Ferntourismus in Dritte Welt Länder. Entwicklungshilfe oder Einbahnstraße?

Kritische Übersicht und Darstellung von Chancen, Risiken und Alternativen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zahlen und Tatsachen
1.2 Ursachen für das Wachstum des Fernreisemarktes
1.3 Reisemotivation und Typen von Dritte-Welt-Touristen

2. Ferntourismus - Risiken und Chancen
2.1 Wirtschaftliche Blickwinkel
2.1.1 Arbeit und Einkommen
2.1.2 Tourismus als Devisenquelle
2.1.3 Schaffung von Infrastruktur
2.1.4 Gefahr der Monostrukturierung
2.2. Sozio-kultureller Blickwinkel
2.2.1 Konsequenzen für Sozialstruktur und Werte
2.2.2 Konsequenzen interkultureller Begegnungen
2.2.3 Konsequenzen des Sex-Tourismus
2.3 Ökologischer Blickwinkel
2.3.1 Zerstörung der Umwelt durch Tourismusprojekte
2.3.2 Zerstörung der Umwelt durch spezielle Formen des Tourismus

3. Nachhaltiger Tourismus als Alternative?
3.1 Die Formen des „anderen“ Tourismus
3.2 Entwicklungspolitik im Tourismus
3.2.1 Reiseleitertraining
3.2.2 Vorurteile abbauen durch Sympathie Magazine
3.3 Entwicklung durch Tourismus oder doch eine Einbahnstraße?

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

"Zu den größten Kämpfen des Menschen, gut/böse, Vernunft/Unvernunft etc. ge- hört auch dieser gewaltige Konflikt zwischen der Phantasie der Heimat und der Phantasie der Ferne, der Traum von den Wurzeln und der Fata Morgana der Rei- se."1

Immer näher rückt diese Ferne. Seit Menschen den Mond bereisen und Satellitenaufnahmen beweisen, wie unsere winzige Erdkugel im schwarzen Nichts schwebt. Seit es für Jedermann einigermaßen erschwinglich ist, in ein Flugzeug, den Zug oder das Auto zu steigen und an (fast) jedes Fleckchen der Erde zu reisen. Vor allem das Flugzeug holt die Ferne ganz nah ran.

Aber ist das alles so einfach? Wo liegen die Gefahren und Probleme, die der Exodus der - vor allen anderen - „Westhalbkugler“ mit sich bringt?

Im Trend liegende Kontinente wie Asien, Afrika, Lateinamerika, die in Hochglanz- katalogen sonnenverwöhnte, unberührte Paradiese versprechen sind das Ziel.

Zwar sieht die Welttourismusorganisation (UNWTO) den internationalen Touris- mus als größte Einnahmequelle und wichtigsten Faktor zur Verbesserung des Le- bensstandards in Entwicklungsländern,2 räumt aber ebenso ein, „dass der Touris- mus negative kulturelle, umwelttechnische und soziale Folgen haben kann, wenn er nicht verantwortungsvoll geplant, verwaltet und überwacht wird. Deshalb for- dert die UNWTO die Regierungen dazu auf, grundlegend am Tourismus mitzuar- beiten, […].“3 Nun erscheint es aber problematisch, dass kaum eine Regierung einen Tourismusbeauftragten höheren Standes hat. Dies wiederum führt dazu, dass die Fäden der Tourismusbranche wenige westliche Reiseveranstalter und Hotelketten unkontrolliert in der Hand haben.

Ebenso die Touristen. Sind wir alle nur Figuren, die vergnüglich um die Welt transportiert werden und sich keine Gedanken machen brauchen, was das für Auswirkungen haben kann? Oder können wir letztendlich doch die positiven Sei- ten des Tourismus zutage fördern, wenn wir sensibel und überlegt an unsere Ur- laube herangehen?

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Ferntourismus in Dritte Welt Länder. Sie soll eine Übersicht verschaffen und letztlich zu einem Ausblick führen.

1.1 Zahlen und Tatsachen

Laut UNWTO fanden im Jahr 2006 842 Mio. grenzüberschreitende Touristenan- künfte statt,4 Ende 2012 überquerte schließlich der einmilliardste Mensch Lan- desgrenzen.5 Dabei steigt der Reisemarkt jährlich um 4,5% und soll, laut Progno- sen der UNWTO, bis zum Jahr 2020 auf 1,6 Mrd. internationale Reisen anstei- gen.6

Abbildung 1: Gesamtzahl der Reisenden weltweit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei steigen vor allem die Reisen nach Afrika und Asien, die als sog. „Dritte-Welt“ zu klassifizieren sind:

Abbildung 2: Reiseziele nach Regionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bezeichnung „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsland“ wird als Überbegriff be- nutzt, der keiner einheitlichen Definition entspricht. Jedoch gibt es sehr wohl all- gemeine Merkmale. Diese sind beispielsweise: schlechte Ernährung, mangelhaf- te medizinische Versorgung, prozentual hohe Arbeitslosenquoten, schmales pro Kopf-Einkommen, keine bis wenig Bildung, keine Investitionen von Kapitalge- bern, außenwirtschaftliche Probleme aufgrund von rasant ansteigender Verschul- dungsrate und schließlich ein sehr niedriger Lebensstandard, der in immer zu- nehmenderem Ausmaß zu ungleicher Dienstleistungs- und Güterverteilung führt.7

Angesichts der Tatsache, dass die Tourismusbranche mit einem Umsatz von 3,5 Mrd. US-Dollar rund 10% des weltweiten Bruttosozialproduktes erwirtschaftet und eine Viertel Million Menschen im Tourismus arbeiten,8 drängen sich Fragen nach dem Wie und Wo der Profite fast wie von selbst auf.

1.2 Ursachen für das Wachstum des Fernreisemarktes

Viele Faktoren sorgen für den raschen Anstieg der Fernreisenachfrage. Die An- gebote der Reiseveranstalter und Hotels werden zielgruppengerechter, ausgefal- lener und traumhafter, im Sinne von „nichts ist unmöglich“. Offensive PR-Maß- nahmen und Marketing binden die Konsumenten, deren Urlaubsvorstellungen mehr und mehr im Wandel sind: Urlaub ist Abenteuer und Herausforderung, Er- holung und Kultur, bietet Authentizität und Selbstfindung/-verwirklichung in der modernen Welt mit ihren zunehmenden Zivilisationsproblemen. Fremde, exoti- sche Länder sind allgegenwärtig in den Medien und nähren die Sehnsucht nach Außergewöhnlichem. Reisen ist etwas für Jedermann und Jeder hat es schon ge- tan, so muss der Radius erweitert werden, denn letztlich sind Fernreisen auch ein Prestigefaktor.9

Nicht zuletzt kann sich auch (fast) jeder solch eine Fernreise inzwischen leisten. Preissenkungen, bedingt durch die Konkurrenz der Länder untereinander, die Er- schließung neuer Destinationen und die Konkurrenz der Fluggesellschaften, ma- chen sie - in westlichen Breitengraden - für nahezu jede Gesellschaftsschicht bezahlbar.

1.3 Reisemotivation und Typen von Dritte-Welt-Touristen

„Je weiter man sich von der Heimat und der bekannten und gewohnten Umge-bung weg begibt, desto stärker wird das Bedürfnis, viel zu sehen und zu erleben, aktiv zu sein und „das Beste“ aus der kurzen Zeit herauszuholen. Ferneisende

(…) unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen und Verhaltensweisen von Urlaubern im Nahbereich.“10

Dritte-Welt-Touristen können im Großen und Ganzen in drei Gruppen eingeteilt werden: In etwa 40% sucht den sozialen und kuturellen Kontakt zur heimischen Bevölkerung, weitere 30% möchten nur begrenzten Kontakt zu Einheimischen, das sind die sog. Sightseeing-/Badetouristen und das letzte Drittel zählt zu den Erholungs- und Strandurlaubern, die lieber anderen Touristen begegnen.11

Dabei variieren die Typen auch in der Wahl der Zieldestination. Folgendes macht dies deutlich:12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Eigene Darstellung. Quelle: Dr. P. Aderhold

Dabei ist die Organisation der Reise an sich stark von der Entfernung abhängig. Der Großteil (80%) der Fernreisenden verlässt sich auf eine professionell veranstalte Pauschalreise.13 Günstigere Transportkosten, Absicherung durch Vollpauschalen, Bequemlichkeit und die „Attraktivität“ von All-inclusive-Angeboten sind dafür begründend. Die Auswahl der Reiseziele ist abhängig von persönlichen Quellen, beispielsweise aus dem Bekanntenkreis und den Medien. Der Faktor des Vertrauens in Tipps und Insiderinformationen scheint aufgrund des relativ hohen Risikos hier oft ausschlaggebend zu sein.14

[...]


1 Rushdie: Der Boden unter ihren Füßen, München 1999.

2 Vgl. Hickmann: Und Tschüss! Was wir anrichten, wenn's uns in die Ferne zieht. München 2009,S. 12.

3 Ders., S. 13.

4 Vgl. UNWTO: http://www.unwto.org/newsroom/Releases/2007/january/recordyear.htmabgerufen am 31.03.2014.

5 Vgl. Müller: Nichts wirft den Tourismus aus der Bahn, in: DIE WELT, Artikel vom 04.03.2014; http://www.welt.de/wirtschaft/article125421063/Nichts-wirft-den-Tourismus-aus-der-Bahn.htmlabgerufen am 01.04.2014.

6 Vgl. UNWTO: http://www.unwto.org/newsroom/Releases/2007/january/recordyear.htm abgerufen am 31.03.2014.

7 Vgl. Klar: Entwicklungspolitik als „Friedenspolitik“? Die Verschärfung des Nord-Süd-Konflikts durch die westliche Entwicklungshilfe. Eine Analyse unter kulturräumlich-differenzierendem Ansatz (Diss.), Hannover 1995, S. 18 - 19 und 25 - 28.

8 Vgl. Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V.: http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/bewegen-reisen/anders-reisen/tourismus-ein-wachstumsmarkt/tourismus-ein- wachstumsmarkt2 abgerufen am 03.02.2014.

9 Vgl. Laßberg: Entwicklungsperspektiven des internationalen (Urlaubs-)Tourismus, in: Landgrebe (Hrsg.): Internationaler Tourismus, München/Wien 2000, S. 221-234.

10 Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.: Pressestimmen Sympathie Magazine, http://www.studienkreis.org/deutsch/publikationen/main_publ.html abgerufen am 05.02.2014.

11 Vgl. Stock: Trouble in Paradise - Tourismus in die Dritte Welt, Freiburg/Breisgau 1997, S. 19.

12 Vgl. Aderhold: Der deutsche Fernreisemarkt, in: Landgrebe (Hrsg.): Internationaler Tourismus, München/Wien 2000, S. 235-252.

13 Vgl. Ders., S. 240.

14 Vgl. Ders., S. 245 - 250.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ferntourismus in Dritte Welt Länder. Entwicklungshilfe oder Einbahnstraße?
Untertitel
Kritische Übersicht und Darstellung von Chancen, Risiken und Alternativen
Hochschule
bbw Hochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V275006
ISBN (eBook)
9783656678267
ISBN (Buch)
9783656699828
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ferntourismus, dritte, welt, länder, entwicklungshilfe, einbahnstraße, kritische, übersicht, darstellung, chancen, risiken, alternativen
Arbeit zitieren
Deborah Bertram (Autor), 2014, Ferntourismus in Dritte Welt Länder. Entwicklungshilfe oder Einbahnstraße?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275006

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