Die Geschichte der Gottesbeweise

Inkl. Erläuterung eines aktuellen Gottesbeweises von Robert Spaemann


Studienarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – „Gottesbeweise“

2. Definition des Begriffs „Gottesbeweis“

3. „Gottesbeweise“ von der Antike bis zur Gegenwart
3.1. Gottesbeweise von Platon (428/427-348/347 v.Chr.) und Aristoteles (384-322 v.Chr.)
3.2 Der „Gottesbeweis“ von Anselm von Canterbury (1033-1109)
3.3 Der „Gottesbeweis“ von Thomas von Aquin (1225-1274)
3.4 Die Wette von Blaise Pascal als Glaubensbegründung (1623-1662)
3.5 Der „Gottesbeweis“ von Immanuel Kant (1724-1804)

4. Ein „Gottesbeweis“ mit heutiger Aktualität
4.1 Spaemann (geb. 1927) und sein „letzter Gottesbeweis“
4.2 Der grammatikalische „Gottesbeweis“ durch das „Futurum exactum“
4.3 Die Überzeugungsfähigkeit des „Gottesbeweises“ von Spaemann

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis:

1.Einleitung – „Gottesbeweise“

„Forscher beweisen die Existenz Gottes am Computer“.[1] Mit dieser überraschenden Überschrift beginnt der Artikel der renommierten Zeitung „Die Welt“ im Oktober 2013. Diese Publikation beschäftigt sich mit der Aussage, dass Forscher der FU Berlin und TU Wien mit Hilfe eines logisch aufgebautenComputerprogammes die Existenz Gottes bewiesen hätten. Im Laufe des Artikels werden zwar auch die Schwachstellen dieses Beweises dargestellt; dasNachhaltige an dieser Veröffentlichung ist aber die Erkenntnis, dass auch der hochtechnisierte Mensch unserer Zeit immer noch nach Beweisen für die Existenz Gottes sucht.Hinterallem Suchen und Beweisen steht auch heute noch die brennende Frage des Menschen nach dem letzten Geheimnis, dem tiefsten Grund und dem Sinn des Ganzen, nach dem Absoluten, nach Gott.[2] Das Suchen nach „Gottesbeweisen“ scheint also in dieser Zeit trotz aller Technik und allen Fortschritts ein aktuelles Thema zu sein. Gab es eine Suche nach „Gottesbeweisen“ auch in den vergangenen Jahrtausenden? Hat diese Frage auch in den vergangenen Zeiten Menschen bewegt, oder glaubte man, ohne zu hinterfragen, an Gott? Diese Fragestellungen verfolgt die Hausarbeit ebenso wie die Thematik, ob ein aktueller „Gottesbeweis“ den heutigen Menschen überzeugen kann.

2. Definition des Begriffs „Gottesbeweis“

Ein Beweis ist eine Begründung und Bestätigung für eine geäußerte Behauptung. Es ist also der Nachweis und der Beleg, dass etwas zu Recht behauptet werden kann. Heutzutage spricht man von Beweisen allerdings hauptsächlich im naturwissenschaftlich-mathematischen oder juristischen Bereich. Setzt man nun die gleichen Methodendieser beiden Bereiche der Wissenschaft auch bei „Gottesbeweisen“ an, so müsste konsequenter Weise am Ende eines erfolgreichen Beweises die Existenz Gottes zweifelsfrei nachgewiesen sein. Diese schlüssige Aussagekraft haben jedoch die sogenannten „Gottesbeweise“ nicht, da sie nicht zwingend logisch sind. Deshalb ist die Bezeichnung „Gottesbeweis“ eine fragliche Formulierung. Viel eher handelt es sich um eine Erhellung des Glaubens auf Vernunftebene. Es wird mit „Gottesbeweisen“ versucht, Erkenntnisgründe aufzuweisen, aus denen sich die Berechtigung der Bejahung des Daseins Gottes ergibt.[3] Anders formuliert: Ein„Gottesbeweis“ ist ein Versuch, mit Hilfe der Vernunft zu zeigen, dass es nicht unvernünftig ist, an Gott zu glauben.[4]

3.„Gottesbeweise“ von der Antike bis zur Gegenwart

Wenn man die Geschichte der„Gottesbeweise“ näher betrachtet, zeigt sich, dass es verschiedene theologische und philosophische Herangehensweisen an dieses Thema gibt. Die nächsten Kapitel sollen zum einen verschiedene Theorien darlegen und zum anderen zeigen, wie intensiv der Mensch sich in der Geschichte mit der Glaubensbegründung durch „Gottesbeweise“ beschäftigt hat und es bis heute tut. Bei allen „Beweisen“ sind grundsätzlich immer auch das Umfeld und die damalige Zeit zu betrachten. Nur so erschließt sich dem Menschen der Gegenwart der Zugang zu den einzelnen „Gottesbeweisen“.Eine chronologischesowieexemplarische Betrachtung unterschiedlicher„Gottesbeweise“ soll nun folgen.

3.1. Gottesbeweise von Platon (428/427-348/347 v.Chr.) und Aristoteles (384-322 v.Chr.)

Das Bemühen, die Existenz Gottes aufzuzeigen, gibt es schon seit Beginn der abendländischen Philosophie. Hier gilt es jedoch zunächst den Gottesbegriff in der Antike näher zu erläutern. Es handelt sich um einen philosophischen Gottesbegriff, nicht den eines geoffenbarten Gottes, wie ihn das Christentum versteht. In der Zeit der vorchristlichen griechischen Philosophen war der Gottesbeweis der Schlusspunkt des dargelegten philosophischen Systems.[5] Einer der bekanntesten Philosophen der griechischen Antike ist Platon (428/427 v.Chr.-348/347 v.Chr.). Basis seiner Überlegungen ist die sogenannte „Ideenlehre“, in der er aussagt, dass unsere Gedanken über das Wahre, Gute und Schöne notwendigerweise Abbilder der göttlichen Gedanken sind. „Die Tatsache der menschlichen Erkenntnis und ihrer Transzendierfähigkeit zum absoluten Wahren, Guten und Schönen beweist also philosophisch die Existenz Gottes als oberste Wahrheit, Güte und Schönheit“.[6] Die Gedankengänge Platons kann man somit als ersten philosophischen „Gottesbeweis“ bezeichnen, die viele nachkommende Generationen zu neuen Theorien, Gott zu beweisen, anregten.Aristoteles (384 v.Chr.-322 v.Chr.), der ein Schüler Platons war, löst sich inhaltlich von seinem Lehrer Platon und entwickelt eine eigene Gedankenwelt zur Frage, ob es ein höheres Wesen gibt. In seinem Werk „Metaphysik“ geht er auf die kosmologische, also erfahrbare Ebene über, und äußert, dass es Eines gibt, das selbst unbewegt anderes bewegt, ein Ewiges, ein ganz und gar reines Sein.[7] Aristoteles geht davon aus, dass es ein erstes Prinzip gibt, also einen ersten Impulsgeber, von welchem die Bewegung ausgeht, und den er sichohne Materialität und raumlos vorstellt. Diese Merkmale ordnet er Gott zu, den er wie folgt definiert:„Gott ist das ewige, absolut vollkommene Lebendige, und ihm kommt mithin ein zeitloses ewiges Leben und Dasein zu“.[8] Aristoteles Überlegungen zum ersten unbewegten Beweger werden in der weiteren Geschichte vor allem von Thomas von Aquin (siehe Abschnitt 3.3)als Grundüberlegung aufgegriffen.

3.2 Der „Gottesbeweis“ von Anselm von Canterbury (1033-1109)

Im 11. Jahrhundert entwickelte sich die frühe Scholastik, eine wissenschaftliche Denkweise der Beweisführung, die auf Vernunft und Logik basierte. Diese neue wissenschaftliche Herangehensweise war der Beginn der sogenannten „klassischen Gottesbeweise“, wobei hier der Versuch unternommen wurde, die Existenz Gottes auf der Basis der Vernunft zu beweisen. Als Urvater dieser Scholastik gilt der Benediktinermönch und Kirchenlehrer Anselm von Canterbury. In seiner berühmten Schrift „Proslogion“ beschäftigt er sich eingehend mit dem „Gottesbeweis“, dem in dieser Schrift sogenannten „unumargumentum“, dem „einen Argument“. Anselm versucht hierbei die Existenz Gottes mit rationalen und logischen Schlussfolgerungen zu begründen. Diese Argumentationskette kann man in drei Schritte einteilen. Zunächst definiert er Gott mit folgendem Satz:„Ein höheres Wesen als Gott gib es nicht, nicht einmal als gedankliche Möglichkeit“[9]. In einem zweiten Schritt kommt er zur Feststellung, dass der Gottesbegriff im Verstand existent ist: „Was einer denkt, das ist in seinem Denken.“[10] Der dritte Gedankengang von Anselm lautet: „Wenn etwas sowohl im Verstand wie auch in der Wirklichkeit existiert, ist es „größer“ und vollkommener, als wenn es allein im Verstand existiert“.[11] Daraus folgert er, dass das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht nur im Verstand, sondernauch in der Wirklichkeit sein muss.[12] Diese grundsätzliche Feststellung formuliert Anselm von Canterbury, der ein tiefgläubiger Mensch war, in einem Gebet mit der abschließenden Erkenntnis: „Und das bist Du, Herr, unser Gott“.[13] Die Anselm von Canterbury klar erscheinende Argumentationskette, welche sich anlehnt an die bereits ausgeführten philosophischen Gedanken Platons, muss sich aber bereits kurze Zeit später großer Kritik aussetzen. Die Schwachstelle dieser, später auch „ontologischer Gottesbeweis“ genannten Schlussfolgerung, die auch durch Thomas von Aquin in Frage gestellt wurde, ist die Tatsache, dass er die Dimension des Denkens mit der Wirklichkeit verbindet. Anselm setzt also in einem Axiom die Existenz Gottes voraus und versucht den Glauben an ihn zu beweisen.[14]

[...]


[1] Norbert Lossau, Die Welt, Forscher beweisen Existenz Gottes am Computer, http://www.welt.de/wissenschaft/article120995923/Forscher-beweisen-Existenz-Gottes-am-Computer.html (02.02.2014)

[2] Vgl. Prof. Dr. A. Franz, Religion und die Frage des Menschen nach Gott, GK (LB 2), Hrsg. von Theologie im Fernkurs, Würzburg, Aufl. 2009, Seite 41

[3] Vgl. Lexikon für Theologie und Kirche, Hrsg. W. Kapser, Band 4, Freiburg (Herder), 3. Auflage, Sonderausgabe 2009, Seite 879

[4] Vgl. Theologie im Fernkurs http://www.fernkurs-wuerzburg.de/index.php?option=com_glossary&Itemid=220&catid=25&func=display&search=Gottesbeweis&search_type=1 (02.02.2014)

[5] Vgl. Nele Finsterbusch, Der Gottesbeweis des Aristoteles, http://archiv.sicetnon.org/artikel/historie/nele.htm (15.02.2014)

[6] Max Auer, Vorbereitung auf das Abitur –Katholische Religionslehre-, Stuttgart (Manz Verlag), 5. Auflage 2004, Seite 39

[7] Vgl. Aristoteles, Metapyhsik, Hrsg. Michael Holzinger, Berlin (Holzinger), 2013, Seite 154

[8] Aristoteles, Metapyhsik, Hrsg. Michael Holzinger, Berlin (Holzinger), 2013, Seite 156

[9] Prof.Dr. S Wiedenhofer, Glaubensbegründung , AK (LB 2), Hrsg. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Aufl. 2010, S.33

[10] Prof.Dr. S Wiedenhofer, Glaubensbegründung, AK (LB 2), Hrsg. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Aufl. 2010, S.33

[11] Prof.Dr. S Wiedenhofer, Glaubensbegründung, AK (LB 2), Hrsg. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Aufl. 2010, S.33

[12] Vgl. Prof. Dr. A. Franz, Religion und die Frage des Menschen nach Gott, GK (LB 2), Hrsg. von Theologie im Fernkurs, Würzburg, Aufl. 2009, Seite 45

[13] Prof. Dr. A. Franz, Religion und die Frage des Menschen nach Gott, GK (LB 2), Hrsg. von Theologie im Fernkurs, Würzburg, Aufl. 2009, Seite 45

[14] Vgl. Prof. Dr. A. Franz, Religion und die Frage des Menschen nach Gott, GK (LB 2), Hrsg. von Theologie im Fernkurs, Würzburg, Aufl. 2009, Seite 45

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Details

Titel
Die Geschichte der Gottesbeweise
Untertitel
Inkl. Erläuterung eines aktuellen Gottesbeweises von Robert Spaemann
Hochschule
Katholische Akademie Domschule Würzburg
Veranstaltung
Aufbaukurs
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V274797
ISBN (eBook)
9783656668091
ISBN (Buch)
9783656668084
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottesbeweis, Spaemann, Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury, Blaise Pascal, Imanuel Kant, Aristoteles, Platon
Arbeit zitieren
Petra Hohmann-Balzer (Autor), 2014, Die Geschichte der Gottesbeweise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274797

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