Wird in der Geschichte über Diokletian gesprochen, so impliziert seine Figur auc h
immer den Weg des Römischen Reiches aus der sogenannten Krise des 3. Jahrhunderts.
Zu jener Zeit drohte ein Zusammenbruch des Reiches; Rom war geschwächt, denn
verschiedenste Probleme fraßen Löcher in das vormals so stabile System des
Weltreiches: Das Re ich sah im Dritten Jahrhundert viele Kaiser, die einander in kurzen
Regierungsperioden ablösten. Der militärische Druck auf die Grenzen wuchs stetig. 1 Die
äußere Schwäche des Reiches löste in der Zeit der Soldatenkaiser (235 n.Chr. –305 n.
Chr.) auch im Inneren ständige Umsturzversuche aus. Das ohnehin überbeanspruchte
Reich wurde weiter durch Bürgerkriege destabilisiert. Das Heer war zum einzigen und
absoluten Machtfaktor im Reich geworden. Legitimation als Herrscher erhielt, wer
militärischen Erfolg errang.2 Mit dem politischen ging auch der wirtschaftliche
Niedergang einher. Drastische Geldentwertung verlangte eine Währungskonsolidierung.3
Es ist daher leicht zu verstehen, dass man sich in Rom immer stärker nach Ruhe und
Ordnung und einer starken Führerha nd sehnte. Als schließlich Diokletian – der Letzte in
der Reihe der Soldatenkaiser - im Jahre 284 n. Chr. die politische Bühne Roms betrat,
wartete man dort schon lange auf den Mann, der es vermochte, die chaotischen
Verhältnisse im Reich wieder unter Kontrolle zu bringen. Eine einheitliche Religion und Götter, die dem Staat wohlgewogen waren, bildeten in der Anschauung der heidnischen Römer das Fundament für das Wohlergehen des Staates. Die Ehrfurcht vor den Göttern , die pietas, war während der Krise des Reiches
das Fundament der Wahrung und erneuten Herstellung der Ordnung Roms.4 Unter den
meisten Herrschern entsprach diese Vorstellung einer konsequenten religionspolitischen
Haltung, die auch zu konkreten Maßnahmen führte. Wie viele Andere im Reich wollte
auch Diokletian in den Christen die Wurzel all diesen Übels entdeckt haben. 5
Diese Einstellung sollte schließlich zur letzten großen Christenverfolgung des
Römischen Reiches führen. Im Verlauf meiner Arbeit soll konkret auf die Maßnahmen
eingegangen werden, die Diokletian gegen die Christen ergriff. 1 Martin, 1. 2 dtv-Atlas, 99-101. 3 Martin, 6. 4 Alföldy, 62. 5 Martin, 7.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Die Krise des 3. Jahrhunderts
II. Hauptteil: Die Regierungszeit des Diokletian
II.1 Der Herrschaftsantritt des Diokletian
II.2 Diokletian in der Geschichtsschreibung
II.3 Die restaurative Politik des Diokletian
II.4 Die Gründe für den Christenhass
II.5 Die Christenverfolgung bis Diokletian
II.6 Die Christenverfolgung unter Diokletian
II. 7 Eusebius´ Kirchengeschichte
II. 8 Das Ende der Christenverfolgung
III. Schluss: Das Christentum – von der verbotenen zur Staatsreligion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und den Verlauf der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian sowie deren historische Einbettung in die Krise des 3. Jahrhunderts. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Beweggründe des Kaisers für seine religionspolitischen Maßnahmen und die Auswirkungen dieser Verfolgung auf das Christentum im Römischen Reich.
- Die Krise des 3. Jahrhunderts als destabilisierender politischer und wirtschaftlicher Kontext.
- Die Reformpolitik Diokletians und die Einführung der Tetrarchie.
- Religiöse und soziokulturelle Ursachen für die Entstehung von Christenhass im römischen Alltag.
- Die Analyse der vier kaiserlichen Edikte gegen die Christen und deren unterschiedliche Umsetzung.
- Der Übergang des Christentums von einer verfolgten Minderheit zur anerkannten Religion.
Auszug aus dem Buch
II.4 Die Gründe für den Christenhass
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bedeutete die Religion für die Heiden viel mehr als nur den Glauben an ihre Götter. Die Religion implizierte Sicherheit, die Garantie für eine gesunde Gesellschaft und einen gesunden Staat. Doch die Motive für den Christenhass wurzelten ebenso in der religiösen Überzeugung, wie auch in der daraus resultierenden christlichen Religionsausübung. Es lassen sich die unterschiedlichsten Gründe finden, die mehr oder weniger gewichtende Auslöser für christenfeindliche Reaktionen waren.
Von Anfang an verstanden die Römer die christliche Lehre als Hetzte gegen den Staat. So ließ Pilatus Jesus kreuzigen, weil er sich als der „König der Juden“ bezeichnete und in den Augen der Heiden als solcher für einen Kampf gegen Rom eintrat. Anfängliche Gleichsetzung der Christen mit den Juden wich jedoch im Verlauf des zweiten Jahrhunderts schließlich einer Differenzierung der beiden Religionen. Doch man sah die Christen immer noch als Bedrohung und akzeptierte sie nicht als gleichberechtigt. Religiöses, politisches und gesellschaftliches Leben bildete im Reich die Einheit der res publica. Das führte zu heftigen Divergenzen. Die Christen grenzten sich bewusst aus dem kulturellen Leben des Reiches aus. Ihre Moralvorstellung und sittliche Lehre verbot es ihnen, an diversen Veranstaltungen der Heiden teilzunehmen. Das stieß den Heiden unweigerlich bitter auf, denn ihre Tradition war geprägt durch eine enge Verbindung der Religion mit dem öffentlichen Leben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Krise des 3. Jahrhunderts: Beschreibt den Zustand des Römischen Reiches unter den Soldatenkaisern und die Sehnsucht nach einer stabilisierenden politischen Führung.
II. Hauptteil: Die Regierungszeit des Diokletian: Analysiert Diokletians Aufstieg, seine Reformen sowie die vielfältigen Gründe für die zunehmende Anspannung zwischen dem römischen Staat und den Christen.
II.1 Der Herrschaftsantritt des Diokletian: Schildert die Umstände der Machtübernahme Diokletians nach dem Tod des Carus und dessen Sohnes Numerian.
II.2 Diokletian in der Geschichtsschreibung: Erörtert die Problematik der Quellenlage und die konträren Sichtweisen heidnischer und christlicher Zeitgenossen auf Diokletian.
II.3 Die restaurative Politik des Diokletian: Beleuchtet die stabilisierenden Reformmaßnahmen des Kaisers, insbesondere die Einführung der Tetrarchie.
II.4 Die Gründe für den Christenhass: Untersucht die ideologischen und praktischen Konfliktpunkte, die zur Ausgrenzung und Verfolgung der Christen führten.
II.5 Die Christenverfolgung bis Diokletian: Gibt einen historischen Abriss der christenfeindlichen Maßnahmen vor der Regierungszeit Diokletians.
II.6 Die Christenverfolgung unter Diokletian: Detaillierte Darstellung der vier kaiserlichen Edikte und deren unterschiedliche Auswirkungen in den verschiedenen Provinzen des Reiches.
II. 7 Eusebius´ Kirchengeschichte: Bewertet Eusebius als historische Quelle für die Darstellung der Christenverfolgung und der erlittenen Qualen.
II. 8 Das Ende der Christenverfolgung: Beschreibt das Ende der Verfolgung durch die Abdankung des Kaisers und das Toleranzedikt des Galerius.
III. Schluss: Das Christentum – von der verbotenen zur Staatsreligion: Führt die historische Entwicklung des Christentums bis zu dessen Anerkennung als religio licita zusammen.
Schlüsselwörter
Diokletian, Christenverfolgung, Römisches Reich, Tetrarchie, Soldatenkaiser, Religionspolitik, Edikte, Eusebius, Antike, Märtyrer, Staatsreligion, Toleranzedikt, Kaiser, Christentum, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Christenverfolgung unter Diokletian im Kontext der politischen und religiösen Umbrüche des 3. und frühen 4. Jahrhunderts im Römischen Reich.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Reformpolitik Diokletians, die soziokulturellen Ursachen für den Konflikt mit den Christen und die schrittweise Eskalation staatlicher Repressionen durch vier aufeinanderfolgende Edikte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Diokletians Wunsch nach einer Restaurierung alter römischer Ordnung (mos maiores) zwangsläufig zur Konfrontation mit der wachsenden christlichen Religion führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte, historische Analyse antiker Quellen (u.a. Lactantius, Eusebius) sowie moderner geschichtswissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Herrschaftsantritt Diokletians, der Tetrarchie, den Gründen für den Christenhass und detailliert mit den vier Edikten gegen die Christen und deren Umsetzung im Osten und Westen des Reiches.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diokletian, Christenverfolgung, Toleranzedikt, Tetrarchie, Kaisertum und antike Quellenkritik.
Welche Rolle spielte Galerius bei der Verfolgung?
Galerius wird als treibende Kraft und Initiator der aggressiven Maßnahmen gegen die Christen dargestellt, der Diokletian maßgeblich beeinflusste und zur Verschärfung der Edikte drängte.
Wie unterschied sich die Verfolgung im Osten vom Westen des Reiches?
Die Verfolgung wurde im Osten unter Diokletian und Galerius mit hoher Brutalität umgesetzt, während sie in den westlichen Provinzen unter Constantius deutlich weniger rigoros oder teilweise gar nicht durchgesetzt wurde.
- Quote paper
- Pia Scherb (Author), 2001, Die Christenverfolgung unter Diokletian, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27497