Unterrichtsstunde: Preisbildung im Angebotsoligopol


Unterrichtsentwurf, 2008

28 Seiten, Note: 1


Leseprobe

1 Planungsrelevante Faktoren

1.1 Schülerbezogene Planungsfaktoren

Meine zweite unterrichtspraktische Übung[1] findet im Fach „Handeln im Betrieb und in der Gesamtwirtschaft[2] im Lernfeld 13 „Wirtschaftliche Einflüsse auf den Versicherungsmarkt analysieren und beurteilen“ in der Individualversicherungsklasse XXX statt. Die Klasse setzt sich aus 27 Schülerinnen und Schülern[3] zusammen, die in ihrem ersten Ausbildungsjahr zum Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen den ersten Berufsschulblock absolvieren. Die Schülerinnen und Schüler sind im Alter zwischen 17 und 25 Jahren und haben bis auf vier Schüler die allgemeine Hochschulreife. Die Klasse hat wöchentlich 6 Schulstunden BuG.

Das Leistungsniveau und die Lernfähigkeit der Schüler bewerte ich, gestützt auf meine bisherigen Unterrichtsstunden, als gut. Obwohl die Schüler sich in dieser Zusammensetzung erst seit 2 Wochen kennen, stufe ich ihr Verhalten untereinander als sehr unterstützend und offen ein. Für die Schüler ist die Situation einer upÜ neu.

1.2 Lehrerbezogene Planungsfaktoren

Im Rahmen meines eigenverantwortlichen Unterrichts bin ich in dieser Klasse seit dem 27. Oktober 2008 eingesetzt. Dadurch, dass ich erst seit 2 Wochen mit der Klasse zusammenarbeite, haben sich die von mir angestrebten Rituale noch nicht vollständig eingespielt. Die Schüler sind mir gegenüber freundlich und aufgeschlossen und ich fühle mich von ihnen als Lehrkraft akzeptiert.

1.3 Organisatorische Planungsfaktoren

Der Unterricht findet in der zweiten Unterrichtsstunde in der Zeit von 8:30 Uhr bis 9:15 Uhr statt. Die upÜ findet außerhalb des regulären BuG-Unterrichts statt. Ein Kollege stellt mir freundlicherweise seine Stunden für die upÜ zur Verfügung.

Da der reguläre Klassenraum zur Umsetzung des Planspiels zu wenig Platz bietet, habe ich mich entschieden, einen größeren Raum für die upÜ zu nutzen, der auch medial besser ausgestattet ist.

2 Entscheidungen

2.1 Makroebene

2.1.1 Legitimation des Unterrichts und grundsätzliche Absichten

Der Rahmenlehrplan für das Fach BuG enthält das Lernfeld 13 „Wirtschaftliche Einflüsse auf den Versicherungsmarkt analysieren und beurteilen“.[4] Im Rahmen dieses Lernfelds analysieren die Schüler wirtschaftliche Entwicklungen und beurteilen deren Auswirkungen auf die Versicherungsbrache, das Unternehmen und die eigene Person. Im Teil „Markt und Preis“ lernen sie die Einflussfaktoren für die Preisbildung im Rahmen von unterschiedlichen Marktformen kennen.

Abgesehen vom Rahmenlehrplan ist das Thema Preisbildung für die Schüler in ihrem späteren Berufsleben von großer Relevanz. Im Zuge der einfacheren Vergleichbarkeit der Versicherungsprämien im Internet[5] wird dieses Thema als Entscheidungskriterium vieler Kunden immer wichtiger, so dass die Schüler diesen Prozess im Rahmen eines Planspiels einmal selbst erfahren sollten. Hierbei lernen die Schüler die ökonomische Sichtweise des Versicherungsunternehmens (Gewinnmaximierung) und der Kunden (Nutzenmaximierung) kennen, die beide eine große Bedeutung für ihr späteres Berufsleben und ihre Rolle als Verbraucher haben.

2.1.2 Einbettung in den laufenden Unterricht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Mikroebene

2.2.1 Didaktische Reduktion

Die Preisbildung im Oligopol betrachte ich anhand eines Dyopols (zwei Anbieter, viele Nachfrager) da strategische Verhaltensweisen bereits bei zwei Anbietern erfahrbar werden und eine Ausweitung auf zahlreiche Anbieter die Komplexität des Planspiels ohne zusätzlichen Nutzen erhöhen würde.

Weiterhin gehe ich von einer Tierhalterhaftpflichtversicherung aus, die weder nach Hunderasse, Laufzeit oder Deckungssumme differenziert, um gleiche Voraussetzungen für beide Anbieter zu schaffen, die für die Schüler ohne Berücksichtigung von Sonderbedingungen vergleichbar sind. Zur weiteren Vereinfachung unterstelle ich für beide Anbieter gleiche variable und fixe Kosten, um von den Schülern keine Differenzierung der Kostenstruktur zwischen den Anbietern zu verlangen.

Ich habe die Methode eines Planspiels gewählt, welches per se eine Vereinfachung ökonomischer Zusammenhänge darstellt, da meine bisherigen Unterrichtserfahrungen gezeigt haben, dass es dem Großteil der Schüler schwer fällt, volkswirtschaftliche Modelle abstrakt nachzuvollziehen.

2.2.2 Stundenlernziel

Die Schüler kennen die strategischen Interaktionen von Angebotsoligopolisten und deren Auswirkungen auf den Markt. Dabei ist ihnen bewusst, dass die Preisfestsetzung eines Oligopolisten auch immer von dem Verhalten der anderen Anbieter abhängt.

2.2.3 Einzellernziele

Die Schüler erweitern und stärken ihre

Fachkompetenz, indem sie

- Strategien eines Angebotsoligopolisten kennen
- mögliche Auswirkungen der Preisfestsetzung auf die eigene Absatzmenge und die der Konkurrenten prognostizieren.

Methodenkompetenz, indem sie

- ein Planspiel durchführen.

Personal- und Sozialkompetenz, indem sie

- durch die Simulation der Verhaltensweisen eines Angebotsoligopolisten und weiterer Marktteilnehmer ihre berufliche und private Handlungskompetenz stärken.
- - Gruppenergebnisse dem Plenum präsentieren.

3 Unterrichtsverlauf

3.1 Phasierung

Einstieg

Inhalt und Vorgehensweise

Nach der Begrüßung der Gäste wird eine Einstiegsfolie aufgelegt, die die Marktform des Angebotsoligopols abbildet. Die Schüler geben eine begründete Einschätzung der dargestellten Marktsituation.

Begründung

Anhand der Folie üben die Schüler einerseits die Zuordnung von Marktsituationen zu einer Marktform und andererseits dient dieser Einstieg als Impuls für erste spontane Redeanlässe, die die Schüler aus der ungewohnten und möglicherweise angespannteren upÜ-Situation gedanklich entlassen sollen.

Spielvorbereitung

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase stelle ich den Schülern das Planspiel „Preisbildung im Oligopol“[6] vor, indem ich die Ausgangssituation, die Spielregeln und den Spielablauf mit Hilfe einer Visualisierung am OHP erläutere. Im Anschluss werden die verschiedenen Rollenkarten per Losverfahren verteilt.

Begründung

Die Spielregeln und der Spielablauf wird am OHP visualisiert, um das Verständnis der Schüler zu fördern. Die Rollen werden ausgelost, um wechselnde Arbeitsgruppen im Verlauf des Blockes zu gewährleisten.

Erarbeitungsphase I

Inhalt und Vorgehensweise

Die Anbieter legen an jedem Handelstag gemäß ihrer Rollenkarten die Preise fest und veröffentlichen diese gleichzeitig an der Metaplanwand. Im Anschluss entscheiden die Nachfrager unter Berücksichtigung ihrer Präferenzen, bei welchem Anbieter sie nachfragen und kleben bei diesem einen Punkt an die Metaplanwand. Die Nachfrager tauschen nach jedem Handelstag untereinander ihre Rollenkarten.

Begründung

Durch die Methode des Planspiels erfahren die Schüler die Handlungsalternativen und ihre Auswirkungen eines Angebotsoligopolisten selbst. Durch Veröffentlichen der Preise, nachgefragten Mengen und des Gewinns vollziehen die Schüler die Folgen verschiedener Preisfestsetzungen anhand eines Beispiels nach. Somit wird die Abstraktheit eines Preisbildungsprozesses von Angebotsoligopolisten reduziert. Es werden mehrere Handelstage gespielt, um strategische Überlegungen und Interpendenzen zwischen den Angebotsoligopolisten zu verdeutlichen. Die Nachfrager tauschen nach jedem Tag ihre Rollenkarten, um Monotonie zu vermeiden und unterschiedliche Präferenzen kennen zu lernen.

Auswertungsphase

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase berechnet der Controller der beiden Anbieter ihren jeweiligen Gewinn oder Verlust und teilt mir das Ergebnis mit, welches an der Metaplanwand veröffentlicht wird. Im Anschluss erläutert jedes Anbieterteam kurz seine Preisfindungsstrategie.

Begründung

Der Gewinn jedes Planspielunternehmens wird errechnet und visualisiert, um die Auswirkungen der Preisbildungsprozesse auf den Unternehmenserfolg zu verdeutlichen. Jeder Anbotsoligopolist erläutert Preisfindungsstrategien, um Interdependenzen und grundsätzliche Absichten (ruinöser Preiskampf, friedliches Verhalten) zu verdeutlichen. Durch dieses Vorgehen denken die Schüler im weiteren Vorgehen in Alternativen. Weiterhin vermitteln die Anbieter in dieser Phase den Nachfragern und dem Konkurrenten ihre auf eigene Erfahrungen gestützten Erkenntnisse, wodurch Inputs von Schülerseite initiiert werden.

Erarbeitungsphase II

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase werde die Schüler in 4 Gruppen geteilt. In je 2 arbeitsgleichen Gruppen werden grundsätzliche Verhaltensweisen eines Angebotsoligopolisten mit Hilfe einer Matrix abstrahiert.

Begründung

Die Matrix dient als Ergebnissicherung der zuvor im Planspiel selbst erfahrenen Prozesse. Die Schüler wenden einen höheren Abstraktionsgrad an und überprüfen so ihr Verständnis. Es wird einerseits arbeitsteilig gearbeitet (Anbieter A senkt/erhöht den Preis), um Redundanz in der Erarbeitungsphase zu vermeiden. Andererseits gibt es je eine arbeitsgleiche Gruppe, die als Kontrollgruppe die Ergebnisse der zugehörigen Gruppe überprüft.

Präsentationsphase

Inhalt und Vorgehensweise

In dieser Phase lose ich je eine Gruppe aus, die die von der jeweiligen Gruppe entwickelten Ergebnisse präsentiert. Eventuelle Verständnisschwierigkeiten und Ergänzungen der Kontrollgruppen werden im Lehrer-Schüler-Gespräch geklärt.

Die Präsentationsergebnisse werden von mir nach der Stunde fotografiert.

Begründung

Die Schüler lernen, eine getroffene Entscheidung vor Publikum zu präsentieren und zu begründen. Die Ergebnisse der Kontrollgruppen werden wertgeschätzt, indem sie die Resultate überprüfen.

Ich fotografiere die Ergebnisse, um den Schülern in der nächsten Stunde alle Arbeitresultate als Kopien zur Verfügung zu stellen und somit die Ergebnisse zu sichern.

[...]


[1] Im Folgenden als upÜ abgekürzt.

[2] Im Folgenden als BuG abgekürzt.

[3] Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Folgenden für beide Geschlechter die Bezeichnung „Schüler“ verwendet.

[4] vgl. Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Bildung und Sport (2006): Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Kaufmann für Versicherungen und Finanzen/ Kauffrau für Versicherungen und Finanzen, S. 21.

[5] z.B. http://www.tarifchecks.de/

[6] Das Planspiel wurde in Anlehnung an „Planspiel Simexc“(2002, Harret Hartmann), „Planspiel Macro“ (2004, Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V.) und „Planspiel Tanken“ (1999, Sparkassen Schul-Service) entwickelt.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Preisbildung im Angebotsoligopol
Hochschule
Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V274899
ISBN (eBook)
9783656688785
ISBN (Buch)
9783656688754
Dateigröße
654 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsstunde, preisbildung, angebotsoligopol
Arbeit zitieren
Stephanie Hilbert (Autor), 2008, Unterrichtsstunde: Preisbildung im Angebotsoligopol, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274899

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