Hohe Festigkeiten, wie sie wegen der zunehmenden Tendenz zum Leichtbau erforderlich sind, werden bei Stählen i.A. durch höhere Kohlenstoffgehalte und durch Bildung harter Gefügebestandteile wie Martensit oder Zwischenstufengefüge erzielt. Bei Stählen mit guter Schweißeignung versagen jedoch diese Mechanismen. Der Kohlenstoffgehalt muss, um gefährliche Aufhärtungen zu vermeiden, auf Anteile unter 0,2% begrenzt bleiben. Feinkornbaustähle mit guter Schweißeignung erhalten daher ihre hohe Festigkeit durch Zugabe von Legierungselementen (Mn, Si, Cr, Cu, Ni, Mo), die u. a. eine Legierungsverfestigung im Ferritmischkristall bewirken. Weitere Legierungselemente wie z.B. AI, Ti, Nb und V bilden schwer lösliche und kornwachstumshemmende Nitride bzw. Karbide. Ein besonders feinkörniges Gefüge ist die Folge, wodurch die Streckgrenze weiter erhöht und gleichzeitig die Kerbschlagarbeit verbessert wird. Weitere Optimierungen, insbesondere bezüglich der Festigkeit werden durch gezielte thermomechanische und Vergütungsbehandlungen erreicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung – Abgrenzung des Themas
2 Einteilung und Kennzeichen der Baustähle
2.1 Allgemeine unlegierte Feinkornbaustähle
2.2 Hochfeste mikrolegierte Feinkornbaustähle
2.3 Thermomechanisch behandelte Feinkornbaustähle
2.4 Vergütete Feinkornbaustähle
3 Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die physikalischen und gefügetechnischen Zusammenhänge, die zur Erzielung hoher Festigkeiten in modernen Baustählen führen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse verschiedener Stahlgruppen, deren Legierungskonzepten sowie den Fertigungsverfahren zur Optimierung von mechanischen Eigenschaften bei gleichzeitiger Erhaltung der Schweißeignung.
- Grundlagen der Gefügeumwandlung und Festigkeitssteigerung
- Mechanismen der Mikrolegierung bei Feinkornbaustählen
- Thermomechanische Behandlungsprozesse und deren metallkundliche Folgen
- Vergütungsverfahren zur Erreichung höchster Streckgrenzwerte
- Anwendungsrelevanz im Kontext von Leichtbau und Wirtschaftlichkeit
Auszug aus dem Buch
2.4 Vergütete Feinkornbaustähle
Wesentlich höhere Festigkeitskennwerte als bei den normalgeglühten, mikrolegierten und thermomechanisch behandelten Feinkornbaustählen lassen sich mit den vergüteten Feinkornbaustählen erzielen. Durch eine Schnellabkühlung von Walz- auf Haspeltemperatur (Sprühkühlung des Warmbandes) entsteht ein Bainit- oder Martensitgefüge, das in der Regel durch die Resthitze im Coil angelassen wird. Die Haspeltemperatur bewegt sich um etwa 600 °C. Die dann folgende langsame Abkühlung im Coil ermöglicht dem bis dahin schnell abgekühlten Stahl ein Anlassen des Abschreckgefüges sowie eine weitere Festigkeitssteigerung durch die Ausscheidung von Karbiden/Karbonitriden der Mikrolegierungselemente (s.o.).
Der bei diesem Fertigungsablauf entstehende Martensit besitzt wenig C und ist eher im oberen Temperaturbereich angelassen. Es sind Streckgrenzen bis zu etwa 1.100 MPa (in der Spitze moderner Vertreter dieser Stahlgruppe) bei gleichzeitig guter Zähigkeit möglich, (Bild 10). Beim Anlassen gehen zwar die Versetzungen und Verspannungen mit steigender Temperatur und Dauer zunehmend verloren, aber die Struktur bleibt extrem fein. Die Härtungswirkung der ausgeschiedenen Teilchen nimmt mit zunehmender Anlasstemperatur und -dauer infolge Koagulation ab (Ostwald-Reifung), woraus eine leichte Streckgrenzenverringerung resultiert aber gleichzeitig eine Zunahme von Verformbarkeit und Kerbschlagarbeit stattfindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung – Abgrenzung des Themas: Dieses Kapitel erläutert die Anforderungen moderner Industrien an Stahlwerkstoffe hinsichtlich Rationalisierung, Gewichtseinsparung und Leistungssteigerung.
2 Einteilung und Kennzeichen der Baustähle: Hier werden die werkstoffkundlichen Grundlagen, insbesondere die Temperaturabhängigkeit der Atomgitterstrukturen und deren Einfluss auf die Härtbarkeit, dargelegt.
2.1 Allgemeine unlegierte Feinkornbaustähle: Der Abschnitt behandelt Stähle mit Streckgrenzen zwischen 235 und 355 MPa, deren Eigenschaften maßgeblich vom Kohlenstoffgehalt und der Beruhigung mit Aluminium bestimmt werden.
2.2 Hochfeste mikrolegierte Feinkornbaustähle: Hier wird der Einsatz von Mikrolegierungselementen wie Vanadin, Niob und Titan zur Kornfeinung und Ausscheidungshärtung bei niedrigen Kohlenstoffgehalten beschrieben.
2.3 Thermomechanisch behandelte Feinkornbaustähle: Dieses Kapitel fokussiert auf die Abstimmung von Umformprozessen und Temperaturen, um durch gesteuerte Rekristallisationshemmung besonders feines Korn zu erzielen.
2.4 Vergütete Feinkornbaustähle: Der Abschnitt beschreibt die Erzeugung höchster Festigkeiten durch gezielte Schnellabkühlung und anschließendes Anlassen, was zu Streckgrenzen bis zu 1.100 MPa führt.
3 Ausblick: Es wird die zukünftige Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit von hochfesten Stählen durch das Zusammenwirken von Material-, Konstruktions- und Produktionskompetenz bewertet.
Schlüsselwörter
Stahlwerkstoffe, Baustähle, Feinkornbaustähle, Mikrolegierung, Streckgrenze, Gefügeumwandlung, Martensit, Schweißeignung, Thermomechanische Behandlung, Austenit, Karbide, Ausscheidungshärtung, Leichtbau, Werkstoffkunde, Festigkeitssteigerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die metallkundlichen Zusammenhänge zwischen Gefüge und Eigenschaften moderner Stahlwerkstoffe, wobei der Fokus gezielt auf hochfesten Baustählen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Legierungstechnik, die verschiedenen Härtungsmechanismen (wie Mischkristall- oder Ausscheidungshärtung) sowie die industriellen Herstellungsverfahren für unterschiedliche Festigkeitsklassen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, eine prägnante Übersicht über die Wechselwirkungen zwischen dem inneren Aufbau (Gefüge) von Stählen und ihren mechanischen Eigenschaften zu liefern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer werkstoffkundlichen Analyse, die den Vergleich von chemischen Zusammensetzungen, Zustandsdiagrammen und den Einfluss thermomechanischer Prozessparameter auf die mechanischen Kennwerte umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von allgemeinen unlegierten Baustählen, mikrolegierten Stählen, thermomechanisch behandelten Güten und schließlich den vergüteten Feinkornbaustählen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Feinkornbaustahl, Streckgrenze, Mikrolegierung, Schweißeignung, thermomechanische Behandlung, Martensit und Ausscheidungshärtung.
Warum ist der Kohlenstoffgehalt bei schweißgeeigneten Stählen kritisch?
Ein zu hoher Kohlenstoffgehalt führt bei schnellem Abkühlen in der Wärmeeinflusszone beim Schweißen zu spröden Härtungsgefügen, was das Risiko für Rissbildungen deutlich erhöht.
Welchen Vorteil bietet das thermomechanische Walzen gegenüber konventionellen Verfahren?
Durch die Unterdrückung der Rekristallisation während des Umformprozesses kann ein besonders feinkörniges Gefüge erzeugt werden, das gleichzeitig hohe Festigkeit und gute Zähigkeit bietet, ohne dass eine nachfolgende Normalglühung zwingend erforderlich ist.
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- Prof. Dr.-Ing, Dipl.-Wirt.-Ing. Norbert Jost (Author), 2004, Gefüge und Eigenschaften der Stähle mit besonderer Beachtung der hochfesten Baustähle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27495