Das Tabu. Geschichte und Theorien


Hausarbeit, 2002

14 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Historischer Hintergrund

II. Der Begriff
Das Wort
Der Gebrauch

III. Theorien um das Tabu
Tabu als negative Magie ( J. G. Frazer)
Tabus als Symptombilder einer Neurose (S. Freud)
Tabu – Das Heilige und das Unreine (W. Wundt)

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Tabu ist einer der wenigen Begriffe, der nahezu in allen europäischen Gefilden Einklang gefunden hat. Beachtenswert ist dabei, dass dieses Wort aus der Sprache eines Naturvolks entlehnt ist. Um das späte 19. Jahrhundert kam es in die ’hoch zivilisierte Welt’. Es kommt aus dem Polynesischen.

Ähnlich erging es auch dem Wort Totem aus dem Indianischen. Dieses wird jedoch fast ausschließlich nur im Bereich ethnologischer Schilderungen benutzt. Im Gegensatz dazu hat das Wort Tabu aber seinen ‚Siegeszug’ auch im öffentlichen Leben fortgesetzt.

Man braucht nicht lange recherchieren um das Wort Tabu in Zeitungsartikeln zu finden.

In der FAZ findet man z.B. 119 Suchergebnisse zu diesem Begriff. Und dies in den unterschiedlichsten Bereichen.[1] Von Politik, über Sport, Forschung, Wirtschaft, Freizeit u.a.

Die Süddeutsche Zeitung bietet 115[2] und der Focus immerhin noch 19[3] Ergebnisse.

Man könnte dies sicher weiter führen. Doch wichtiger erscheint eher die Frage, was bedeutet dieses universal anwendbare Wort eigentlich und wo liegen seine Ursprünge.

In dieser Hausarbeit soll dieses Wort hinter dem religionswissenschaftlichen Hintergrund beleuchtet werden. Dazu wird erst mal auf den Begriff an sich eingegangen, bevor ich einige Theorien um diesen aufzuzeigen versuche.

Eine Frage, die hier vielleicht noch interessant wäre, ist vielleicht die, in wie fern Tabu heutzutage immer noch mit Religion oder deren Erscheinungen zusammenhängt.

Diese jedoch endgültig beantworten zu können, möchte ich eher bezweifeln.

I. Historischer Hintergrund

Durch die Reiseberichte des Kapitän J. Cook wurde der Begriff Tabu erstmalig in die wissenschaftliche Literatur eingeführt. Dieser befand sich 1777 auf seiner dritten Reise auf der Insel Mangaia. Tabu diente ihm als Leitzeichen bei seiner Erörterung rechtlicher Verhältnisse verschiedener Inselstaaten.

Hierbei wird auch schon erstmalig die normative Erscheinungsform des Wortes deutlich.

In die ethnologische Religionswissenschaft kam das Wort und auch die Sache dann wohl durch L. Marillier (1896) hinein. Es wurde dann sobald neben das von R.H. Codrington aus dem Melanesischen näher bekannt gemachte Mana (1891) gestellt.

1909 sprach dann R.R. Marett von einer gewissen Tabu-Mana-Formel als einer Minimaldefinition der Religion. Sie bezeichnete als Mana die Kraft oder Macht, auf die sich ein religionsbildendes Gefühl richte und mit Tabu-Vorstellungen reagiere. Dies soll nach ihr eine frühe Entwicklungsstufe anzeigen, für die der Seelenglaube charakteristisch sei. Also den Präanimismus oder Animatismus.

M. P. Nilsson (1940) folgte da aber eher der Durkheim-Schule und beschrieb mit Mana etwas positives, das man anwenden solle und mit Tabu etwas negatives, das man vermeiden solle.

Wobei man wohl Mana hier mit dem positiven und Tabu mit dem negativen sacré bei Durkheim vergleichen kann.

P. Radin zeigte dann 1951, dass Mana nur eine von Denkern in Südseevölkern herausgearbeitete Abstraktion ist und von europäischen Forschern teils zu etwas Korrektem, teils zu etwas Undefinierbarem gemacht wurde. Für das Tabu heißt das, dass es dadurch beweglicher wird und von Zeit und Ort auch abhängig. D.h., dass man immer auch das Sozialsystem und die Mythologie des bestimmten Volkes hinterleuchten muss, um bestimmte Tabuierungen zu verstehen.

Dies scheint natürlich im Sinne der Vergleichenden Wissenschaft nur selbstverständlich.

II. Der Begriff

Das Wort

Das Wort Tabu wird im polynesischen Sprachgebrauch adjektivisch und substantivisch gebraucht. Das Verb dazu ist tabuieren. Man könnte es vielleicht in die Silben ‚Ta’ und ‚Pu’ trennen. ‚Ta’ bedeutet im polynesischen ‚markieren, bezeichnen’ und ‚Pu’ bedeutet ‚äußerst, überaus, außerordentlich’. Es könnte also letztendlich als das ‚außerordentlich Bezeichnende’ oder ‚nachdrücklich kenntlich Gemachte’ übersetzt werden. Manchmal wird es auch mit ‚Verbotensein’ oder ‚heilig’ (im Sinne Durkheims) übersetzt.

Der Gebrauch

Der Begriff wird auf Gegenstände, Orte, Personen, Zeiten, Tätigkeiten, Verhaltensweisen und auch sonst alles angewendet (hier vor allem transzendente Erscheinungen), was zu meiden oder sogar verboten ist. Im Hintergrund des Verbotes steht immer auch die Sanktionierung.

Es kann eigentlich auf alles und jeden angewendet werden. Es ist dabei nur wichtig, ob es einem gewissen Zweck dient. Diesen kann man versuchen durch das Allgemeinwohl als auch den Eigennutz, sowie durch das soziale Ansehen oder der Zugehörigkeit zu einer gewissen Bevölkerungsgruppe zu begründen

In der westlichen Welt wird vor allem eine allgemeine Auslegung des Begriffs verwendet. Man bezeichnet damit all dasjenige, dessen Thematisierung in der Gesellschaft durch ungeschriebene Regeln unterdrückt wird. Dies findet vor allem Anwendung in den Bereichen Sexualität, Tod oder Religion. Tabu steht für Meinungen, die Menschen blind befolgen, also ohne einen vernünftigen Grund dafür zu kennen.

Im weiteren Sinne kann man darin ein soziales Verbot oder eine Beschränkung sehen, die von gesellschaftlichen Systemen, in die man z.B. hinein geboren wird, sanktioniert werden kann. Es kann sogar eine Strafe (durch weltliche Institutionen) einschließen und sogar soweit gehen, dass es zu einer übertriebenen Gefahr von genetischem Schaden bei Nachfahren führen kann, wie es bei Inzest der Fall ist. Dieses Tabu wird natürlich in den meisten westlichen Ländern auch strafrechtlich verfolgt.

In einer anderen Definition kann man auch sagen, dass durch das Tabu die Welt in Bezug auf menschliches Handeln geordnet wird, in dem es versucht das individuelle und soziale (religiöse) Leben zu regeln. Durch Tabu ist also somit das Wohlergehen der Gesellschaft bzw. der weitere Fortbestand der Gemeinschaft als causa finalis in gewisser Weise abgesichert.

In der Religion steht zwar das Verbot im Vordergrund, es wird aber auch in übertragenem Sinne das ‚Heilige’ gemeint. Dies ist nämlich für das Profane unantastbar und deshalb ‚verboten’, also Tabu.

[...]


[1] Online-Suche auf www.faz.net, 05.02.02

[2] Online-Suche auf www.sueddeutsche.de, 05.02.02

[3] Online-Suche auf www.focus.de, 05.02.02

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Tabu. Geschichte und Theorien
Hochschule
Universität Leipzig  (Religionswissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Grundbegriffe der Systematischen Religionswissenschaft I
Note
bestanden
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V2749
ISBN (eBook)
9783638116596
ISBN (Buch)
9783656824671
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es geht um die Entstehung des Begriffs Tabu sowie einige Theorien um diesen (Freud, Fundt, Frazer) 129 KB
Schlagworte
Tabu, Grundbegriffe, Systematischen, Religionswissenschaft
Arbeit zitieren
Eric Maes (Autor), 2002, Das Tabu. Geschichte und Theorien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2749

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