Tanz ist eine pädagogisch betrachtet rhythmisch geformte Bewegung. Er gilt als Ausdrucksmittel, dass dem menschlichen Bedürfnis bzw. Trieb nach Darstellung und Kommunikation entspricht. Ziel folgender Ausführungen ist es daher, Tanz als Lehr- und Lerngehalt in seinen Möglichkeiten und Grenzen für Erziehung und Bildung abzustecken und eine thematische Auseinandersetzung im Zusammenhang mit erlebnispädagogischen Möglichkeiten im Tanzen mit Kindern und Jugendlichen vorzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Wesen der Tanzpädagogik
2.1 Körperlichkeit und Emotionalität in Erziehung und Bildung
2.2 Ziele und Bildungsinhalte der Tanzpädagogik
2.2.1 Sachorientierter Bereich
2.2.2 Subjektiv-emotionaler Bereich
2.2.3 Sozialer Bereich
2.2.4 Kognitiver Bereich
2.3 Methodik und Vermittlungsformen der Tanzpädagogik
3 Das Wesen der Erlebnispädagogik
3.1 Theoriegeschichtliche Rekonstruktion
3.1.1 Historische Entstehungsgrundlagen
3.1.2 Kurt Hahn´s Schulbewegung
3.2 Erlebnisarmut in einer Erlebnisgesellschaft
3.3 Erziehung und Erleben
3.4 Ziele, Vermittlung und Grenzen der Erlebnispädagogik
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Tanz als Lehr- und Lerngehalt in seinen Möglichkeiten und Grenzen für Erziehung und Bildung zu definieren und dabei die Schnittstellen zur Erlebnispädagogik, insbesondere im Hinblick auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen, kritisch zu untersuchen.
- Zusammenhang von Tanz, Körperlichkeit und emotionaler Bildung
- Differenzierung tanzpädagogischer Zielbereiche (sachlich, emotional, sozial, kognitiv)
- Historische und theoretische Grundlagen der Erlebnispädagogik
- Verhältnis von Erlebnisarmut in der heutigen Gesellschaft zur erlebnispädagogischen Intervention
- Methodische Gestaltung von Tanzprozessen im pädagogischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.2 Erlebnisarmut in einer Erlebnisgesellschaft
Folgt man der soziologischen Zeitdiagnose, so befinden wir uns in einem gesellschaftlichen Umbruch, der uns von der Risikogesellschaft weg zu einer Erlebnisgesellschaft hinführt. GERHARD SCHULZE hat bereits zu Beginn der 90er Jahre die Zukunft einer Erlebnisgesellschaft gekennzeichnet (SCHULZE 1992). In dieser Zukunft, man kann sagen in unserer gegenwärtigen Zeit, wird der individuelle Lebensentwurf zum Bewertungsmuster innerer und äußerer Realitäten. Um diese zu verarbeiten, setzt es einen Identitätsprozess voraus, der im eigenen und intensiven Erleben bewusst vollzogen wird.
„Was wir täglich erfahren, ist zum Großteil darauf zurückzuführen, welche Sinneseindrücke aktiv aufgenommen und verarbeitet werden. […] Die Entwicklung und Ausprägung unserer Identität (hängt) ganz wesentlich davon ab, welche Sinneseindrücke wir in jedem Moment auswählen und wie sehr wir die Fähigkeit entwickeln, unser Sinnessystem auf das jeweils [bewusst] Ausgewählte zu konzentrieren“ (MOCH o.J.:41).
Unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Paradies“ beschreibt PETER BECKER diese Suche als „Körper- und Erlebniskonjunktur unserer Zeit“ (BECKER 1995:326). Er betont neben FISCHER (1999:8) die zwei Seiten der Medaille „Erlebnisgesellschaft“ (1995:325f): Einerseits soll ihr möglich sein, die Bedürfnisstruktur des Menschen abzudecken, andererseits gibt es kommerzielle Angebote und unnatürliche Sozialisationsmuster in unserer Gesellschaft, die die Persönlichkeitsförderung und individuelle Weiterentwicklung hemmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet den Tanz als ursprüngliche menschliche Ausdrucksform und führt in die Problematik einer neuen Vermittlungskultur ein, die den Übergang vom artifiziellen zum elementaren, sinnlichen Tanzen als Bildungsziel anstrebt.
2 Das Wesen der Tanzpädagogik: Dieses Kapitel erläutert Tanz als Lehr- und Lerngehalt und gliedert die Ziele tanzpädagogischen Handelns in sachliche, subjektiv-emotionale, soziale und kognitive Bereiche, ergänzt durch methodische Überlegungen zur Vermittlung.
3 Das Wesen der Erlebnispädagogik: Hier werden die reformpädagogischen Wurzeln, insbesondere durch Kurt Hahn und Rousseau, rekonstruiert und die theoretische Fundierung der Erlebnispädagogik im Kontext der modernen Erlebnisgesellschaft und des Erziehungsprozesses dargelegt.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit bündelt die Erkenntnisse und bekräftigt die Bedeutung von Tanz und Erlebnispädagogik als komplementäre Ansätze zur Persönlichkeitsbildung und Identitätsfindung, wobei die Notwendigkeit des Praxisbezugs im Schulalltag betont wird.
Schlüsselwörter
Tanzpädagogik, Erlebnispädagogik, Erlebnisgesellschaft, Körperlichkeit, Identitätsbildung, Bewegungserziehung, Sinneswahrnehmung, Persönlichkeitsentwicklung, Sozialisation, ganzheitliche Bildung, reformpädagogische Ansätze, Vermittlungskultur, Tanzaneignung, Handlungsraum, Lernprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die pädagogischen Möglichkeiten und Grenzen des Tanzes im Kontext von Erziehung und Bildung, wobei ein besonderer Fokus auf den Verbindungen zur Erlebnispädagogik liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Tanzpädagogik, die historische Entwicklung der Erlebnispädagogik sowie der Zusammenhang von Bewegung, körperlicher Erfahrung und Identitätsbildung bei Kindern und Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Tanz als Lehr- und Lerngehalt zu definieren und den Beitrag aufzuzeigen, den er in Verbindung mit erlebnispädagogischen Methoden zur Persönlichkeitsbildung Heranwachsender leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Rekonstruktion relevanter pädagogischer, soziologischer und psychologischer Diskurse, um Tanz als gestaltbares Material für Bildungszwecke zu legitimieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse tanzpädagogischer Zielbereiche, die geschichtliche Aufarbeitung der Erlebnispädagogik (von Rousseau bis Hahn) und die Untersuchung der Herausforderungen in einer modernen Erlebnisgesellschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie „ganzheitliche Bildung“, „Erlebnisgesellschaft“, „Identitätsbildung“ sowie die „integrative Bewegungserziehung“.
Wie unterscheidet sich prozessorientierter von produktorientiertem Tanzunterricht?
Während beim produktorientierten Tanz die präzise Ausführung einer vorgegebenen Choreografie im Vordergrund steht, legt der prozessorientierte Unterricht den Fokus auf die Eigenaktivität, das Erleben und die individuelle Wahrnehmung der Tanzenden.
Welche Rolle spielt die „Erlebnisarmut“ bei der Begründung erlebnispädagogischer Maßnahmen?
Die Autorin argumentiert, dass Kinder und Jugendliche in einer reizüberfluteten, aber erfahrungsarmen Welt leben. Erlebnispädagogische Maßnahmen sollen hier ausgleichend wirken, indem sie echte Erfahrungen aus erster Hand in naturnahen oder unerschlossenen Räumen ermöglichen.
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- Christiane Helbig (Autor), 2006, Tanz- und Erlebnispädagogik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274729