Die Gedichteinlagen in Eichendorffs Werken: Taugenichts, Marmorbild, Schloss Dürande


Seminararbeit, 2004

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Charakteristik der Gedichteinlagen als „Naturpoesie“ und Integration in das epische Geschehen

A. Einleitung

B. Hauptteil
1. Charakteristik der Gedichteinlagen als Naturpoesie
1.1. Definition der Naturpoesie bei Eichendorff
1.2. Das Volkslied bei Eichendorff und seine Entsprechung in den Gedichteinlagen
1.3. Der Taugenichts als Idealbild Eichendorffs: Dichter und Sänger von Volksliedern
2. Integration in das epische Geschehen
2.1. Aus dem Leben eines Taugenichts
a) „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ (S. 6, 26)
b) „Wohin ich geh und schaue“ (S. 9, 13)
c) „Wer in die Fremde will wandern“ (S. 54-55)
2.2. Das Marmorbild
a) „Was klingt mir so heiter“ (S. 10-12)
b) „Von kühnen Wunderbildern“ (S. 44-46)
2.3. Das Schloss Dürande
a) „Gute Nacht, mein Vater und Mutter“ (S. 55-56)
b) „Es ist nun der Herbst gekommen“ (S. 63-64)

C. Schluss

D. Literaturverzeichnis

Charakteristik der Gedichteinlagen als „Naturpoesie“ und Integration in das epische Geschehen

A. Einleitung

„Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte“[1]. Mit dieser Einstellung lässt Joseph von Eichendorff seinen Taugenichts in die Welt hinaus wandern, um sein Glück zu suchen. Diese Reise führt ihn durch verschiedene Landschaften. Es wäre jedoch oberflächlich, anzunehmen, diese Landschaften würden nur dazu dienen, um die Reise aufregender zu gestalten. Eichendorff bezweckt etwas mit seinen Darstellungen von Landschaften. Der aufmerksame Leser wird sehr schnell merken, wie gut sich die Beschreibungen der Natur in das Geschehen einfügen. Außerdem wird er gerade in den Gedichteinlagen immer wieder die gleichen Bilder vorfinden. Bald wird man auch zu dem Schluss kommen, dass die Gedichteinlagen mehr als bloße Volkslieder, zufällig dahingesungen, sind. Gerade diese Hintergründe von Naturbeschreibungen und Volksliedern sollen im Folgenden untersucht werden

B. Hauptteil

1. Charakteristik der Gedichteinlagen als Naturpoesie

1.1. Definition der Naturpoesie bei Eichendorff

In Eichendorffs Werken tritt häufig die Natur auf. Doch geschieht das selten zufällig; ihre Erscheinungsweise ist nicht beliebig oder austauschbar: Man findet sie als Spiegelbild des Verfalls, als Ausdruck der Wahrnehmung einer transzendenten Realität oder als Symbol für das blühende Leben selbst. Die Naturbeschreibung dient nicht der bloßen Erklärung von Landschaft, ihr wohnt eine tiefere Bedeutung inne, die oft über das menschliche Bewusstsein hinausgeht. So wurde der Begriff der Naturpoesie als „Hauch eines unverwüstlichen Freiheitsgefühles“[2] geprägt: Als Verbindung von Naturerlebnis und Handlung, als sinnliches Wahrnehmen von Zuständen und Veränderungen, die mehr sind als nur „private und subjektive Erlebnisse“[3]. Eichendorff setzt sie ein, um bestimmte Stimmungen zu beschreiben, Wahrheiten hinter den Dingen ans Licht zu bringen und auch Kritik zu üben.

Der Begriff der Naturpoesie taucht in der philologischen Diskussion allerdings nur noch selten auf, obwohl er in der romantischen Diskussion eine zentrale Rolle spielt. Gerade dieser Begriff ist wichtig, um „den Zusammenhang von Eichendorffs dichterischem Verfahren mit dem Gehalt seiner Werke genauer aufzuweisen“[4].

Der Zustand der Natur ist für Eichendorff nicht ursprünglich: Die Gegenwart wird nicht als utopisch angesehen, sondern sie hat Geschichte als Hintergrund, die sich auch in der Natur widerspiegelt. Die Romantik betrachtet die Naturpoesie als Gegenentwurf zur gekünstelten klassizistischen Dichtung. Sie dient als Übermittlerin einer Naturwahrheit und damit zur Vermittlung des idealen mit dem realen Leben. Die Naturpoesie empfindet er als „‚übersinnlich, wunderbar, mystisch, symbolisch’, was Eichendorff als gleichbedeutend mit ‚romantisch’ fasst“[5]. Die ihr immanente Einheit von Dichtung und Leben ist zumindest als Anspruch festzuhalten. Durch das Verschwinden allen Zwiespalts verschmelzen Moral, Schönheit, Tugend und Poesie.

Die Diskussion über den Wert des Begriffs Naturpoesie schwankt allerdings zwischen zwei Polen: Zum einen zielt man darauf ab, „‚Eichendorffs Naturdichtung ganz von der wirklich geschauten Natur ab[zu]ziehen und [zu] verrätseln’“[6], d.h. seine Schilderungen nicht mehr auf reales Erleben von Natur zu beziehen und nur noch als Formelhaftigkeit abzutun, was dem sinnlichen Erleben in der Romantik widersprechen würde. Die andere, genauso falsche Interpretation geht von der isolierenden Gegenüberstellung von Natur und Poesie aus.

Gerade Landschaftsbeschreibungen findet man bei Eichendorff oft. Sie ist für ihn „Ausdruck einer transsubjektiven Wahrheit, kritisches Modell, das [...] nicht abbildet, sondern wertet, richtet“[7] und drückt einen überlegenen Schöpferwillen aus. Dies zeigt sich zum Beispiel in den häufigen Beschreibungen von Ruinen. Diese stehen für die Hybris und den Verfall des Menschen und der daraus resultierenden Rückeroberung des menschlichen Lebensraumes durch die Natur.

Gerade hier lässt sich auch die Verbindung knüpfen zwischen der Naturpoesie und dem Begriff Hieroglyphenschrift. Dieser bezeichnet den Einsatz von Hieroglyphen, durch die die Natur zu den Menschen spricht. Also verwendet der Dichter durch die naturpoetischen Landschaftsbilder auch Hieroglyphen, die er selber schaffen kann. Er dient allerdings nur als Vermittler zwischen dem Publikum und den transzendenten Wahrheiten. Andererseits kann der Dichter diese Wahrheiten nicht direkt vermitteln, sondern muss dies hieroglyphisch tun, also auch mit Hilfe von Naturpoesie. „Damit fällt dem Künstler die Aufgabe zu, die ‚Hieroglyphenschrift’ der Natur und des individuellen wie kollektiven menschlichen Lebens [...] zu übertragen.“[8]

Der Begriff der Naturpoesie bezieht sich also auch auf den Topos der redenden Natur (natura loquitur), deren Mythisierung ist nicht „Affirmation des Bestehenden, sondern steht in engem Zusammenhang mit seiner gesellschaftlich reflektierten Zeitkritik“[9]. Diese Natur spricht gerade auch in den Gedichteinlagen Eichendorffs. Hier hat er die Mittel, um Stimmungen zu beschreiben, um Mystisches entstehen zu lassen und um seine Sicht der Welt dahinter zu verstecken. So will Eichendorff, auch in den Gedichteinlagen, die Natur nicht bloß als Dekoration verwenden, sondern als Mittel für eines seiner primären Anliegen: „Die Dinge in ihrer ganzen Tiefe zu nehmen“[10].

1.2. Das Volkslied bei Eichendorff und seine Entsprechung in den Gedichteinlagen

In der Romantik wurde das Volkslied als „Grund- und Hauptform der Poesie[11] “ wiederbelebt. Für Eichendorff ist es ein Naturlaut, „der Grundstock aller nationalen [...] Poesie“[12]. Es gehört für ihn zur wahren Dichtung, die im Gegensatz zur falschen, zur „überfeinerten Kunstdichtung“[13] steht. Die Prämisse, dass die Deutschen eine eigene Volkspoesie besitzen, sieht er als durchweg positiv an. Diese Volkspoesie hat ihre Eigenheit in ihrem Inhalt, allen Sagen liegt eine gemeinsame Natur zugrunde. Hier haben, genau wie bei Eichendorff selbst, Dichtung und Leben einen unmittelbaren Bezug. Romantik heißt für ihn auch, die Poesie wieder auf ihren „volkstümlichen Urquell“[14] zurückzuweisen. Diese Naturpoesie ist also die romantische Opposition gegen die klassizistische Kunstpoesie, sie ist also objektiv und „leitet damit auf den Grund der Dinge zurück, [...] sie ist sogar religiös, wenn auch nicht in unmittelbarer (positiver) Weise“[15].

[...]


[1] Eichendorff, Joseph von: Aus dem Leben eines Taugenichts, Reclam, Stuttgart 2001, S. 5.

[2] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 48.

[3] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 11.

[4] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 1.

[5] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 40.

[6] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 1.

[7] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 3.

[8] Köhnke, Klaus: „Hieroglyphenschrift“, Thorbecke, Sigmaringen 1986, S. 34.

[9] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 8.

[10] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 17.

[11] Eberhardt, Otto: Eichendorffs Taugenichts – Quellen und Bedeutungshintergrund, Königshausen und Neumann, Würzburg 2000, S. 80.

[12] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 12.

[13] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 25.

[14] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 27.

[15] Bormann, Alexander von; Natura loquitur, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1968, S. 95.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Gedichteinlagen in Eichendorffs Werken: Taugenichts, Marmorbild, Schloss Dürande
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Eichendorff
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V27501
ISBN (eBook)
9783638295383
Dateigröße
1004 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gedichteinlagen, Eichendorffs, Werken, Taugenichts, Marmorbild, Schloss, Dürande, Eichendorff
Arbeit zitieren
Christoph Aschenbrenner (Autor), 2004, Die Gedichteinlagen in Eichendorffs Werken: Taugenichts, Marmorbild, Schloss Dürande, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27501

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