Maria und Elisabeth – sind sie in ihrem Charakter absolut gegensätzlich?
Ich möchte aufzeigen, dass in den beiden Hauptfiguren, die beide als Frau ein politisches Amt ausübten, zwei völlig verschiedene Frauenbilder aufgezeigt wurden.
Auch dass sich die Charaktere der Frauen im Laufe des Dramas ändern, möchte ich am Text darlegen. Maria, die anfangs einsam und ohnmächtig ist, wird am Ende zumindest in moralischer Hinsicht über Elisabeth siegen. Die zu Beginn festgelegte Schuld wird sich immer weiter relativieren, sodass sie am Ende mit einer reinen Seele stirbt - so meine These.
Ebenso kontrastreich wie die Frauen selbst stehen beide auch konträr zu dem üblichen Frauenbild, das Schiller vertrat. Dies gilt in der folgenden Arbeit zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schillers Frauenbild
3. Die Königinnen: Maria und Elisabeth
3.1 Beginn: Schuld und Macht
3.1.1 Maria
3.1.2 Elisabeth
3.2 Maria vs. Elisabeth - der dritte Akt
3.3 Der Tod der Königin
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Friedrich Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ mit dem zeitgenössischen, bürgerlichen Frauenbild bricht und welche unterschiedlichen Konzeptionen der Weiblichkeit in den beiden Protagonistinnen Maria und Elisabeth im Spannungsfeld politischer Macht dargestellt werden.
- Schillers bürgerliches Frauenbild im Vergleich zur dramatischen Darstellung
- Charakterentwicklung und Metamorphose der Hauptfiguren
- Die Spannung zwischen weiblicher Identität und politischem Herrschaftsanspruch
- Die symbolische und psychologische Kontrastierung von Maria und Elisabeth
- Die Rolle von Affekt und Moral im Kontext der Geschlechterrollen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Elisabeth
Erst im zweiten Akt tritt Elisabeth persönlich auf und direkt äußert sie den scheinbar unüberwindbaren Zwiespalt zwischen der Rolle der Frau und den Pflichten einer Königin.
„ Die Könige sind nur Sklaven ihres Standes, / Dem eigenen Herzen dürfen sie nicht folgen. / Mein Wunsch war´s immer, unvermählt zu sterben, (Z.1155-1157) / … / Mein höchstes Gut, hingeben für mein Volk / Und der Gebieter wird mir aufgedrungen. / Es zeigt mir dadurch an, dass ich ihm nur / Ein Weib bin, und ich meinte doch, regiert / Zu haben, wie ein Mann, und wie ein König.“ (Z.1168-1171).
Deutlich wird hier, dass Elisabeth sich ihrer Rolle als Königin vollkommen hingibt und dabei versucht die Rolle als Frau abzulegen. Sie geht so weit, dass sie sich mit Männern und Königen vergleicht. Doch durch die anstehende Heirat mit dem König von Frankreich muss sie sich auch wieder in ihrer Frauenrolle finden, sich einem Mann unterwerfen, was ihr sichtlich schwerfällt.
Um ihren Anspruch an sich selbst als Königin zu sichern, hätte sie auf Weiblichkeit und eine Ehe verzichten müssen, was gegen den „Naturzweck der Frau“ stände und sie so sehr unweiblich und kühl wirken lässt. Auch andere sehen in Elisabeth wenig reizendes, so wird sie von dem Grafen von Kent als „keuche Festung“ (Z.1083). bezeichnet „Im Ernste denk ich, / Wird sich die Festung endlich doch ergeben.“ (Z.1099f). Das Bild, das er hier von Elisabeth durch die Metapher der sich ergebenden Festung entwirft, zeigt wie stark ihre gebrochene Weiblichkeit im Volk erkannt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die gegensätzliche Charakterzeichnung der Königinnen und stellt die These auf, dass Maria trotz ihrer Schuld moralisch über Elisabeth siegt.
2. Schillers Frauenbild: Es wird das traditionelle Frauenbild Schillers analysiert, das durch Häuslichkeit, Milde und politische Passivität geprägt ist, um den Kontrast zu den starken, handelnden Frauenfiguren im Drama zu verdeutlichen.
3. Die Königinnen: Maria und Elisabeth: Dieser Abschnitt analysiert werkschronologisch die Entwicklung beider Königinnen, wobei ihre jeweilige Schuld, ihre Machtverhältnisse und die Konfrontation im dritten Akt im Fokus stehen.
4. Schluss: Das Fazit resümiert, dass beide Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft an der Vereinbarkeit von politischem Amt und Weiblichkeit scheitern, womit Schiller sein tradierte Frauenbild eher bestätigt als bricht.
Schlüsselwörter
Maria Stuart, Friedrich Schiller, Frauenbild, Königinnen, Weiblichkeit, Schuldfrage, politische Macht, Metamorphose, schöne Seele, Elisabeth, Geschlechterrollen, Emanzipation, Herrschaft, Moral, Charakteranalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Weiblichkeit in Friedrich Schillers „Maria Stuart“ anhand der beiden Hauptfiguren Maria und Elisabeth.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen das historische Frauenbild Schillers, die Diskrepanz zwischen politischer Macht und weiblicher Identität sowie die moralische Entwicklung der Protagonistinnen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schiller durch die beiden gegensätzlichen Frauenbilder das herkömmliche Ideal der Frau sowohl in Frage stellt als auch letztlich in einer patriarchalen Struktur scheitern lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt werkschronologisch anhand einer textnahen Analyse der dramatischen Dialoge und Szenen unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Charakteren Maria und Elisabeth, ihrer Vorgeschichte, der Konfrontationsszene im dritten Akt und der letztendlichen Entwicklung zur „reinen Seele“ bzw. zur gescheiterten Regentin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Frauenbild, politische Macht, Weiblichkeit, Metamorphose und das Spannungsfeld zwischen persönlichem Wunsch und königlicher Pflicht.
Inwiefern verändert sich Maria im Laufe des Dramas?
Maria wandelt sich von einer zu Beginn als ohnmächtig und schuldig wahrgenommenen Frau zu einer Märtyrerin, die durch ihre Reue und moralische Stärke eine „reine Seele“ erlangt.
Warum bleibt Elisabeth am Ende alleine zurück?
Obwohl Elisabeth die politische Macht behält, scheitert sie als Frau und Mensch; durch ihre Unfähigkeit, ihre weibliche Identität mit ihrem Amt zu versöhnen, bleibt sie am Ende isoliert und gedemütigt.
- Arbeit zitieren
- Tatjana Enderle (Autor:in), 2012, Schillers Frauenbild in "Maria Stuart". Vergleich der Hauptfiguren Maria und Elisabeth, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274984