Mit dem Film „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ gelang Pedro Almodóvar im Jahre 1988 ein großer internationaler Erfolg, der für ihn damit verbunden war, dass er für den Oscar nominiert wurde. Der Film ist eine turbulente wortwitzige Komödie, die voller Situationskomik ist, aber auch als Sozialsatire verstanden werden kann. Wie Pedro Almodóvar oft selbst in Interviews betont hat, lehnt er es ab, dass seine Filme in bestimmte Genres eingeordnet werden können. Vielmehr geht es ihm darum, bestimmte Elemente für seine Filme zu verwenden und diese dann wie Bausteine zusammenzusetzen. Darauf entsteht dann ein typischer Film von Almodóvar, der sowohl Elemente des klassischen, aber auch des postmodernes Kinos verbindet. Deshalb lassen sich die Filme Almodóvars auch nicht unbedingt mit dem Begriff ‚postklassisches Kino’ verbinden. Zentral für Almodóvar ist dabei, interessante Geschichten zu erzählen (vgl. D’Lugo 1995, S. 125ff.).
Die typischen filmischen Elemente des Films „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ können anhand verschiedener charakteristischer Bestandteile aufgezeigt werden. Dabei geht es darum, einmal die für die Filmsprache dieses Films wesentlichen Inhalte darzustellen, aber auch die Elemente des klassischen Kinos aufzuzeigen. In dieser Arbeit geht es ferner darum, ebendiese beiden Elemente der Filmsprache des Films „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ zu erläutern. Dabei fokussiert die Arbeit neben einer kurzen Darstellung des Inhalts und der zentralen Themen vor allem die Betrachtung der Gratwanderung zwischen Groteske, Slapstick- und Screwball-Komödie. Zudem soll auf die Hysterie unter Frauen sowie die Herausstellung der Verbindung Hysterie und Medien genauer eingegangen werden. Bezeichnend sind dabei auch die Charaktere, die zusammen ein unvergleichbares Konstrukt überzogener Realität bilden sowie die drei Schwerpunkte des Kinos der Attraktionen, der Farbe Rot und der dramatischen Rolle des Telefons.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Inhalt und zentrale Themen von „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“
2.1 Regie und Filmfakten zu „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“
2.2 Inhaltsbeschreibung des Filmes
2.3 Zentrale Themen im Film
3 Komik und Lachen in "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs"
3.1 Gratwanderung zwischen Groteske, Slapstick- und Screwball-Komödie
3.2 Hysterie unter Frauen
3.3 Besonderheiten und anderweitige Handlung
4 Das filmische Erzählen von Pedro Almodóvar in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“
4.1 Die Ästhetik des frühen Kinos der Attraktionen
4.2 Die Farbe Rot und die Anlehnung an das klassische Kino
4.3 Das dramatische Potenzial des Telefons
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die filmische Struktur und die erzählerischen Mittel in Pedro Almodóvars Film „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“. Das zentrale Ziel ist es, die spezifische Filmsprache des Werkes zu analysieren, indem die Verbindung zwischen klassischen Erzählstrukturen und den Elementen des „Kinos der Attraktionen“ sowie die symbolische Bedeutung von Farbe und Technik innerhalb der turbulenten Handlung aufgezeigt werden.
- Analyse der Komik (Groteske, Slapstick, Screwball)
- Die Rolle der Weiblichkeit und Hysterie
- Die symbolische und dramaturgische Funktion der Farbe Rot
- Das Telefon als Instrument der Nicht-Kommunikation
- Einfluss des Hollywood-Melodramas auf Almodóvars Inszenierung
Auszug aus dem Buch
4.3 Das dramaturgische Potenzial des Telefons
Das Telefon wurde in vielen Spielfilmen schon in vielfältiger Art und Weise eingesetzt und ist nicht nur Kommunikationsmittel, sondern steht für das dramaturgische Potenzial vieler bedrohlicher Ereignisse und strukturiert Spannungsmomente und überraschende Geschehnisse. Entscheidend für den Einsatz des Telefons im Film ist zunächst einmal seine kommunikative Funktion. Dabei ist ein Telefon technischer Kommunikationsbeschleuniger, mit dem Raum und Zeit überwunden wird. Es ist außerdem Instrument für Sozialkontakte und technisches Hilfsmittel, um andere Menschen zu erpressen. (vgl. Debatin/Wulff 1991, S. 9.)
Das dramaturgische Potential des Telefons hat damit zu tun, dass ein Telefongespräch folgenschwere Auswirkungen haben kann. Wenn das Telefon läutet, kann Neugier geweckt werden, das Gespräch Erleichterung auslösen, aber auch Sehnsucht stillen. Das Klingeln des Telefons kann bedrohlich erscheinen oder stören. Vielfach wird mit dem Klingeln ein Zwang, auch abzuheben, verbunden. Dieser Zwang wird oft im Film dargestellt. Spannung entsteht dabei dadurch, dass der Angerufene den Hörer nicht sofort abnimmt und zögert, ans Telefon zu gehen. Der Zuschauer weiß aber, dass er schließlich doch ans Telefon gehen wird. Weitere dramatische Momente entstehen, wenn es jemand nicht mehr schafft, rechtzeitig das Telefon abzuheben, um das Gespräch anzunehmen oder wenn das Telefon in kritischen Momenten, die vielleicht auch lebensbedrohlich sind, unerreichbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Pedro Almodóvar ein und umreißt die Forschungsziele, die insbesondere die ästhetischen Merkmale und die filmische Komik des untersuchten Werkes betreffen.
2 Inhalt und zentrale Themen von „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“: Dieses Kapitel liefert eine inhaltliche Zusammenfassung sowie eine Einordnung der biografischen und sozialen Kontexte, die den Film beeinflusst haben.
3 Komik und Lachen in "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs": Hier werden theoretische Ansätze zur Komik auf die spezifischen Szenen des Films angewandt, wobei die Themen Hysterie und Verfremdung im Mittelpunkt stehen.
4 Das filmische Erzählen von Pedro Almodóvar in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“: Das Kapitel analysiert die formale Gestaltung des Films, insbesondere die Nutzung der Farbe Rot, das Kino der Attraktionen und die dramaturgische Funktion der Kommunikationstechnologie.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und ordnet den Film sowohl in das klassische Erzählkino als auch in das Postmoderne Kino ein.
Schlüsselwörter
Pedro Almodóvar, Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, Filmwissenschaft, Kino der Attraktionen, Groteske, Slapstick, Screwball-Komödie, Hysterie, Farbe Rot, Hollywood-Melodrama, Telefon, Narration, Kommunikation, Spanischer Film, Situationskomik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die filmischen Gestaltungsmittel und die komischen Elemente in Pedro Almodóvars Erfolgsfilm „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ aus dem Jahr 1988.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Theorie der Komik, das filmische Erzählen im Kontext von Almodóvars Stil, die Rolle der Weiblichkeit sowie die symbolische Bedeutung von Requisiten und Farben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Almodóvar durch die Verknüpfung von Elementen des klassischen Hollywood-Melodramas und dem „Kino der Attraktionen“ eine einzigartige Filmsprache entwickelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Anwendung filmtheoretischer Ansätze (u.a. Bergson zur Komik, Gunning zum Kino der Attraktionen) auf die visuelle und narrative Struktur des Films basiert.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt im Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der komischen Struktur, die Untersuchung der weiblichen Charakterdarstellung (Hysterie) und die eingehende Analyse der Ästhetik durch Farbe und Kommunikationstechnik.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Almodóvar, Kino der Attraktionen, Farbe Rot, Kommunikationsverhinderung und Melodrama beschreiben.
Warum spielt die Farbe Rot eine so zentrale Rolle in der Argumentation?
Die Farbe Rot wird als ein dominantes visuelles Motiv identifiziert, das sowohl für Leidenschaft und Intensität steht als auch die Verbindung zum Hollywood-Melodrama und den psychischen Zustand der Hauptfigur unterstreicht.
Welche Bedeutung kommt dem Telefon innerhalb der Filmanalyse zu?
Das Telefon wird als „Nicht-Kommunikationsinstrument“ gedeutet, da es im Film häufig dazu dient, Gespräche zu verhindern oder Verwirrungen zu stiften, anstatt Informationen direkt zu übermitteln.
- Arbeit zitieren
- Daniel Lorenzer (Autor:in), 2014, Der Film „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Pedro Almodóvar. Hysterie unter Frauen, Ästhetik und die Farbe Rot, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274985