„Starke Eltern – Starke Kinder“. Das Elternkurskonzept des Deutschen Kinderschutzbundes


Ausarbeitung, 2005

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte und Entwicklung

3. Ziele und Erziehungsstil

4. Das 5-Stufen-Modell

5. Das zugrunde gelegte Menschenbild
5.1 Bild des Kindes
5.2 Erzieherrolle
5.3 Theoriehintergrund und Methoden

6. Ablauf und Inhalte der 12 Kurseinheiten
6.1 Erste Kurseinheit
6.2 Zweite Kurseinheit
6.3 Dritte Kurseinheit
6.4 Vierte Kurseinheit
6.5 Fünfte Kurseinheit
6.6 Sechste Kurseinheit
6.7 Siebte Kurseinheit
6.8 Achte Kurseinheit
6.9 Neunte Kurseinheit
6.10 Zehnte Kurseinheit
6.11 Elfte Kurseinheit
6.12 Zwölfte Kurseinheit

7. Kursgebühren

8. Kritische Stellungnahme zu „Starke Eltern – Starke Kinder“

9. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

„Das Geheimnis glücklicher Kinder“ – so lautet der Titel eines Buches des Psychologen und Familientherapeuten Steve Biddulph. Wer würde dieses Geheimnis nicht gerne kennen?

Erziehungsratgeber gibt es wie Sand am Meer, sie füllen eigene Regale in den Buchhandlungen, im Fernsehen zeigt uns die „Super-Nanny“ wie einfach konsequente Erziehung funktioniert und auch Großeltern, Nachbarn und Freunde sparen nicht mit guten Tipps. Die Verunsicherung ist groß bei Eltern und Erziehern angesichts der Ratgeber-Flut, so dass es nicht verwunderlich ist, dass auch Elternkurse besonders bei denjenigen Eltern starken Zulauf finden, die sich kritisch mit der Erziehung ihrer Sprösslinge auseinandersetzen. Ein Konzept solcher Elternkurse soll daher im Folgenden vorgestellt werden.

„Starke Eltern – Starke Kinder“ ist das Elternkurskonzept des Deutschen Kinderschutzbundes, das bundesweit angeboten wird. Die Elternkurse dürfen nur von ausgebildeten Kursleitern/Innen durchgeführt werden. Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung sind eine pädagogische oder psychologische Grundausbildung und Erfahrung in der Elternarbeit oder Erwachsenenbildung. Die Standards der Elternkurse sind festgeschrieben und verbindlich, sodass eine gleich bleibende Qualität gesichert wird.

Folgende Punkte müssen erfüllt werden[1]:

- Der zeitliche Umfang des Elternkurses beträgt acht bis zwölf Kurseinheiten mit mindestens 16 Zeitstunden
- Die Gruppengröße beträgt mindestens acht und höchstens sechzehn Eltern
- Der Zugang erfolgt freiwillig. Es gibt keine Zuweisungen durch Gerichte oder Jugendämter
- Die Elternkurse sind möglichst mit zwei Kursleitern durchzuführen
- Eine Rollenkollision muss ausgeschlossen werden, d.h. eine Person, die einen beruflichen Kontakt zu einer Familie hat, darf nicht gleichzeitig Kursleiter/in für diese Eltern sein
- Einheitliche Evaluationsbögen werten die Elternkurse aus.

Für den Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ gelten die vier Grundorientierungen des Deutschen Kinderschutzbundes[2]:

Kindorientierung: Das Kind ist Subjekt mit eigenem Recht auf Entwicklung, Versorgung, Schutz und Beteiligung.

Familienorientierung: die Familie ist der primäre Entwicklungs- und Erfahrungsort für Kinder.

Lebensweltorientierung: Die Komplexität der Lebenssituation von Familien und der Einfluss der Umgebung auf die Gestaltung des Familienlebens wird berücksichtigt.

Ressourcenorientierung: Förderung der Stärken und der Lebensgestaltung der Eltern.

Zentral für den Elternkurs ist das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und die Übernahme der Gesamtverantwortung für ihr Kind durch die Eltern. Diese basiert nicht auf Macht, sondern auf emotionale Bindung, Sachautorität und Lebenserfahrung. Die Eltern treffen Entscheidungen, hören aber was die Kinder zu sagen haben und sollten versuchen, deren Wünsche zu berücksichtigen.

„Starke Eltern – Starke Kinder“ ist nicht primär für Risikofamilien oder kritische Lebensereignisse konzipiert, sondern zur Stärkung und Förderung kompetenter Eltern und des Systems Familie.

Es leistet keine therapeutische Arbeit. Eltern mit erheblichen Erziehungs- oder Partnerschaftsproblemen werden dabei unterstützt, entsprechende Beratungen aufzusuchen.

2. Geschichte und Entwicklung

Die Grundlagen von „Starke Eltern- Starke Kinder“ wurden schon in den 70er- Jahren im Finnischen Kinderschutzbund von Toivo Rönkä und später von Paula Honkanen-Schoberth weiterentwickelt. Seit 1985 wurden Elternkurse auf dieser Basis im Ortsverband Aachen des Deutschen Kinderschutzbundes angeboten und erprobt. Durch die Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ab dem Jahr 2000 als Präventivmaßnahme gegen Gewalt in der Erziehung, konnten fast 1900 Kursleiter/Innen und 64 Multiplikatorentrainer/Innen ausgebildet werden, die eine bundesweite Verbreitung ermöglichten. Seit 2000 läuft der Elternkurs unter der Bezeichnung „Starke Eltern – Starke Kinder“.[3]

3. Ziele und Erziehungsstil

Ziele des Elternkurses sind zum einen mehr Offenheit, Klarheit und auch Humor in den Erziehungsalltag zu bringen, das Selbstwertgefühl der Eltern als Erzieher zu stärken und das gegenseitige Verstehen und die Kommunikation in der Familie zu verbessern. Zum anderen soll den Rechten der Kinder innerhalb der Familie Geltung verschafft werden, indem ihnen die Mitbestimmung und Mitgestaltung des Familienalltags ermöglicht wird.[4]

Die Eltern werden dabei als Experten betrachtet, ihnen wird das Vertrauen entgegengebracht, dass sie die Fähigkeiten haben, Lösungen für ihre Probleme zu finden, so dass sie Wertschätzung und Akzeptanz erleben.

Im Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ wird ein Modell „anleitender Erziehung“ vermittelt: Eltern nehmen ihre Rolle und Verantwortung als Erziehende wahr, und leiten und begleiten ihre Kinder. Aufgrund ihres Erfahrungsvorsprungs und ihrem Alter sind sie für ihre Kinder Autoritäten und Vorbilder.[5] Eltern und Kinder lernen voneinander und miteinander.

Im Verständnis des Deutschen Kinderschutzbundes erteilen Kinder ihren Eltern eine Auftrag: „Schütze mich und zeige mir, wie man lebt!“. Der anleitende Erziehungsstil beinhaltet, dass Schutz kein emotionales Gefängnis werden soll und das „zeige mir wie man lebt“ hauptsächlich durch das elterliche Vorbild geschieht. Der anleitende Erziehungsstil ist demokratisch und kooperativ. Die Kinder übernehmen allmählich, ihrem Entwicklungsstand entsprechend, Verantwortung für ihr Handeln und ihr eigenes Leben. Sie lernen ihren eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vertrauen und Kooperationsbereitschaft und Kreativität zu entwickeln. Der anleitende Erziehungsstil will den Kindern Möglichkeiten aufzeigen, wie sie für sich selber Orientierung in einer sich stets verändernden Welt finden können.

Kinder brauchen Erprobungsräume, in denen sie selbst zu Akteuren ihrer eigenen Erfahrungen und Lernprozesse werden. In Alltagssituationen sollen sie Lernthemen und Schwerpunkte entsprechend ihrer Lebenssituation und ihres Entwicklungsstandes auswählen und ihr eigenes Tempo bestimmen können.

Im Rahmen des anleitenden Erziehungsstils wird dem Kind dieser Freiraum gewährt. So soll es eher in die Lage versetzt werden, bei sich verändernden Lebensbedingungen zweckmäßig Entscheidungen zu treffen. Die von vielen Eltern in den Kursen immer wieder genannten Erziehungsziele Selbständigkeit, Selbstbewusstsein und Sozialverhalten sollen so erreicht werden.

4. Das 5-Stufen-Modell

Das anleitende Erziehungsmodell wird in fünf aufeinander aufbauenden Stufen erklärt, erprobt und geübt, die gleichzeitig den roten Faden des Kurskonzepts bilden[6]:

1. Klärung der Werte und Erziehungsvorstellungen in der Familie
2. Festigung der Identität als Erziehende
3. Stärkung des Selbstvertrauens, zur Unterstützung der kindlichen Entwicklung
4. Erlangen klarer Kommunikationsregeln in der Familie
5. Befähigung zur Problemerkennung und -lösung.

Jede Stufe verfolgt ein definiertes Ziel, dass durch die gemeinsame Arbeit erreicht werden soll. Dabei stellt jedes Stufenziel die Voraussetzung für die folgende Stufe dar:

1. Klare Werte
2. Selbstkenntnis und klare Identität
3. Selbstvertrauen
4. Fähigkeit Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken
5. Kooperationsfähigkeit und Verantwortungsgefühl

Zu den fünf Stufen gehören fünf Grundsätze, die im Verlauf der Kurseinheiten sowohl inhaltlich gefüllt, als auch praktisch geübt werden:

1. Verändere zuerst dein Verhalten – nicht die Anderen müssen den ersten Schritt tun!
2. Alle Gefühle sind erlaubt und werden akzeptiert – aber nicht alle Handlungen
3. Probleme kannst du nicht für andere lösen – nur dabei helfen
4. Feedback fördert Selbstkenntnis
5. Eine Gruppe ist mehr als die Summe ihrer Teile.

Das 5-Stufen-Modell wird den Eltern zu Beginn des Kurses vorgestellt und die Fortschritte im weiteren Verlauf immer wieder dazu in Bezug gesetzt.

5. Das zugrunde gelegte Menschenbild

Das Menschenbild von „Starke Eltern – Starke Kinder“ steht in deutlicher Nähe zum Menschenbild der humanistischen Psychologie. Das Individuum ist grundsätzlich in der Lage, mit allen Aspekten seines Lebens konstruktiv umzugehen. Sein Selbstentfaltungswille darf nicht behindert, sondern muss unterstützt werden.

[...]


[1] Vgl. Kinderschutzbund Aktuell 3/2003

[2] Vgl. Honkanen-Schoberth, Paula / Jennes-Rosenthal, L.; Starke Eltern – Starke Kinder, Elternkurse des Deutschen Kinderschutzbundes, Wege in eine gewaltfreie Erziehung, Handbuch für Elternkursleiterinnen und -leiter, Eigenverlag des Deutschen Kinderschutzbundes Bundesverband e.V., Hannover, 2002, S. 2

[3] Vgl. Honkanen-Schoberth, P. / Jennes-Rosenthal, L., 2002

[4] Vgl. Honkanen-Schoberth, P. / Jennes-Rosenthal, L., 2002, S. 12

[5] Vgl. Honkanen-Schoberth, P. / Jennes-Rosenthal, L., 2002, S. 16

[6] Vgl. Honkanen-Schoberth, P. / Jennes-Rosenthal, L., 2002

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
„Starke Eltern – Starke Kinder“. Das Elternkurskonzept des Deutschen Kinderschutzbundes
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V275038
ISBN (eBook)
9783656671442
ISBN (Buch)
9783656715986
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
starke, eltern, kinder, elternkurskonzept, deutschen, kinderschutzbundes
Arbeit zitieren
Beate Brinkmöller (Autor), 2005, „Starke Eltern – Starke Kinder“. Das Elternkurskonzept des Deutschen Kinderschutzbundes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275038

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