Schulmodelle zur jahrgangsgemischten Unterrichtspraxis


Akademische Arbeit, 2006

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 3

2. Reformschule Kassel... 3

2.1 Zusammenspiel von äußerer und innerer Struktur... 4

2.2 Jahrgangsmischung im Konzept der Reformschule... 5

2.3 Herausforderungen der Jahrgangsmischung an der Reformschule... 7

2.4 Fazit zur Jahrgangsmischung in der Reformschule... 7

3. Laborschule Bielefeld... 8

3.1 Altersmischung in der Eingangsstufe der Laborschule... 9

3.2 Jahrgangshomogenität im dritten und vierten Schuljahr... 10

3.3 Jahrgangsmischung in der Sekundarstufe der Laborschule... 10

3.4 Empirische Untersuchungsergebnisse zur Laborschule... 11

4. Modellversuch „Kleine Grundschule“... 12

4.1 Gründe für die Umsetzung des Modellversuchs... 12

4.2 Planung und Umsetzung des Modellversuchs „Kleine Grundschule“... 13

4.3 Perspektiven des Landeskonzeptes „Kleine Grundschulen“... 15

5. Altersmischung in Schulen der Reformpädagogik... 15

6. Ausblick... 16

7. Quellenverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)... 17

7.1 Literatur... 17

7.2 Internetseiten... 22

7.3 Grafiken... 23

1. Einleitung

Das Prinzip der Jahrgangsmischung findet in den letzten Jahrzehnten immer stärkeren Einzug in das deutsche Schulsystem. So gibt es neben den zahlreichen Reformschulen, die schon seit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts Jahrgangsmischung als ein grundlegendes Strukturprinzip ihrer Schul- und Unterrichtsorganisation praktizieren[1], seit einigen Jahren unterschiedliche Modellschulen, die Altersheterogenität als wichtige Grundlage in das Konzept ihrer Schule aufgenommen haben. Ihre Aufgaben liegen darin „neue Wege des Lehrens und Lernens, das gemeinsamen Lebens in der Schule also, zu denken, zu erproben, zu verwerfen oder aufzuheben, neu zu planen oder zu vertiefen […]“[2] und diese schließlich durch Fortbildungen, Schriften oder Öffnung der Schule, an andere weiterzugeben. [3]

Im Folgenden werden beispielhaft[4] die Schulmodelle der „Reformschule Kassel“, der „Laborschule Bielefeld“ und des Modellversuchs „Kleine Grundschulen“ in Bezug auf ihre Umsetzung von jahrgangsgemischtem Unterricht vorgestellt.[5]

2. Reformschule Kassel

Bei der Reformschule Kassel handelt es sich um eine im Jahr 1988 gegründete Versuchsschule des Landes Hessen. Dort wird laut des Rahmenplans der Schule aus dem Jahr 1986 der Versuch gemacht, „pädagogische Erkenntnisse, die sich im Laufe der vergangenen Jahre als konsensfähig erwiesen haben, zu einem schulpraktischen Konzept zusammenzufassen und dies in einer Schule zu verwirklichen, in die die Kinder vom vollendeten fünften bis zum sechzehnten Lebensjahr gehen. Diese Schule soll also nicht eine neue Theorie experimentell erproben, sondern bereits gesicherte und punktuell belegte Ergebnisse in eine praktisch durchführbare Einheit bringen."[6]

Da es sich bei der Kasseler Reformschule um eine Gesamtschule handelt, die elf Jahrgänge (0-10) beinhaltet, war die Versuchsschule erst 1998 vollständig aufgebaut und wird seitdem von etwa 450 Schülern besucht die von Lehrern unterschiedlicher Lehrämter (Grund-, Haupt, Real-, Sonderschule, Gymnasium) unterrichtet werden.[7]

Das pädagogische Konzept, auf dem diese Versuchsschule gründet, wurde von Pädagogen der Gesamthochschule Kassel unter der Leitung von Herrn Professor Rauschenberger entwickelt. Es geht auf eine Studentengruppe von 1976 zurück, die der Meinung war, dass ihre Professoren, wenn sie schon wüssten wie eine gute Schule entstehen könnte, auch in der Pflicht wären diese Vorstellung zu verwirklichen. In den darauf folgenden zwölf Jahren wurde das Konzept ausführlich diskutiert, in Teilen verändert und nach und nach genehmigt. Obwohl die Reformschule schon 1988 eröffnet wurde, erhielt sie erst 1994 die endgültige Genehmigung, ihre Tätigkeit bis zum Ende der Sekundarstufe 1 fortzusetzen. [8]

2.1 Zusammenspiel von äußerer und innerer Struktur

In die Schul- und Unterrichtskultur sollten reformpädagogische Ansätze integriert werden und gleichzeitig sollen pädagogische Antworten mit Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen und individuellen Lernbedingungen entwickelt werden. „Die Reformschule Kassel unternimmt den Versuch, die umfassenden Veränderungen im Aufwachsen, Leben und Lernen heutiger Kinder und Jugendlicher aufzunehmen und Lern- und Bildungswege zu eröffnen, die die Individualität und Sozialität der Heranwachsenden respektieren, entwickeln und fördern.“ [9]

Hans Raschenberger sieht die weiteren Aufgaben der Reformschule Kassel hauptsächlich darin, Kinder bei der Entfaltung ihrer Bildungsmöglichkeiten zu unterstützen, ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu erweitern und ihnen über die Erfahrung, andere zu achten und von anderen geachtet zu werden, das Gefühl der Selbstachtung zu vermitteln.[10]

„An den damit umschriebenen Prinzipen „Erziehung zur Selbsttätigkeit“, „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ und der Betonung des sozialen Lernens orientieren sich die innere und äußere Struktur und Organisation der Reformschule:“ [11] Der äußere Aufbau der Versuchsschule als elf Jahrgänge umfassende Gesamtschule, beinhaltet vielfältige Möglichkeiten. Dazu gehören die Förderung des Zusammenlebens von 5-16 Jahre alten Kindern, die Vermeidung eines Schulwechsels und somit eines Bruches in der Lernbiographie, sowie die Chance zur Bildung altersheterogener Stammgruppen. Ähnlich wie im Jena-Plan-Konzept von Peter Petersen umfassen die ersten drei Stufen jeweils drei Jahrgänge (0-2/3-5/6-8), während die vierte Stufe den 9. und 10. Jahrgang beinhaltet (siehe Foto [12]).

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Weitere Möglichkeiten entstehen dadurch, dass die Reformschule Kassel als Ganztagsschule organisiert ist. So kann zwischen 7:45 Uhr und 16 Uhr eine flexible Unterrichtsgestaltung stattfinden, die sich nicht an einen strengen
45- Minuten-Takt halten muss. Für das Ganztagskonzept spielt die Zusammenarbeit von Lehrerteams, die vom Kollegium befürwortet wird, eine entscheidende Rolle.

Zusätzlich wird bei der Arbeit in dieser Schule viel Wert auf selbständiges sowie fächerübergreifendes Lernen und auf die personenbezogene Förderung jedes einzelnen Kindes gelegt (siehe Foto[13]).

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Um dies zu gewährleisten werden flexible Formen der inneren Differenzierung, sowie der Themen- und Interessendifferenzierung genutzt. Interessant ist, dass im Konzept der Reformschule bis zur vierten Stufe keine Notenzeugnisse vorgesehen und diese durch Lernentwicklungsberichte sowie Gespräche ersetzt werden. [14]

2.2 Jahrgangsmischung im Konzept der Reformschule

Bei der vierstufigen Untergliederung der Klassen in je drei Jahrgänge umfassende Stammgruppen handelt es sich um die schon von Montessori und Petersen bevorzugte Organisationsform von Jahrgangsmischung, die oftmals als das sinnvollste Modell angesehen wird. [15] Diese Gruppierungsform lässt sich zum einen aus der Lebenssituation heutiger Kinder begründen und zum anderen verabschiedet sich die Schule mit dieser von der Vorstellung, dass Gleichaltrige zur selben Zeit das Gleiche lernen sollten und wollten.[16]

Neben den benannten Möglichkeiten kommen im Konzept der Reformschule Kassel noch zwei weitere Chancen zur Geltung. Zum einen werden Unterrichtsziele nicht als Jahrgangs- sondern als Stufenziele definiert, was dem Schüler mehr Raum sowie Zeit zu deren Erreichung lässt und es gleichzeitig ermöglicht, auftretende Krisen der Kinder zu berücksichtigen.[17] Zum anderen ist es auch interessant, die altersgemischte Gruppe im Hinblick auf die langjährige Schulzeit an der Reformschule zu beobachten. Die Schüler erleben im Durchlaufen der einzelnen Stufen wiederholt den Wechsel unterschiedlicher Rollen in der Gruppe, indem sie jeweils meist für ein Jahr zu den Jüngsten, zu den Mittleren oder zu den Ältesten gehören. Obwohl jährlich etwa ein Drittel der Schüler die Lerngruppe wechselt und es somit zu neuen Gruppenkonstellationen kommt, ist es möglich, die gemeinsam entwickelte charakteristische Gruppenkultur unter den verbleibenden Kindern beizubehalten und auf einmal erworbene Sozialkompetenzen in den folgenden Stufen zurückzugreifen.

Für die Kinder ist es nach Ansicht der Schulleiterin Frau Skischus gleichzeitig bedeutsam, „dass sie im Aufrücken in die nächste Stufe diejenigen Kinder wieder treffen, die sie - im wahrsten Sinne des Wortes - auf anderer Stufe bereits kannten.“ [18]

Somit ermöglicht die „durchgehende elfjährige Schulzeit an der Reformschule Kassel […] im Gegensatz zu altersgemischten Gruppierungsformen, die auf die Primarstufe begrenzt sind, mehrere Wiederholungen der sozialen [an das Alter geknüpften] Statuserfahrungen“ [19].

Um diese Vorzüge in den bewusst erzeugten altersheterogenen Klassen zu ermöglichen, wird eine Vielfalt von unterrichtlichen Angeboten bis hin zu weitgehender Individualisierung geradezu erzwungen.[20]

Gleichzeitig ist es notwendig, durchgängig Freiräume zu erzeugen, in denen sich die Kinder begegnen und untereinander austauschen können. In der Reformschule Kassel wird man diesen Ansprüchen besonders durch Maßnahmen wie Patenschaften zum Schulbeginn, Erzeugen von Situationen des Hilfe-Gebens und -Annehmens, Arbeit mit Wochenplänen und Organisation sowie Durchführung vielfältigen Projekte gerecht. [21]

[...]


[1] Vgl.: Holtstiege 1995, S. 102

[2] Thurn 1999, S. 135

[3] Vgl.: Ebd.

[4] Abgesehen von den vorgestellten Schulmodellen, gibt es noch weitere Versuchs- bzw. Modell-schule, auf die in dieser Arbeit nicht eingegangen wird.

[5] Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen wird nur auf die Kasseler Reformschule etwas detaillierter eingegangen, während die zwei weiteren Schulmodelle ausschließlich in Bezug auf ihren Umgang und ihre Erfahrungen mit der Altersmischung betrachtet werden können.

[6] http://www.reformschule.de/index2.html (vom 26.01.06) (Reformschule Kassel: Die schulpädagogische Idee der Reformschule. Kassel 2003, 2.1) (künftig zitiert als „Reformschule 2003“)

[7] Vgl.: Skischus 1999, S. 110

[8] Vgl.:Rauschenberger, H.: Reformschule in Kassel – ein Gedanke und seine allmähliche Verwirklichung. In: Laging, Ralf/Skorka, A. (Hrsg.): Schulstr. Zwo. Bd. 1. Kassel 1991, S. 78 f. (künftig zitiert als „Rauschenberger 1991“)

[9] Reformschule Kassel 2003, 2.1

[10] Vgl.: Rauschenberger 1991, S. 78

[11] Skischus 1999, S. 111

[12] http://www.schulemachtzukunft2005-035.de/reform.htm

[13] http://www.schulemachtzukunft2005-035.de/reform.htm

[14] Vgl.: Skischus 1999, S. 111 f.

[15] Vgl.: Hinz 2004, S. 174

[16] Vgl.: Reformschule Kassel 2003, 2.2.2

[17] Vgl.: Skischus 1999, S. 111

[18] Reformschule Kassel 2003, 2.2.2

[19] Ebd.:

[20] Vgl.: Ebd.

[21] Vgl.: Skischus 1999, S. 113 ff.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Schulmodelle zur jahrgangsgemischten Unterrichtspraxis
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V274974
ISBN (eBook)
9783656670339
ISBN (Buch)
9783656670148
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schulmodelle, unterrichtspraxis
Arbeit zitieren
Susanne Hoff (Autor), 2006, Schulmodelle zur jahrgangsgemischten Unterrichtspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274974

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schulmodelle zur jahrgangsgemischten Unterrichtspraxis



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden