Die Theodizee-Frage. Warum lässt Gott Leid zu?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wie ist Gott?

3 Warum lässt Gott dieses Leid zu?

4 Hauptteil: Warum lässt Gott Leid zu?
4.1Eine Welt ohne Leid
4.2 Freiheit
4.3 Gottes Mitleid
4.4 Erlösung aus dem Leid
4.5 Der Engelsturz als Ursprung des Bösen.

5 Diskussion Hat das Leiden einen Sinn?
5.1 Das Buch Hiob
5.2 Der Prolog
5.3 Der Redeteil
5.4 Die Position der drei Freunde
5.5 Die Position Hiobs
5.6 Gott spricht zu Hiob
5.7 Der Epilog

6 Fazit

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Täglich sterben unschuldige Menschen, erfahren Leid und Böses. Für Atheisten und Religionskritiker sind das die Hauptargumente ihrer Überzeugung. Aus dem Leid der Welt schließen sie, dass es keinen Gott geben kann, der über all dem steht und scheinbar nichts tut.

Joachim Kahl, ein Theologe und überzeugter Atheist, formuliert das eigentliche Problem mit der Frage „Wie kann ein angeblich liebender Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist, die Lebewesen, die er doch geschaffen hat, so unsäglich leiden lassen?“[1] Wäre Gott ein schwacher und handlungsunfähiger Gott, wäre es verständlich, dass er nicht eingreift. Wie Kahl aber andeutet, ist für den Gott, an den die Menschen glauben und der sich selbst als „den Allmächtigen“[2] bezeichnet, nichts unmöglich.

Erkennbar wird ein Widerspruch zwischen dem Leid auf der Welt und Gott als liebenden Vater.

Genau diese Aussage bezeichnet den Kern des Problems. Gott ist voller Liebe für den Menschen, der Mensch leidet und es widerfährt Böses, Gott könnte das Leid verhindern, tut es jedoch nicht. Gibt es möglicherweise Gründe dafür, warum Gott trotz seiner Liebe und Allmacht nicht eingreift, wenn die Menschen leiden?

Zahlreiche Theologen und Philosophen setzen sich mit der Frage, warum Gott Leid zulässt, auseinander. Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz, hatte dem Problem den Namen Theodizee, der aus dem Altgriechen kommt (θεός (theos) = „Gott“ und δίκη (dike) = „Gerechtigkeit“) und „Rechtfertigung Gottes“ bedeutet, gegeben. Dieser Terminus wird in der Theologie für die Beschreibung dieses Problems verwendet.

Aber was ist nun eigentlich genau dieses Theodizee-Problem?

2 Wie ist Gott?

Die Menschen versuchen immer wieder Gott zu begreifen oder ihn auf die eine oder andere Art darzustellen. Aber schon der Prophet Jesaja hat mit der Frage „Mit wem wollt ihr Gott vergleichen? Oder was für ein Abbild wollt ihr von ihm machen?“[3] klargestellt, dass Gott größer und unbegreiflicher ist, als sich ihn die Menschen vorstellen können.

In der Bibel werden häufig Bilder verwendet, um Gott zu beschreiben. Das Bild des Vaters ist eins solcher Bilder. Der zentrale Wesenszug Gottes ist einerseits die Güte mit der er seine Kinder, die Menschen, liebt und andererseits seine Barmherzigkeit und Gnade, mit der er die Menschen behandelt. Das nachfolgende Zitat stellt die genannten Wesenszüge dar: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte “.[4]

Die genannten Eigenschaften sind für die Menschen begreifbar, da sie diese besitzen können und sie ihnen durch eigenes Nachfühlen und Erleben bekannt sind, wenn auch nicht auf Gottes vollkommene Weise. Doch Gott ist mehr, sein Wesen ist viel umfangreicher und unbegreiflicher als es sich die Menschen vorstellen können. Das ist eins der Gründe warum es für die Menschen unmöglich ist Gott zu begreifen.

Eine solcher Eigenschaften ist die Allgegenwärtigkeit Gottes. König David drückt die Allgegenwärtigkeit und somit seine Allwissenheit mit folgenden Worten aus: „Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?“[5] Die Allwissenheit Gottes, beschriebt er folgendermaßen: „Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereit war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“[6] Dennoch konnte auch König David, dessen Wesen nur erahnen wie das nachfolgende Zitat beschreibt: „Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“[7]

Eine weitere zentrale Eigenschaft Gottes, die schwer zu begreifen ist, ist die Allmacht Gottes. Hiob, der selbst von großem Leid geplagt worden war, erkannte dass „du [Gott, Anm. d. Verf.] alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, dir zu schwer [ist, Anm. d. Verf.][8] Und auch der Prophet Jeremia erkannte an, dass dem, der sich selbst den „Allmächtigen“ nennt „kein Ding (…) unmöglich [ist, Anm. d. Verf.]“[9]

Den oben genannten Wesenszügen zufolge ist Gott ein liebender, gnädiger und barmherziger Gott, der allwissend, allgegenwärtig und allmächtig ist. Wie kann er demnach Leid zulassen?

3 Warum lässt Gott dieses Leid zu?

Der Wissenschaftler und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz widmete der Frage „Warum lässt Gott Leid und Böses zu? ein ganzes Werk, den „Essai de Théodicée“ (1710), in dem er die Idee verteidigte, dass Gott trotz des Leides in der Welt sowohl allmächtig und allwissend als auch gut ist. Leibniz ging davon aus, dass Gott viele mögliche Welten hätte schaffen können, von denen er aber nur eine einzige geschaffen hat und zwar „die beste aller möglichen Welten“[10]. Dass diese Welt die beste aller möglichen Welten ist, resultiert seiner Meinung nach daraus, dass Gott aufgrund seines Allwissens die beste aller Welten aussuchen konnte, aufgrund seiner Allmacht diese schaffen konnte und aufgrund seiner Güte geschaffen hat.[11]

Die geschaffene Welt ist zwar die bestmögliche, das bedeutet jedoch nicht, dass sie vollkommen ist. Sie ist so zu verstehen, dass nicht der derzeitige Zustand der Welt der bestmögliche ist, sondern die Welt mit ihrem Potential sich weiterzuentwickeln. Nach Leibniz nimmt das Übel den geringsten Raum in dieser Welt ein. Das metaphysische Übel, laut Leibniz, ermöglicht erst das Streben nach der Vollkommenheit. Wäre jeder Mensch vollkommen, so wäre jedes Streben nach Vollkommenheit und jedes Handeln sinnlos. Das metaphysische Übel kann demnach als eine notwendige Begrenzung der Schöpfung verstanden werden.

Die bestehenden Übel teilt Leibniz in 3 Kategorien ein.

Das erste Übel ist das „metaphysische Übel“[12] welches bedeutet, dass alles Geschaffene notwendig, unvollkommen und endlich ist, da es sonst keine Abgrenzung zwischen Gott und den Menschen gäbe. Diese Aussage wird im nachfolgenden Zitat deutlich: „Denn Gott konnte ihm nicht alles verleihen, ohne es selbst zu einem Gott zu machen (…)“[13].

Das zweite Übel ist das „moralische Übel“[14] welches aus der Unvollkommenheit der Menschen resultiert und jenes Böse beschreibt, das aufgrund menschlicher Fehlentscheidungen existiert. Hätte Gott das moralische Übel ausgeschlossen, so hätte er damit den Menschen die Freiheit der Entscheidung genommen.

Das „physische Übel“[15], die dritte Art von Übel, sind Übel, die der Mensch aufgrund seiner Endlichkeit erleidet. Solche Übel sind der Tod, Naturkatastrophen oder Krankheiten.

Leibniz versucht Gott hinsichtlich seiner Güte, Allmacht und Allwissenheit zu rechtfertigen. Nach Leibnitz ist die Welt in der wir leben die „beste aller möglichen Welten“, in der das Übel den geringsten Raum einnimmt und dass die Übel, die existieren, einen bestimmten, logischen Grund haben. Dieser Grund ist einerseits die notwendige Begrenzung der Schöpfung, um sicherzustellen, dass der Mensch Gott nicht gleicht und andererseits den

angesprochenen Ansatz, dass der Mensch leiden muss, weil er einen freien Willen hat.

4 Hauptteil: Warum lässt Gott Leid zu?

Warum lässt Gott Leid zu? Warum greift er nicht ein? Diese Fragen können ebenfalls an die Menschen selbst gerichtet werden. Gott könnte den Menschen genau dieselbe Frage stellen: „Warum, Mensch, lässt du Leid zu? Warum lässt du zu, dass so viele Hunger leiden, obwohl du die Mittel hast, es zu verhindern?“

Kann es sein dass Gott Menschen als Werkzeuge gebraucht, als helfende Hände auf der Erde, um Leid zu verhindern und zu mindern? Jeder hat Mitleid mit hungernden Kindern in Afrika aber kaum einer tut etwas dagegen.

4.1 Eine Welt ohne Leid

Wie würde wohl eine Welt aussehen in der kein Leid existiert? Eine Welt ohne Leid wäre auch eine Welt ohne Menschen. Denn das, was den Menschen ausmacht, ist, wie Leibniz schon in seinem Werk andeutete, seine Freiheit. Ohne Freiheit wären die Menschen nur Marionetten in Gottes Hand. Gott könnte die Menschen in ihm erdachten Szenarien leben lassen. Ohne Gewalt. Ohne Mord. Ohne Hass. Aber - auch ohne den Menschen. Der Mensch wäre kein Mensch mehr, sondern ein Roboter ohne Gefühle und ohne Willen. Er würde nicht mehr handeln, sondern nur Befehle ausführen. Wäre eine solche Welt also eine bessere?

Gott hat den Menschen einen freien Willen und somit Entscheidungsfreiheit zwischen Gut und Böse gegeben. Wenn Gott allwissend ist und schon vorhergesehen hat, was die Menschen mit der Freiheit anstellen würden, warum hat er ihnen diese überhaupt gegeben? So hätte sich das Problem des Leides doch überhaupt nicht ergeben. Wieso hat er dies also nicht getan?

Eine mögliche Erklärung könnte folgende sein. Gott wollte keine Marionetten, die ihn lieben und nach seinem Willen handeln, weil sie keine andere Wahl haben, sondern ein echtes Gegenüber, das sich aus freien Stücken für oder gegen ihn und damit auch für oder gegen das Böse entscheiden kann.

Die ersten Menschen die von dem freien Willen Gebrauch machen sind Adam und Eva, indem sie sich dazu entscheiden, sich nicht an Gott und an das was er sagt, zu halten. Es ist nicht die Macht, die Gott fehlt, um die Menschen an ihren Fehlentscheidungen zu hindern, sondern er verzichtet aus Rücksicht auf deren Freiheit darauf.

[...]


[1] Kahl,2007, S.106.

[2] Vgl. 1.Mose, 17,1 in Luther Bibel, 2002, S. 16.

[3] Jesaja 40,18 in Luther Bibel, 2002, S. 701.

[4] Psalm 103,8 in Luther Bibel, 2002, S. 601.

[5] Psalm 139, 7 in Luther Bibel, 2002, S. 625.

[6] Psalm 139, 16 in Luther Bibel, 2002, S. 625.

[7] Psalm 139, 6 in Luther Bibel, 2002, S. 625.

[8] Hiob 42, 2 in Luther Bibel, 2002, S. 536.

[9] Jeremia 32, 17 in Luther Bibel, 2002, S. 760.

[10] Vgl. Schupp, 2003, S. 257.

[11] Vgl. Schupp, 2003, S. 257f.

[12] Höffe, 2008, S. 192.

[13] Leibniz ,1996, Erster Teil: § 31, S 257.

[14] Höffe, 2008, S. 193.

[15] Höffe, 2008, S. 194.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Theodizee-Frage. Warum lässt Gott Leid zu?
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V275026
ISBN (eBook)
9783656677147
ISBN (Buch)
9783656677130
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theodizee-frage, warum, gott, leid
Arbeit zitieren
M. Ed. Julia Steblau (Autor), 2013, Die Theodizee-Frage. Warum lässt Gott Leid zu?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275026

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