In dieser Hausarbeit soll es im Speziellen um die charakterliche Eignung, sowie um das Verhalten des Vitellius gehen. Ich werde der Frage nachgehen, wie und unter welchen Umständen Vitellius in brenzligen Situationen handelte, um dann Rückschlüsse auf den Charakter zu ziehen. Außerdem sollen Antworten gefunden werden, warum Vitellius nur so eine kurze Zeit regieren konnte und wie sein Verhältnis zu den einzelnen römischen Ständen gewesen ist.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Familie und Aufstieg – ein chronologischer Überblick über das Leben des Aulus Vitellius
2. Die Ernennung des Vitellius zum Imperator
3. Vitellius und sein Verhältnis zu den stadtrömischen Ständen
3.1 Vitellius und sein Verhältnis zum Senat
3.2 Vitellius und sein Verhältnis zu den römischen Bürgern
3.3 Vitellius und sein Verhältnis zu den stadtrömischen Ständen
3.4. Vitellius und sein Verhältnis zu den Freigelassenen
4. Das Ende des Kaisers Vitellius
4.1 Der letzte Abdankungsversuch des Vitellius und sein Ende
5. Abschließender Kommentar des Verfassers
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Persönlichkeit und Regierungsweise des römischen Kaisers Aulus Vitellius während des Vierkaiserjahres 69 n. Chr. Ziel ist es, das in der antiken Geschichtsschreibung vorherrschende negative Bild des als unfähig und genusssüchtig dargestellten Kaisers kritisch zu hinterfragen, seine politische Handlungsfähigkeit in Krisensituationen zu analysieren und sein Verhältnis zu den zentralen gesellschaftlichen Ständen Roms neu zu bewerten.
- Kritische Analyse antiker Quellen (Sueton, Tacitus, Plutarch, Dio)
- Untersuchung der politischen Legitimation und des Aufstiegs von Vitellius
- Verhältnisbestimmung zwischen dem Kaiser und Senat, Rittern, Bürgern und Freigelassenen
- Bewertung der Handlungsweise in militärischen und politischen Ausnahmesituationen
- Hinterfragung der flavischen Propaganda in der historischen Überlieferung
Auszug aus dem Buch
0. Einleitung
Aulus Vitellius, der dritte Kaiser des so genannten Vierkaiserjahres 69 n. Chr., wird in der antiken Geschichtsschreibung überwiegend negativ dargestellt. Um dies zu verdeutlichen, sei hier ein Ausschnitt aus Sueton angeführt:
>> Ganz besonders stand Ihm der Sinn nach Genusssucht und Grausamkeit. Immer nahm er drei Mahlzeiten, manchmal auch vier über den Tag verteilt zu sich: Frühstück, Mittagessen, Abendessen und ein Gelage; es war für ihn ein Leichtes, sich allen Essen hinzugeben, da er es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, ein Brechmittel einzunehmen. [...] Er stopfte sich nicht nur unablässig, sondern auch zu undenklichen Zeiten voll, damit ekelte er jeden an; nicht einmal beim Opfer oder auf einer Reise beherrschte er sich, nicht auch noch vor den Altären gleich die Eingeweide und Stücke des Opferkuchens aus dem Feuer zu holen und in sich hineinzustopfen und in den Garküchen an den Landstraßen Gerichte zu verschlingen, die noch dampften oder vom Vortag übriggeblieben und schon halb aufgegessen waren. Ja, er neigte dazu, jeden Beliebigen aus jedem beliebigen Grund töten und foltern zu lassen. [...] Er geriet auch beim Tode seiner Mutter unter Verdacht ...<< 1.
Der Princeps Aulus Vitellius wurde durch diese Worte Suetons zu einem Menschen diffamiert, der das Vergnügen liebte, der Fresssucht den Vorzug gab und durch sein entartetes Verhalten jegliche Befähigung zum Führen und Herrschen gefehlt habe. Die Charakterisierung Suetons greift ein bereits bestehendes Negativbild des Vitellius auf und stellt ihn in eine Reihe der schlechten Kaiser Roms.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, das negative Quellenbild von Vitellius zu hinterfragen und eine alternative historische Bewertung zu ermöglichen.
1. Familie und Aufstieg – ein chronologischer Überblick über das Leben des Aulus Vitellius: Das Kapitel zeichnet den Werdegang von Vitellius von seiner ritterlichen Herkunft über seinen senatorischen Aufstieg bis hin zu seiner Ausrufung als Imperator in Germanien nach.
2. Die Ernennung des Vitellius zum Imperator: Hier werden die kontroversen Berichte über die Umstände der Akklamation analysiert, wobei besonders die Diskrepanz zwischen der Darstellung von Vitellius als passivem vs. aktivem Akteur beleuchtet wird.
3. Vitellius und sein Verhältnis zu den stadtrömischen Ständen: Dieses Hauptkapitel untersucht die diplomatischen Bemühungen des Kaisers, durch Kooperation mit dem Senat, den Rittern und der Bevölkerung seine instabile Machtbasis zu festigen.
4. Das Ende des Kaisers Vitellius: Der Abschnitt schildert die letzten Tage der Herrschaft, die gescheiterten Friedensbemühungen und den gewaltsamen Tod des Kaisers in Rom.
5. Abschließender Kommentar des Verfassers: Der Verfasser resümiert, dass Vitellius entgegen der einseitigen Überlieferung in vielen Situationen durchaus rationell und umsichtig handelte und kein bloßer Tyrann war.
Schlüsselwörter
Aulus Vitellius, Vierkaiserjahr, Römische Geschichte, Kaiserzeit, Sueton, Tacitus, Prinzipat, Senat, Antike Quellenkritik, Flavische Dynastie, Regierungsstil, Politische Macht, Historische Forschung, Machtlegitimation, Römische Stände
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Neubewertung des römischen Kaisers Aulus Vitellius, der das Jahr 69 n. Chr. maßgeblich prägte.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentral sind der politische Aufstieg des Kaisers, sein Umgang mit den sozialen Ständen in Rom sowie die kritische Hinterfragung der antiken Quellenüberlieferung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, das von antiken Autoren wie Sueton geprägte Bild des unfähigen und genusssüchtigen Herrschers zu hinterfragen und nachzuweisen, dass Vitellius auch rationale und zielorientierte Qualitäten besaß.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt die Methode der antiken Quellenkritik, um Darstellungsabsichten der antiken Historiker zu identifizieren und sie mit belegbaren historischen Fakten zu vergleichen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des Verhältnisses von Vitellius zu Senat, Rittern, Freigelassenen und der römischen Bürgerschaft sowie auf seine Handlungen in Krisenzeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Vierkaiserjahr, antike Quellenkritik, Machtlegitimation und die historische Person Vitellius charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Vitellius zwischen Tacitus und Sueton?
Während Sueton Vitellius als passiven, handlungsunfähigen Genussmenschen zeichnet, zeigt Tacitus in den Historien einen durchaus aktiven Akteur, der strategisch plant, auch wenn er dessen Charakter insgesamt negativ bleibt.
Welche Rolle spielte der Senat bei der Herrschaft von Vitellius?
Der Senat nahm eine Schlüsselposition für die Akklamation und Legitimation ein. Vitellius bemühte sich aktiv um die Gunst der Senatoren, um seine Herrschaft trotz fehlender iulisch-claudischer Abstammung politisch abzusichern.
Wie deutet der Verfasser die Fluchtversuche des Kaisers?
Der Verfasser sieht darin keinen Feigheitsbeweis, sondern interpretiert diese Handlungen als ernsthafte, wenn auch gescheiterte Versuche des Kaisers, durch einen Rücktritt weiteres Blutvergießen in Rom zu verhindern.
- Quote paper
- Tobias Fey (Author), 2006, Aulus Vitellius. Leben und Aufstieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275022