Die syntaktische Relation „Attribut” nimmt eine zentrale Stelle in der traditionellen Satzgliedlehre ein. Der Begriff des Attributs wird in den deskripiven Grammatiken theorieabhängig unterschiedlich definiert. Die diversen Begriffsbestimmungen und -abgrenzungen decken sich in vielen Fällen teilweise und sind kritisch zu prüfen. Diese Hausarbeit wird versuchen, die Anwendung der attributiven Relation in traditionellen Satzgliedlehre durch einen Vergleich unterschiedlicher Grammatiken zu untersuchen und die
Widersprüchen darzustellen, die aus dem Verhältnis von Struktur und Funktion von Attributioen entstehen. Weiterhin wird versucht, die Berührungspunkte zwischen Attributen und Satzgliedern ersten Grades sowie s.g. Grenzfälle zu analysieren und nach
Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Es wird auch den Zusammenhang zwischen Attribution und Prädikation und den Begriff der näheren Bestimmung erläutert. Für die Zwecke dieser
Hausarbeit wird eine und dieselbe DP analysiert, die aber im Satz unterschiedliche Funktionen erfüllt : 1. als Attribut ( Unterklasse Apposition ); 2. als Prädikativum (Unterklasse Objektsprädikativ ); und 3. als Adverbialbestimmung ( Unterklasse prädikatives
Attribut ): Ich als Künstler – Ich sage dir das als Künstler – Ich nenne mich Künstler
Diese drei Propositionen werden als Basis dienen, um Abgrenzungskriterien zwischen den oben aufgeführten syntaktischen Relationen zu analysieren und vorzuschlagen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Fragestellung
Der Begriff des Attributs
Apposition : Ich als Künstler...
Prädikativum : Ich nenne mich Künstler
Valenz
Prädikatives Attribut : Ich sage dir das als Künstler
Schluss
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung der attributiven Relation in der traditionellen Satzgliedlehre, indem sie durch einen Vergleich verschiedener Grammatiken die Widersprüche zwischen Struktur und Funktion beleuchtet. Ziel ist es, die Abgrenzung von Attributen, Appositionen, Prädikativen und adverbialen Bestimmungen anhand einer zentralen Forschungs-DP zu präzisieren und Grenzfälle theoretisch einzuordnen.
- Analyse der attributiven Relation in der Satzgliedlehre
- Unterscheidung von Apposition, Prädikativum und prädikativem Attribut
- Untersuchung von Struktur- und Funktionswidersprüchen bei Attributionen
- Rolle der Valenztheorie bei der syntaktischen Klassifikation
- Semantische versus syntaktische Abgrenzungskriterien
Auszug aus dem Buch
Der Begriff des Attributs
In der traditionellen Satzgliedlehre wird das Attribut als „Satzgliedteil“ bezeichnet, d.h. das Attribut bestimmt den Gliedkern näher ( gegebenenfalls in hierarchischer Stellung : Attribut 1., 2., ...Grades ). Der Begriff der „näheren Bestimmung“ wird als eine Annahme der Satzgliedlehre über den Prozess des Satzverstehens aufgefasst. Die Bedeutungen der Wörter werden nicht einfach addiert, sondern jeweils eine Bedeutung wird als Merkmal in die andere inkorporiert. Zu dem zugrundeliegenden Ansatz der hierarchischen Konstituentenstruktur kommt der Gesichtspunkt der Dependenz hinzu – Dependens bestimmt Regens näher.
Die Relation Gliedkern – Attribut ist eine syntaktische Relation in Bezug auf Wortgruppen unterhalb der Satzebene. In der traditionellen Satzgliedlehre wird das Attribut syntaktisch folgendermaßen definiert : es bezieht sich auf den Gliedkern, aber nicht auf das finite Verb, nicht auf den infiniten Bestandteil des verbalen Prädikats, nicht auf den Infinitiv der Infinitivkonstruktion und nicht auf das Partizip der Partizipialkonstruktion. Diese Bedingungen unterscheiden das Attribut von den restlichen Satzgliedern, ( z.B. Abgrenzung Attribut- AB ), an diesen Abgrenzungskriterien hält sich auch diese Hausarbeit .
Becker (1870) sieht die Satzbildung als „eine Entwicklung“ an, analog zur genetischen Evolution eines Organismus. Das attributive , so wie das objektive Satzverhältnis hat sich aus dem prädikativen entwickelt. Er gibt folgende Definition des Begriffs : „Ein Attribut ist ein Tätigkeitsbegriff der mit dem Begriff eines Seins zu einem Begriff Sein verbunden ist“. Das attributive Satzverhältnis ist aus einem prädikativen Satzverhältnis hervorgegangen, in dem das Subjekt zum Beziehungswort und das Prädikat zum Attribut wird, z.B. : präd. Satzverhältnis : Die Katze ist faul; - attribut. Satzverhältnis : eine faule Katze; . Dem attributiven Satzverhältnis liegt ein „Urteil“ zugrunde, es drückt aber selbst den Akt des Urteilens ebenso wenig aus, als ein Substantiv, z.B. „Säugling ( ein saugendes Kind )“, „Erzieher ( ein erziehender Mann )“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die zentrale Rolle des Attributs in der Satzgliedlehre und die Problematik der deskriptiven Definitionen.
Fragestellung: Darstellung der methodischen Untersuchung der attributiven Relation durch einen Vergleich unterschiedlicher Grammatiken anhand einer Test-DP.
Der Begriff des Attributs: Theoretische Grundlegung des Attributbegriffs als nähere Bestimmung und Abgrenzung von anderen Satzgliedern.
Apposition : Ich als Künstler...: Analyse der Apposition als schwieriges Abgrenzungsproblem unter Berücksichtigung von Kongruenz und Referenzidentität.
Prädikativum : Ich nenne mich Künstler: Diskussion über Gleichsetzungsnominative und -akkusative sowie deren funktionale Einheit mit dem Prädikat.
Valenz: Erläuterung der Ergänzungsbedürftigkeit von Verben und deren Bedeutung für die syntaktische Klassifikation von Attributen.
Prädikatives Attribut : Ich sage dir das als Künstler: Untersuchung von adjektivischen Adverbien, die sich doppelt auf Verb und Nominalphrase beziehen.
Schluss: Zusammenfassung der Erkenntnisse über das widersprüchliche Verhältnis von Struktur und Funktion bei Attributionen.
Schlüsselwörter
Attribut, Satzgliedlehre, Apposition, Prädikativum, Valenz, Syntax, Semantik, Gliedkern, Dependenz, prädikatives Attribut, Satzgliedteil, Kongruenz, Sprachwissenschaft, Grammatiktheorie, Attribution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und Anwendung der attributiven Relation in der traditionellen Satzgliedlehre und untersucht kritisch die Abgrenzung zum Prädikativum und prädikativen Attribut.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die syntaktische Struktur von Attributionen, das Konzept der Apposition, die Valenztheorie sowie die semantischen Kriterien bei der Unterscheidung von Satzgliedern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse der Widersprüche zwischen Struktur und Funktion bei der Attribution und das Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten für syntaktische Grenzfälle.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen diachronen und synchronen Vergleich verschiedener deskriptiver Grammatiken sowie eine strukturelle Analyse anhand einer konsistenten Beispiel-DP.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Appositionen, Prädikativen und prädikativen Attributen unter Einbeziehung von Valenzaspekten und der Abgrenzung zu adverbialen Bestimmungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Attribut, Apposition, Prädikativum, Valenz, Syntax, Gliedkern und Attribution.
Was bedeutet „abgerückte Apposition“ im Kontext der Arbeit?
Dies bezieht sich auf Appositionen, die durch Satzglieder vom Bezugswort getrennt sind, was die syntaktische Identifizierung und Zuordnung erschwert.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Attribut und Prädikativum?
Die Unterscheidung erfolgt maßgeblich über die Valenz (valenzgefordert vs. nicht valenzgefordert) und die syntaktische Fügungspotenz in Bezug auf das Prädikat.
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- Hristina Doneva (Author), 2003, Die attributive Relation in der traditionellen Satzgliedlehre und Abgrenzungskriterien des Attributes von dem Prädikativum und dem prädikativen Attribut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27475