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Soziale Ungleichheiten im wissenschaftlichen Hochschulbetrieb

Welche Rolle spielt der soziale Hintergrund bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit als Wissenschaftler?

Titel: Soziale Ungleichheiten im wissenschaftlichen Hochschulbetrieb

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 30 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Nicole Friedrich (Autor:in)

Soziologie - Arbeit, Ausbildung, Organisation
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wenn von sozialer Ungleichheit gesprochen wird, so geraten meist der Gleichstellungsauftrag von Frau und Mann, Menschen mit Behinderungen oder Personen mit Migrationshintergrund in den Fokus, bei denen vorrangig die Ungleichheiten anhand äußerlicher Merkmale beseitigt werden sollen. Selten wird dabei darauf geachtet, aus welchen sozialen Schichten ein Individuum stammt, wie sich dieser Umstand auf den weiteren Lebenslauf auswirkt und mit welchen Herausforderungen es zu kämpfen hat, hatte oder noch haben wird. Folgt man der strukturfunktionalistischen Theorie des amerikanischen Soziologen Talcott Parsons (1902 - 1979), der die Ansicht vertritt, dass unterschiedliche soziale Schichten zur stabilen Ordnung einer Gesellschaft beitragen (vgl. Burzan 2007, S. 31f.), so müssen sich soziale Ungleichheiten permanent reproduzieren, um eine bestimmte Ordnung zu erhalten. Zusätzlich behauptet er jedoch, dass die Platzierung eines Individuums in einer Gesellschaft insgesamt gerecht erfolge, denn der soziale Status sei die rechtmäßige Bewertung individueller Leistungen (vgl. Abels 2007, S. 290). Dies erscheint etwas widersinnig: wenn der soziale Status durch eigene Leistungen erreicht werden kann, warum reproduzieren sich dann die Ungleichheiten zwischen einer Elterngeneration und deren Kindern? Einfacher ausgedrückt: warum überwinden nur die wenigsten Kinder ihre soziale Herkunft und steigen beispielsweise durch Bildung auf? Weshalb erreichen Kinder aus höheren sozialen Schichten wiederum den sozialen Status ihrer Eltern? Dieser Zusammenhang wird vor allem an deutschen Universitäten deutlich und ist ein Teilgegenstand der vorliegenden Arbeit: je höher die Bildung der Eltern, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder das Abitur erreichen, ein Studium aufnehmen und damit den höchsten Abschluss erreichen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Ungleichheiten - Eine Frage des Kapitals und des Habitus'

2.1. Definition soziale Ungleichheit

2.2. Bourdieu und der Habitus als Ursache für soziale Ungleichheiten

2.2.1. Die Zusammensetzung des Kapitals

2.2.2. Habitus als Einverleibung sozialer Strukturen und Denkweisen

2.3. Sozialisation und die Rolle des Habitus

2.4. Zunehmende Selektion im Bildungsgeschehen

3. Die wissenschaftliche Karriere - Bedingungen und Probleme

3.1. Situation an deutschen Hochschulen

3.2. Probleme für den wissenschaftlichen Nachwuchs

4. Arbeiterkinder im Wissenschaftssystem - Eine besondere Herausforderung

4.1. Die soziale Zusammensetzung der Studierenden

4.2. Schwierigkeiten hinsichtlich der Verfügbarkeit von Kapitalsorten

4.3. Schwierigkeiten hinsichtlich habitueller Ursachen

5. Ausblick und Diskussion

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, warum Arbeiterkinder im wissenschaftlichen Hochschulbetrieb unterrepräsentiert sind, und analysiert, inwieweit soziale Herkunft, das Kapital-Konzept nach Bourdieu und habituelle Prägungen den Zugang zur wissenschaftlichen Karriere erschweren.

  • Analyse sozialer Ungleichheiten durch die Theorie von Pierre Bourdieu
  • Untersuchung der strukturellen Bedingungen im deutschen Hochschulsystem
  • Vergleich der Belastungen zwischen Arbeiterkindern und Kindern mit akademischem Hintergrund
  • Einfluss von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital auf den Karriereverlauf
  • Bedeutung des Habitus und des "Managements der Knappheit" für den Forschungseinstieg

Auszug aus dem Buch

2.2.1. Die Zusammensetzung des Kapitals ist entscheidend für Ungleichheiten

Bourdieu unterscheidet insgesamt drei Kapitalsorten, nach denen er die Position der Individuen im sozialen Raum mithilfe eins "mehrdimensionalen Systems von Koordinaten" (Bourdieu 1985, S. 11) identifiziert. Zum einen beschreibt er das ökonomische Kapital, welches seinem Namen gleichkommt und die Höhe der zur Verfügung stehenden monetären Mittel bezeichnet. Vor allen anderen Kapitalsorten trägt es zum größten Teil für die Segmentierung in Klassen bei, indem es darüber entscheidet, ob man sich die von der Gesellschaft als wertvoll geachteten Güter leisten kann oder nicht (vgl. Abels/König 2010, S. 206).

Das kulturelle Kapital manifestiert sich als Wissen, Qualifikation, Einstellungen oder Handlungsformen, die man in der Familie oder in (Ausbildungs-)Institutionen erzielt hat (vgl. ebd.). Als Bildungskapital bezeichnet Bourdieu dazu die "amtlich beglaubigte Form des kulturellen Kapitals" (ebd.), wie z.B. Zeugnisse oder Doktortitel zur Zertifizierung bzw. Bestimmung einer bisher erbrachten Leistung und eines Qualifikationsniveaus. Der Wert des kulturellen Kapitals beinhaltet das Ausmaß der Kompetenz, die für eine gesellschaftliche Position erforderlich ist und gibt gleichzeitig ein System an Normen und Werten vor, die bestimmen, wie Dinge innerhalb einer Klasse eingeschätzt werden können (vgl. ebd.). Es liefert den Individuen folglich ein präzises Muster, wie gehandelt werden kann und wie Sachverhalte oder Gegenstände einzuordnen sind, womit es einen maßgeblichen Teil zur Klassendifferenzierung beiträgt (vgl. ebd.).

Das soziale Kapital als letzte Art umfasst alle sozialen Beziehungen, auf die ein Mensch verweisen kann, wobei diese eine eher symbolische Bedeutung inne haben, denn sie sind vor allem hinsichtlich Unterstützung, Anerkennung oder Status konstitutiv (vgl. ebd. S. 207). Die meisten Menschen werden im Hinblick auf alle drei Kapitalsorten im weitesten Sinne ohne eigenes ökonomisches und kulturelles Kapital geboren, verfügen aber von Anfang an über die Familie als Kern des sozialen Kapitals. Die Familienmitglieder als erste Anlaufstelle für soziale Kontakte ist vor allem in der Kinder- und Jugendphase prägend, da Kinder von ihnen und deren sozialen Kontakten in Bezug auf gewisse Handlungs- und Denkstrukturen beeinflusst und erzogen werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert soziale Ungleichheit im Bildungswesen mit Fokus auf den wissenschaftlichen Nachwuchs aus Arbeiterhaushalten.

2. Soziale Ungleichheiten - Eine Frage des Kapitals und des Habitus': Theoretische Fundierung durch Bourdieus Kapitalbegriff und das Habitus-Konzept zur Erklärung der Reproduktion sozialer Ungleichheit.

3. Die wissenschaftliche Karriere - Bedingungen und Probleme: Analyse der prekären Arbeitsbedingungen im deutschen Wissenschaftssystem und der Anforderungen an das wissenschaftliche Personal.

4. Arbeiterkinder im Wissenschaftssystem - Eine besondere Herausforderung: Empirische Betrachtung der Schwierigkeiten für Arbeiterkinder, die aufgrund finanzieller Belastungen und habitueller Differenzen den Einstieg in die Wissenschaft erschweren.

5. Ausblick und Diskussion: Synthese der Ergebnisse, die Arbeiterkinder als benachteiligte Gruppe ausweisen, und Anregung für weiterführende qualitative Sozialforschung.

Schlüsselwörter

Soziale Ungleichheit, Arbeiterkinder, Pierre Bourdieu, Habitus, Kulturelles Kapital, Ökonomisches Kapital, Soziales Kapital, Wissenschaftliche Karriere, Bildungsherkunft, Prekäre Beschäftigung, Sozialisation, Management der Knappheit, Hochschulsystem, Selektion, Wissenschaftlicher Nachwuchs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht soziale Ungleichheiten im wissenschaftlichen Hochschulbetrieb und analysiert die spezifischen Hindernisse, mit denen Arbeiterkinder beim Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere konfrontiert sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die Theorie sozialer Ungleichheit nach Pierre Bourdieu, die Bedingungen des wissenschaftlichen Karrieresystems in Deutschland sowie der Vergleich zwischen Arbeiterkindern und Studierenden aus akademischen Haushalten.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Kernfrage lautet: Haben Arbeiterkinder mehr Schwierigkeiten, einer Erwerbstätigkeit als Wissenschaftler nachzugehen, als Kinder mit akademischem Hintergrund?

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Arbeit, die auf vorhandenen empirischen Daten (wie dem Studierendensurvey) und soziologischen Theorien (insbesondere Bourdieu) basiert, um die Problematik zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Theorie der Kapitalsorten, die Hürden des deutschen Hochschulsystems wie Befristungen und Drittmittelabhängigkeit sowie die Auswirkungen der sozialen Herkunft auf Studienverlauf und Promotionsabsichten.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die Begriffe Soziale Ungleichheit, Habitus, Arbeiterkinder, Kapitalvolumen und der "Bildungstrichter" sind für das Verständnis der Arbeit zentral.

Wie unterscheidet sich die Situation von Arbeiterkindern von jener der Akademikerkinder im Studium?

Arbeiterkinder müssen oft früher und intensiver erwerbstätig sein, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, während Akademikerkinder häufiger auf elterliche finanzielle Unterstützung zurückgreifen und sich stärker auf das Sammeln von Praxiserfahrungen für ihre Karriere konzentrieren können.

Was bedeutet das von der Autorin erwähnte "Management der Knappheit"?

Es beschreibt eine habituelle Haltung, bei der aufgrund knapper Ressourcen (ökonomisch und sozial) jede Entscheidung genau daraufhin abgewogen werden muss, ob sie absolut notwendig ist oder kurzfristigen Nutzen bringt, was den freien wissenschaftlichen Werdegang erschweren kann.

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Details

Titel
Soziale Ungleichheiten im wissenschaftlichen Hochschulbetrieb
Untertitel
Welche Rolle spielt der soziale Hintergrund bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit als Wissenschaftler?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar "Wissenschaft als Erwerbsarbeit"
Note
1,3
Autor
Nicole Friedrich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
30
Katalognummer
V275023
ISBN (eBook)
9783656678403
ISBN (Buch)
9783656678397
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale ungleichheiten hochschulbetrieb haben arbeiterkinder schwierigkeiten erwerbstätigkeit wissenschaftler kinder hintergrund
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nicole Friedrich (Autor:in), 2014, Soziale Ungleichheiten im wissenschaftlichen Hochschulbetrieb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275023
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Leseprobe aus  30  Seiten
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