern die angeführte Fabel auf die politische Situation übertragbar ist und was Bismarck mit dieser Darstellung bezwecken will. Anschließend wird untersucht, wodurch Bismarcks feindliche Haltung zum Zentrum zustande gekommen ist und inwiefern diese zum Ausbruch des Kulturkampfes im Deutschen Reich geführt hat. Zuletzt soll ein kurzer Ausblick auf die Konsequenzen gegeben werden. Die abschließende Schlussbetrachtung soll die erarbeiteten Ergebnisse kurz zusammenfassend klären, ob die gestellten Fragen an die Rede beantwortet werden konnten.

2. Das Verhältnis von Staat und Kirche im Kulturkampf

Der Grundsatzkonflikt zwischen dem modernen Staat und der katholischen Kirche, zwischen dem liberalen Zeitgeist und der traditionellen katholischen Lehre war ein gemeineuropäisches Phänomen[8]. Der Einfluss der katholischen Kirche auf staatliche Angelegenheiten und auf die Öffentlichkeit sollte reduziert und die Kirche rechtsstaatlichen Prinzipien unterworfen werden, was die Kirche jedoch strikt ablehnte.

Der Ausdruck „Kulturkampf“ wurde geprägt durch Rudolf Virchow, Sprecher der Fortschrittsliberalen im preußischen Abgeordnetenhaus[9]. Im engeren Sinne wird damit die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche im 1871 neu gegründeten Deutschen Reich bezeichnet, das überwiegend protestantisch geprägt war. Denn dort eskalierte der Konflikt und es kam zur Diskriminierung und Verfolgung der Katholiken.

2. 1. Einordnung der Rede vom 30. Januar 1872

Kurz nach den ersten offensiven Staatsaktionen gegen die Kirche im Juli 1871[10] bezieht Bismarck in der Rede vom 30. Januar 1872 Stellung zum Vorgehen des Staates. Die Rede richtet sich an die Abgeordneten des preußischen Abgeordnetenhauses und ist eine Entgegnung auf die Vorwürfe des Vorredners Ludwig Windhorst, des Parteiführers der Zentrum-Fraktion. Dieser hatte sich über die vorausgegangen Maßnahmen des Staates gegen Katholiken und das Zentrum beschwert. Die Beschuldigungen beinhalteten insbesondere die Benachteiligung von Katholiken bei der Besetzung von höheren Staatsämtern, die Ernennung des neuen national-liberalen Kultusministers, die Aufhebung der katholischen Abteilung im Kultusministerium sowie die anti-katholischen Haltung der Presse.

In seiner Rede entkräftet Bismarck die Beschwerden und erklärt seine Ablehnung gegen das Zentrum damit, dass er die Gründung dieser Partei als eine „Mobilmachung (…) gegen den Staat“[11] angesehen habe. Diese Ansicht sei ihm durch die regierungsfeindliche Politik des Zentrums stets bestätigt worden.

Bismarck vergleicht in der Rede das Verhältnis von Staat und Kirche mit der Fabel „Wind und Sonne“ von August Gottlieb Meißner. In dieser Fabel streiten sich Wind und Sonne darum, wer der stärkere von beiden ist. Derjenige soll als Sieger gelten, dem es gelingt, einem Wanderer den Mantel abzunehmen. Während der Wind Regen und Hagel zu Hilfe nimmt und damit nichts bewirkt, erwärmt die Sonne die Luft und bringt den Wanderer auf diese Weise dazu, seinen Mantel abzunehmen. Milde und Freundlichkeit wirken somit besser als Strenge und Gewalt. Diese Bilder lassen sich auf die beiden Akteure Kirche und Staat im Kulturkampf übertragen.

2.2. Deutung der Fabel anhand des geschichtlichen Kontextes

Die Auseinandersetzung um die Machtposition der katholischen Kirche hatte sich schon 1864 unter Papst Pius IX. zugespitzt, als dieser in der Enzyklika „Quanta cura“ mit dem beigefügten „Syllabus errorum“ die Anschauungen des Liberalismus als Irrlehren verurteilte und dem Staat das Recht absprach in kirchliche Angelegenheiten einzugreifen. Dies wurde insbesondere von den Liberalen als Machtüberschreitung des Papstes angesehen[12].

[...]


[1] Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866 – 1918 Bd. II: Machtstaat vor der Demokratie, S. 364-381.

[2] Mommsen, Das Ringen um den nationalen Staat, S. 405-446.

[3] Loth, Das Kaiserreich. Obrigkeitsstaat und politische Mobilisierung, S. 50- 59.

[4] Becker, Kulturkampf. I.Historisch. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Sechster Band, S. 518-520.

[5] Kremer-Auenrode, Actenstücke zur Geschichte des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche im 19. Jahrhundert. Dritter Teil, S.84.

[6] Ebenda

[7] Meißner, A. G. Meissners sämtliche Werke...: Bd. Fabeln, S.212-213.

[8] Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, 1849 1914, S. 892.

Und Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866 – 1918 Bd. II: Machtstaat vor der Demokratie, S. 364.

[9] Mommsen, Das Ringen um den nationalen Staat, S. 406.

[10] Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, 1849 1914, S. 893.

[11] Kremer-Auenrode, Actenstücke zur Geschichte des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche im 19. Jahrhundert. Dritter Teil, S.84.

[12] Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, 1849 1914, S. 892.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Bismarcks Einstellung zur Zentrumspartei als Ursprung des Kulturkampfes
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V274718
ISBN (eBook)
9783656670414
ISBN (Buch)
9783656670216
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bismarcks, einstellung, zentrumspartei, ursprung, kulturkampfes
Arbeit zitieren
Sabrina Rutner (Autor), 2012, Bismarcks Einstellung zur Zentrumspartei als Ursprung des Kulturkampfes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274718

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